Mittwoch, 1. August 2018

Verdünnter Kaffee schmeckt blöd

Heute ist ein komischer Tag...heute vor einem Jahr lag ich genau um diese Zeit im Krankenwagen und bekam gesagt dass ich einen schweren Herzinfarkt hätte.
Nun, genau 365 Tage später sitze ich hier, habe Schmerzen und bin dennoch dankbar diese OP hinter mich gebracht zu haben.
Innerhalb von 365 Tagen hat mich das Leben zweimal auf eine harte Probe gestellt und eigentlich müsste es das Leben nun begriffen haben dass ich noch nicht bereit bin kampflos aufzugeben.

Puhhhhhhh ich hab gerade Pi in den Augen und verdünnt schmeckt der Kaffee wirklich blöd.... !!!

Dienstag, 24. Juli 2018

Überfahrene Waschbären

Nach 6 Tagen Intensivstation 
bin ich zurück auf meiner Normalstation.
Ich fühle mich wie ein überfahrener Waschbär -
 der Liebste sagt ich sehe auch ein bisschen so aus.
ABER
 es baumelt kein Zettel an meinem Fuß !

Ein durchaus erstes gutes Zeichen !
DANKE für die vielen Wünsche zum letzten Post.😊

Ich bin dann mal noch ein paar Runden schlafen.

Dienstag, 17. Juli 2018

Die Reise geht los

Foto©https://deichkindsreallife.blogspot.com/

Ich sitze zum vorerst letzten Mal am Wasser.
Stecke die Füße hinein, 
höre den Möwen zu,
lasse die Gedanken kreisen,
atme ein, atme aus 
und schmecke den salzigen Wind auf meinen Lippen.

Bitte lass alles gut werden ! 

Leise rollen Tränen über mein Gesicht 
und ich fühle mich zerrissen, 
schwach und zugleich so hoffnungsvoll !

Ich will das mein Liebster sein Lachen wiederfindet,
will erleben wie seine Sorgenfalten verschwinden,
will das meine Eltern sich nicht mehr um ihr Kind sorgen müssen,
will erleben wie mein Kind seinen Weg findet,
will doch nur noch Zeit haben....

Zeit zum Leben !

Will bald wieder hier sitzen und die Füße ins Meer stecken,
den Wind auf meinen Lippen spüren.
Das Salz schmecken....dass vom Meer, 
und nicht das meiner Tränen.

Ich habe Angst vor dem was nun kommt.
Der letzte Koffer ist gepackt, 
alles ist bereit.
Morgen früh geht die Reise los.
Mit wahnsinnig viel Hoffnung im Gepäck.


Sonntag, 15. Juli 2018

Entschuldigung...ich lebe

 © https://deichkindsreallife.blogspot.com/

Irgendwie habe ich das Gefühl dass mir die Zeit weg läuft. Ich habe noch so viele Dinge zu erledigen, möchte noch soviel erleben, und der Tag hat leider immer nur 24 Stunden. Tatsächlich sind die Dinge die ich noch machen möchte, alles positive Sachen die mir Kraft geben. Aber noch nie rannte die Zeit schneller als jetzt !

Freitag traf ich mich mit meiner Schwägerin. Aus mal eben schnell einen Kaffee zusammen trinken, wurden etliche Stunden. Der Liebste hat in der Zeit den Baumarkt geräubert und kam zurück mit gefühlten 27 Tsd Schrauben 300 Brettern und Farbe und Laminat für 10 Zimmer und diversem Zeugs was Man(n) eben so braucht wenn er nur das Büro und die Diele neu renovieren möchte. Unser heimischer Obi-Markt in der Garage, in dem aus eben diesem Grund noch nie ein Auto stand, ist wieder prall gefüllt.  
Während ich im Krankenhaus sein werde, will er daheim anfangen endlich die  Renovierungsarbeiten in Angriff zu nehmen. Finde ich gut. Es lenkt ihn ab und ich steh ihm nicht im Weg herum. Was wir uns sonst wunderbar ergänzen - harmoniert dies bei Renovierung oder Gartenarbeit so gar nicht mit uns. Ich habe auf Lebzeiten Sekundenkleber-Hammer und Nagelverbot....mehr möchte ich eigentlich dazu nicht sagen ;) 
(Außer dass der Vorhang in meiner damaligen Wohnung tatsächlich 4 Jahre lang an der Wand hielt. Als ich dann auszog, war ich sehr froh dass der Liebste zudem auch gut verputzen kann ☺ )

Freitagabend zaubere ich uns ein leckeres Abendessen mit viel Fleisch, frischen Champions und Zwiebeln,  Kroketten und diversen Dips. Mit zwei guten Krimis, und einem fetten Eisbecher, lassen wir den Abend ausklingen. Der Freitag ist dann also auch schon um. 

Gestern gab es dann beinahe leichte Reiberein zwischen dem Liebsten und mir.  
Ich wollte eigentlich ein bisschen raus das Land und Wetter genießen. In den Koog und ans Meer, Seeluft tanken und durchatmen. Außerdem wollte ich zum Friseur und nach neuen Sneakers schauen. Trotz mehrmaligem "Betteln" zog er seine Arbeitsklamotten an und stiefelte aber in den Garten. Wenn ich bockig bin dann ziehe ich mich zurück...so stand er also im Garten und ich lümmelte frustriert auf der Couch umher. Körperlich viel machen darf ich im Moment nicht, obwohl ich am Liebsten vor lauter Frust schon den Teppich herausgerissen und die Schränke ausgeräumt hätte. 
Ich war stinkig, aber so richtig !
Irgendwann wurde es öde und ich schnappte mir einen frisch aufgebrühten Kaffee und gesellte mich zu dem Liebsten in den Garten um die weiße Friedensfahne zu hissen. 
Kaffee und Fahne waren eine gute Idee. Wir schnackten miteinander und er zeigte mir was er für neue Bauprojekte im Garten vorhabe. 
Währenddessen fuhr ein Auto auf den Hof. Ich dachte es sei der Nachbar, drehte mich also auch nicht um weil mir das nicht wichtig erschien. Das Grinsen im Gesicht des Liebsten irritierte mich allerdings schon ein wenig. 
Kurz darauf hörte ich Hundegebell. Moment mal....Hundegebell...unsere Nachbarn haben keinen Hund ?!
Da standen also plötzlich MEINE Eltern auf unserem Hof. Überraschung ! Mal eben einfach so 600 KM gefahren nur damit wir uns nochmal 3 Stunden sehen können. Lediglich der Liebste wusste dass sie kommen würden. Dies erklärte nun auch sein Verhalten. 
Weltbeste Eltern, und bei der Wahl meines Gatten alles richtig gemacht ! 

Und so nahm der Nachmittag gestern doch noch eine wunderschöne Wendung. Leider vergingen diese 3 Stunden viel zu schnell und meine Eltern mussten wieder los. Was hätte ich darum gegeben einfach die Zeit anhalten zu können. Dennoch hat mir dieser kurze Besuch soviel Kraft und Hoffnung gegeben. Kann man mit Worte einfach nicht beschreiben. !!!

Am Abend bekam ich dann doch noch meine Rundfahrt durch den Koog und einen Sonnenuntergang am Meer mit dem Liebsten ;) 

Heute Mittag werden wir Sneakers kaufen, Freunde treffen, lecker mit meiner Schwägerin essen und einen Spaziergang am Meer machen und das Leben genießen.  

In mir manifestiert sich immer mehr nur ein einziger Wunsch:
Ich möchte einfach noch ganz viel Zeit haben zum Leben. Zeit für schöne Dinge ! 

Freitag, 13. Juli 2018

Der Kaffee schmeckt heute nicht

Aufzuwachen und sich zu fragen ob man noch schläft oder wach ist , wer kennt es nicht.

Aber aufzuwachen und sich zu fragen ob man noch lebt oder vielleicht doch schon tot ist,
ein echt richtig beschissenes Gefühl :( Ich bin gerädert. Schlaf ohne Erholung. Heute bin ich wackelig. Der Kaffee schmeckt mir nicht und irgendwie störe ich mich gerade selber. 

Die Nacht war sehr unruhig. Vielleicht lag es auch an so vielen Dingen die mich gerade beschäftigen.
Gestern Abend musste der Liebste mit seinem Chef telefonieren. Ich darf im Moment nicht alleine bleiben da wir nie wissen wann es wieder kritisch wird und ich somit umgehend in die Klinik muss. (Einzelheiten dazu erspare ich euch weil - nicht schön - nicht appetitlich . Punkt

Als er mit den ersten Sätzen erzählt was gerade Phase ist kribbelt es schon leicht in meinem Magen.
Als ich ihn dann aber sagen höre:
"Stell Dir das Schlimmste vor und pack noch eine Schippe drauf" brechen meine Dämme.
Denn mein sonst so taffer und stabiler Liebster hat eine ebenso große Angst wie ich. Alleine seine Tonart während er telefoniert bringt mein Herz zum Beben. Ich kann ihm diese Angst nicht nehmen :(
Und ehe ich mich versehe gehen meine Schleusen auf und ich muss mal eine Runde fürchterlich abheulen. Aber nur kurz, dann habe ich mich wieder gefasst. Nase putzen, Krone richten, Kopf hoch - weiter geht es. 

Ich hab im Leben nicht so arg viel erreicht. Ich war aus der Kategorie : Kind zu verschenken, wenn mein Sohn nur annähernd so schlimm gewesen wäre wie ich, hätte ich ihm die Hammelbeine lang gezogen. Aber sowas von !
Ich bin nur gelernte Einzelhandelskauffrau und habe weder ein Haus gebaut noch mehr als ein Kind lebend bekommen. Ich fluche, benutze böse Wörter, streite auch gerne mal aus Lust und Langeweile, vertrage mich aber genauso gerne wenn ich mit jemanden im Klintsch liege. Schminken finde ich ok, reicht aber wenn es nur zu besonderen Anlässen ist. Klamotten müssen adrett aber bequem sein, Schuhe besitze ich nur wenige und die sind meist sportlich und Handtaschen finde ich absolut grauenvoll. Dafür habe ich einen Nagellacktick und meine Fingernägel mache ich seit geraumer Zeit dezent selber. Ich bin vernarrt in meinen Liebsten und meinen Sohn und meine 3 Plüschpopos, liebe gute Musik von A-Z, und gegen gutes Essen, vor allem Richtung Fleisch, habe ich leider niemals etwas einzuwenden.  Zudem finde ich das Gemüse und Pommes eigentlich nur zu Dekozwecken dienen. 

Alles in allem bin ich zwar eine Frau, aber keine Püppi 
und in erster Linie bin ich MENSCH.

Aber hey....ich bin seit 3 Jahren Admine einer Facebookgruppe unseres schönen Kreises ;) 
Immerhin.... :) 

Zurück zum Thema.
In der besagten Gruppe ist mir auf Grund der letzten Wochen einfach schlichtweg entgangen das unser Titelbild immer noch ein Winterbild mit Schnee und Eis ist. Mitglieder die hinzugefügt werden wollten, mussten leider sehr lange auf eine Bestätigung warten, und generell habe ich mich dort sehr rar gemacht. Nachdem gestern dann mal eine "Beschwerde" in mein Postfach flatterte, sah ich mich genötigt eine kleine Stellungnahme zu schreiben. 
Ich habe nicht geschrieben was genau los ist, nur eben dass ich derzeit eben gesundheitlich verhindert bin, mir ein 3 wöchiger Krankenhausaufenthalt bevorsteht, danach die Reha, und einige Dinge einfach eben länger brauchen.  Sie möchten bitte ein bisschen nachsichtig sein. Viele gute Wünsche erreichten mich und durchweg nur Verständnis. Die Menschen die über die Diagnose Bescheid wissen, schrieben sehr herzliche Sätze aus denen hervorgeht dass es sich eben nicht nur um einen Schnupfen handelt. (obwohl mir dieser eindeutig lieber gewesen wäre)
Einige Reaktionen in mein Postfach haben mich aber auch erschüttert.

MH schrieb mir, sie sei letzte Woche im Krankenhaus gewesen. Brustkrebs mit 49. F**k Dich Krebs. Es ist so ungerecht ! Bisher sagen die Ärzte dass sie mit einer Strahlentherapie davon käme. Sie kämpft und hofft. Ich kann ihr gerade so arg nachempfinden. 

MB schrieb mir...wenn wir irgendwas bräuchten sollen wir uns bitte melden. Egal ob es wegen der Plüschpopos sei, oder weil wir jemand zum Reden bräuchten. Wir alle zusammen haben gerade ihre beste Freundin beerdigt und trotzdem hat sie die Kraft für uns da zu sein. Welch eine Größe !

Und da kommen wir zu dem Punkt der mich auf der einen Seite sehr wütend macht aber dennoch auch einfach nur schmerzt.
In dieser besagten Gruppe ist auch meine ehemals beste Freundin. Ich habe zwar viele Bekannte, aber zu wirklichen Freunden zählte ich nur A. und Caro. Caro ist seit der Diagnose (und auch vorher schon) immer für mich da, wir lachen und weinen gemeinsam, sind eben füreinander da wie es unter Freunden auch sein sollte.

A. lernte ich vor einigen Jahren kennen. Wir hatten die selben Ansichten was Familie, Kinder und generell das Leben betrifft. Wir hatten die selben Ansichten was Ehrlichkeit, Vertrauen und Loyalität betrifft. Wenn es einer von uns schlecht ging war die andere sofort zur Stelle. Über viele Jahre hinweg. Wir feierten manch feuchtfröhliche Party und telefonierten miteinander und trafen uns oft und sehr regelmäßig. Caro war mit im Boot, und wir waren ein wunderbares Dreiergespann und auch der Rest unserer Familien verstand sich perfekt miteinander.
Bis letztes Jahr.
Ich weiß bis heute nicht was A. so veränderte. Ihr Partner wurde krank, seine Firma ging in Insolvenz, und wer Kinder hat weiß wie teuer ein Leben sein kann. Caro und ich haben nicht eine Sekunde drüber nachgedacht und einfach geholfen. Finanziell und materiell und auch emotional. Viele Stunden und Wochen haben wir sie getröstet, Tränen getrocknet, und gemeinsam versucht zu helfen so gut es ging. So ist das eben unter Freunden. Dachten wir !

Dann kam mein Herzinfarkt und ein paar Wochen darauf der Tot meines Schwagers. Die eigenen Prioritäten im Leben verschieben sich nach solchen Ereignissen.
Wir trafen uns nicht mehr so oft, denn man merkte das A. mit dem Thema Tod , Trauer und Krankheit nicht umgehen konnte. Mir war zu diesem Zeitpunkt dann auch nicht mehr nach Feiern und Trinken und Jubeln, zumal ich böse am Verdrängen litt. Alles was ich bis dahin auf die Seite lächelte, holte mich mit einem Schlag ein, ich verfiel in eine böse Depression und kämpfte mit Panikattacken und meiner täglichen Angst. Mein Leben bestand eine Weile aus Tagesklinik und daheim sein. Mehr war mir nicht möglich. Zudem steht meine Familie an oberster Stelle in meinem Leben, und die brauchte mich , genauso wie ich sie brauchte. Da war nicht mehr viel Zeit für andere Dinge.

Also grenzte A mich immer mehr aus, rief nimmer an, kam nicht mehr vorbei und zog sich von mir immer mehr zurück und traf sich nur noch mit Caro. Aber auch bei Caro spielt das Leben oft derbe Streiche und auch sie hat ihr Päckchen mit sich zu tragen. Und so erging es Caro dann letztendlich wie mir. Sie stand plötzlich ohne A. da. Von der einstigen Hilfe kam nichts zurück. Wir standen beide vor einem riesen Fragezeichen. Trotz mehrfacher Nachfrage was los sein, sie könne mit uns reden, so wie wir es immer getan hatten, kam einfach schlichtweg nichts mehr ! Pure Ignoranz. Wir haben irgendwann aufgehört uns zu bemühen und gedacht es renkt sich wieder ein. Vielleicht braucht auch alles nur seine Zeit.

Nun lag ich vor 4 Wochen das erste Mal im Krankenhaus. In meinen WhatsApp Status postete ich ganz bewusst mein Krankenhausbändchen und schrieb:
Ich könnte jetzt mal etwas Halt gebrauchen. (Ja ich weiß...Männer werden an dieser Stelle vermutlich den Kopf schütteln, Frauen sind halt manchmal merkwürdig ;) )
Aber ich machte dies ganz bewusst. Und dann passierte genau das was ich mir gewünscht hatte.
A. schrieb mir und fragte was los sei. Ich schrieb ihr in kurzen Sätzen von dem kleinen Scheisser. Wir schrieben ein wenig hin und her und zum Abschluss schrieb ich noch dass ich sie vermisse und mich gerne nach der Klinik auf einen Kaffee mit ihr treffen wollte. Ja das würden wir unbedingt machen schrieb sie mir zurück.
Das war das Letze was ich von ihr las.

A. ist auch in dieser Gruppe...A. ist dauerhaft online und hat immer das Handy in der Hand, also hat A. auch diesen Text gelesen, die Reaktionen gesehen. Sie weiß also dass es wohl etwas ernster bei mir ist. Trotzdem hat sie sich nicht gemeldet.
Nicht einmal kam in den letzen Wochen wenigstens mal die Frage wie es mir geht. Ob ich alles gut überstanden hab. Einmal die Woche kommt sie auf unseren Hof, leiht sich unseren Hänger aus, bringt die Zeitung, und dann den Hänger wieder zurück. Nicht einmal hat sie geklingelt wenn unser Auto auf dem Hof stand. Nicht einmal haben wir Kaffee getrunken und uns vielleicht mal ausgesprochen. Es ist gerade als hätte es sie nie gegeben :(
Und es fühlt sich Scheiße an !

Liebe A. : ich vermisse Dich. !  --- ich vermisste Dich ! 
aber in erster Linie bin ich MENSCH !

Ich werde Dir nicht mehr hinterherlaufen - aber verstehen kann ich Dich auch nicht mehr. Du bist mir fremd geworden.

Mein Kaffee schmeckt mir nicht---und eigentlich könnte ich gerne nochmal zu Bett gehen. Decke über den Kopf, Gedanken abschalten.

Donnerstag, 12. Juli 2018

MUSS ich mal aufgreifen



In meiner Leseliste findet ihr den Link zum Soulweeper.
Er hat vor Kurzem einen so tollen Beitrag gepostet der mir einfach keine Ruhe lässt und den ich hier nochmal aufgreifen möchte.  Vom Gänseblümchen .

Seit letztem Jahr weiß ich mehr denn je was es bedeutet da zu sein, zueinander zu stehen, in guten wie in schlechten Zeiten. In Freude, Leid und Schmerz.
Wir hatten letztes Jahr einen Trauerfall in der Familie. Elendes Sterben über acht Wochen hinweg. Mein Schwager. Viel zu jung und ein herber Verlust für die ganze Familie. Meine Schwägerin stand plötzlich alleine mit einem autistischem Kind. Kaum war mein Schwager unter der Erde kümmerte sich niemand aus der Familie um meine Schwägerin. Widerliches Verhalten. 
Es kamen Hochzeitstag, Weihnachten, Silvester und Ostern. Es kamen Trauer, Krankheiten, Sorge um den Sohn, finanzielle Sorgen und sonstige übliche Probleme. 
Was aber nicht kam war Hilfe. 
Kein: "Wie geht es euch. ?" 
Kein: "Kann ich euch helfen. ?" 
Versprochen haben sie es alle, gehalten hat es keiner. 
Dabei hat sie nicht viel verlangt, hat nie geklagt. 
Ein einfaches "hey ich komm mal zum Kaffee und Reden vorbei". 
Mehr hat sie gar nicht gewollt - es hätte ihr vielleicht ein paar Tränen und Einsamkeit und das Gefühl von Alleine sein ersparen können. 
Geblieben sind nur wir von der Familie. 
Sie, ihr Sohn, der Liebste und ich. 
Eine Einheit die sich gegenseitig Halt gibt.
Auch jetzt ! 


Und auch jetzt wieder das beste Beispiel.
Ich werde oft gefragt wie ich meinen Humor behalten kann, wieso ich so ruhig und gelassen bin.
Soll ich euch mal was verraten ?
Mir geht der Arsch verdammt arg auf Grundeis, und in Wirklichkeit bin ich oft kurz vorm "Keine-Luft-mehr-bekommen", auch meine Nächte sind beschissen und eigentlich finde ich das alles so RICHTIG zum Kotzen ! 
Aber dann sind da Menschen die mich auffangen, die für mich da sind, die sich einfach ins Auto setzen, mit mir einen Kaffee trinken, mich in den Arm nehmen und mir mein Lachen zurück bringen.
Da sind gerade Menschen die mich spontan anrufen:
"Ich bin auf Deiner Ecke, lass uns was Essen gehen"
"Ich komme nach Feierabend auf einen Kaffee vorbei" (Ja ich bin ein Kaffeejunkie ;) )
"Ich komm Dich im Krankenhaus besuchen, dann mischen wir die Bude auf"

DAS ist Hilfe. Es kostet nicht wirklich etwas, es kostet vielleicht ein wenig Zeit. Aber mehr auch nicht. Aber diese Zeit ist so unglaublich wertvoll und hilfreich. Nehmt sie euch. Und wenn es nur für 10 Minuten sind. Ehrliche Worte, ehrliche Wertschätzung sind manchmal der beste Therapeut und die gesündeste Medizin.


Persönliche Randnotiz:
In diesem Sinne liebe A. Danke für viele schöne Jahre. Eine Freundschaft besteht aus 
Geben und Nehmen und nicht Nehmen und Gehen ! 
Schon gar nicht wenn man am Meisten gebraucht wird ! 
Ich wünsche Dir von Herzen dass Du niemals diese Erfahrung im Leben machen musst ! 

Dienstag, 10. Juli 2018

Erstens kommt es anders....

...zweitens schneller als man denkt. 

Ich freute mich sehr auf Freitag, auf den Besuch meiner Cousine, auf das Meeresleuchten am Abend am Strand, zu dem der Liebste und ich beide endlich mal gemeinsam frei gehabt hätten.
Ich freute mich auf ein entspanntes und schönes Wochenende. 

Aber wie es so ist im Leben....es kommt meistens anders. So auch diesmal.
Gerade sind die Kuchen ausgekühlt und das Essen für Freitag vorbereitet, als ich zu Bett will. 
Zwei Stunden später finde ich mich aber mit einem kompletten Verschluss der Blase in unserer Notaufnahme wieder. Das übliche Prozedere, Blase wieder frei bekommen, 4 Tage liegen. 
Danke auch.

Die Station ist ok, das Essen durchaus annehmbar, Netflix und ich sind nun die besten Freunde, Besuch bekam ich auch genug, lediglich der Ort war falsch. Daheim wäre eindeutig schöner gewesen. 

Und wenn ich schon mal da bin, kann man das Tumor Konzil ja auch gleich vorziehen. Ich darf den Liebsten noch dazuholen und dann geht es los.  

Es ist erstaunlich wie freundlich Dir Menschen gesinnt sind, wenn Du mit solch einer Diagnose in solch einem Alter vor ihnen stehst. 
Am Besten gefiel mir die Schwester beim Anästhesiegespräch. 

"Frau Deichkind...ich möchte Sie gerne an jedem Tresen der Welt wiedersehen, dann trinken wir einen zusammen, aber hier an diesem Ort will ich sie nie wieder zu Gesicht bekommen.Verstanden ?"

Jepp hab ich, liegt aber ja nicht in meiner Hand ;)

Das Anästhesiegespräch geht über eine Stunde, aber mir sind einige Sorgen genommen, denn ich bin dort bestens aufgehoben. 

Dann geht es zum Konzil.
Der Oberarzt schaut mich lange an, schüttelt den Kopf, und sagt mir das dies nun die letzte Hürde sei, und ich dann aber wirklich mal oft genug hier geschrieen hätte, und es damit dann auch mal gut sein muss. 
Ganz meiner Meinung.

Er bespricht mehrere OP Möglichkeiten mit uns. Bei einigen sträuben sich mir sämtliche Nackenhaare. Ich wollt gesund werden aber das Elend nicht noch vergrößern. Das sieht er zum Glück genauso und auf Grund meines Alters haben wir auch anderer Optionen.
Nun sieht es also so aus dass ich vermutlich endlich wieder rattenschlank werden könnte. 
Ja....nach der OP passen mir meine 36 Klamotten wohl wieder....ein Traum :D
Wir einigen uns nun darauf:
Die Blase, die Gebärmutter, der linke Eierstock, der Blinddarm, Lymphknoten und 30 cm Darm werden mir nächste Woche in einer ca. 6 stündigen OP entnommen. Was soll man auch mit soviel Gedöns. Braucht eh kein Mensch. 
Ich frage ihn warum so viel Zeugs raus muss. Er erklärt mir dass man meine Blase vergleichen könnte mit einer Wand. 
Tapete - Putz - Mauer. Der kleine Scheißer hat die Mauer erreicht, bei der OP wird sich noch rausstellen ob er sie auch bereits durchbrochen hat. Und da ich noch ganz alt werden will, nimmt man vorsichtshalber alles nahe liegende mit raus falls irgendwo schon Metastasen vorhanden sind. 
Diese Sorge kann er mir leider auch nicht nehmen, denn alles was sie entnehmen wird nochmal eingeschickt in die Pathologie und mikroskopisch untersucht. Finden sich dort tatsächlich Metastasen bleibt mir auch eine Chemo nicht erspart. Also von wegen raus mit dem Zeugs- Gefahr gebannt, dem ist leider noch nicht so. Aber trotz allem bin ich erst einmal optimistisch. 

Danach darf ich zur Reha, und da kommen wir wieder zu dem Punkt das Krebspatienten doch irgendwie etwas netter behandelt werden. Ich habe einen Wunschort und promt schreibt er diesen auf und sagt dass wir das hinbekommen. Wie toll , ich freue mich. 

Nach den Gesprächen durfte ich nach Hause. 
Nun habe ich nochmal eine Woche zum durchatmen daheim. 

Erstaunlich finde ich mich selber gerade. Während mein Umfeld in Panik versinkt, bin ich die Ruhe selber. Es ist wie es ist, und wir müssen das Beste darauf machen. Natürlich finde ich das alles nicht lustig, und natürlich habe ich auch mal schwache Momente, aber dennoch habe ich den festen Glauben dass sie mir helfen können. Ich habe noch unendlich viele Ziele im Leben, und Träume und Wünsche, und an die klammere ich mich gerade sehr und will sie noch erreichen. Der Arzt sagte mir ohne OP bleiben mir nicht mal mehr 10 Jahre, mit OP kann ich unter Umständen aber noch recht ein paar Jahre schaffen.

Also Augen zu und durch und hoffen und auf schöne Dinge freuen. 
Und irgendwie wäre es ja auch echt blöde wenn der Blog nach so kurzer Zeit schon wieder unbeschrieben bleiben würde ;) 

Donnerstag, 5. Juli 2018

Büsschen bekloppt ist man ja !

Der Befund liegt uns vor. 6 g Gewebezeugs haben sie entnommen. 6 g sage ich zu dem Liebsten, ist ja nicht so wild und nur ne minimale Menge.
Doch sagt er, 6 g sind eine Menge und definitiv nicht wenig.

Und was mache ich heute ? Stehe an meiner Küchenwaage und schaufel 6 g feinstes Gelee Katzenfutter darauf. Ohhhhhh ...ist ja doch nicht so arg wenig.
Mit der Waage in der Hand laufe ich zu dem Liebsten um ihm das zu zeigen.
Er schaut mich etwas irritiert an und sagt
"Das musstest Du jetzt unbedingt wissen oder ? Nen büsschen bekloppt biste ja"
Vielleicht hat er Recht. 
Ach was solls ;) 


Bekloppt ist auch meine Cousine die mich heute morgen in aller Herrgottsfrühe mit dem Telefon aus dem Bett klingelt. Sie hat gestern mit meinen Eltern telefoniert, und mein Paps hat "gepetzt".
Und weil sie das alles so unfassbar fucking mistig findet hat sie sich kurzerhand ihren Mann geschnappt und nun sind die beiden auf dem Weg in den Norden. Damit wir uns morgen mal ein paar Stunden sehen können. 700 KM einfach mal so für ein Hallo und ein Kaffeetrinken. Aber sie muss morgen Abend schon wieder gen Heimat fahren. 
Echt bekloppt - aber echt lieb - und ich freue mich sehr auf morgen ;) 


Bekloppt die Reaktion meiner "Schwiegermutter". Meine Schwägerin hat gestern mir ihr telefoniert und ihr von meiner Diagnose erzählt. Ihre Antwort "um mich kümmert sich auch keiner".
Ich weiß schon warum wir in diesem Leben NIEMALS Freunde werden. Schon bei meinem Herzinfarkt reagierte sie recht unmenschlich mit einem "Na und". 
Pühhhhhhhh man gut das ihre Söhne so ganz und gar nicht nach ihr kommen. Unfassbar bekloppt ! Sorry....meine Meinung.


Bekloppt heute auch mein Verhalten. (abgesehen von der Katzenfutterwiegeaktion ;))  Manchmal falle ich unbewusst in alte Muster zurück und ärgere mich hinterher ganz arg darüber. So auch heute. Ich hatte einen Termin beim Big Boss. Gratulation zum 10 jährigen Jubiläum. 10 Jahre arbeite ich schon in dem Irrenhaus. Da verdient man sich schon mal eine Urkunde und einen Blumenstrauß und einen kleinen finanziellen Bonus  ;) 
Nachdem wir das Schöne abgearbeitet haben, kommen wir zum weniger schönen Teil. 
Ich sage ihm dass ich ihm das eigentlich nicht sagen müsste, aber es fair finde wenn er sich darauf vorbereiten kann dass ich nun eine Weile ausfallen werde. Ich erzähle ihm von meiner Krebsdiagnose, verheimliche aber dennoch welches Garding dieser kleine Scheisser hat.  Er muss ja nicht alles wissen !
Er fragt ob ich irgendwie einen Magneten in der Tasche hab - anders lässt sich das nicht erklären dass ich immer solche Katastrophen anziehe. 
Er wünscht mir alles Gute und ich solle gesund werden und mir keine Sorgen wegen meinem Job machen. Er würde sich aber freuen wenn ich mich ab und an mal melde.
Und dann kommt DAS worüber ich mich seitdem schon den ganzen Tag ärgere:
Ich entschuldige mich dafür dass ich krank geworden bin, fühle mich schuldig  weil sie nun wieder meinetwegen Personalmangel haben.
Noch in seiner Gegenwart möchte ich mich gerne selber dafür ohrfeigen wollen. 
Wieso in aller Welt entschuldige ich mich denn ? Echt bekloppt !!! 

Es kann nur besser werden ;) 

Mittwoch, 4. Juli 2018

Caro , eine Freundin über Umwege.


Gestern war ein guter Tag. Der Liebste und ich wuseln im Garten umher. Endlich haben wir gemeinsam mal wieder etwas geschafft. Bisher musste er ja meist immer alleine ran. Da ich mich noch von der letzten OP erholen muss durfte ich nur die kleinen Dinge erledigen, aber immerhin. Ein kleines Hochgefühl für mich.

Nachdem wir einfach keine Lust mehr hatten ließen wir alles stehen und liegen und fuhren ans Meer.
Ich bin ja kein Fan von Covermusik, aber was diese Band gestern im Nachbarort lieferte, war genial und ließen meine Füße im Takt wippen, während ich dabei entspannt im Strandstuhl saß und leckere Scampi frisch vom Grill in Knoblauchsoße futterte. 
Mit einem frisch gezapften Bier in der Hand,  ließ ich meinen Tag recht gelassen und verträumt zum Sonnenuntergang ausklingen. Herrlich !

Heute morgen kam Caro zum Frühstück. Seit der endgültigen Diagnose haben wir uns nicht mehr gesehen, und sie fällt mir erst einmal um den Hals ...und wollte weinen. Mit einem "Du heulst jetzt nicht - ich mache es auch nicht" bringe ich sie aber schnell wieder zurück zur Normalität. 

Caro und ich....das ist so eine Freundschaft über Umwege. Eine von der Sorte "Anfangs konnte ich Dich überhaupt nicht leiden" Und tatsächlich sind das meist im Nachhinein die besten Freundschaften. So auch unsere. Wir lernten uns auf der Arbeit kennen. Für mich war sie einfach nur irgendwie komisch, verklemmt und unfreundlich. Heute weiß ich dass es ihr eigenes persönliches Schutzschild ist. Erst mal Abstand. Da ticken wir recht ähnlich. 
Über die Monate hinweg bestand unser gegenseitiger Wortschatz eigentlich nur aus Moin, Tschüss und: wie musste Du morgen arbeiten ? Mehr nicht. Warum auch...wir mochten uns beide ja nicht sonderlich. 
Dann kam der Tag an dem sie einen schlimmen Unfall hatte. Sie stürzte daheim die Treppe herunter und saß beinahe ein Jahr lang im Rollstuhl. In diesem kam sie irgendwann mal auf der Arbeit angetuckert, und da gerade wenig zu tun war, hatte ich einen Moment Zeit. Und ich sprach sie einfach an. Und wir schnackten und schnackten. Was mir damals einen ordentlichen Rüffel von der Chefin einbrachte weil ich schlichtweg die Zeit vergaß. Tja nu....kann ja mal passieren.
Jedenfalls schnackten wir immer öfter miteinander und fanden eine Menge Gemeinsamkeiten und guten Gesprächsstoff.

Irgendwann im Sommer darauf waren der Liebste und ich unterwegs mit den Rädern und fuhren bei ihr daheim am Haus vorbei. Ich überlegte ob wir uns spontan auf einen Kaffee einladen sollten, ließ es aber dann doch bleiben. Dies erzählte ich ihr ein paar Tage später und ihre Reaktion werde ich nie vergessen. 
Sie war ehrlich sichtlich enttäuscht und sagte mir sie würde sich so sehr über Besuch freuen. Seit sie dort wohnt sei keiner mehr gekommen, da sie sehr weit außerhalb wohnt und sie keine wirklichen Freunde hat. Danach nahm sie mich in den Arm und sagte :
"Bitte komm doch einfach mal vorbei. Ich habe nicht viel, und lebe in keinem Palast, aber Kaffee habe ich immer im Haus" 
Und so kam es dass ich diese Einladung annahm und es sollte fortan nicht nur bei diesem Treffen geblieben sein.
Wir haben viele Höhen und Tiefen durchlebt, haben uns gefetzt, vertragen, haben zusammen geweint, gelacht, und egal was war, wir haben zusammengehalten. 

Heute ist sie eine der wichtigsten Personen in meinem Leben. Mit ihr kann ich lachen, weinen, nochmal Kind sein. Sie gehört zu den Menschen die mir auch mal ehrlich direkt ins Gesicht sagt 
"Ey Du - das war aber jetzt mal so richtig blöd von Dir".
Dafür liebe ich sie ! 

Und ich liebe sie für das was sie mir heute nach unserem Frühstück schickte :

Man sieht ihre Trauer in ihren Augen & diesen Schmerz wenn sie lacht. 
Doch sie hat das Kämpferherz einer Löwin 
und weiß das sie es schafft.



Was bisher in meinem Leben geschah, sie hat nie aufgehört an mich zu glauben, und ist nun auch jetzt für mich da. Sie ist das was man eine echte Freundin nennt.

Dienstag, 3. Juli 2018

Tage zählen

Soeben kam der Anruf meines Urologen.
Am 13.Juli geht es weiter !
Dann habe ich den Termin der Klinik zur Besprechung der weiteren Vorgehensweise. Dass die Blase raus muss weiß ich nun schon. Aber anhand des pathologischen Befundes wird dann eben noch besprochen ob und wie eine Ersatzblase möglich ist, ob eine Chemo notwendig ist...ach und halt all so ein Mistkram mit dem ich mich nie, nie, nie beschäftigen wollte. !

Das heißt mir bleiben noch 10 Tage zum Luftholen !

Und ich habe gerade nur einen festen Vorsatz:
10 Tage stark bleiben und Dinge tun die mir Spaß bringen.

Eis essen gehen, bummeln, ausschlafen, die Füße ins Meer stecken, mit Caro frühstücken, Abende mit dem Liebsten in der Sonne genießen....

Schöne Augenblicke für schwere Zeiten sammeln !!!

10 Tage die ich zu meinen Lieblingstagen machen werde !

Wirkliche Hilfe !

Obwohl ich manche Momente ziemlich down bin, nicht drüber sprechen mag, und einfach mal so in Tränen ausbreche, bin ich trotzdem die meiste Zeit erstaunlich entspannt und gelassen.

Es ist wie es ist und wir werden es nicht ändern können. Aber trotzdem habe ich meinen alten Kampfgeist wieder gefunden.

Was ich die letzten Wochen müde und schwach war, bin ich nun wieder stärker geworden.
Ich messe keinen Blutdruck oder Puls mehr, die Panikattacken kommen noch, aber sind schnell abgearbeitet.

Aufregen kann ich mich momentan am meisten über solche Menschen, die um die Krankheit wissen, um das Ausmaß, und mir trotzdem Kettenbriefe mit Prophezeiungen auf ein langes Leben und viel Gesundheit schicken ! Boah ey...darüber kann ich mich gerade so richtig aufregen. 
Als ob dies die Lösung aller Probleme sei. 
Genauso dämlich finde ich diesen albernen Nervbildpost bei Facebook den nun bald jeder Hans und Franz auf seiner Seite hat:
"Bitte teile das im Kampf gegen Krebs". 
Haben die alle einen Pfeil im Kopf ?

Geht los, helft den betroffenen Menschen aktiv ! Redet mit ihnen, seid für sie da. 
Macht ihren Alltag zu etwas Schönem mit Essen gehen, Spaziergänge, Telefonate, gemeinsames Kaffeetrinken, gemeinsam Lachen  oder eben mit all den Dingen die Betroffenen Kraft geben. 
Da hilft so ein weit geteilter unnützer Facebookpost nämlich mal so absolut gar nicht dabei ! 

Sonntag, 1. Juli 2018

Blogidee



Als ich diesen Blog eröffnete , dachte ich, eines Tages, nach der traurigen Durststrecke, werde ich wieder schöne Geschichten schreiben können.

Ich sitze gerade hier , schreibe einen Post und denke mir:

"Hey...eines Tages sitzt Du wieder hier, nach einer traurigen Durststrecke wirst Du wieder schöne Geschichten schreiben können."

Ich bin zurück....mit neuem Kampfgeist, stärker denn je !
Ich werde nicht zulassen dass der kleine Scheißer mich klein bekommt !


Solange ich atme - werde ich kämpfen !


Samstag, 30. Juni 2018

Klassifikation pt2. G3.

Mit schlotternden Beinen betrete ich die Praxis, mit schlotterndem Herzen verlasse ich sie.

Es gibt keinen Zweifel mehr, der pathologische Befund schreibt es schwarz auf weiß.



Muskelinvasiver Tumor. 

Klassifikation pt2. G3. 

Die Blase kommt raus.
Demnächst bekommen wir einen Termin in der Klinik, ein Tumorkonzil , an dem Onkologen, Chirurgen und ein Psychologe zugegen sein werden, um zu besprechen wie die nächste OP von statten gehen wird.

Ich bin müde...
müde vom nachts weinen, müde vom immer wieder kämpfen.
Einfach nur noch müde.


Dienstag, 26. Juni 2018

Ein Engel auf Erden.

Dienstag betrete ich nervös und unausgeschlafen das Krankenhaus. Schon auf der Station werden mir aber die ersten Magengrummeln abgenommen. Ein freundliches Pflegepersonal nimmt sich meiner an, bespricht Aufnahme, EKG, und weitere Abläufe mit mir.
Kurz darauf erscheint ein Arzt und führt noch ein OP-Gespräch mit mir und untersucht mich nochmals gründlich. Toller Arzt, sehr einfühlsam und erklärend, und keine Frage meinerseits bleibt unbeantwortet.
Ein gutes Patient-Arzt Verhältnis. Ich persönlich finde dass dies immer ein wichtiger Bestandteil zum Genesungsprozess ist.

Den restlichen Tag verschlafe ich zum Glück. Nachts bekomme ich eine Schlaftablette und den Vormittag bis zur OP liege ich im Delirium . Ehe ich mich versehe bin ich wieder auf meinem Zimmer, der Liebste sitzt Händchen haltend an meinem Bett und ich schlafe mich "gesund".
Erst zum Donnerstag werde ich wieder etwas munterer, wage die ersten Schritte, und gönne mir einen leckeren heißen Latte Macciato in der Krankenhauscafeteria. Den restlichen Tag verbringe ich mit Lesen, Schlafen, Zimmerwechsel. Das mein Internet nicht funktioniert empfinde ich sogar mal sehr entspannend, soviel wie die letzten Tage habe ich lange nimmer gelesen.

Mein Zimmer teile ich mir mit einer 83 jährigen Frau und einer Dement kranken Dame. Inge (83) und ich verstehen uns auf Anhieb, sie erzählt mir viel aus einem sehr bewegten Leben, und das Beste an ihr ist ihr unerschütterlicher Humor und ihr Gelassenheit mit der sie schwierige Dinge im Leben bewältigt und abarbeitet. Das Leben hat es nicht immer gut mit ihr gemeint, und trotzdem strahlt sie eine positive Fröhlichkeit und eine unglaubliche Stärke aus, die selbst mich mit reißt und von der ich mir tatsächlich einen Teil mit nach Hause nehmen konnte. Inge und ich stehen im Kontakt, denn trotz ihrer 83 ist sie ein echter Facebookjunkie und wir werden uns demnächst mal auf einen Kaffee wiedersehen.

Frau Engel ist dement. Aber so süß. Sie lächelt immer nur. Nicht einmal hat sie trotz Schmerzen geweint oder gemeutert, sie liegt im Bett und lächelt, und wenn man ihr ins Gesicht schaut denkt man , man schaue einen Engel an. Zumindest kommt es einem so vor.
Als sie in unser Zimmer geschoben wird heißt es sie würde nicht reden.
Ihre Töchter kommen, zwei hat sie, Damen aus Schickimickihäusern.
Jede kommt für ca. 10 Minuten.
20 Minuten Besuch in all den Tagen, sehr erbärmlich ! Sie haben Frau Engel keine Klamotten mitgebracht und nichts Persönliches was ihr vielleicht den Aufenthalt etwas verschönern könnte.
Ich empfinde tiefes Mitleid mit der armen Frau und Abscheu für das Verhalten der Familie.

Am ersten Tag beobachten wir noch wie sie ihr Essen hingestellt bekommt mit dem sie scheinbar nichts anzufangen weiß. Auch zum Trinken hat sie keine Lust. Sie liegt und lächelt. Und schweigt.
Nachts dafür sägt sie allerdings für 20 Mann die Bäume des Klinikums ab. Es ist eine sehr laute Nacht, aber wir sind ihr nicht böse. Stattdessen lesen und beschäftigen wir uns eben anderweitig anstatt zu schlafen.
Am zweiten Tag kommt eine andere Pflegekraft ins Zimmer. Diese ist sehr herzlich und spricht immer wieder auf Frau Engel ein. Sie müsse mehr Trinken. Ob ihr kalt sei, ob sie gut liege. Aber alles was zur Antwort kommt ist ein Lächeln. Aber irgendwas ist an ihrem Blick anders. Sie wirkt klarer und aufmerksamer.
Während wir wieder alleine im Zimmer sind schaue ich immer mal wieder zu Frau Engel hinüber, und irgendwie packt es mich und ich stehe plötzlich neben ihrem Bett und rede auf sie ein. Sie muss dringend trinken, denn ihr Katheter sieht sehr, sehr ungesund aus. Sie schaut mich an, lächelt UND greift zum Becher. Es ist verrückt, aber ich freue mich wie ein kleines Kind.
Immer mal wieder spreche ich sie an, sie schaut mich an, beobachtet und lächelt.
Ich frage sie ob wie ein wenig fernsehen wollen - ihr Lächeln wird noch breiter. Also läuft den ganzen Tag über eine Tiersendung, eine Shoppingsendung und abends Fußball. Ihre Augen sind wach und sie schaut unentwegt in den Fernseher. Und sie lächelt. Zwischendurch schaut sie nun auch mal zu unseren Betten und jedesmal streift uns ein Lächeln und irgendwie auch ein ergreifendes Stück Zufriedenheit.

Am Sonntag sollen Inge und ich entlassen werden. Morgens kommen noch einmal die Schwestern. Wir haben eine  wundervolle Schwester die sich wirklich sehr um Frau Engel bemüht. Sie wäscht sie sehr gründlich, frisiert sie, redet viel mit ihr, zieht ihr ein neues Hemdchen an, denn eigene Klamotten hat Frau Engel immer noch nicht.  Sie schneidet ihr das Essen klein und holt sie endlich einmal aus dem Bett, setzt sie in einen Stuhl damit sie etwas gemütlicher Essen kann. Und das scheint Frau Engel sehr zu gefallen, denn zum ersten Mal isst und trinkt sie sogar recht gut. Als ihr Becher ein wenig weg rückt, setze ich mich zu Frau Engel und reiche ihn ihr immer mal neu oder frage sie ob sie noch einen Haps essen mag. Sie lächelt mich an, und greift tatsächlich nochmal zum Kaffeebecher und einem Joghurt. Ich bin sehr glücklich. Ich kenne diese Dame nicht, aber sie scheint es zu mögen wenn sich jemand wirklich um sie kümmert. Dass ist wohl das was sie wirklich braucht: ein kleines bisschen Aufmerksamkeit.

Es geht auf den Mittag zu, der Arzt kommt und gibt uns unsere Entlassungsbriefe. Inge und ich verabschieden uns herzlich vorneinander, wir drücken uns noch einmal und versprechen uns, uns bald auf einen Kaffee zu treffen.

Dann gehe ich zu Frau Engel ans Bett und verabschiede mich auch von ihr. Mir ist ein bisschen schwer ums Herz weil ich nicht weiß wie lange sie noch alleine bleiben muss und ob ihre neuen Bettnachbarn auch bemüht um sie sind.
Sie schaut mich an, direkt in die Augen - lächelt - und sagt:
"Schade das sie gehen dürfen.".

Das war das einzige Mal wo ich sie sprechen hörte. Aber es hat mich sehr ergriffen und ich drehe mich schnell um damit sie meine Tränen nicht sieht.

Frau Engel wird mir wohl noch eine ganze Weile in lieber Erinnerung bleiben.

Freitag, 15. Juni 2018

Kleiner großer Scheisser

Kleiner Scheisser schimpfe ich ihn nun.
Irgendwie finde ich den Namen passend !

Mittwoch bringe ich meine letzte Schicht für diese Woche hinter mich.
Da ich eh schon leicht gereizt bin, müssen auch meine Kollegen ausnahmsweise mal als Prellbock herhalten ! Schadet ihnen nicht !
Denn wie üblich, zwar wurde ich diesmal immerhin gefragt, könnte ich ja mal wieder länger arbeiten.
Ich verneine und dränge auf einen planmäßigen Feierabend.
Eine Stunde nach dem eigentlichen Feierabend kommt meine Kollegin auf mich zu, da stehe noch Arbeit, wenn sie erledigt sei könne ich dann gehen.
Und plötzlich kommt ein wenig Starrsinn in mich.
Meine klare Ansage:
"NEIN- Dafür das ich gesagt habe ich kann nicht länger bleiben, bin ich aber schon wieder recht lange da"
Sie schaut mich verdutzt an - 5 Minuten später habe ich Feierabend.
Na bitte geht doch.
Kurz danach fetzen wir uns nochmal ein bisschen, denn auch ich habe echt mal so richtig die Schnauze voll. Ich sage ihr dass wir ALLE keine Lust mehr haben wirklich JEDE Schicht länger zu arbeiten, dass wir auch ein Privatleben haben. In welchem wir unsere Termine um die Arbeit basteln und trotzdem vieles davon durch die Mehrarbeit nicht einhalten können.
Ja sie wisse dass ich dauernd immer früher komme und länger bleibe und nein sie sei mir nicht böse das ich nun mal etwas lauter wurde. Was sie wirklich denkt geht mir eigentlich meilenweit vorbei, dass sie sich, wenn ich die Tür hinter mir geschlossen habe, vermutlich beschweren wird ist mir auch total gleichgültig.
Erstens habe ich nun ein paar Tage frei , zweitens habe ich gerade andere Sorgen.

Ich fahre heim, bereite das Essen vor und warte auf Caro.
Wir wollen uns nochmal sehen ehe ich am nächsten Tag zu meinem Termin muss.

Es klingelt an der Tür und sie steht dort mit einer kleinen Überraschung.
Eine Krankenhausnotfalltasche. Prall gefüllt mit Naschi, Säften, Kosmetika, vielerlei guter Dinge und Socken :o) Falls der Winter wiederkommt. Man weiß ja nie.
Jedenfalls freue ich mich sehr über diese Tüte, denn die Idee an sich ist wirklich zauberhaft und man sieht dass es alles mit Herz ausgesuchte Dinge sind.

Wir essen gemeinsam, schwelgen in Erinnerungen, lästern über die Arbeit und verbringen ein paar wundervolle Stunden miteinander.

Am Abend bin ich alleine denn der Liebste hat Nachtschicht. An Schlaf ist nicht zu denken, auch wenn ich hundemüde bin, wälze ich mich hin und her, und die paar Minuten die ich dann mal schlafe, träume ich so bescheuert dass ich nimmer schlafen mag. So stehe ich um 4:00 Uhr wieder völlig übermüdet auf.

Der Liebste kommt kurz darauf aus der Nachtschicht, wir trinken gemeinsam Kaffee und dann starten wir zum CT Termin. Dort angekommen freue ich mich dass wir eine gute halbe Stunde zu früh dran sind. Mit Chance kämen wir vielleicht ja sogar früher dran- so mein Gedankengang. Leider war dem nicht so. Die Absprache zwischen Radiologen und meinem behandelnden Arzt war nicht sonderlich gelungen. So sitze ich noch ganze 4 Stunden umher , trinke anderthalb Liter Kontrastmittel und harre der Dinge die da kommen.
Von Minute zu Minute werde ich unruhiger und nervöser, mein Magen hängt auf halb acht, und die Gedanken purzeln.

ENDLICH bin ich dann kurz vor 12:00 Uhr auch an der Reihe. Das CT an sich geht schnell...eigentlich war nur eins geplant, doch dann schießen sie nochmal Kontrastmittel nach und ich muss 10 Minuten später nochmal durch die Röhre. Das gab mir schon zu denken. Die freundliche Schwester betreibt kurz ein bisschen Smalltalk mit mir und bittet mich dann draußen Platz zu nehmen, sie gibt mir dann meine Bilder raus und danach kann ich gehen.
Doch dann kommt es ganz anders.

Ich werde aufgerufen, aber anstatt mir eine CD zu geben, bittet sie mich in einem anderen Wartebereich Platz zu nehmen, und ja ich solle den Liebsten mitnehmen.
15 Minuten Wartezeit können einem wie eine Ewigkeit vorkommen. !!!
Endlich öffnet sich die Tür zu Arztzimmer, der Arzt kommt raus - zwinkert mir zu und läuft zu einer anderen Behandlung ! Ist das nun sein Ernst ? Tatsächlich muss ich nochmal 10 Minuten warten - meine Nerven liegen blank.
Dann endlich werden wir in sein Zimmer gebeten. Auf seinem Monitor meine CT Bilder.
Die gute Nachricht zuerst, die Lunge , Leber, Niere etc sind sauber
Dann die schlechte Nachricht: der kleine Scheisser ist definitiv da und hat nochmals an Größe zugelegt. Nun ist er nicht nur in der Blase sondern auch außerhalb der Blase befindet sich nun etwas. Der Arzt sagt dabei handelt es sich aber um eine Zyste oder eine Gewebewucherung. Einen Tumor an dieser Stelle schließt er erst einmal aus. Das Teil IN der Blase ist allerdings tatsächlich ein mieser kleiner Scheisser daran gibt es keinen Zweifel mehr.

Relativ nüchtern nehme ich diese Nachricht entgegen, wobei schon deutliche Freude in mir ist das keine benachbarten Organe betroffen sind. Das war so ziemlich meine allergrößte Sorge.

Der Arzt verabschiedet sich freundlich von mir und wünscht mir für die bevorstehende Operation alles Gute.

Wir verlassen das Zimmer, und der Liebste nimmt mich erst einmal fest in den Arm und freut sich diebisch dass bisher nichts gestreut hat. Ich kann seine Freude einerseits verstehen, anderseits aber nicht teilen. So ergeht es mir bisher mit allen Menschen die es wissen. Alle freuen sich wahnsinnig das nichts gestreut hat, und der Tumor auf einen Fleck begrenzt ist. ABER...es ist ein Tumor ! Es ist mein Feind. Vielleicht habe ich ein verzerrtes Bild, aber neben all der bisherigen Erleichterung mischt sich trotzdem bei mir wahnsinnig viel Angst ein.

Ich habe mich nun in einem professionellen Forum und Seiten von Urologen schlau gemacht. Der Feind sitzt in meiner Blase, wird am Mittwoch entnommen, und dann eingeschickt ins Labor. Und erst dann wenn er untersucht wurde kann man sagen, um welche Art Tumor es sich handelt, ist er aggressiv, ist er "harmlos" , hat er schon die Blasenwand angegriffen, wächst er schnell, langsam, breitflächig, zentral etc. All diese Dinge kommen erst noch auf mich zu. 
Ich weiß dass ich nun alle drei Monate zur Blasenspiegelung muss, das der geplante Eingriff am Mittwoch nicht ohne Risiko ist, dass dieses Mistdrecksteil zu gerne zu Rezidiven neigt. Dies konnte ich dann auf der Urologenseite meines Krankenhauses in dem ich behandelt werde entnehmen. Da kommt noch ein bisschen was auf mich zu.
Mir fällt es gerade sehr schwer die Freude zu empfinden die mein Umfeld empfindet.

Nichts desto trotz genieße ich nun noch die Zeit bis ich Dienstag im Krankenhaus einrücken muss.
Ich versuche schwere Gedanken auf die Seite zu schieben und die wenigen schönen Dinge zu tanken.

Ich habe mir fest vorgenommen mich nicht von dem kleinen Scheisser beherrschen zu lassen und erst recht nicht wieder in eine Schockstarre zu verfallen.

Ich kämpfe !

Sonntag, 10. Juni 2018

Jetzt erst recht...

Lass es krachen, sagt meine Kollegin und gleichzeitig auch beste Freundin zu mir.
Es gibt nur eine handvoll Menschen die um die aktuelle Lage wissen.

Lass es krachen, sagt sie, und schreibt mir wenig später noch eine WhatsApp ich soll mein Leben genießen. Und eigentlich hat sie recht. !

So sitze ich gestern Abend auf einer Hochzeitsfeier, genieße das gute Wetter, bekomme Gänsehaut und Tränen bei der wunderschönen Traurede und futtere wie eine halb Verhungerte Spanferkel vom Grill und genieße dazu außerdem seit Monaten mal wieder 3 Cola Bier und 4 Kurze. Ach was solls.
Und tatsächlich kann ich für einen Moment einfach mal vergessen. Das fühlt sich gut an !

Heute überraschen wir einen lieben Freund. Während ich um Mitternacht, nach der Hochzeitsfeier,  noch Kuchen backe, wächst schon ein bisschen Vorfreude auf heute. Unsere Freunde sind zum Urlaub an der Küste, er hat heute Geburtstag und denkt wir wüssten es nicht. Da hat er aber tüchtig falsch gedacht. Meine Schwägerin und ich hecken gemeinsam mit seiner Frau den Plan aus dass wir uns alle bei meiner Schwägerin treffen. Ich bringe den Kuchen mit, meine Schwägerin sponsert Kaffee und Sitzplätze und eine weitere Freundin besorgt noch eben eine sehr schöne Geburtstagskarte. Und so wird unser Freund unter einem Vorwand zu uns gelockt.
Seine Freude ist groß , die Überraschung ist gelungen.
Wir verbringen einen gemütlichen Nachmittag bei meiner Schwägerin und danach gehen wir noch alle gemeinsam zum Essen in ein nahe gelegenes Restaurant.
Ein unbeschwerter schöner Tag mit lieben Menschen den ich einfach genießen kann.

Lass es krachen hat sie gesagt.
Und ich werde diese Woche noch voll auskosten habe ich mir fest vorgenommen.
Tatsächlich habe ich es auch mal geschafft meinem Chef zu sagen dass ich außer dieser einen kurzen Schicht Mitte der Woche nicht mehr arbeiten werde. Mir bleibt somit eine Woche um alle Termine in Ruhe abzuarbeiten und noch Dinge zu tun die mir Spaß bringen.
Seelische Vorbereitung auf das was da noch auf mich zukommt und mir Angst macht.

Jetzt erst recht ! 

Mittwoch, 6. Juni 2018

Und schon wieder Juni

Der Monat Juni und ich , wir werden einfach keine Freunde in den letzten Jahren.
Bis auf Ausnahme des letzten Jahres, lag ich die letzten 4 Jahre immer zum Juni im Krankenhaus und wurde operiert.

So auch dieses Jahr.
Der Anruf aus der Klinik kam vor einer Stunde.
Am 19.06 beziehe ich mein Zimmer und am 20.06 ist der erste OP Termin angesetzt.

Ich habe Angst !

Kann mal einer die Welt anhalten ?


Kann mal einer kurz die Welt anhalten ?
Ich möchte aussteigen...ich kann das alles nimmer !


Ein Arzt der mir nach dem Ultraschall über die Wange und den Arm streicht und mir sagt
"Darüber reden wir dann nach der anderen Untersuchung noch"
Das was da war, ist nun noch deutlicher sichtbar und innerhalb von 5 Wochen breit flächig gewachsen.

Kurz darauf eine Zystoskopie die nun keinen Zweifel mehr lässt. Ein Arzt der daraufhin nicht mehr ganz so zu Scherzen aufgelegt ist wie noch 15 Minuten zuvor.

Ein Anruf vom Arzt noch aus der Praxis mit dem Hinweis "Dringend" in der Radiologie des nahe gelegenen Krankenhauses. Nächsten Donnerstag geht es eigentlich nur noch darum ob "ER" schon ins Muskelgewebe gezogen ist oder andere Organe angreift.

Eine Operationsaufklärung wie genau "ER" beseitigt werden muss. 

Ein trauriger Arzt der mich an den Händen hält während ich hemmungslos weinen muss, und mich zum Abschied feste drückt. Er sagt ich werde nun seine Stammpatientin. 

Das Warten auf den Anruf aus der Klinik die mir nun ein bis zwei dringende OP-Termine ermöglichen sollen.

Der fassungslos traurige Blick des Liebsten als ich wieder heimkomme und ihm erzähle was los ist.

Das Weinen meiner Mama am Telefon.

Ich fühle mich wie in einem schlechten Film. Jahr um Jahr kommen neue Katastrophen und Jahr um Jahr werden sie noch eine Spur verschärfter ?

Ich kann das alles nicht mehr - wo bleibt noch Luft zum Atmen ???

Freitag, 1. Juni 2018

Jubiläum - es fühlt sich gut an !

Vor 10 Jahren sah meine Welt noch ganz anders aus.
Nachdem der Liebste und ich uns entschieden hatten zusammen zu ziehen, musste dringend ein neuer Job her.
Als bis dahin allein erziehende Mutter arbeitete ich nur vormittags an einer Grundschule und konnte mich Mittags immer meinem Kind widmen. Leider war dies nur ein 1 Euro Job, aber immerhin besser als nichts und besser als nur daheim herum zu sitzen.
Ich liebte diesen Job, die Kleinen mit denen ich arbeiten durfte und auch die Lehrer an dieser Schule.
Selbst das frühe Aufstehen und 8 Stunden arbeiten machte mir nichts aus.
Fast möchte ich behaupten das es die beste Arbeitsstelle überhaupt war. Leider sparte die Stadt aber, und sämtliche Bemühungen meinerseits und auch der Direktorin mich dort fest unterzubringen verliefen im Sand. Selbst nachdem ich weggezogen bin und längst einen Job besaß, schickte ich alle paar Monate mal eine Bewerbung an die Stadt, so sehr fehlte mir diese Arbeitsstelle.

Aber mit dem Umzug wurde mir klar dass ich auch eine neue Arbeitsstelle brauchte. Diesmal sollte es aber kein 1 Euro Job mehr sein, sondern schon nach Möglichkeit eine Festanstellung mit einem wenigstens halbwegs vernünftigen Gehalt und einigermaßen annehmbaren Arbeitszeiten.
So kam es dass ich tagelang die gelben Seiten durchblätterte und 50 Blindbewerbungen an diverse Firmen meines neuen zukünftigen Wohnortes schickte. Tagelang telefonierte ich mir die Finger wund, und nichts tat sich. Mir war aber absolut wichtig dass ich nur dann umziehe wenn unsere finanzielle Zukunft einigermaßen gesichert sei.
Kurz bevor ich schon fast die Hoffnung aufgegeben hatte klingelte eines Tages mein Telefon.

"Wir möchten Sie gerne zu einem Vorstellungsgespräch einladen"
"Ja gleich morgen ? Morgen passt gut, kommen Sie um 12:00 Uhr "

Gesagt getan....am nächsten Tag hatte ich hypernervös das Vorstellungsgespräch und eine Woche später eine Arbeitsstelle. Mit festem Arbeitsvertrag und einem zukünftigem sicheren Gehalt welches sogar meine Vorstellung übertraf.

Und wir haben es gut gerockt. Während den ersten beiden Arbeitswochen bewerkstelligten wir noch nebenbei unseren Umzug. Da der Liebste viel arbeiten musste, fuhren Sohnemann und ich hin und her und schleppten Kisten, renovierten und sortierten uns neu.
Es war keine einfache Zeit, denn seit der Trennung vom Kindesvater war es für uns beide nicht leicht. Aber Sohnemann und ich waren ein Team und haben immer zusammen gehalten, und was mir ganz wichtig war: er war nie alleine. Ich ging vormittags arbeiten und mittags verbrachten wir gemeinsam. Genauso hatten wir immer die Wochenenden gemeinsam. Dies änderte sich dann plötzlich von einem Tag auf den anderen.
Als ich meinen neuen Job anfing wollte ich weiterhin vorerst gerne nur vormittags arbeiten, da wir hier keine Freunde oder Familie hatten und Sohnemann zudem auch eine neue Schule besuchen würde. Mein Arbeitgeber sah das aber recht familienunfreundlich.
"Entweder arbeiten Sie so wie wir das wollen, oder gar nicht".
So kam es dass mein sonst so wohl behütetes Kind von jetzt auf gleich zum Schlüsselkind wurde.

Nach den anfänglichen Sorgen und andauernden Ermahnungen:

"Steh bitte pünktlich auf"
"Der Herd bleibt bitte aus solange ich zur Arbeit bin"
"Lass keine fremden Menschen ins Haus"
"Bitte lass den Hund heute Mittag in den Garten und hole ihn auch wieder rein"
"Bitte iss anständig"
"Bitte trink genug"
"Legst Du Dich bitte schon ins Bett, ich schau dann bei Dir rein wenn ich von der Arbeit komme"
"Oh ich kann nicht zum Elternabend, ich habe Spätschicht"
"Nein zum Vogelschiessen habe ich leider kein frei bekommen"
"Nein Samstag können wir nichts unternehmen, Spätschicht"
"Muttertag haben wir verkaufsoffenen Sonntag- also kein gemeinsames Frühstück"
"Deinen Geburtstag müssen wir nachfeiern, ich arbeite an dem Tag bis 21:00 Uhr"
"Nein in den Ferien habe ich keinen Urlaub"

Ach es gibt so unendlich viele Dinge die für uns neu und neu zu lernen waren, und trotzdem haben wir es gerockt, sind eine Einheit geblieben und heute schaue ich stolz zurück und bin stolz auf meinen Sohn und auch ein wenig auf mich.
Am Meisten aber doch auf meinen Sohn denn er musste viel entbehren und trotzdem ist aus ihm ein anständiger, fleißiger und großartiger junger Mann geworden !

Blut, Schweiß und Tränen und trotz aller Widrigkeiten, Hürden und Entbehrungen bin ich heute auf den Tag 10 Jahre in diesem Unternehmen !

Geschafft : Ein weiterer Meilenstein.

Freitag, 25. Mai 2018

Freie Stunden

Eigentlich hatte ich nur ganz lieb darum gebeten die ultra lange Mittagsschicht morgen bei 30 °C etwas zu verkürzen.
Nun habe ich stattdessen ein komplett freies Wochenende !
DAS nenne ich mal sowas von positiv.

Ich mag meinen neuen Chef ;)

Donnerstag, 24. Mai 2018

Neues aus der Anstalt ... Teil II

Nachdem uns der Urlaub gründlich vermasselt wurde durch die gegebenen Umstände, dauernde Arztbesuche etc...machen wir aus dem was davon übrig geblieben ist eben einfach noch das Beste.
Picknick im Freien , Fotofahrten an den Kanal und ans Meer. Doch zum Fotografieren fehlt mir der Antrieb und die Freude. Meinen Vorsatz , nun jeden Tag ein Foto zu posten, den habe ich längst wieder über Bord geschmissen.
So wie viele Dinge.

Auch meine Psychologin habe ich seitdem nicht wieder kontaktiert weil ich mir nicht sicher bin ob sie mir wirklich etwas bringt. Zudem stresst es mich wöchentlich 2 Stunden mit der Bahn hin und 2 Stunden mit der Bahn wieder heim zu fahren. Vier Stunden Zeitaufwand neben all dem anderen Stress für 45 Minuten Sitzung. Der Liebste ist nicht begeistert über diese Entwicklung , versteht mich aber und lässt mich zum Glück selber entscheiden.

Nach meinem Urlaub erwartet mich ein neuer Chef. Zumindest die Zeitplanung wegen Herzsport und Psychologin klappt (wobei Letztere aktuell ja mal ausfällt...aber die Termine hatte ich ja trotzdem schon im Vorfeld dingfest gemacht). Und erstaunlicherweise funktioniert das sogar.
Jung ist mein neuer Chef. Deutlich jünger als ich, aber kompetent und sehr deutlich. Er sagt was er denkt, macht freundliche aber klare Ansagen, ist aber auch offen gegenüber der Meinungen und Wünsche seiner Mitarbeiter.
Das Einzige was er fordert und konsequent durchsetzt ist Teamarbeit und Arbeitswille.
So kommt es also dass ich seit meinem Urlaub jeden Tag zwischen 2 - 4 Überstunden pro Tag mache, oder auch mal kurzerhand ein freier Tag gestrichen ist.
Nach einer Woche bin ich erschlagen und suche entgegen meiner früheren Angewohnheiten ein Gespräch mit ihm. Ich war nie der Mensch der sich auf seinen Wehwechen ausruhte und habe immer mit besten Wissen und Gewissen trotz allem 150% gegeben, aber ich merke dass ich das nicht mehr schaffe. Kurz erkläre ich ihm dass mich die vorangegangen Tage körperlich sehr geschafft haben und ich mir wünschen würde etwas mehr Abwechslung oder auch Spätdienste als Entlastung zu bekommen. Er verspricht mir dass es sich bessert und will am Plan arbeiten.
Die Woche darauf bringt uns das aber alles nichts, wenn es organisatorisch zwar umgesetzt ist, aber die Technik versagt und eine große Inventur ins Haus steht. So beginnt die nächste Woche also wie die vorherige. Frei gestrichen - Überstunden angesagt.
Zeit zum Luftholen habe ich kaum da auch im Privaten etliche Termine anstehen. So stehe ich morgens auf und falle abends tot zu Bett. Tag für Tag.
Freitags merke ich schon eine deutliche Anspannung, innerlich nervös, den ganzen Tag Druck auf der Brust, und einfach nur kaputt.
Die Nacht ist die Hölle. Eine Panikattacke jagt die nächste , und meine Nacht besteht aus Blutdruck messen, Körpersignale checken und Gedanken, Sorgen und Ängste und Armenübungen. Nichts desto trotz finde ich einfach keine Ruhe.
Als mein Wecker um 4:00 Uhr klingelt fühle ich mich körperlich erschlagen, müde und noch immer ängstlich. Trotzdem richte ich mich für die Arbeit, fahre hin und fange an zu arbeiten. Nach eine Stunde bin ich durch. Die schwere körperliche Arbeit, die Signale meines Körpers, alles zusammen verursacht Schmerzen und Übelkeit und dazu immer dieser Druck auf der Brust. Ich bitte meinen Chef Ersatz für mich zu besorgen der mich vielleicht ablösen könnte. Er reagiert sofort und schickt mich umgehend nach Hause. Doch eigentlich will ich das gar nicht, die Feiertage stehen an, ich weiß das wir eh zu wenig Personal sind und ich weiß welch eine Arbeit meine Kollegen zu bewältigen haben. Aber diskutieren mit ihm bringt rein gar nichts, auch als ich vor lauter Scham Tränen bekomme, bleibt er konsequent und schickt mich heim.

Daheim angekommen checke ich meinen Blutdruck....hoppla, der hats in sich. Puls messen, den Tick hatte ich mir abgewöhnt, aber er ist wieder da. Also mehrmals Puls messen, zwischendurch immer mal Blutdruck und versuchen laaaaangsam runter zu fahren. Tee gekocht und "abgewartet" wie sich alles entwickelt. Nach 10 Minuten fährt der Blutdruck runter und auch der Puls kommt wieder etwas zur Ruhe. Lediglich der Druck bleibt, aber er verändert sich bei Bewegung und so komme ich langsam wieder etwas auf dem Boden an. Mit ist speiübel und ich will nur noch ins Bett.
Decke über den Kopf, Gedanken abschalten und wenigstens ein bisschen zur Ruhe kommen.

Weitere 10 Minuten später klingelt mein Telefon. Mein Chef fragt am anderen Ende der Leitung ob ich gut heimgekommen sei und ob jemand bei mir daheim ist.
Ich bin schier perplex denn solch ein fürsorgliches Verhalten eines Vorgesetzten bin ich in den ganzen 10 Jahren nicht gewohnt !

Ich bedanke mich , berichte ihm kurz den aktuellen Stand und mit dem Versprechen dass ich mich absolut schone packe ich mich kurz danach ins Bett. Der Liebste bekommt noch eine Whats App und dann will ich einfach nur noch schlafen und hoffen das es bald vorbei ist. Decke über den Kopf, Gedanken abschalten und wenigstens ein bisschen zur Ruhe kommen.
Ich fühle mich beschämt, schwach und wieder einmal nicht mehr gut genug.
Versagt - Versagt - Versagt !
Bis 14:00 schlafe ich, immer mal mit Unterbrechungen die ich nutze um Blutdruck und Puls zu überprüfen. Beides hat sich aber zwischenzeitlich zu einem Normalwert heruntergefahren , so dass auch die Angst endlich ein bisschen schwindet.

Als der Liebste von der Arbeit kommt ist er erst einmal sauer. Vielleicht war es auch Hilflosigkeit , jedenfalls fährt er sich wieder runter und gibt mir zu verstehen dass ich endlich anfangen muss mehr auf mich zu hören. Das ich auch mal Nein sagen muss wenn wieder Mehrarbeit ansteht, oder eben auch mal nein sagen muss wenn es körperlich zu hart wird. Ich weiß das er Recht hat, es ändert aber nichts an der Tatsache dass dies bei uns im Job einfach nicht möglich ist.
Mit ihm darüber zu diskutieren wäre sinnlos, das ist wie einem Blinden die Farben erklären zu wollen. Kann man machen, bringt aber nicht !
Sein Job, seine Kollegen und Vorgesetzte - da liegen Welten zu meinem Job.

Den restlichen Tag über fühle ich mich miserabel und ausgepumpt. Zudem plagen mich Zweifel ob ich es nicht doch geschafft hätte und Wut auf mich selber versagt zu haben. Ich verziehe mich vor den Fernseher und bin tatsächlich wieder da angekommen wo ich schon einmal war. Aus dem Nichts laufen mir die Tränen und alles was ich mir mühsam erarbeitet habe ist in dieser Nacht und mit diesem Morgen zusammen gebrochen. Ich fühle mich schwach und unbrauchbar !

Am nächsten Tag geht es mir ein klein bisschen besser. Zumindest körperlich. Emotional bin ich noch immer down. Gegen Mittag holen wir unseren Jüngsten ab, er will uns seine neue Freundin vorstellen und wir beschließen mit den Beiden ein wenig ans Meer zu fahren. Süß ist sie , zart und einfach niedlich und ich wünsche mir sehr das unser Kind diesmal mehr Glück hat als bei der vorherigen jungen Dame.
In manchen Momenten muss ich ein wenig schmunzeln über dieses junge Glück. Diese Ausgelassenheit, diese Albernheit zwischendurch, necken und trotz so verliebt und vertraut, es ist eine Freude sie zusammen zu sehen, denn man hat das Gefühl dass es diesmal wirklich passt.

So verbringen wir einen wunderschönen gemeinsamen Nachmittag am Meer, essen Eis, genießen die Sonne, und lassen die Füße im Wasser baumeln, beobachten die Menschen die zur Musik tanzen, all dies ist mal wieder ein bisschen Seelenbalsam für die harten Tage zwischendurch. 

Mittwoch, 23. Mai 2018

Neues aus der Anstalt... Teil I

Da bekomme ich eine Whats App :
"Wieso bloggt das Deichkind nicht mehr ?"  Alles ok ?

Ich bin einigermaßen perplex...dachte ich doch nicht daran dass sich irgendwer diesen Psychokram hier freiwillig antun mag.
Wie dem auch sei...natürlich freue ich mich auch darüber und tatsächlich motiviert es mich mal wieder ein bisschen zu bloggen.

Wie gerne würde ich mal etwas erfreuliches bloggen, vielleicht hat mich das auch ein wenig gehemmt überhaupt etwas zu schreiben. Aber was soll ich erfreuliches Posten wenn momentan fast nichts erfreuliches passiert ?

Die letzten Wochen verläuft das Leben wie eine Achterbahn. Immer wieder mit diversen Hochs und Tiefs. Nichts beständiges und doch so aufwühlend, kräfte zerrend und entmutigend.
Ich gehe wieder Vollzeit arbeiten. Wobei dieses Wort VOLL wirklich ins Schwarze trifft. Es vergeht nicht ein Tag an dem ich nicht zwischen 2-4 Überstunden schiebe. Ich bin wieder voll im Modus...und auch das mühsam erlernte Nein sagen ist mir wieder abhanden gekommen.

Angefangen hat alles als ich nach meiner Wiedereingliederung Urlaub bekam. Resturlaub aus 2017. Mitten im Urlaub bekomme ich einen Anruf von meinem damaligen Chef
"Ich mag es Dir gar nicht sagen, aber Dir steht kein Urlaub mehr zu. Die Gesetzeslage sagt, wenn Du aus dem Krankenstand kommst und im Vorjahr aber noch so und so viel Urlaub genommen hast dann verfällt der Rest."
Kurze Pause....ein betretenes Schweigen von beiden Seiten.
"Du müsstest leider dann JETZT arbeiten kommen"
Eine andere Wahl habe ich nicht, also füge ich mich und rocke mal eben in drei Arbeitstagen meine Stunden die ich sonst in einer ganzen Woche machen müsste.

Nach diesen drei knallharten Tagen habe ich dann aber tatsächlich zwei Wochen Urlaub. Regulären Urlaub den ich für dieses Jahr eingereicht habe. Am letzten Arbeitstag fliegen die Arbeitsklamotten in die Ecke und ich beschließe einfach mal nicht mehr an diesen Laden zu denken.
Einfach mal ausruhen, abschalten und vielleicht endlich mal wieder Dinge tun die Spaß machen und mir gut tun.

Aber es kommt alles ganz anders. Ein wenig Verschnaufpause ist uns einfach nicht gegönnt. Während der Liebste leider noch drei Tage arbeiten muss, eh auch er endlich Urlaub hat, mache ich mich Sonntags an den Garten. Spaten rausgekramt - Garten umgebuddelt, Blümchen eingekauft und neu gepflanzt, Büsche und Bäumchen gestutzt. All dies erledige ich Sonntags während der Liebste zur Spätschicht ist und ich ganz in Ruhe schalten und walten kann. Nach getaner Arbeit freue ich mich endlich mal wieder etwas geschafft zu haben was mir Freude bereitet, was man sehen kann, und was sich einfach gut anfühlt weil unser Garten die letzten Jahre Krankheitsbedingt wie ein Trümmerfeld aussah. Und nun ist er wieder schick.

Montagmorgen folgt das dicke Echo.
Zuerst muss ich den Termin bei meiner Psychologin absagen.
"Wenn Sie so kurzfristig absagen dann müssen Sie mir ein Artest bringen oder aber 50 Euro Ausfall zahlen."
Krankschreiben lassen will ich mich nicht ! Bin ich doch gerade erst wieder gesund geschrieben !
Nach diesem Telefonat bin ich dennoch auf dem Weg zum Hausarzt.
Dachte ich anfangs noch an eine fette Blasenentzündung, so finde ich mich eine Stunden später mit einer Soforteinweiung in der Notaufnahme unseres Krankenhauses Station Urologie wieder.
Der Arzt und auch die Schwester schütteln betroffen den Kopf, den da kann man keine Probe mehr nehmen von dem Material. 
Makrohämaturie. Aber richtig ausgeprägt....es läuft...eben leider NICHTS mehr !
Noch ein Ultraschall und dann eine Noteinweisung in das nächste Krankenhaus da dieses mich wegen Aufnahme stop nicht behandeln kann.
Der Arzt schaut mich an und fragt mich ob ich wirklich alles mitnehmen muss ?
Das Ultraschallbild ist nicht angenehm...die Blase ist randvoll mit Blutgerinnsel und wohl ausgelöst durch die schwere körperliche Arbeit am Vortag und meinen Herzmedikamenten.
Er setzt einen der Blutverdünner sofort ab und  überweist mich also zur Urologie des nächsten Krankenhauses mit dem Vermerk Not OP unter Vollnarkose.
Noch am selben Tag soll ich operiert werden.

Und das ist der Punkt wo meine Dämme brechen und ich anfange zu Heulen. Denn das geht gerade so absolut gar nicht. Wir haben einen wichtigen Termin in dem es um ALLES geht. Der DARF einfach nicht platzen. Ich rede mit Händen und Füßen auf ihn ein, erkläre ihm die Sachlage und schließlich gibt er mir grünes Licht. Auf eigene Verantwortung darf ich heim und am nächsten Tag nach unserem Termin in die andere Klinik fahren. Allerdings musste ich ihm versprechen bei Schmerzen oder Fieber SOFORT zur Klinik zu fahren.
Wie betäubt fahren wir heim, der Liebste fährt noch eben zum Hausarzt und lässt sich für die letzten beiden Arbeitstage krankschreiben damit ich nicht alleine daheim bin.
Daheim angekommen verbringe ich den restlichen Tag auf der Couch, schaue unsinnige Serien und in meinem Kopf hämmert es. Ich hoffe das irgendwie alles nur ein dummer Zufall ist und am nächsten Tag alles wieder gut sein wird.
Dem ist leider nicht so.

Am nächsten Tag haben wir unseren wichtigen Termin. Alles klappt , so wie wir es uns gewünscht haben, und theoretisch könnten wir uns riesig darüber freuen, wenn wir nicht wüssten das im Kofferraum die gepackte Tasche für die Klinik liegt.
In der Klinik angekommen höre ich diverse Aussagen von anderen Patienten die schon 4 Stunden und länger auf Ärzte warten. Bei mir geht es merkwürdiger weise ganz schnell , nach nicht mal einer Stunde liege ich im Untersuchungszimmer. Die Vollnarkose und der Eingriff bleiben mir erspart da sich ein Teil der Makrohämaturie von selber gelöst hat. Er sieht somit keine dringende Notwendigkeit dass ich in der Klinik bleiben muss.
Aber dann schaut er sich nochmal genau das Röntgenbild an und meint er sehe da etwas , was da so nicht hingehöre. Und meine ganze Symptomatik deute auf  etwas sehr Ernstes hin. Ich mag das Wort nicht schreiben ...dieses widerliche , angst einflößende Wort welches nun die ganze Zeit schon in der Luft hängt (genau wie wir).
Mit den Worten:
"Eigentlich sind Sie zu jung für so etwas, aber das waren Sie für einen Herzinfarkt ja auch" entlässt er mich wieder nach Hause und gibt mir den dringenden Rat mich umgehend an einen Urologen vor Ort zu wenden. Sollte es doch zu Komplikationen kommen muss ich mich umgehend wieder bei ihm melden. Danke fürs Gespräch....das wäre der letzte Arzt gewesen den ich hätte nochmal wiedersehen wollen !
Die nächsten Stunden vergehen irgendwie wie in Watte gepackt....nichts mehr erscheint mir real, und alles wirkt so unwirklich und unwahr. Wir wollten doch nur ein bisschen gemeinsam unbeschwert Urlaub genießen und nun haben wir schon wieder neue Sorgen an den Backen ! WARUM ?

Eine Woche später bin ich dann beim Urologen in der Nachbarstadt. Ein sehr netter Mensch, freundlich kompetent. Er hört sich alles an, ließt sich das Schreiben vom Krankenhaus durch und macht ein Ultraschallbild. Innerlich bete ich dass sich in dieser einen Woche einiges verändert hat und bitte alles nur zum Guten. Tatsächlich sind alle Blutgerinnsel verschwunden und trotzdem ist da etwas was da nicht hingehört. Er sagt es nicht einfach nur so, er zeigt es mir auch auf dem Ultraschallbild. Nicht wirklich groß aber deutlich sichtbar und an einem Ort an dem es nichts zu suchen hat.
Er versucht mich zu beruhigen und zählt mir die günstigsten Fälle auf die es bedeuten könnten.
Mit einem freundlichen Lächeln und einem festen Händedruck überreicht er mir einen Zettel für drei weitere wichtige Untersuchungen mit dem Vermerk "bitte dringend". Mit diesem Schreiben soll ich einen Termin ausmachen bei seinen Vorzimmerdamen.

Dieses "bitte dringend" findet dann am 05.06 statt !!! Cliffhanger ! Danke auch !

Das Warten macht mich fast irre. Daheim rede ich nicht viel darüber aber wenn ich alleine bin kreisen die Gedanken und dieses - was ist wenn - kommt einfach nicht zum Schweigen.

Durch den Blutverlust sind auch meine Blutwerte arg ins Wanken gekommen. Bei der Blutkontrolle bei meiner Hausärztin kam dann zum Vorschein das meine Eisenwerte ziemlich mies sind. Da sie sicher gehen wollte ob es ok sei dass nun einfach so von jetzt auf gleich der Blutverdünner abgesetzt wurde hält sie kurz Rücksprache mit meinem behandelnden Kardiologen. Der macht sie darauf aufmerksam dass auch der Sättigungsverhalten des Sauerstoffs im Blut untersucht werden muss und andere diverse Blutwerte. Und siehe da....da sind noch ein paar Werte die nun kontinuierlich untersucht werden müssen. Zudem bekomme ich eine ordentlich Ladung Antibiotikum die mich dann ein paar Tage später auf der Arbeit erst mal richtig ausknockt.


....to be continued...