Mittwoch, 3. Oktober 2018

Entschleunigt


Sei wie ein Fels,
an dem sich beständigt die Wellen brechen.
Er bleibt stehen,
während sich rings um ihn
die angeschwollenen Gewässer legen.
(Marc Aurel)


Ich bin zurück :) 

Deutlich entschleunigter und doch gestärkter als noch vor ein paar Wochen. 
Eigentlich hatte ich auch den festen Vorsatz euch mit neuen Posts und Fotos zu beglücken...leider spielte da die grottenschlechte und völlig überteuerte W-LAN Verbindung (49 Teuros !) nicht mit. Das Tablett habe ich einmal ausgepackt, und nach dem x-fachten Versuch ins Netz zu kommen, für die restlichen drei Wochen ungenutzt verschwinden lassen. 

Drei Wochen Strand, relativ gute Wetter und leben in einem Schloss. Was meinen Paps dazu veranlasst , mich nun bei jedem Telefonat mit "Hallo Prinzessin" zu begrüßen. Königliche Hoheit wäre auch ok gewesen....aber gut...wir wollen mal nicht kleinlich sein. ;)

Abgesehen von einem super Frühstücks und Abend Buffet , war das Essen ansonsten eben Kantine, die Zimmer klein aber praktisch und schmuck eingerichtet, die Wege im Haus allerdings Olympia verdächtig  lang ! 10 Tsd Schritte pro Tag nur alleine im Haus. ! 

In der ersten Woche hatte ich das Gefühl völlig fehl am Platz zu sein. Egal wie viel Mühe ich mir gab, ich kam einfach nicht an. Die meisten Mahlzeiten schwänzte ich, die meiste Zeit verbrachte ich in meinem Zimmer. Erschreckender Weise bestand der Haufen nämlich auf Ü50 und weit deutlich aufwärts. Irgendwie fühlte es sich für mich falsch an in einer Krebsklinik zu sein. Die erste Woche war mir eigentlich nur nach Weinen, aber Weinen klappte einfach nicht ! 
Das mir angebotene Psychologengespräch lehnte ich ab weil ich dachte es alleine zu schaffen ! Dumm
Am zweiten Tag hatte ich Sporteinweisung. Ich freute mich endlich etwas "Tun" zu können. Hörte sich auch toll an...wurde aber nichts ! Auf Grund meiner Krankheit und vorangegangen Krankheiten durfte ich lediglich 2 Mal die Woche für je 25 Minuten aufs Laufband bei 5 Km/h. Bei meiner ersten Laufrunde versagte ich kläglich und musste nach 14 Minuten schon abbrechen. Ok...nun verstand ich dieses abgespeckte Programm. 
Schwimmen fiel dann leider auch aus, da ich schon wieder Bakterien im Körper hatte. 
Neben dem Laufband kam ich noch zur Hockergruppe und Atemtherapie. Beides leichter aber effektiver Sport. 
Der Rest der Reha bestand aus Entschleunigen, Achtsamkeit, Ernährung und Vorträgen. 

In der zweiten Woche fragte ich kleinlaut bei meinem Arzt ob er mir das angebotene Psychologengespräch doch einrichten könnte. Einen Tag später stand es auf meinem Therapieplan. 
Und es hat mir verdammt gut getan. ! 
Ich muss nicht immer stark sein, 
ich muss nicht immer springen wenn andere es verlangen,
ich muss mehr auf mich selber achten.
Ich darf auch mal Weinen wenn es mir schlecht geht,
ich darf auch mal sagen wenn ich meine Ruhe haben will,
ohne schlechtem Gewissen ! 
Panikattaken lassen sich mit Spaziergängen am Meer bei Wind und Wetter bewältigen.

UND: Ja ich bin stark. Auch wenn ich selber nicht mehr so wirklich an mich glauben wollte ! 

Den Rat meiner Psychologin befolgte ich promt. Ich zog meine Jacke an, lief zur Steilküste, setzte mich auf einen Stein, grübelte, schaute aufs Wasser und heulte das erste Mal seit Wochen wieder ausgiebig und laaaaaange. Und ich hatte das Gefühl alles ausgeheult zu haben was sich wochenlang in mir angestaut hatte. Zum ersten Mal seit Langem hatte ich das Gefühl wieder ein wenig in mir angekommen zu sein.

Seitdem bin ich jeden Tag zum Strand gegangen und aus einem notwendigen Übel wurde immer mehr Spaß. Sogar die Kamera habe ich mitgenommen und 491 Fotos in 2 Wochen geschossen.
Auch zu den anderen Mitpatienten bekam ich so langsam mal einen Draht. 
Ich fing an mich mit mir selber und meiner Krankheit auseinander zu setzen. Negativ sowie auch Positives zu sehen. Und ja auch trotz Krebs gibt es durchaus positive Dinge im Leben.
Negatives wurde verbannt, Facebook für 2 Wochen abgemeldet und auch Telefonate oder Whats App beantwortete ich nur wenn mir danach war. 
Diese Auszeit brauchte ich um die volle Konzentration mal nur auf mich und die Reha zu lenken.
Durch die Vorträge bekamen wir viel nützliches Wissen vermittelt, der Zusammenhalt untereinander wurde stärker und letztlich konnte ich gestern mit einem guten Gefühl heimfahren.

Ich bin noch lange nicht dort angekommen wo ich gerne sein möchte, aber ich bin auf einem guten Weg. Ich habe gelernt dass es Dinge im Leben gibt die wir einfach nicht beeinflussen können, egal wie sehr wir es uns wünschen, aber wir können immer versuchen das Beste aus allem zu machen egal wie schwer es manchmal wird ! 

Es wird einige sehr gravierende Änderungen in meinem Leben geben müssen. Zwangsläufig körperlich bedingt und auch durch die Ärzte angeordnet...aber ich bin jetzt an dem Punkt wo ich sagen kann es wird nicht schlechter sondern eben nur anders. Und vielleicht sogar reizvoller und mit neuen Chancen gespickt. Ich bin gespannt / entspannt ! 

Freitag, 7. September 2018

Zeitraffer II

Donnerstagnachmittag werde ich an Tag 38 also ENDLICH entlassen.

Daheim angekommen fühlt sich alles so anders an. Mit der Wunddrainage im Körper kann ich mich nicht bewegen wie ich gerne möchte. Selbst unser Ehebett ist nun anders. Wir mussten die Bettseiten tauschen da ich mit dem künstlichen Blasenausgang nimmer auf der rechten Seite schlafen kann. Alles so Dinge die uns vorher nicht bewusst waren. Unser Leben / mein Leben ist in einigen Bereichen nun doch anders geworden und ich muss mich erst einmal rein finden. 
Bei den kleinsten Anstrengungen merke ich sofort dass ich völlig konditionslos bin. Zudem bin ich von 0 auf 100 in die Wechseljahre gekommen weil sie mir während der OP nun doch alles entnehmen mussten was Hormone produziert. 
Dieses von 0 auf 100 setzt mir ebenfalls ganz gut zu. In einem Moment habe ich Winter und im nächsten Hochsommer. 

Mein Körpergefühl passt zu meiner mentalen Stimmung. Mal so mal so ! 

Freitags telefoniere ich mit dem Urologen in der Nachbarstadt. Es geht um die Wunddrainage, die muss ja irgendwann mal raus. Zudem brauche ich eine neue Krankmeldung. 
Also nein, Drainage und AU dafür seien sie nicht zuständig , dazu müsse ich zum Hausarzt. 
So mache ich nur fix einen Termin für die Wundkontrolle und danach fährt der Liebste mich zur Hausärztin. Ne, also Wunddrainage ist nicht deren Gebiet, sollte damit was sein muss ich wieder in die Klinik. Ich bin genervt von diesem Hin und Her ! 
Immerhin bekomme ich noch etwas Kochsalzlösung und Spritzen mit und kann somit im Notfall auch selber die Drainage anspülen. Wundverband und Desinfektion für den Verbandwechsel , den muss ich nämlich auch selber machen, auch dafür fühlt sich keiner zuständig. !

Den Rest des Tages sowie das Wochenende verbringe ich auf der Couch, umringt von drei Plüschpopos die mich sehr vermisst haben müssen, so kuschelbedüftig ist die Bande. 

Sonntag lässt mich die Drainage trotz mehrmaligem Anspülen im Stich und bleibt trocken. Da ich aber relativ beschwerdefrei bin, versuche ich erst einmal nicht in Panik zu verfallen. 

Montag soll ich zum Urologen. Wundkontrolle. Alles was ihn interessiert sind lediglich meine Nieren. Die sind aber sauber und arbeiten hervorragend. Freitag soll ich wiederkommen, zur Wunddrainage äußert er sich nicht wirklich. Ich soll halt nochmal den Beutel wechseln und neu anspülen.

Danach bummeln der Liebste und ich durch die Stadt. Alles ganz gemächlich und im Schneckentempo. Ich brauche dringend Sporthosen. Durch den künstlichen Blasenausgang und meine 20 cm Narbe quer durch die Bauchdecke, kann ich mich nun zukünftig von meinen geliebten Jeans verabschieden. Es ist wie es ist. 
Zum Optiker müssen wir auch noch, irgendwie kann ich immer schlechter sehen, und nach dem Sehtest wird uns dann auch schnell klar das ich eine neue Brille brauche. Danach gönnen wir uns noch ein leckeres Kaffeetrinken im Cafe am Marktplatz und dann muss ich heim, ab auf die Couch, ich bin so richtig platt. 

Dienstag befolge ich den Rat meines Urologen. Drainage neu anspritzen. 50 ml Kochsalzlösung. Es fließt in meinen Körper aber nimmer raus. Shit !  2 Stunden später bekomme ich Schmerzen und ach verdammt: Fieber ! Trotzdem bleibe ich erst einmal relativ ruhig. 
Die Nacht aber ist die Hölle, Schmerzen und Fieber und ich habe ein Déjà-vu und ausgeprägte Panikattaken.

Mittwoch lässt es sich nicht mehr aushalten, ich packe meine Notfalltasche und wir fahren in die Klinik. Ich bin relativ schnell dran und werde von dem Arzt behandelt der mich auch mit operierte. Er nimmt sich alle Zeit, macht einen ausführlichen Ultraschall und beruhigt mich: Flüssigkeit kann er keine sehen, er zieht also die Drainage raus, woher die Schmerzen kommen kann er sich aber auch nicht erklären. Wir plaudern ein wenig nebenbei und er fragt wie ich die Tage daheim verbracht habe. Ich erzähle ihm von den Arztbesuchen und dem Stadtbummel. 
Hätte ich man lieber die Klappe gehalten....
Denn dann bekomme ich einen verbalen Einlauf von ihm der sich gewaschen hat.
Ob mir eigentlich bewusst sei wie krank ich wäre, dass ich eine der schlimmsten urologischen Operationen hinter mir hätte die es wohl gibt. Ob mir nicht klar wäre dass ich mich schonen soll / muss. 
Ich bin ein wenig angepickt und reagiere auch dementsprechend leicht gereizt. Wenn die Physio mich im Krankenhaus schon über die Flure scheucht und mich Treppen laufen lässt und mich dazu verdonnert mich viel zu bewegen, dann werde ich ja wohl auch einen kleinen Bummel im Schneckentempo machen dürfen. 
Er ist sichtlich entgeistert und sagt mir wenn er das mitbekommen hätte dann hätte er mir und der Physio die Ohren lang gezogen.
Treppen sind für mich die nächsten Wochen absolut verboten. Kleine leichte Spaziergänge sind erlaubt, aber keine Shoppingtouren mit Treppen laufen und hier und da mal bücken. Viel liegen , wenig sitzen. Ebenso darf ich nicht über allerhöchstens 5 KG heben. (Ups...Der Kater wiegt ja schon 7 KG) Er sagt für mich sind die nächsten Monate Schonung angesagt und ich solle mich darauf einstellen dass es eine Heilphase zwischen 6 - 9 Monate bedarf. Ich habe 30 offene Wundstellen in meinem Unterleib die erst einmal gescheit verheilen müssen. Mein überwiegender Aufenthaltsort soll in der nächsten Zeit die Couch sein. 

"Schalten sie endlich mal runter Frau Deichkind !"
Mit diesen Worten entlässt er mich !

Daheim packe ich mich auf die Couch, Fieber und Schmerzen sind meine Begleiter. Mal mehr mal weniger. Am nächsten Tag wissen wir endlich warum. Die haben auch am Darm operiert und dieser spielt mal wieder Diva und hat sich entzündet. Also Diät und Schmerzmittel. Ich weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll. Trotz allem bin ich doch erleichtert dass es diesmal nicht von der Drainage kam. Freitag hat der Urologe nochmals ein Blutbild gemacht, sämtliche Werte sind wieder einmal durcheinander und keiner so wie er sein soll. Letzten Montag erneute Kontrolle. Die Schmerzen werden aber endlich besser und auch die Diva scheint sich endlich zu beruhigen. 
Kommenden Montag nochmals Ultraschall und Blutkontrolle und am Dienstag fahre ich nun doch zur Reha. 

Um es mit Gaby Kösters Worten zu beschreiben:

"Ein Schnupfen hätte auch gereicht"

Donnerstag, 6. September 2018

Zeitraffer I

Ja ich lebe noch....wenn auch manchmal mit dem Kopf unterm Arm...aber immerhin....LEBEN !

Die letzten Wochen war ich nicht fähig längere Zeit sitzen zu können, und auch jetzt klappt es nur mit einem dicken Kissen unterm Hintern und in einer Sitzposition in der gesunde Menschen morgen spätestens komplizierte Verschlingungen des Darm Traktes und Muskelkater in sämtlichen Bein und Po Regionen hätten ;) 
Aber ich möchte gerne mal wieder ein wenig meines Alltags zurück, dazu gehört für mich auch gemütlich mit einem Kaffee am PC zu sitzen und durchs Internet zu surfen und unsinnige Posts zu posten ;) 

Zeitraffer der letzten Wochen...kurz und bündig...

Die erste Woche:
Man lässt mich anderthalb Tage nach der 8 Stunden OP in Narkose vor mich hin schlafen. Ich bekomme nichts mit - worüber ich auch gar nicht böse bin.
Beim Aufwachen habe ich das Bedürfnis jeden zu töten der mir in mein Blickfeld läuft, denn ich habe diesen verdammten Tubus noch im Hals und jede Menge Panik im Blut. Jetzt weiß ich wie sich Ersticken anfühlen muss ! 2 Minuten später bin ich das Ding zum Glück los. Überall hängen Schläuche und das Piepen der Maschinen macht mich fast verrückt. Immerhin...die Medikamente sind so stark dass ich zwischendurch die lustigsten Dinge  in meinem Kopfkino erlebe und dem Liebsten überzeugt erkläre dass man auf dem Überwachungsmonitor auch Netflix sehen könne. Er soll mir das doch bitte mal einstellen. ... ! 
6 Tage umher liegen, zwischendurch gewaschen werden, irgendwer stellt mir immer mal eine Suppe oder Tee in der Schnabeltasse hin und in hübscher Regelmäßigkeit werden meine Medikamente erneuert. Am dritten Tag versucht man mich zu mobilisieren. Man setzt mich auf einen Toilettenstuhl (andere gab es wohl nicht ?) und ich soll mich ein bisschen bewegen. Füße wackeln und son Gedöns.  Das Letzte was ich mitbekam: So ein Fußboden kann sehr schnell sehr nah kommen...und vier Menschen bedarf es mich wieder mit sämtlichen Kabeln und Schläuchen ins Bett zu befördern. Den Tag über bin ich im Eimer als wäre ich einen Marathon gelaufen. Danach wird es aber von Tag zu Tag besser.


Die zweite Woche:
Man verlegt mich Dienstags auf die Normalstation. "Ach...eigentlich ist die ja schon ganz fit...die kann auch selber ins Bad gehen." Das Letzte was ich mitbekam: So ein Fußboden kann sehr schnell sehr nah kommen. Aber immerhin schaffe ich es diesmal alleine ins Bett. Nach ein paar Tagen wird es besser.


Die dritte Woche:
Man entlässt mich urplötzlich Montagabend. Wacken steht an und man braucht ja schließlich genug Betten für die ganzen Honks , die sich bei 40°C die Birne mit Alk dicht kloppen, und sich dann wundern wenn man umfällt. So entlässt man mich also mit einer Drainage die bis dato täglich 500 ml Wundwasser aus meinem Körper Inneren fördert. 
Donnerstags soll ich wieder einrücken, schließlich müssen die Harnleiterschienen noch gezogen werden. Freitags stellt man fest dass ich eine Flüssigkeit im Bauchraum habe, also fällt das Ziehen aus. Aus der Wunddrainage kam schon seit Montagnacht nichts mehr raus, die Ärzte gingen davon aus dass es dann eben kein Wundwasser mehr gibt. Die Drainage bleibt trotzdem noch drin. Freitagabend schickt man mich abermals nach Hause. Sonntags muss ich wieder einrücken.


Die vierte Woche:
Montag, die ursprünglich gedachte Flüssigkeit im Bauchraum entpuppt sich als Fehlalarm, die erste von zwei Schienen wird nun doch gezogen. Die Wunddrainage ist trocken...da kommt nichts mehr raus, die soll auch am nächsten Tag gezogen werden sollte das alles gut sein, dürfte ich Mittwoch endgültig nach Hause. Ich bin skeptisch ! Mit Recht wie sich rausstellt !
Dienstagmorgen wird die zweite Schiene und die Wunddrainage gezogen. Eine Stunde später liege ich mit zwei Decken dick eingemummelt bei 40°C mit Schüttelfrost im Bett und habe Schmerzen wie ein angeschossenes Schwein. Eine Stunde später sind Außentemperatur und meine Körpertemperatur identisch. 
Röntgen - nichts zu sehen. Man ballert mich mit Medikamente zu. Nichts nutzt. Die Nacht ist die Hölle. Ich habe Schmerzen, weine, verzweifel und hasse die ganze Welt und meinen Körper und dieses beschi*** Schalentier ! 
Am nächsten Tag CT. Und dann kam es knüppeldicke. Die erste Drainage hatte sich verstopft und das Wundwasser sich einen neuen Platz gesucht. Unterhalb der einstigen Drainage hatte sich ein neuer See gebildet der auch noch Pilz belastet war. Eine Sepsis. Herzlichen Glückwunsch auch ! 
Bei vollem Bewusstsein jagt man mir eine neue Drainage in den entzündeten Körper. Wieder einmal habe ich das Bedürfnis alle zu töten die daran beteiligt sind und diese Schlamperei mit verantwortet haben. Ich war von Anfang an skeptisch dass die Drainage von 500 ml täglich plötzlich bei 0 ml sein sollte ! Aber was weiß ich denn schon....
Also wieder neue Medikamente, wieder Antibiotikum, wieder fühle ich mich wie dreimal überfahren. Die restliche Woche dämmere ich nur noch vor mich hin, ich mag nichts mehr essen, nicht telefonieren, keinen außer dem Liebsten sehen.
Meine Blutwerte sind so im Eimer dass man überlegt mich wieder auf die Intensiv zu verlegen ! Aber ich weigere mich ! Bitte nicht nochmal ! Das muss auch so wieder gut werden !
Ich habe schlichtweg einfach keine Lust mehr, mental bin ich absolut am Tiefpunkt. Fi*** Dich doch Schalentier ! Ein Schnupfen hätte auch gereicht !


Die fünfte Woche:
Langsam zeigen auch die Medikamente endlich ihre Wirkung. Ich fange wieder an zu essen und kann mich auch selber wieder bewegen und die Station vorsichtig unsicher machen. Lange Strecken schaffe ich nur mit dem Rolli wenn der Liebste mich schiebt. Mitte der Woche hat sich mein HB Wert aber so verschlechtert dass man überlegt mir Bluttransfusionen zu verabreichen. Begeistert bin ich nicht davon. !
Die Drainage fördert kontinuierlich ihre 200 - 300 ml pro Tag und die restlichen Blutwerte normalisieren sich zum Glück allmählich ! 
90-60-90 sind ja eigentlich die Traummaße einer Frau...es sei denn, es handelt sich dabei um Blutdruck und Puls. ! Aus 90-60-90 werden dann sogar noch 70-50- Ruhepuls120. Irgendwas läuft schief, aber kein Mensch kommt darauf. Somit brauchen wir nicht mal ansatzweise über eine Entlassung nachdenken ! 


Die sechste Woche:
Ich bin so richtig angefressen....eigentlich waren Anfangs 2-3 Wochen angedacht, aber ich verbringe noch immer den Sommer in der Klinik. Der Blutdruck ist tagelang absolut im Keller und mir geht es hundeelend. Der HB Wert ist auf 8 gesunken. 12 wären normal. Die Ärzte sind ratlos und ich gefrustet ! Bis die super nette Krankenschwester mir einen Tip gibt. 
Von jetzt auf gleich schmeiße ich mein Oxycodon in die Ecke. BTM ! 
Und auch auf eigene Faust reduziere ich die anderen zusätzlichen Schmerzmittel. Die Schmerzen halten sich trotzdem im Rahmen und wenn es zu arg wird pfeife ich mir halt auf Bedarf etwas ein. Tag für Tag geht es mir endlich besser. Der HB Wert steigt immerhin bis zum Entlassungstag wieder auf 11 und der Blutdruck kommt langsam aber sicher wieder in die normalen Werte, der Puls wird wieder normal und ich fühle mich fast wieder wie ein Mensch. Ich brauche keinen Rolli mehr und der Kaffee schmeckt auch endlich wieder ! 

An Tag 38 darf ich ENDLICH nach Hause. !
Meine Nerven sind im Eimer, ich fühle mich noch leicht überfahren und meine einstige Stärke ist ein wenig arg geschrumpft. Ich möchte einfach nur heim, wieder gesund werden und mein Leben zurück haben.

Aber gesund sieht anders aus...


to be continued

Mittwoch, 1. August 2018

Verdünnter Kaffee schmeckt blöd

Heute ist ein komischer Tag...heute vor einem Jahr lag ich genau um diese Zeit im Krankenwagen und bekam gesagt dass ich einen schweren Herzinfarkt hätte.
Nun, genau 365 Tage später sitze ich hier, habe Schmerzen und bin dennoch dankbar diese OP hinter mich gebracht zu haben.
Innerhalb von 365 Tagen hat mich das Leben zweimal auf eine harte Probe gestellt und eigentlich müsste es das Leben nun begriffen haben dass ich noch nicht bereit bin kampflos aufzugeben.

Puhhhhhhh ich hab gerade Pi in den Augen und verdünnt schmeckt der Kaffee wirklich blöd.... !!!

Dienstag, 24. Juli 2018

Überfahrene Waschbären

Nach 6 Tagen Intensivstation 
bin ich zurück auf meiner Normalstation.
Ich fühle mich wie ein überfahrener Waschbär -
 der Liebste sagt ich sehe auch ein bisschen so aus.
ABER
 es baumelt kein Zettel an meinem Fuß !

Ein durchaus erstes gutes Zeichen !
DANKE für die vielen Wünsche zum letzten Post.😊

Ich bin dann mal noch ein paar Runden schlafen.

Dienstag, 17. Juli 2018

Die Reise geht los

Foto©https://deichkindsreallife.blogspot.com/

Ich sitze zum vorerst letzten Mal am Wasser.
Stecke die Füße hinein, 
höre den Möwen zu,
lasse die Gedanken kreisen,
atme ein, atme aus 
und schmecke den salzigen Wind auf meinen Lippen.

Bitte lass alles gut werden ! 

Leise rollen Tränen über mein Gesicht 
und ich fühle mich zerrissen, 
schwach und zugleich so hoffnungsvoll !

Ich will das mein Liebster sein Lachen wiederfindet,
will erleben wie seine Sorgenfalten verschwinden,
will das meine Eltern sich nicht mehr um ihr Kind sorgen müssen,
will erleben wie mein Kind seinen Weg findet,
will doch nur noch Zeit haben....

Zeit zum Leben !

Will bald wieder hier sitzen und die Füße ins Meer stecken,
den Wind auf meinen Lippen spüren.
Das Salz schmecken....dass vom Meer, 
und nicht das meiner Tränen.

Ich habe Angst vor dem was nun kommt.
Der letzte Koffer ist gepackt, 
alles ist bereit.
Morgen früh geht die Reise los.
Mit wahnsinnig viel Hoffnung im Gepäck.


Sonntag, 15. Juli 2018

Entschuldigung...ich lebe

 © https://deichkindsreallife.blogspot.com/

Irgendwie habe ich das Gefühl dass mir die Zeit weg läuft. Ich habe noch so viele Dinge zu erledigen, möchte noch soviel erleben, und der Tag hat leider immer nur 24 Stunden. Tatsächlich sind die Dinge die ich noch machen möchte, alles positive Sachen die mir Kraft geben. Aber noch nie rannte die Zeit schneller als jetzt !

Freitag traf ich mich mit meiner Schwägerin. Aus mal eben schnell einen Kaffee zusammen trinken, wurden etliche Stunden. Der Liebste hat in der Zeit den Baumarkt geräubert und kam zurück mit gefühlten 27 Tsd Schrauben 300 Brettern und Farbe und Laminat für 10 Zimmer und diversem Zeugs was Man(n) eben so braucht wenn er nur das Büro und die Diele neu renovieren möchte. Unser heimischer Obi-Markt in der Garage, in dem aus eben diesem Grund noch nie ein Auto stand, ist wieder prall gefüllt.  
Während ich im Krankenhaus sein werde, will er daheim anfangen endlich die  Renovierungsarbeiten in Angriff zu nehmen. Finde ich gut. Es lenkt ihn ab und ich steh ihm nicht im Weg herum. Was wir uns sonst wunderbar ergänzen - harmoniert dies bei Renovierung oder Gartenarbeit so gar nicht mit uns. Ich habe auf Lebzeiten Sekundenkleber-Hammer und Nagelverbot....mehr möchte ich eigentlich dazu nicht sagen ;) 
(Außer dass der Vorhang in meiner damaligen Wohnung tatsächlich 4 Jahre lang an der Wand hielt. Als ich dann auszog, war ich sehr froh dass der Liebste zudem auch gut verputzen kann ☺ )

Freitagabend zaubere ich uns ein leckeres Abendessen mit viel Fleisch, frischen Champions und Zwiebeln,  Kroketten und diversen Dips. Mit zwei guten Krimis, und einem fetten Eisbecher, lassen wir den Abend ausklingen. Der Freitag ist dann also auch schon um. 

Gestern gab es dann beinahe leichte Reiberein zwischen dem Liebsten und mir.  
Ich wollte eigentlich ein bisschen raus das Land und Wetter genießen. In den Koog und ans Meer, Seeluft tanken und durchatmen. Außerdem wollte ich zum Friseur und nach neuen Sneakers schauen. Trotz mehrmaligem "Betteln" zog er seine Arbeitsklamotten an und stiefelte aber in den Garten. Wenn ich bockig bin dann ziehe ich mich zurück...so stand er also im Garten und ich lümmelte frustriert auf der Couch umher. Körperlich viel machen darf ich im Moment nicht, obwohl ich am Liebsten vor lauter Frust schon den Teppich herausgerissen und die Schränke ausgeräumt hätte. 
Ich war stinkig, aber so richtig !
Irgendwann wurde es öde und ich schnappte mir einen frisch aufgebrühten Kaffee und gesellte mich zu dem Liebsten in den Garten um die weiße Friedensfahne zu hissen. 
Kaffee und Fahne waren eine gute Idee. Wir schnackten miteinander und er zeigte mir was er für neue Bauprojekte im Garten vorhabe. 
Währenddessen fuhr ein Auto auf den Hof. Ich dachte es sei der Nachbar, drehte mich also auch nicht um weil mir das nicht wichtig erschien. Das Grinsen im Gesicht des Liebsten irritierte mich allerdings schon ein wenig. 
Kurz darauf hörte ich Hundegebell. Moment mal....Hundegebell...unsere Nachbarn haben keinen Hund ?!
Da standen also plötzlich MEINE Eltern auf unserem Hof. Überraschung ! Mal eben einfach so 600 KM gefahren nur damit wir uns nochmal 3 Stunden sehen können. Lediglich der Liebste wusste dass sie kommen würden. Dies erklärte nun auch sein Verhalten. 
Weltbeste Eltern, und bei der Wahl meines Gatten alles richtig gemacht ! 

Und so nahm der Nachmittag gestern doch noch eine wunderschöne Wendung. Leider vergingen diese 3 Stunden viel zu schnell und meine Eltern mussten wieder los. Was hätte ich darum gegeben einfach die Zeit anhalten zu können. Dennoch hat mir dieser kurze Besuch soviel Kraft und Hoffnung gegeben. Kann man mit Worte einfach nicht beschreiben. !!!

Am Abend bekam ich dann doch noch meine Rundfahrt durch den Koog und einen Sonnenuntergang am Meer mit dem Liebsten ;) 

Heute Mittag werden wir Sneakers kaufen, Freunde treffen, lecker mit meiner Schwägerin essen und einen Spaziergang am Meer machen und das Leben genießen.  

In mir manifestiert sich immer mehr nur ein einziger Wunsch:
Ich möchte einfach noch ganz viel Zeit haben zum Leben. Zeit für schöne Dinge ! 

Freitag, 13. Juli 2018

Der Kaffee schmeckt heute nicht

Aufzuwachen und sich zu fragen ob man noch schläft oder wach ist , wer kennt es nicht.

Aber aufzuwachen und sich zu fragen ob man noch lebt oder vielleicht doch schon tot ist,
ein echt richtig beschissenes Gefühl :( Ich bin gerädert. Schlaf ohne Erholung. Heute bin ich wackelig. Der Kaffee schmeckt mir nicht und irgendwie störe ich mich gerade selber. 

Die Nacht war sehr unruhig. Vielleicht lag es auch an so vielen Dingen die mich gerade beschäftigen.
Gestern Abend musste der Liebste mit seinem Chef telefonieren. Ich darf im Moment nicht alleine bleiben da wir nie wissen wann es wieder kritisch wird und ich somit umgehend in die Klinik muss. (Einzelheiten dazu erspare ich euch weil - nicht schön - nicht appetitlich . Punkt

Als er mit den ersten Sätzen erzählt was gerade Phase ist kribbelt es schon leicht in meinem Magen.
Als ich ihn dann aber sagen höre:
"Stell Dir das Schlimmste vor und pack noch eine Schippe drauf" brechen meine Dämme.
Denn mein sonst so taffer und stabiler Liebster hat eine ebenso große Angst wie ich. Alleine seine Tonart während er telefoniert bringt mein Herz zum Beben. Ich kann ihm diese Angst nicht nehmen :(
Und ehe ich mich versehe gehen meine Schleusen auf und ich muss mal eine Runde fürchterlich abheulen. Aber nur kurz, dann habe ich mich wieder gefasst. Nase putzen, Krone richten, Kopf hoch - weiter geht es. 

Ich hab im Leben nicht so arg viel erreicht. Ich war aus der Kategorie : Kind zu verschenken, wenn mein Sohn nur annähernd so schlimm gewesen wäre wie ich, hätte ich ihm die Hammelbeine lang gezogen. Aber sowas von !
Ich bin nur gelernte Einzelhandelskauffrau und habe weder ein Haus gebaut noch mehr als ein Kind lebend bekommen. Ich fluche, benutze böse Wörter, streite auch gerne mal aus Lust und Langeweile, vertrage mich aber genauso gerne wenn ich mit jemanden im Klintsch liege. Schminken finde ich ok, reicht aber wenn es nur zu besonderen Anlässen ist. Klamotten müssen adrett aber bequem sein, Schuhe besitze ich nur wenige und die sind meist sportlich und Handtaschen finde ich absolut grauenvoll. Dafür habe ich einen Nagellacktick und meine Fingernägel mache ich seit geraumer Zeit dezent selber. Ich bin vernarrt in meinen Liebsten und meinen Sohn und meine 3 Plüschpopos, liebe gute Musik von A-Z, und gegen gutes Essen, vor allem Richtung Fleisch, habe ich leider niemals etwas einzuwenden.  Zudem finde ich das Gemüse und Pommes eigentlich nur zu Dekozwecken dienen. 

Alles in allem bin ich zwar eine Frau, aber keine Püppi 
und in erster Linie bin ich MENSCH.

Aber hey....ich bin seit 3 Jahren Admine einer Facebookgruppe unseres schönen Kreises ;) 
Immerhin.... :) 

Zurück zum Thema.
In der besagten Gruppe ist mir auf Grund der letzten Wochen einfach schlichtweg entgangen das unser Titelbild immer noch ein Winterbild mit Schnee und Eis ist. Mitglieder die hinzugefügt werden wollten, mussten leider sehr lange auf eine Bestätigung warten, und generell habe ich mich dort sehr rar gemacht. Nachdem gestern dann mal eine "Beschwerde" in mein Postfach flatterte, sah ich mich genötigt eine kleine Stellungnahme zu schreiben. 
Ich habe nicht geschrieben was genau los ist, nur eben dass ich derzeit eben gesundheitlich verhindert bin, mir ein 3 wöchiger Krankenhausaufenthalt bevorsteht, danach die Reha, und einige Dinge einfach eben länger brauchen.  Sie möchten bitte ein bisschen nachsichtig sein. Viele gute Wünsche erreichten mich und durchweg nur Verständnis. Die Menschen die über die Diagnose Bescheid wissen, schrieben sehr herzliche Sätze aus denen hervorgeht dass es sich eben nicht nur um einen Schnupfen handelt. (obwohl mir dieser eindeutig lieber gewesen wäre)
Einige Reaktionen in mein Postfach haben mich aber auch erschüttert.

MH schrieb mir, sie sei letzte Woche im Krankenhaus gewesen. Brustkrebs mit 49. F**k Dich Krebs. Es ist so ungerecht ! Bisher sagen die Ärzte dass sie mit einer Strahlentherapie davon käme. Sie kämpft und hofft. Ich kann ihr gerade so arg nachempfinden. 

MB schrieb mir...wenn wir irgendwas bräuchten sollen wir uns bitte melden. Egal ob es wegen der Plüschpopos sei, oder weil wir jemand zum Reden bräuchten. Wir alle zusammen haben gerade ihre beste Freundin beerdigt und trotzdem hat sie die Kraft für uns da zu sein. Welch eine Größe !

Und da kommen wir zu dem Punkt der mich auf der einen Seite sehr wütend macht aber dennoch auch einfach nur schmerzt.
In dieser besagten Gruppe ist auch meine ehemals beste Freundin. Ich habe zwar viele Bekannte, aber zu wirklichen Freunden zählte ich nur A. und Caro. Caro ist seit der Diagnose (und auch vorher schon) immer für mich da, wir lachen und weinen gemeinsam, sind eben füreinander da wie es unter Freunden auch sein sollte.

A. lernte ich vor einigen Jahren kennen. Wir hatten die selben Ansichten was Familie, Kinder und generell das Leben betrifft. Wir hatten die selben Ansichten was Ehrlichkeit, Vertrauen und Loyalität betrifft. Wenn es einer von uns schlecht ging war die andere sofort zur Stelle. Über viele Jahre hinweg. Wir feierten manch feuchtfröhliche Party und telefonierten miteinander und trafen uns oft und sehr regelmäßig. Caro war mit im Boot, und wir waren ein wunderbares Dreiergespann und auch der Rest unserer Familien verstand sich perfekt miteinander.
Bis letztes Jahr.
Ich weiß bis heute nicht was A. so veränderte. Ihr Partner wurde krank, seine Firma ging in Insolvenz, und wer Kinder hat weiß wie teuer ein Leben sein kann. Caro und ich haben nicht eine Sekunde drüber nachgedacht und einfach geholfen. Finanziell und materiell und auch emotional. Viele Stunden und Wochen haben wir sie getröstet, Tränen getrocknet, und gemeinsam versucht zu helfen so gut es ging. So ist das eben unter Freunden. Dachten wir !

Dann kam mein Herzinfarkt und ein paar Wochen darauf der Tot meines Schwagers. Die eigenen Prioritäten im Leben verschieben sich nach solchen Ereignissen.
Wir trafen uns nicht mehr so oft, denn man merkte das A. mit dem Thema Tod , Trauer und Krankheit nicht umgehen konnte. Mir war zu diesem Zeitpunkt dann auch nicht mehr nach Feiern und Trinken und Jubeln, zumal ich böse am Verdrängen litt. Alles was ich bis dahin auf die Seite lächelte, holte mich mit einem Schlag ein, ich verfiel in eine böse Depression und kämpfte mit Panikattacken und meiner täglichen Angst. Mein Leben bestand eine Weile aus Tagesklinik und daheim sein. Mehr war mir nicht möglich. Zudem steht meine Familie an oberster Stelle in meinem Leben, und die brauchte mich , genauso wie ich sie brauchte. Da war nicht mehr viel Zeit für andere Dinge.

Also grenzte A mich immer mehr aus, rief nimmer an, kam nicht mehr vorbei und zog sich von mir immer mehr zurück und traf sich nur noch mit Caro. Aber auch bei Caro spielt das Leben oft derbe Streiche und auch sie hat ihr Päckchen mit sich zu tragen. Und so erging es Caro dann letztendlich wie mir. Sie stand plötzlich ohne A. da. Von der einstigen Hilfe kam nichts zurück. Wir standen beide vor einem riesen Fragezeichen. Trotz mehrfacher Nachfrage was los sein, sie könne mit uns reden, so wie wir es immer getan hatten, kam einfach schlichtweg nichts mehr ! Pure Ignoranz. Wir haben irgendwann aufgehört uns zu bemühen und gedacht es renkt sich wieder ein. Vielleicht braucht auch alles nur seine Zeit.

Nun lag ich vor 4 Wochen das erste Mal im Krankenhaus. In meinen WhatsApp Status postete ich ganz bewusst mein Krankenhausbändchen und schrieb:
Ich könnte jetzt mal etwas Halt gebrauchen. (Ja ich weiß...Männer werden an dieser Stelle vermutlich den Kopf schütteln, Frauen sind halt manchmal merkwürdig ;) )
Aber ich machte dies ganz bewusst. Und dann passierte genau das was ich mir gewünscht hatte.
A. schrieb mir und fragte was los sei. Ich schrieb ihr in kurzen Sätzen von dem kleinen Scheisser. Wir schrieben ein wenig hin und her und zum Abschluss schrieb ich noch dass ich sie vermisse und mich gerne nach der Klinik auf einen Kaffee mit ihr treffen wollte. Ja das würden wir unbedingt machen schrieb sie mir zurück.
Das war das Letze was ich von ihr las.

A. ist auch in dieser Gruppe...A. ist dauerhaft online und hat immer das Handy in der Hand, also hat A. auch diesen Text gelesen, die Reaktionen gesehen. Sie weiß also dass es wohl etwas ernster bei mir ist. Trotzdem hat sie sich nicht gemeldet.
Nicht einmal kam in den letzen Wochen wenigstens mal die Frage wie es mir geht. Ob ich alles gut überstanden hab. Einmal die Woche kommt sie auf unseren Hof, leiht sich unseren Hänger aus, bringt die Zeitung, und dann den Hänger wieder zurück. Nicht einmal hat sie geklingelt wenn unser Auto auf dem Hof stand. Nicht einmal haben wir Kaffee getrunken und uns vielleicht mal ausgesprochen. Es ist gerade als hätte es sie nie gegeben :(
Und es fühlt sich Scheiße an !

Liebe A. : ich vermisse Dich. !  --- ich vermisste Dich ! 
aber in erster Linie bin ich MENSCH !

Ich werde Dir nicht mehr hinterherlaufen - aber verstehen kann ich Dich auch nicht mehr. Du bist mir fremd geworden.

Mein Kaffee schmeckt mir nicht---und eigentlich könnte ich gerne nochmal zu Bett gehen. Decke über den Kopf, Gedanken abschalten.

Donnerstag, 12. Juli 2018

MUSS ich mal aufgreifen



In meiner Leseliste findet ihr den Link zum Soulweeper.
Er hat vor Kurzem einen so tollen Beitrag gepostet der mir einfach keine Ruhe lässt und den ich hier nochmal aufgreifen möchte.  Vom Gänseblümchen .

Seit letztem Jahr weiß ich mehr denn je was es bedeutet da zu sein, zueinander zu stehen, in guten wie in schlechten Zeiten. In Freude, Leid und Schmerz.
Wir hatten letztes Jahr einen Trauerfall in der Familie. Elendes Sterben über acht Wochen hinweg. Mein Schwager. Viel zu jung und ein herber Verlust für die ganze Familie. Meine Schwägerin stand plötzlich alleine mit einem autistischem Kind. Kaum war mein Schwager unter der Erde kümmerte sich niemand aus der Familie um meine Schwägerin. Widerliches Verhalten. 
Es kamen Hochzeitstag, Weihnachten, Silvester und Ostern. Es kamen Trauer, Krankheiten, Sorge um den Sohn, finanzielle Sorgen und sonstige übliche Probleme. 
Was aber nicht kam war Hilfe. 
Kein: "Wie geht es euch. ?" 
Kein: "Kann ich euch helfen. ?" 
Versprochen haben sie es alle, gehalten hat es keiner. 
Dabei hat sie nicht viel verlangt, hat nie geklagt. 
Ein einfaches "hey ich komm mal zum Kaffee und Reden vorbei". 
Mehr hat sie gar nicht gewollt - es hätte ihr vielleicht ein paar Tränen und Einsamkeit und das Gefühl von Alleine sein ersparen können. 
Geblieben sind nur wir von der Familie. 
Sie, ihr Sohn, der Liebste und ich. 
Eine Einheit die sich gegenseitig Halt gibt.
Auch jetzt ! 


Und auch jetzt wieder das beste Beispiel.
Ich werde oft gefragt wie ich meinen Humor behalten kann, wieso ich so ruhig und gelassen bin.
Soll ich euch mal was verraten ?
Mir geht der Arsch verdammt arg auf Grundeis, und in Wirklichkeit bin ich oft kurz vorm "Keine-Luft-mehr-bekommen", auch meine Nächte sind beschissen und eigentlich finde ich das alles so RICHTIG zum Kotzen ! 
Aber dann sind da Menschen die mich auffangen, die für mich da sind, die sich einfach ins Auto setzen, mit mir einen Kaffee trinken, mich in den Arm nehmen und mir mein Lachen zurück bringen.
Da sind gerade Menschen die mich spontan anrufen:
"Ich bin auf Deiner Ecke, lass uns was Essen gehen"
"Ich komme nach Feierabend auf einen Kaffee vorbei" (Ja ich bin ein Kaffeejunkie ;) )
"Ich komm Dich im Krankenhaus besuchen, dann mischen wir die Bude auf"

DAS ist Hilfe. Es kostet nicht wirklich etwas, es kostet vielleicht ein wenig Zeit. Aber mehr auch nicht. Aber diese Zeit ist so unglaublich wertvoll und hilfreich. Nehmt sie euch. Und wenn es nur für 10 Minuten sind. Ehrliche Worte, ehrliche Wertschätzung sind manchmal der beste Therapeut und die gesündeste Medizin.


Persönliche Randnotiz:
In diesem Sinne liebe A. Danke für viele schöne Jahre. Eine Freundschaft besteht aus 
Geben und Nehmen und nicht Nehmen und Gehen ! 
Schon gar nicht wenn man am Meisten gebraucht wird ! 
Ich wünsche Dir von Herzen dass Du niemals diese Erfahrung im Leben machen musst ! 

Dienstag, 10. Juli 2018

Erstens kommt es anders....

...zweitens schneller als man denkt. 

Ich freute mich sehr auf Freitag, auf den Besuch meiner Cousine, auf das Meeresleuchten am Abend am Strand, zu dem der Liebste und ich beide endlich mal gemeinsam frei gehabt hätten.
Ich freute mich auf ein entspanntes und schönes Wochenende. 

Aber wie es so ist im Leben....es kommt meistens anders. So auch diesmal.
Gerade sind die Kuchen ausgekühlt und das Essen für Freitag vorbereitet, als ich zu Bett will. 
Zwei Stunden später finde ich mich aber mit einem kompletten Verschluss der Blase in unserer Notaufnahme wieder. Das übliche Prozedere, Blase wieder frei bekommen, 4 Tage liegen. 
Danke auch.

Die Station ist ok, das Essen durchaus annehmbar, Netflix und ich sind nun die besten Freunde, Besuch bekam ich auch genug, lediglich der Ort war falsch. Daheim wäre eindeutig schöner gewesen. 

Und wenn ich schon mal da bin, kann man das Tumor Konzil ja auch gleich vorziehen. Ich darf den Liebsten noch dazuholen und dann geht es los.  

Es ist erstaunlich wie freundlich Dir Menschen gesinnt sind, wenn Du mit solch einer Diagnose in solch einem Alter vor ihnen stehst. 
Am Besten gefiel mir die Schwester beim Anästhesiegespräch. 

"Frau Deichkind...ich möchte Sie gerne an jedem Tresen der Welt wiedersehen, dann trinken wir einen zusammen, aber hier an diesem Ort will ich sie nie wieder zu Gesicht bekommen.Verstanden ?"

Jepp hab ich, liegt aber ja nicht in meiner Hand ;)

Das Anästhesiegespräch geht über eine Stunde, aber mir sind einige Sorgen genommen, denn ich bin dort bestens aufgehoben. 

Dann geht es zum Konzil.
Der Oberarzt schaut mich lange an, schüttelt den Kopf, und sagt mir das dies nun die letzte Hürde sei, und ich dann aber wirklich mal oft genug hier geschrieen hätte, und es damit dann auch mal gut sein muss. 
Ganz meiner Meinung.

Er bespricht mehrere OP Möglichkeiten mit uns. Bei einigen sträuben sich mir sämtliche Nackenhaare. Ich wollt gesund werden aber das Elend nicht noch vergrößern. Das sieht er zum Glück genauso und auf Grund meines Alters haben wir auch anderer Optionen.
Nun sieht es also so aus dass ich vermutlich endlich wieder rattenschlank werden könnte. 
Ja....nach der OP passen mir meine 36 Klamotten wohl wieder....ein Traum :D
Wir einigen uns nun darauf:
Die Blase, die Gebärmutter, der linke Eierstock, der Blinddarm, Lymphknoten und 30 cm Darm werden mir nächste Woche in einer ca. 6 stündigen OP entnommen. Was soll man auch mit soviel Gedöns. Braucht eh kein Mensch. 
Ich frage ihn warum so viel Zeugs raus muss. Er erklärt mir dass man meine Blase vergleichen könnte mit einer Wand. 
Tapete - Putz - Mauer. Der kleine Scheißer hat die Mauer erreicht, bei der OP wird sich noch rausstellen ob er sie auch bereits durchbrochen hat. Und da ich noch ganz alt werden will, nimmt man vorsichtshalber alles nahe liegende mit raus falls irgendwo schon Metastasen vorhanden sind. 
Diese Sorge kann er mir leider auch nicht nehmen, denn alles was sie entnehmen wird nochmal eingeschickt in die Pathologie und mikroskopisch untersucht. Finden sich dort tatsächlich Metastasen bleibt mir auch eine Chemo nicht erspart. Also von wegen raus mit dem Zeugs- Gefahr gebannt, dem ist leider noch nicht so. Aber trotz allem bin ich erst einmal optimistisch. 

Danach darf ich zur Reha, und da kommen wir wieder zu dem Punkt das Krebspatienten doch irgendwie etwas netter behandelt werden. Ich habe einen Wunschort und promt schreibt er diesen auf und sagt dass wir das hinbekommen. Wie toll , ich freue mich. 

Nach den Gesprächen durfte ich nach Hause. 
Nun habe ich nochmal eine Woche zum durchatmen daheim. 

Erstaunlich finde ich mich selber gerade. Während mein Umfeld in Panik versinkt, bin ich die Ruhe selber. Es ist wie es ist, und wir müssen das Beste darauf machen. Natürlich finde ich das alles nicht lustig, und natürlich habe ich auch mal schwache Momente, aber dennoch habe ich den festen Glauben dass sie mir helfen können. Ich habe noch unendlich viele Ziele im Leben, und Träume und Wünsche, und an die klammere ich mich gerade sehr und will sie noch erreichen. Der Arzt sagte mir ohne OP bleiben mir nicht mal mehr 10 Jahre, mit OP kann ich unter Umständen aber noch recht ein paar Jahre schaffen.

Also Augen zu und durch und hoffen und auf schöne Dinge freuen. 
Und irgendwie wäre es ja auch echt blöde wenn der Blog nach so kurzer Zeit schon wieder unbeschrieben bleiben würde ;) 

Donnerstag, 5. Juli 2018

Büsschen bekloppt ist man ja !

Der Befund liegt uns vor. 6 g Gewebezeugs haben sie entnommen. 6 g sage ich zu dem Liebsten, ist ja nicht so wild und nur ne minimale Menge.
Doch sagt er, 6 g sind eine Menge und definitiv nicht wenig.

Und was mache ich heute ? Stehe an meiner Küchenwaage und schaufel 6 g feinstes Gelee Katzenfutter darauf. Ohhhhhh ...ist ja doch nicht so arg wenig.
Mit der Waage in der Hand laufe ich zu dem Liebsten um ihm das zu zeigen.
Er schaut mich etwas irritiert an und sagt
"Das musstest Du jetzt unbedingt wissen oder ? Nen büsschen bekloppt biste ja"
Vielleicht hat er Recht. 
Ach was solls ;) 


Bekloppt ist auch meine Cousine die mich heute morgen in aller Herrgottsfrühe mit dem Telefon aus dem Bett klingelt. Sie hat gestern mit meinen Eltern telefoniert, und mein Paps hat "gepetzt".
Und weil sie das alles so unfassbar fucking mistig findet hat sie sich kurzerhand ihren Mann geschnappt und nun sind die beiden auf dem Weg in den Norden. Damit wir uns morgen mal ein paar Stunden sehen können. 700 KM einfach mal so für ein Hallo und ein Kaffeetrinken. Aber sie muss morgen Abend schon wieder gen Heimat fahren. 
Echt bekloppt - aber echt lieb - und ich freue mich sehr auf morgen ;) 


Bekloppt die Reaktion meiner "Schwiegermutter". Meine Schwägerin hat gestern mir ihr telefoniert und ihr von meiner Diagnose erzählt. Ihre Antwort "um mich kümmert sich auch keiner".
Ich weiß schon warum wir in diesem Leben NIEMALS Freunde werden. Schon bei meinem Herzinfarkt reagierte sie recht unmenschlich mit einem "Na und". 
Pühhhhhhhh man gut das ihre Söhne so ganz und gar nicht nach ihr kommen. Unfassbar bekloppt ! Sorry....meine Meinung.


Bekloppt heute auch mein Verhalten. (abgesehen von der Katzenfutterwiegeaktion ;))  Manchmal falle ich unbewusst in alte Muster zurück und ärgere mich hinterher ganz arg darüber. So auch heute. Ich hatte einen Termin beim Big Boss. Gratulation zum 10 jährigen Jubiläum. 10 Jahre arbeite ich schon in dem Irrenhaus. Da verdient man sich schon mal eine Urkunde und einen Blumenstrauß und einen kleinen finanziellen Bonus  ;) 
Nachdem wir das Schöne abgearbeitet haben, kommen wir zum weniger schönen Teil. 
Ich sage ihm dass ich ihm das eigentlich nicht sagen müsste, aber es fair finde wenn er sich darauf vorbereiten kann dass ich nun eine Weile ausfallen werde. Ich erzähle ihm von meiner Krebsdiagnose, verheimliche aber dennoch welches Garding dieser kleine Scheisser hat.  Er muss ja nicht alles wissen !
Er fragt ob ich irgendwie einen Magneten in der Tasche hab - anders lässt sich das nicht erklären dass ich immer solche Katastrophen anziehe. 
Er wünscht mir alles Gute und ich solle gesund werden und mir keine Sorgen wegen meinem Job machen. Er würde sich aber freuen wenn ich mich ab und an mal melde.
Und dann kommt DAS worüber ich mich seitdem schon den ganzen Tag ärgere:
Ich entschuldige mich dafür dass ich krank geworden bin, fühle mich schuldig  weil sie nun wieder meinetwegen Personalmangel haben.
Noch in seiner Gegenwart möchte ich mich gerne selber dafür ohrfeigen wollen. 
Wieso in aller Welt entschuldige ich mich denn ? Echt bekloppt !!! 

Es kann nur besser werden ;) 

Mittwoch, 4. Juli 2018

Caro , eine Freundin über Umwege.


Gestern war ein guter Tag. Der Liebste und ich wuseln im Garten umher. Endlich haben wir gemeinsam mal wieder etwas geschafft. Bisher musste er ja meist immer alleine ran. Da ich mich noch von der letzten OP erholen muss durfte ich nur die kleinen Dinge erledigen, aber immerhin. Ein kleines Hochgefühl für mich.

Nachdem wir einfach keine Lust mehr hatten ließen wir alles stehen und liegen und fuhren ans Meer.
Ich bin ja kein Fan von Covermusik, aber was diese Band gestern im Nachbarort lieferte, war genial und ließen meine Füße im Takt wippen, während ich dabei entspannt im Strandstuhl saß und leckere Scampi frisch vom Grill in Knoblauchsoße futterte. 
Mit einem frisch gezapften Bier in der Hand,  ließ ich meinen Tag recht gelassen und verträumt zum Sonnenuntergang ausklingen. Herrlich !

Heute morgen kam Caro zum Frühstück. Seit der endgültigen Diagnose haben wir uns nicht mehr gesehen, und sie fällt mir erst einmal um den Hals ...und wollte weinen. Mit einem "Du heulst jetzt nicht - ich mache es auch nicht" bringe ich sie aber schnell wieder zurück zur Normalität. 

Caro und ich....das ist so eine Freundschaft über Umwege. Eine von der Sorte "Anfangs konnte ich Dich überhaupt nicht leiden" Und tatsächlich sind das meist im Nachhinein die besten Freundschaften. So auch unsere. Wir lernten uns auf der Arbeit kennen. Für mich war sie einfach nur irgendwie komisch, verklemmt und unfreundlich. Heute weiß ich dass es ihr eigenes persönliches Schutzschild ist. Erst mal Abstand. Da ticken wir recht ähnlich. 
Über die Monate hinweg bestand unser gegenseitiger Wortschatz eigentlich nur aus Moin, Tschüss und: wie musste Du morgen arbeiten ? Mehr nicht. Warum auch...wir mochten uns beide ja nicht sonderlich. 
Dann kam der Tag an dem sie einen schlimmen Unfall hatte. Sie stürzte daheim die Treppe herunter und saß beinahe ein Jahr lang im Rollstuhl. In diesem kam sie irgendwann mal auf der Arbeit angetuckert, und da gerade wenig zu tun war, hatte ich einen Moment Zeit. Und ich sprach sie einfach an. Und wir schnackten und schnackten. Was mir damals einen ordentlichen Rüffel von der Chefin einbrachte weil ich schlichtweg die Zeit vergaß. Tja nu....kann ja mal passieren.
Jedenfalls schnackten wir immer öfter miteinander und fanden eine Menge Gemeinsamkeiten und guten Gesprächsstoff.

Irgendwann im Sommer darauf waren der Liebste und ich unterwegs mit den Rädern und fuhren bei ihr daheim am Haus vorbei. Ich überlegte ob wir uns spontan auf einen Kaffee einladen sollten, ließ es aber dann doch bleiben. Dies erzählte ich ihr ein paar Tage später und ihre Reaktion werde ich nie vergessen. 
Sie war ehrlich sichtlich enttäuscht und sagte mir sie würde sich so sehr über Besuch freuen. Seit sie dort wohnt sei keiner mehr gekommen, da sie sehr weit außerhalb wohnt und sie keine wirklichen Freunde hat. Danach nahm sie mich in den Arm und sagte :
"Bitte komm doch einfach mal vorbei. Ich habe nicht viel, und lebe in keinem Palast, aber Kaffee habe ich immer im Haus" 
Und so kam es dass ich diese Einladung annahm und es sollte fortan nicht nur bei diesem Treffen geblieben sein.
Wir haben viele Höhen und Tiefen durchlebt, haben uns gefetzt, vertragen, haben zusammen geweint, gelacht, und egal was war, wir haben zusammengehalten. 

Heute ist sie eine der wichtigsten Personen in meinem Leben. Mit ihr kann ich lachen, weinen, nochmal Kind sein. Sie gehört zu den Menschen die mir auch mal ehrlich direkt ins Gesicht sagt 
"Ey Du - das war aber jetzt mal so richtig blöd von Dir".
Dafür liebe ich sie ! 

Und ich liebe sie für das was sie mir heute nach unserem Frühstück schickte :

Man sieht ihre Trauer in ihren Augen & diesen Schmerz wenn sie lacht. 
Doch sie hat das Kämpferherz einer Löwin 
und weiß das sie es schafft.



Was bisher in meinem Leben geschah, sie hat nie aufgehört an mich zu glauben, und ist nun auch jetzt für mich da. Sie ist das was man eine echte Freundin nennt.

Dienstag, 3. Juli 2018

Tage zählen

Soeben kam der Anruf meines Urologen.
Am 13.Juli geht es weiter !
Dann habe ich den Termin der Klinik zur Besprechung der weiteren Vorgehensweise. Dass die Blase raus muss weiß ich nun schon. Aber anhand des pathologischen Befundes wird dann eben noch besprochen ob und wie eine Ersatzblase möglich ist, ob eine Chemo notwendig ist...ach und halt all so ein Mistkram mit dem ich mich nie, nie, nie beschäftigen wollte. !

Das heißt mir bleiben noch 10 Tage zum Luftholen !

Und ich habe gerade nur einen festen Vorsatz:
10 Tage stark bleiben und Dinge tun die mir Spaß bringen.

Eis essen gehen, bummeln, ausschlafen, die Füße ins Meer stecken, mit Caro frühstücken, Abende mit dem Liebsten in der Sonne genießen....

Schöne Augenblicke für schwere Zeiten sammeln !!!

10 Tage die ich zu meinen Lieblingstagen machen werde !

Wirkliche Hilfe !

Obwohl ich manche Momente ziemlich down bin, nicht drüber sprechen mag, und einfach mal so in Tränen ausbreche, bin ich trotzdem die meiste Zeit erstaunlich entspannt und gelassen.

Es ist wie es ist und wir werden es nicht ändern können. Aber trotzdem habe ich meinen alten Kampfgeist wieder gefunden.

Was ich die letzten Wochen müde und schwach war, bin ich nun wieder stärker geworden.
Ich messe keinen Blutdruck oder Puls mehr, die Panikattacken kommen noch, aber sind schnell abgearbeitet.

Aufregen kann ich mich momentan am meisten über solche Menschen, die um die Krankheit wissen, um das Ausmaß, und mir trotzdem Kettenbriefe mit Prophezeiungen auf ein langes Leben und viel Gesundheit schicken ! Boah ey...darüber kann ich mich gerade so richtig aufregen. 
Als ob dies die Lösung aller Probleme sei. 
Genauso dämlich finde ich diesen albernen Nervbildpost bei Facebook den nun bald jeder Hans und Franz auf seiner Seite hat:
"Bitte teile das im Kampf gegen Krebs". 
Haben die alle einen Pfeil im Kopf ?

Geht los, helft den betroffenen Menschen aktiv ! Redet mit ihnen, seid für sie da. 
Macht ihren Alltag zu etwas Schönem mit Essen gehen, Spaziergänge, Telefonate, gemeinsames Kaffeetrinken, gemeinsam Lachen  oder eben mit all den Dingen die Betroffenen Kraft geben. 
Da hilft so ein weit geteilter unnützer Facebookpost nämlich mal so absolut gar nicht dabei ! 

Sonntag, 1. Juli 2018

Blogidee



Als ich diesen Blog eröffnete , dachte ich, eines Tages, nach der traurigen Durststrecke, werde ich wieder schöne Geschichten schreiben können.

Ich sitze gerade hier , schreibe einen Post und denke mir:

"Hey...eines Tages sitzt Du wieder hier, nach einer traurigen Durststrecke wirst Du wieder schöne Geschichten schreiben können."

Ich bin zurück....mit neuem Kampfgeist, stärker denn je !
Ich werde nicht zulassen dass der kleine Scheißer mich klein bekommt !


Solange ich atme - werde ich kämpfen !


Samstag, 30. Juni 2018

Klassifikation pt2. G3.

Mit schlotternden Beinen betrete ich die Praxis, mit schlotterndem Herzen verlasse ich sie.

Es gibt keinen Zweifel mehr, der pathologische Befund schreibt es schwarz auf weiß.



Muskelinvasiver Tumor. 

Klassifikation pt2. G3. 

Die Blase kommt raus.
Demnächst bekommen wir einen Termin in der Klinik, ein Tumorkonzil , an dem Onkologen, Chirurgen und ein Psychologe zugegen sein werden, um zu besprechen wie die nächste OP von statten gehen wird.

Ich bin müde...
müde vom nachts weinen, müde vom immer wieder kämpfen.
Einfach nur noch müde.


Dienstag, 26. Juni 2018

Ein Engel auf Erden.

Dienstag betrete ich nervös und unausgeschlafen das Krankenhaus. Schon auf der Station werden mir aber die ersten Magengrummeln abgenommen. Ein freundliches Pflegepersonal nimmt sich meiner an, bespricht Aufnahme, EKG, und weitere Abläufe mit mir.
Kurz darauf erscheint ein Arzt und führt noch ein OP-Gespräch mit mir und untersucht mich nochmals gründlich. Toller Arzt, sehr einfühlsam und erklärend, und keine Frage meinerseits bleibt unbeantwortet.
Ein gutes Patient-Arzt Verhältnis. Ich persönlich finde dass dies immer ein wichtiger Bestandteil zum Genesungsprozess ist.

Den restlichen Tag verschlafe ich zum Glück. Nachts bekomme ich eine Schlaftablette und den Vormittag bis zur OP liege ich im Delirium . Ehe ich mich versehe bin ich wieder auf meinem Zimmer, der Liebste sitzt Händchen haltend an meinem Bett und ich schlafe mich "gesund".
Erst zum Donnerstag werde ich wieder etwas munterer, wage die ersten Schritte, und gönne mir einen leckeren heißen Latte Macciato in der Krankenhauscafeteria. Den restlichen Tag verbringe ich mit Lesen, Schlafen, Zimmerwechsel. Das mein Internet nicht funktioniert empfinde ich sogar mal sehr entspannend, soviel wie die letzten Tage habe ich lange nimmer gelesen.

Mein Zimmer teile ich mir mit einer 83 jährigen Frau und einer Dement kranken Dame. Inge (83) und ich verstehen uns auf Anhieb, sie erzählt mir viel aus einem sehr bewegten Leben, und das Beste an ihr ist ihr unerschütterlicher Humor und ihr Gelassenheit mit der sie schwierige Dinge im Leben bewältigt und abarbeitet. Das Leben hat es nicht immer gut mit ihr gemeint, und trotzdem strahlt sie eine positive Fröhlichkeit und eine unglaubliche Stärke aus, die selbst mich mit reißt und von der ich mir tatsächlich einen Teil mit nach Hause nehmen konnte. Inge und ich stehen im Kontakt, denn trotz ihrer 83 ist sie ein echter Facebookjunkie und wir werden uns demnächst mal auf einen Kaffee wiedersehen.

Frau Engel ist dement. Aber so süß. Sie lächelt immer nur. Nicht einmal hat sie trotz Schmerzen geweint oder gemeutert, sie liegt im Bett und lächelt, und wenn man ihr ins Gesicht schaut denkt man , man schaue einen Engel an. Zumindest kommt es einem so vor.
Als sie in unser Zimmer geschoben wird heißt es sie würde nicht reden.
Ihre Töchter kommen, zwei hat sie, Damen aus Schickimickihäusern.
Jede kommt für ca. 10 Minuten.
20 Minuten Besuch in all den Tagen, sehr erbärmlich ! Sie haben Frau Engel keine Klamotten mitgebracht und nichts Persönliches was ihr vielleicht den Aufenthalt etwas verschönern könnte.
Ich empfinde tiefes Mitleid mit der armen Frau und Abscheu für das Verhalten der Familie.

Am ersten Tag beobachten wir noch wie sie ihr Essen hingestellt bekommt mit dem sie scheinbar nichts anzufangen weiß. Auch zum Trinken hat sie keine Lust. Sie liegt und lächelt. Und schweigt.
Nachts dafür sägt sie allerdings für 20 Mann die Bäume des Klinikums ab. Es ist eine sehr laute Nacht, aber wir sind ihr nicht böse. Stattdessen lesen und beschäftigen wir uns eben anderweitig anstatt zu schlafen.
Am zweiten Tag kommt eine andere Pflegekraft ins Zimmer. Diese ist sehr herzlich und spricht immer wieder auf Frau Engel ein. Sie müsse mehr Trinken. Ob ihr kalt sei, ob sie gut liege. Aber alles was zur Antwort kommt ist ein Lächeln. Aber irgendwas ist an ihrem Blick anders. Sie wirkt klarer und aufmerksamer.
Während wir wieder alleine im Zimmer sind schaue ich immer mal wieder zu Frau Engel hinüber, und irgendwie packt es mich und ich stehe plötzlich neben ihrem Bett und rede auf sie ein. Sie muss dringend trinken, denn ihr Katheter sieht sehr, sehr ungesund aus. Sie schaut mich an, lächelt UND greift zum Becher. Es ist verrückt, aber ich freue mich wie ein kleines Kind.
Immer mal wieder spreche ich sie an, sie schaut mich an, beobachtet und lächelt.
Ich frage sie ob wie ein wenig fernsehen wollen - ihr Lächeln wird noch breiter. Also läuft den ganzen Tag über eine Tiersendung, eine Shoppingsendung und abends Fußball. Ihre Augen sind wach und sie schaut unentwegt in den Fernseher. Und sie lächelt. Zwischendurch schaut sie nun auch mal zu unseren Betten und jedesmal streift uns ein Lächeln und irgendwie auch ein ergreifendes Stück Zufriedenheit.

Am Sonntag sollen Inge und ich entlassen werden. Morgens kommen noch einmal die Schwestern. Wir haben eine  wundervolle Schwester die sich wirklich sehr um Frau Engel bemüht. Sie wäscht sie sehr gründlich, frisiert sie, redet viel mit ihr, zieht ihr ein neues Hemdchen an, denn eigene Klamotten hat Frau Engel immer noch nicht.  Sie schneidet ihr das Essen klein und holt sie endlich einmal aus dem Bett, setzt sie in einen Stuhl damit sie etwas gemütlicher Essen kann. Und das scheint Frau Engel sehr zu gefallen, denn zum ersten Mal isst und trinkt sie sogar recht gut. Als ihr Becher ein wenig weg rückt, setze ich mich zu Frau Engel und reiche ihn ihr immer mal neu oder frage sie ob sie noch einen Haps essen mag. Sie lächelt mich an, und greift tatsächlich nochmal zum Kaffeebecher und einem Joghurt. Ich bin sehr glücklich. Ich kenne diese Dame nicht, aber sie scheint es zu mögen wenn sich jemand wirklich um sie kümmert. Dass ist wohl das was sie wirklich braucht: ein kleines bisschen Aufmerksamkeit.

Es geht auf den Mittag zu, der Arzt kommt und gibt uns unsere Entlassungsbriefe. Inge und ich verabschieden uns herzlich vorneinander, wir drücken uns noch einmal und versprechen uns, uns bald auf einen Kaffee zu treffen.

Dann gehe ich zu Frau Engel ans Bett und verabschiede mich auch von ihr. Mir ist ein bisschen schwer ums Herz weil ich nicht weiß wie lange sie noch alleine bleiben muss und ob ihre neuen Bettnachbarn auch bemüht um sie sind.
Sie schaut mich an, direkt in die Augen - lächelt - und sagt:
"Schade das sie gehen dürfen.".

Das war das einzige Mal wo ich sie sprechen hörte. Aber es hat mich sehr ergriffen und ich drehe mich schnell um damit sie meine Tränen nicht sieht.

Frau Engel wird mir wohl noch eine ganze Weile in lieber Erinnerung bleiben.

Freitag, 15. Juni 2018

Kleiner großer Scheisser

Kleiner Scheisser schimpfe ich ihn nun.
Irgendwie finde ich den Namen passend !

Mittwoch bringe ich meine letzte Schicht für diese Woche hinter mich.
Da ich eh schon leicht gereizt bin, müssen auch meine Kollegen ausnahmsweise mal als Prellbock herhalten ! Schadet ihnen nicht !
Denn wie üblich, zwar wurde ich diesmal immerhin gefragt, könnte ich ja mal wieder länger arbeiten.
Ich verneine und dränge auf einen planmäßigen Feierabend.
Eine Stunde nach dem eigentlichen Feierabend kommt meine Kollegin auf mich zu, da stehe noch Arbeit, wenn sie erledigt sei könne ich dann gehen.
Und plötzlich kommt ein wenig Starrsinn in mich.
Meine klare Ansage:
"NEIN- Dafür das ich gesagt habe ich kann nicht länger bleiben, bin ich aber schon wieder recht lange da"
Sie schaut mich verdutzt an - 5 Minuten später habe ich Feierabend.
Na bitte geht doch.
Kurz danach fetzen wir uns nochmal ein bisschen, denn auch ich habe echt mal so richtig die Schnauze voll. Ich sage ihr dass wir ALLE keine Lust mehr haben wirklich JEDE Schicht länger zu arbeiten, dass wir auch ein Privatleben haben. In welchem wir unsere Termine um die Arbeit basteln und trotzdem vieles davon durch die Mehrarbeit nicht einhalten können.
Ja sie wisse dass ich dauernd immer früher komme und länger bleibe und nein sie sei mir nicht böse das ich nun mal etwas lauter wurde. Was sie wirklich denkt geht mir eigentlich meilenweit vorbei, dass sie sich, wenn ich die Tür hinter mir geschlossen habe, vermutlich beschweren wird ist mir auch total gleichgültig.
Erstens habe ich nun ein paar Tage frei , zweitens habe ich gerade andere Sorgen.

Ich fahre heim, bereite das Essen vor und warte auf Caro.
Wir wollen uns nochmal sehen ehe ich am nächsten Tag zu meinem Termin muss.

Es klingelt an der Tür und sie steht dort mit einer kleinen Überraschung.
Eine Krankenhausnotfalltasche. Prall gefüllt mit Naschi, Säften, Kosmetika, vielerlei guter Dinge und Socken :o) Falls der Winter wiederkommt. Man weiß ja nie.
Jedenfalls freue ich mich sehr über diese Tüte, denn die Idee an sich ist wirklich zauberhaft und man sieht dass es alles mit Herz ausgesuchte Dinge sind.

Wir essen gemeinsam, schwelgen in Erinnerungen, lästern über die Arbeit und verbringen ein paar wundervolle Stunden miteinander.

Am Abend bin ich alleine denn der Liebste hat Nachtschicht. An Schlaf ist nicht zu denken, auch wenn ich hundemüde bin, wälze ich mich hin und her, und die paar Minuten die ich dann mal schlafe, träume ich so bescheuert dass ich nimmer schlafen mag. So stehe ich um 4:00 Uhr wieder völlig übermüdet auf.

Der Liebste kommt kurz darauf aus der Nachtschicht, wir trinken gemeinsam Kaffee und dann starten wir zum CT Termin. Dort angekommen freue ich mich dass wir eine gute halbe Stunde zu früh dran sind. Mit Chance kämen wir vielleicht ja sogar früher dran- so mein Gedankengang. Leider war dem nicht so. Die Absprache zwischen Radiologen und meinem behandelnden Arzt war nicht sonderlich gelungen. So sitze ich noch ganze 4 Stunden umher , trinke anderthalb Liter Kontrastmittel und harre der Dinge die da kommen.
Von Minute zu Minute werde ich unruhiger und nervöser, mein Magen hängt auf halb acht, und die Gedanken purzeln.

ENDLICH bin ich dann kurz vor 12:00 Uhr auch an der Reihe. Das CT an sich geht schnell...eigentlich war nur eins geplant, doch dann schießen sie nochmal Kontrastmittel nach und ich muss 10 Minuten später nochmal durch die Röhre. Das gab mir schon zu denken. Die freundliche Schwester betreibt kurz ein bisschen Smalltalk mit mir und bittet mich dann draußen Platz zu nehmen, sie gibt mir dann meine Bilder raus und danach kann ich gehen.
Doch dann kommt es ganz anders.

Ich werde aufgerufen, aber anstatt mir eine CD zu geben, bittet sie mich in einem anderen Wartebereich Platz zu nehmen, und ja ich solle den Liebsten mitnehmen.
15 Minuten Wartezeit können einem wie eine Ewigkeit vorkommen. !!!
Endlich öffnet sich die Tür zu Arztzimmer, der Arzt kommt raus - zwinkert mir zu und läuft zu einer anderen Behandlung ! Ist das nun sein Ernst ? Tatsächlich muss ich nochmal 10 Minuten warten - meine Nerven liegen blank.
Dann endlich werden wir in sein Zimmer gebeten. Auf seinem Monitor meine CT Bilder.
Die gute Nachricht zuerst, die Lunge , Leber, Niere etc sind sauber
Dann die schlechte Nachricht: der kleine Scheisser ist definitiv da und hat nochmals an Größe zugelegt. Nun ist er nicht nur in der Blase sondern auch außerhalb der Blase befindet sich nun etwas. Der Arzt sagt dabei handelt es sich aber um eine Zyste oder eine Gewebewucherung. Einen Tumor an dieser Stelle schließt er erst einmal aus. Das Teil IN der Blase ist allerdings tatsächlich ein mieser kleiner Scheisser daran gibt es keinen Zweifel mehr.

Relativ nüchtern nehme ich diese Nachricht entgegen, wobei schon deutliche Freude in mir ist das keine benachbarten Organe betroffen sind. Das war so ziemlich meine allergrößte Sorge.

Der Arzt verabschiedet sich freundlich von mir und wünscht mir für die bevorstehende Operation alles Gute.

Wir verlassen das Zimmer, und der Liebste nimmt mich erst einmal fest in den Arm und freut sich diebisch dass bisher nichts gestreut hat. Ich kann seine Freude einerseits verstehen, anderseits aber nicht teilen. So ergeht es mir bisher mit allen Menschen die es wissen. Alle freuen sich wahnsinnig das nichts gestreut hat, und der Tumor auf einen Fleck begrenzt ist. ABER...es ist ein Tumor ! Es ist mein Feind. Vielleicht habe ich ein verzerrtes Bild, aber neben all der bisherigen Erleichterung mischt sich trotzdem bei mir wahnsinnig viel Angst ein.

Ich habe mich nun in einem professionellen Forum und Seiten von Urologen schlau gemacht. Der Feind sitzt in meiner Blase, wird am Mittwoch entnommen, und dann eingeschickt ins Labor. Und erst dann wenn er untersucht wurde kann man sagen, um welche Art Tumor es sich handelt, ist er aggressiv, ist er "harmlos" , hat er schon die Blasenwand angegriffen, wächst er schnell, langsam, breitflächig, zentral etc. All diese Dinge kommen erst noch auf mich zu. 
Ich weiß dass ich nun alle drei Monate zur Blasenspiegelung muss, das der geplante Eingriff am Mittwoch nicht ohne Risiko ist, dass dieses Mistdrecksteil zu gerne zu Rezidiven neigt. Dies konnte ich dann auf der Urologenseite meines Krankenhauses in dem ich behandelt werde entnehmen. Da kommt noch ein bisschen was auf mich zu.
Mir fällt es gerade sehr schwer die Freude zu empfinden die mein Umfeld empfindet.

Nichts desto trotz genieße ich nun noch die Zeit bis ich Dienstag im Krankenhaus einrücken muss.
Ich versuche schwere Gedanken auf die Seite zu schieben und die wenigen schönen Dinge zu tanken.

Ich habe mir fest vorgenommen mich nicht von dem kleinen Scheisser beherrschen zu lassen und erst recht nicht wieder in eine Schockstarre zu verfallen.

Ich kämpfe !

Sonntag, 10. Juni 2018

Jetzt erst recht...

Lass es krachen, sagt meine Kollegin und gleichzeitig auch beste Freundin zu mir.
Es gibt nur eine handvoll Menschen die um die aktuelle Lage wissen.

Lass es krachen, sagt sie, und schreibt mir wenig später noch eine WhatsApp ich soll mein Leben genießen. Und eigentlich hat sie recht. !

So sitze ich gestern Abend auf einer Hochzeitsfeier, genieße das gute Wetter, bekomme Gänsehaut und Tränen bei der wunderschönen Traurede und futtere wie eine halb Verhungerte Spanferkel vom Grill und genieße dazu außerdem seit Monaten mal wieder 3 Cola Bier und 4 Kurze. Ach was solls.
Und tatsächlich kann ich für einen Moment einfach mal vergessen. Das fühlt sich gut an !

Heute überraschen wir einen lieben Freund. Während ich um Mitternacht, nach der Hochzeitsfeier,  noch Kuchen backe, wächst schon ein bisschen Vorfreude auf heute. Unsere Freunde sind zum Urlaub an der Küste, er hat heute Geburtstag und denkt wir wüssten es nicht. Da hat er aber tüchtig falsch gedacht. Meine Schwägerin und ich hecken gemeinsam mit seiner Frau den Plan aus dass wir uns alle bei meiner Schwägerin treffen. Ich bringe den Kuchen mit, meine Schwägerin sponsert Kaffee und Sitzplätze und eine weitere Freundin besorgt noch eben eine sehr schöne Geburtstagskarte. Und so wird unser Freund unter einem Vorwand zu uns gelockt.
Seine Freude ist groß , die Überraschung ist gelungen.
Wir verbringen einen gemütlichen Nachmittag bei meiner Schwägerin und danach gehen wir noch alle gemeinsam zum Essen in ein nahe gelegenes Restaurant.
Ein unbeschwerter schöner Tag mit lieben Menschen den ich einfach genießen kann.

Lass es krachen hat sie gesagt.
Und ich werde diese Woche noch voll auskosten habe ich mir fest vorgenommen.
Tatsächlich habe ich es auch mal geschafft meinem Chef zu sagen dass ich außer dieser einen kurzen Schicht Mitte der Woche nicht mehr arbeiten werde. Mir bleibt somit eine Woche um alle Termine in Ruhe abzuarbeiten und noch Dinge zu tun die mir Spaß bringen.
Seelische Vorbereitung auf das was da noch auf mich zukommt und mir Angst macht.

Jetzt erst recht ! 

Mittwoch, 6. Juni 2018

Und schon wieder Juni

Der Monat Juni und ich , wir werden einfach keine Freunde in den letzten Jahren.
Bis auf Ausnahme des letzten Jahres, lag ich die letzten 4 Jahre immer zum Juni im Krankenhaus und wurde operiert.

So auch dieses Jahr.
Der Anruf aus der Klinik kam vor einer Stunde.
Am 19.06 beziehe ich mein Zimmer und am 20.06 ist der erste OP Termin angesetzt.

Ich habe Angst !

Kann mal einer die Welt anhalten ?


Kann mal einer kurz die Welt anhalten ?
Ich möchte aussteigen...ich kann das alles nimmer !


Ein Arzt der mir nach dem Ultraschall über die Wange und den Arm streicht und mir sagt
"Darüber reden wir dann nach der anderen Untersuchung noch"
Das was da war, ist nun noch deutlicher sichtbar und innerhalb von 5 Wochen breit flächig gewachsen.

Kurz darauf eine Zystoskopie die nun keinen Zweifel mehr lässt. Ein Arzt der daraufhin nicht mehr ganz so zu Scherzen aufgelegt ist wie noch 15 Minuten zuvor.

Ein Anruf vom Arzt noch aus der Praxis mit dem Hinweis "Dringend" in der Radiologie des nahe gelegenen Krankenhauses. Nächsten Donnerstag geht es eigentlich nur noch darum ob "ER" schon ins Muskelgewebe gezogen ist oder andere Organe angreift.

Eine Operationsaufklärung wie genau "ER" beseitigt werden muss. 

Ein trauriger Arzt der mich an den Händen hält während ich hemmungslos weinen muss, und mich zum Abschied feste drückt. Er sagt ich werde nun seine Stammpatientin. 

Das Warten auf den Anruf aus der Klinik die mir nun ein bis zwei dringende OP-Termine ermöglichen sollen.

Der fassungslos traurige Blick des Liebsten als ich wieder heimkomme und ihm erzähle was los ist.

Das Weinen meiner Mama am Telefon.

Ich fühle mich wie in einem schlechten Film. Jahr um Jahr kommen neue Katastrophen und Jahr um Jahr werden sie noch eine Spur verschärfter ?

Ich kann das alles nicht mehr - wo bleibt noch Luft zum Atmen ???