Samstag, 25. Mai 2019

Ausgebrannt und Stillstand

Im Moment fliegt mir irgendwie alles um die Ohren. 
Vom Himmel hoch jauchzend zu Heulen ohne Grund. Das geht aktuell von Null auf Hundert.

Der letzte Termin bei meinem Urologen und das Verhalten meiner Mitmenschen haben mich aus der Bahn geworden. Meine einstige Stärke hat große Risse bekommen... Irgendwo fehlt ein Stützpfeiler in meinem mühsam aufgebauten Konstrukt aus Lachen und Hoffnung und Leben. Mein Selbstschutz wackelt.

Diese scheiß Panikattaken sind meine nächtlichen Begleiter. Am Tage bekomme ich sie in den Griff, aber nachts sind die Dämonen da. Ich schrecke auf, das Herz bubbert wie wild, ich bin schweißgebadet, geschlafen und doch  nur hundemüde, schleppe ich mich durch die Tage. Allgemein habe ich momentan ein extremes Bedürfnis nach Schlaf. Manchmal fallen mir im Sitzen beim Fernsehn, Lesen oder Autofahren die Augen zu. Einfach so. Tückisch. Irgendwie bekomme ich nichts auf die Reihe und alles was ich anfange breche ich meistens mittendrin ab. 

Der letzte Termin beim Urologen hat die Sache noch verschärft. Er hat sich nur das letzte CT  vom März angeschaut, den Tumormarker will er nicht bestimmen, ebenso möchte er auch kein Blut abzapfen, außer seinem üblich schnell mal die Nieren schallen passiert nichts weiter. Stattdessen greift er zum Hörer, ruft in der Radiologie an und bittet um einen zeitnahen Termin für ein weites CT. Meine Lymphknoten sind auffällig geschwollen. In der linken Leiste ist er um über einen cm größer als vorher. Meine Beine sind manchmal trotz Kompressionsstrümpfe unbeweglich und doppelt so dick wie einst. Mein Allgemeinbefinden ist ziemlich grenzwertig, ich bin dauer müde und schlapp, nimmer leistungsfähig, schnell erschöpft und habe Schmerzen.
Mit einem "Dann hoffen wir mal dass sich nichts Neues gebildet hat" entlässt er mich.
Am 04.06 Nachmittags ist der neue CT Termin...
mir geht der Allerwerteste sowas von auf Grundeis :( 
Blanke Angst, was ist wenn, ich stehe dass nicht nochmal durch. Ich pack das nimmer... ich will das nimmer !

Kurz darauf treffe ich eine alte Bekannte. Sie beschwert sich dass ich mich ja nie melde, wir wollten doch längst mal gemeinsam Kaffee trinken. Ach und auf der Arbeit sei ich ja auch nicht, meine Kollegen hätten ihr gesagt dass ich krank sei. 
Sie macht sich aber nicht die Mühe mal nachzufragen was denn los ist, stattdessen erzählt sie 20 Minuten von ihrer bösen Erkältung, die der Familie, und dem ach so gefährlichen Kratzer ihrer Katze auf dem Arm. Ja mensch... höchst gefährlich und wenn ich das nicht verstehe, wer denn dann ?
Nach dieser ganzen Arie des bösen Lebens kommt sie doch mal auf die Idee mich zu fragen was mir mit los ist. Leider kann ich es mir nicht verkneifen ein wenig sarkastisch zu reagieren:
"Och danke eigentlich soweit gut, ich habe nur ein bisschen Krebs, aber wollen wir nicht bei einem Kaffee weiterplaudern ?" Idealerweise stehen wir gerade neben einem Cafe. 
Was dann folgt kenne ich zur Genüge:
Ein Blick auf die Uhr, und weg ist sie. Einkaufen und Mittagessen vorbereiten für die Familie. 
Ich möchte ihr noch hinterher rufen dass es aber nicht ansteckend ist, lass es dann aber bleiben und stattdessen mache ich mich schweigend vom Acker und daheim muss ich erst mal Heulen. Heulen, Heulen und noch mehr Heulen. 
Ich bin so wütend, so verletzt, irgendwie angeschossen ! Ich bin doch nicht aussätzig ! 
Aber diese Reaktion kenne ich mittlerweile leider doch zur Genüge.
Meine Therapeutin sagt, die Dame kam wohl mit meinem Sarkasmus nicht klar. Ich allerdings glaube viel eher dass es an diesem bösen Wort KREBS lag. Das schreckt die Menschen ab. Es ist ja nicht das erste Mal dass ich so etwas erlebe. 

Nein, mir geht es im Moment nicht gut. ich trete auf der Stelle. Komme nicht nach vorne, hänge irgendwo in mir fest. 
Alles was bleibt ist die Hoffnung das es zumindest ein Stillstand gibt. Das meine körperlichen Einschränkungen nicht weiter zunehmen, das mein Inneres wieder zur Ruhe kommt. Das mein CT gut ausfällt. Das die Angst wieder verschwindet. Das Menschen mich irgendwann mal so nehmen wie ich bin. 

ich bin ausgebrannt ... 

Mittwoch, 15. Mai 2019

Wartezeit 2-3 Jahre !


Da rufe ich eben bei einem Schmerztherapeuten an um einen Termin zu vereinbaren. 
Dass ich unter Umständen vielleicht eine längere Wartezeit haben werde, bin ich auch schon von vielen anderen Praxen gewohnt ! Dieses innerhalb von 4 Wochen muss der Arzt Ihnen einen Termin gewähren zählt ja eigentlich nur auf dem Papier.


Als die nette Dame mir am Telefon aber mitteilt dass ich dann auf die Warteliste komme, werde ich stutzig. 2-3 sagt sie. Ich sage Monate ? Erscheint mir ja noch relativ normal. 
2-3 JAHRE ! Erwidert diese. Unfassbar !!! Ich bin sprachlos... ! Und WÜTEND !
Dank einem guten Tip werde ich nun versuchen das Ganze ein wenig zu beschleunigen. Aber da haut es mich wirklich von den Socken. 

2-3 Jahre. ! 

Sonntag, 5. Mai 2019

Erinnerung




5 Mai....

Heute vor einem Jahr saß ich beim Arzt.
"Entspannen Sie sich Frau Deichkind. Ein Ultraschallbild sagt doch noch nichts aus.
 Es wird was völlig harmloses sein. Sie sind noch viel zu jung für böse Krankheiten"

Ich wollte ihm wirklich glauben - und ich wünschte sehnlichst er hätte einfach Recht behalten ! 

Ich lebe noch...ich kämpfe jeden verdammten Tag, manchmal fehlt mir die Kraft dazu,
 aber ich habe keine andere Wahl.
Manchmal wünschte ich mir wenigstens für einen kurzen  Moment mein altes Leben zurück.

Mein Kaffee schmeckt wieder einmal beschissen gerade ! :(