Mittwoch, 3. Oktober 2018

Entschleunigt


Sei wie ein Fels,
an dem sich beständigt die Wellen brechen.
Er bleibt stehen,
während sich rings um ihn
die angeschwollenen Gewässer legen.
(Marc Aurel)


Ich bin zurück :) 

Deutlich entschleunigter und doch gestärkter als noch vor ein paar Wochen. 
Eigentlich hatte ich auch den festen Vorsatz euch mit neuen Posts und Fotos zu beglücken...leider spielte da die grottenschlechte und völlig überteuerte W-LAN Verbindung (49 Teuros !) nicht mit. Das Tablett habe ich einmal ausgepackt, und nach dem x-fachten Versuch ins Netz zu kommen, für die restlichen drei Wochen ungenutzt verschwinden lassen. 

Drei Wochen Strand, relativ gute Wetter und leben in einem Schloss. Was meinen Paps dazu veranlasst , mich nun bei jedem Telefonat mit "Hallo Prinzessin" zu begrüßen. Königliche Hoheit wäre auch ok gewesen....aber gut...wir wollen mal nicht kleinlich sein. ;)

Abgesehen von einem super Frühstücks und Abend Buffet , war das Essen ansonsten eben Kantine, die Zimmer klein aber praktisch und schmuck eingerichtet, die Wege im Haus allerdings Olympia verdächtig  lang ! 10 Tsd Schritte pro Tag nur alleine im Haus. ! 

In der ersten Woche hatte ich das Gefühl völlig fehl am Platz zu sein. Egal wie viel Mühe ich mir gab, ich kam einfach nicht an. Die meisten Mahlzeiten schwänzte ich, die meiste Zeit verbrachte ich in meinem Zimmer. Erschreckender Weise bestand der Haufen nämlich auf Ü50 und weit deutlich aufwärts. Irgendwie fühlte es sich für mich falsch an in einer Krebsklinik zu sein. Die erste Woche war mir eigentlich nur nach Weinen, aber Weinen klappte einfach nicht ! 
Das mir angebotene Psychologengespräch lehnte ich ab weil ich dachte es alleine zu schaffen ! Dumm
Am zweiten Tag hatte ich Sporteinweisung. Ich freute mich endlich etwas "Tun" zu können. Hörte sich auch toll an...wurde aber nichts ! Auf Grund meiner Krankheit und vorangegangen Krankheiten durfte ich lediglich 2 Mal die Woche für je 25 Minuten aufs Laufband bei 5 Km/h. Bei meiner ersten Laufrunde versagte ich kläglich und musste nach 14 Minuten schon abbrechen. Ok...nun verstand ich dieses abgespeckte Programm. 
Schwimmen fiel dann leider auch aus, da ich schon wieder Bakterien im Körper hatte. 
Neben dem Laufband kam ich noch zur Hockergruppe und Atemtherapie. Beides leichter aber effektiver Sport. 
Der Rest der Reha bestand aus Entschleunigen, Achtsamkeit, Ernährung und Vorträgen. 

In der zweiten Woche fragte ich kleinlaut bei meinem Arzt ob er mir das angebotene Psychologengespräch doch einrichten könnte. Einen Tag später stand es auf meinem Therapieplan. 
Und es hat mir verdammt gut getan. ! 
Ich muss nicht immer stark sein, 
ich muss nicht immer springen wenn andere es verlangen,
ich muss mehr auf mich selber achten.
Ich darf auch mal Weinen wenn es mir schlecht geht,
ich darf auch mal sagen wenn ich meine Ruhe haben will,
ohne schlechtem Gewissen ! 
Panikattaken lassen sich mit Spaziergängen am Meer bei Wind und Wetter bewältigen.

UND: Ja ich bin stark. Auch wenn ich selber nicht mehr so wirklich an mich glauben wollte ! 

Den Rat meiner Psychologin befolgte ich promt. Ich zog meine Jacke an, lief zur Steilküste, setzte mich auf einen Stein, grübelte, schaute aufs Wasser und heulte das erste Mal seit Wochen wieder ausgiebig und laaaaaange. Und ich hatte das Gefühl alles ausgeheult zu haben was sich wochenlang in mir angestaut hatte. Zum ersten Mal seit Langem hatte ich das Gefühl wieder ein wenig in mir angekommen zu sein.

Seitdem bin ich jeden Tag zum Strand gegangen und aus einem notwendigen Übel wurde immer mehr Spaß. Sogar die Kamera habe ich mitgenommen und 491 Fotos in 2 Wochen geschossen.
Auch zu den anderen Mitpatienten bekam ich so langsam mal einen Draht. 
Ich fing an mich mit mir selber und meiner Krankheit auseinander zu setzen. Negativ sowie auch Positives zu sehen. Und ja auch trotz Krebs gibt es durchaus positive Dinge im Leben.
Negatives wurde verbannt, Facebook für 2 Wochen abgemeldet und auch Telefonate oder Whats App beantwortete ich nur wenn mir danach war. 
Diese Auszeit brauchte ich um die volle Konzentration mal nur auf mich und die Reha zu lenken.
Durch die Vorträge bekamen wir viel nützliches Wissen vermittelt, der Zusammenhalt untereinander wurde stärker und letztlich konnte ich gestern mit einem guten Gefühl heimfahren.

Ich bin noch lange nicht dort angekommen wo ich gerne sein möchte, aber ich bin auf einem guten Weg. Ich habe gelernt dass es Dinge im Leben gibt die wir einfach nicht beeinflussen können, egal wie sehr wir es uns wünschen, aber wir können immer versuchen das Beste aus allem zu machen egal wie schwer es manchmal wird ! 

Es wird einige sehr gravierende Änderungen in meinem Leben geben müssen. Zwangsläufig körperlich bedingt und auch durch die Ärzte angeordnet...aber ich bin jetzt an dem Punkt wo ich sagen kann es wird nicht schlechter sondern eben nur anders. Und vielleicht sogar reizvoller und mit neuen Chancen gespickt. Ich bin gespannt / entspannt ! 

Kommentare:

  1. Schon drei Mal angesetzt, um dir hier was zu hinterlassen... ��
    Schön, dass du wieder da bist. Schön, wieder von dir zu lesen.
    Schön, wieder deine innere Stärke in deinen Worten lesen zu dürfen.

    Und faszinierend, wie sehr das Meer doch immer wieder zur inneren Heilung beiträgt...

    Liebe Grüße
    Gwen

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    1. Danke Gwen.

      Das Meer hat eine unglaubliche Kraft. Es gibt fast nichts was einem wohler kommt als ein Besuch am Meer. Hinsetzen, Wind und Wellen genießen, die Luft einatmen und den Kopf frei pusten lassen. Das gibt Kraft. Immer und immer wieder ;)

      Liebe Grüße ;)

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