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Freitag, 7. September 2018

Zeitraffer II

Donnerstagnachmittag werde ich an Tag 38 also ENDLICH entlassen.

Daheim angekommen fühlt sich alles so anders an. Mit der Wunddrainage im Körper kann ich mich nicht bewegen wie ich gerne möchte. Selbst unser Ehebett ist nun anders. Wir mussten die Bettseiten tauschen da ich mit dem künstlichen Blasenausgang nimmer auf der rechten Seite schlafen kann. Alles so Dinge die uns vorher nicht bewusst waren. Unser Leben / mein Leben ist in einigen Bereichen nun doch anders geworden und ich muss mich erst einmal rein finden. 
Bei den kleinsten Anstrengungen merke ich sofort dass ich völlig konditionslos bin. Zudem bin ich von 0 auf 100 in die Wechseljahre gekommen weil sie mir während der OP nun doch alles entnehmen mussten was Hormone produziert. 
Dieses von 0 auf 100 setzt mir ebenfalls ganz gut zu. In einem Moment habe ich Winter und im nächsten Hochsommer. 

Mein Körpergefühl passt zu meiner mentalen Stimmung. Mal so mal so ! 

Freitags telefoniere ich mit dem Urologen in der Nachbarstadt. Es geht um die Wunddrainage, die muss ja irgendwann mal raus. Zudem brauche ich eine neue Krankmeldung. 
Also nein, Drainage und AU dafür seien sie nicht zuständig , dazu müsse ich zum Hausarzt. 
So mache ich nur fix einen Termin für die Wundkontrolle und danach fährt der Liebste mich zur Hausärztin. Ne, also Wunddrainage ist nicht deren Gebiet, sollte damit was sein muss ich wieder in die Klinik. Ich bin genervt von diesem Hin und Her ! 
Immerhin bekomme ich noch etwas Kochsalzlösung und Spritzen mit und kann somit im Notfall auch selber die Drainage anspülen. Wundverband und Desinfektion für den Verbandwechsel , den muss ich nämlich auch selber machen, auch dafür fühlt sich keiner zuständig. !

Den Rest des Tages sowie das Wochenende verbringe ich auf der Couch, umringt von drei Plüschpopos die mich sehr vermisst haben müssen, so kuschelbedüftig ist die Bande. 

Sonntag lässt mich die Drainage trotz mehrmaligem Anspülen im Stich und bleibt trocken. Da ich aber relativ beschwerdefrei bin, versuche ich erst einmal nicht in Panik zu verfallen. 

Montag soll ich zum Urologen. Wundkontrolle. Alles was ihn interessiert sind lediglich meine Nieren. Die sind aber sauber und arbeiten hervorragend. Freitag soll ich wiederkommen, zur Wunddrainage äußert er sich nicht wirklich. Ich soll halt nochmal den Beutel wechseln und neu anspülen.

Danach bummeln der Liebste und ich durch die Stadt. Alles ganz gemächlich und im Schneckentempo. Ich brauche dringend Sporthosen. Durch den künstlichen Blasenausgang und meine 20 cm Narbe quer durch die Bauchdecke, kann ich mich nun zukünftig von meinen geliebten Jeans verabschieden. Es ist wie es ist. 
Zum Optiker müssen wir auch noch, irgendwie kann ich immer schlechter sehen, und nach dem Sehtest wird uns dann auch schnell klar das ich eine neue Brille brauche. Danach gönnen wir uns noch ein leckeres Kaffeetrinken im Cafe am Marktplatz und dann muss ich heim, ab auf die Couch, ich bin so richtig platt. 

Dienstag befolge ich den Rat meines Urologen. Drainage neu anspritzen. 50 ml Kochsalzlösung. Es fließt in meinen Körper aber nimmer raus. Shit !  2 Stunden später bekomme ich Schmerzen und ach verdammt: Fieber ! Trotzdem bleibe ich erst einmal relativ ruhig. 
Die Nacht aber ist die Hölle, Schmerzen und Fieber und ich habe ein Déjà-vu und ausgeprägte Panikattaken.

Mittwoch lässt es sich nicht mehr aushalten, ich packe meine Notfalltasche und wir fahren in die Klinik. Ich bin relativ schnell dran und werde von dem Arzt behandelt der mich auch mit operierte. Er nimmt sich alle Zeit, macht einen ausführlichen Ultraschall und beruhigt mich: Flüssigkeit kann er keine sehen, er zieht also die Drainage raus, woher die Schmerzen kommen kann er sich aber auch nicht erklären. Wir plaudern ein wenig nebenbei und er fragt wie ich die Tage daheim verbracht habe. Ich erzähle ihm von den Arztbesuchen und dem Stadtbummel. 
Hätte ich man lieber die Klappe gehalten....
Denn dann bekomme ich einen verbalen Einlauf von ihm der sich gewaschen hat.
Ob mir eigentlich bewusst sei wie krank ich wäre, dass ich eine der schlimmsten urologischen Operationen hinter mir hätte die es wohl gibt. Ob mir nicht klar wäre dass ich mich schonen soll / muss. 
Ich bin ein wenig angepickt und reagiere auch dementsprechend leicht gereizt. Wenn die Physio mich im Krankenhaus schon über die Flure scheucht und mich Treppen laufen lässt und mich dazu verdonnert mich viel zu bewegen, dann werde ich ja wohl auch einen kleinen Bummel im Schneckentempo machen dürfen. 
Er ist sichtlich entgeistert und sagt mir wenn er das mitbekommen hätte dann hätte er mir und der Physio die Ohren lang gezogen.
Treppen sind für mich die nächsten Wochen absolut verboten. Kleine leichte Spaziergänge sind erlaubt, aber keine Shoppingtouren mit Treppen laufen und hier und da mal bücken. Viel liegen , wenig sitzen. Ebenso darf ich nicht über allerhöchstens 5 KG heben. (Ups...Der Kater wiegt ja schon 7 KG) Er sagt für mich sind die nächsten Monate Schonung angesagt und ich solle mich darauf einstellen dass es eine Heilphase zwischen 6 - 9 Monate bedarf. Ich habe 30 offene Wundstellen in meinem Unterleib die erst einmal gescheit verheilen müssen. Mein überwiegender Aufenthaltsort soll in der nächsten Zeit die Couch sein. 

"Schalten sie endlich mal runter Frau Deichkind !"
Mit diesen Worten entlässt er mich !

Daheim packe ich mich auf die Couch, Fieber und Schmerzen sind meine Begleiter. Mal mehr mal weniger. Am nächsten Tag wissen wir endlich warum. Die haben auch am Darm operiert und dieser spielt mal wieder Diva und hat sich entzündet. Also Diät und Schmerzmittel. Ich weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll. Trotz allem bin ich doch erleichtert dass es diesmal nicht von der Drainage kam. Freitag hat der Urologe nochmals ein Blutbild gemacht, sämtliche Werte sind wieder einmal durcheinander und keiner so wie er sein soll. Letzten Montag erneute Kontrolle. Die Schmerzen werden aber endlich besser und auch die Diva scheint sich endlich zu beruhigen. 
Kommenden Montag nochmals Ultraschall und Blutkontrolle und am Dienstag fahre ich nun doch zur Reha. 

Um es mit Gaby Kösters Worten zu beschreiben:

"Ein Schnupfen hätte auch gereicht"

Donnerstag, 6. September 2018

Zeitraffer I

Ja ich lebe noch....wenn auch manchmal mit dem Kopf unterm Arm...aber immerhin....LEBEN !

Die letzten Wochen war ich nicht fähig längere Zeit sitzen zu können, und auch jetzt klappt es nur mit einem dicken Kissen unterm Hintern und in einer Sitzposition in der gesunde Menschen morgen spätestens komplizierte Verschlingungen des Darm Traktes und Muskelkater in sämtlichen Bein und Po Regionen hätten ;) 
Aber ich möchte gerne mal wieder ein wenig meines Alltags zurück, dazu gehört für mich auch gemütlich mit einem Kaffee am PC zu sitzen und durchs Internet zu surfen und unsinnige Posts zu posten ;) 

Zeitraffer der letzten Wochen...kurz und bündig...

Die erste Woche:
Man lässt mich anderthalb Tage nach der 8 Stunden OP in Narkose vor mich hin schlafen. Ich bekomme nichts mit - worüber ich auch gar nicht böse bin.
Beim Aufwachen habe ich das Bedürfnis jeden zu töten der mir in mein Blickfeld läuft, denn ich habe diesen verdammten Tubus noch im Hals und jede Menge Panik im Blut. Jetzt weiß ich wie sich Ersticken anfühlen muss ! 2 Minuten später bin ich das Ding zum Glück los. Überall hängen Schläuche und das Piepen der Maschinen macht mich fast verrückt. Immerhin...die Medikamente sind so stark dass ich zwischendurch die lustigsten Dinge  in meinem Kopfkino erlebe und dem Liebsten überzeugt erkläre dass man auf dem Überwachungsmonitor auch Netflix sehen könne. Er soll mir das doch bitte mal einstellen. ... ! 
6 Tage umher liegen, zwischendurch gewaschen werden, irgendwer stellt mir immer mal eine Suppe oder Tee in der Schnabeltasse hin und in hübscher Regelmäßigkeit werden meine Medikamente erneuert. Am dritten Tag versucht man mich zu mobilisieren. Man setzt mich auf einen Toilettenstuhl (andere gab es wohl nicht ?) und ich soll mich ein bisschen bewegen. Füße wackeln und son Gedöns.  Das Letzte was ich mitbekam: So ein Fußboden kann sehr schnell sehr nah kommen...und vier Menschen bedarf es mich wieder mit sämtlichen Kabeln und Schläuchen ins Bett zu befördern. Den Tag über bin ich im Eimer als wäre ich einen Marathon gelaufen. Danach wird es aber von Tag zu Tag besser.


Die zweite Woche:
Man verlegt mich Dienstags auf die Normalstation. "Ach...eigentlich ist die ja schon ganz fit...die kann auch selber ins Bad gehen." Das Letzte was ich mitbekam: So ein Fußboden kann sehr schnell sehr nah kommen. Aber immerhin schaffe ich es diesmal alleine ins Bett. Nach ein paar Tagen wird es besser.


Die dritte Woche:
Man entlässt mich urplötzlich Montagabend. Wacken steht an und man braucht ja schließlich genug Betten für die ganzen Honks , die sich bei 40°C die Birne mit Alk dicht kloppen, und sich dann wundern wenn man umfällt. So entlässt man mich also mit einer Drainage die bis dato täglich 500 ml Wundwasser aus meinem Körper Inneren fördert. 
Donnerstags soll ich wieder einrücken, schließlich müssen die Harnleiterschienen noch gezogen werden. Freitags stellt man fest dass ich eine Flüssigkeit im Bauchraum habe, also fällt das Ziehen aus. Aus der Wunddrainage kam schon seit Montagnacht nichts mehr raus, die Ärzte gingen davon aus dass es dann eben kein Wundwasser mehr gibt. Die Drainage bleibt trotzdem noch drin. Freitagabend schickt man mich abermals nach Hause. Sonntags muss ich wieder einrücken.


Die vierte Woche:
Montag, die ursprünglich gedachte Flüssigkeit im Bauchraum entpuppt sich als Fehlalarm, die erste von zwei Schienen wird nun doch gezogen. Die Wunddrainage ist trocken...da kommt nichts mehr raus, die soll auch am nächsten Tag gezogen werden sollte das alles gut sein, dürfte ich Mittwoch endgültig nach Hause. Ich bin skeptisch ! Mit Recht wie sich rausstellt !
Dienstagmorgen wird die zweite Schiene und die Wunddrainage gezogen. Eine Stunde später liege ich mit zwei Decken dick eingemummelt bei 40°C mit Schüttelfrost im Bett und habe Schmerzen wie ein angeschossenes Schwein. Eine Stunde später sind Außentemperatur und meine Körpertemperatur identisch. 
Röntgen - nichts zu sehen. Man ballert mich mit Medikamente zu. Nichts nutzt. Die Nacht ist die Hölle. Ich habe Schmerzen, weine, verzweifel und hasse die ganze Welt und meinen Körper und dieses beschi*** Schalentier ! 
Am nächsten Tag CT. Und dann kam es knüppeldicke. Die erste Drainage hatte sich verstopft und das Wundwasser sich einen neuen Platz gesucht. Unterhalb der einstigen Drainage hatte sich ein neuer See gebildet der auch noch Pilz belastet war. Eine Sepsis. Herzlichen Glückwunsch auch ! 
Bei vollem Bewusstsein jagt man mir eine neue Drainage in den entzündeten Körper. Wieder einmal habe ich das Bedürfnis alle zu töten die daran beteiligt sind und diese Schlamperei mit verantwortet haben. Ich war von Anfang an skeptisch dass die Drainage von 500 ml täglich plötzlich bei 0 ml sein sollte ! Aber was weiß ich denn schon....
Also wieder neue Medikamente, wieder Antibiotikum, wieder fühle ich mich wie dreimal überfahren. Die restliche Woche dämmere ich nur noch vor mich hin, ich mag nichts mehr essen, nicht telefonieren, keinen außer dem Liebsten sehen.
Meine Blutwerte sind so im Eimer dass man überlegt mich wieder auf die Intensiv zu verlegen ! Aber ich weigere mich ! Bitte nicht nochmal ! Das muss auch so wieder gut werden !
Ich habe schlichtweg einfach keine Lust mehr, mental bin ich absolut am Tiefpunkt. Fi*** Dich doch Schalentier ! Ein Schnupfen hätte auch gereicht !


Die fünfte Woche:
Langsam zeigen auch die Medikamente endlich ihre Wirkung. Ich fange wieder an zu essen und kann mich auch selber wieder bewegen und die Station vorsichtig unsicher machen. Lange Strecken schaffe ich nur mit dem Rolli wenn der Liebste mich schiebt. Mitte der Woche hat sich mein HB Wert aber so verschlechtert dass man überlegt mir Bluttransfusionen zu verabreichen. Begeistert bin ich nicht davon. !
Die Drainage fördert kontinuierlich ihre 200 - 300 ml pro Tag und die restlichen Blutwerte normalisieren sich zum Glück allmählich ! 
90-60-90 sind ja eigentlich die Traummaße einer Frau...es sei denn, es handelt sich dabei um Blutdruck und Puls. ! Aus 90-60-90 werden dann sogar noch 70-50- Ruhepuls120. Irgendwas läuft schief, aber kein Mensch kommt darauf. Somit brauchen wir nicht mal ansatzweise über eine Entlassung nachdenken ! 


Die sechste Woche:
Ich bin so richtig angefressen....eigentlich waren Anfangs 2-3 Wochen angedacht, aber ich verbringe noch immer den Sommer in der Klinik. Der Blutdruck ist tagelang absolut im Keller und mir geht es hundeelend. Der HB Wert ist auf 8 gesunken. 12 wären normal. Die Ärzte sind ratlos und ich gefrustet ! Bis die super nette Krankenschwester mir einen Tip gibt. 
Von jetzt auf gleich schmeiße ich mein Oxycodon in die Ecke. BTM ! 
Und auch auf eigene Faust reduziere ich die anderen zusätzlichen Schmerzmittel. Die Schmerzen halten sich trotzdem im Rahmen und wenn es zu arg wird pfeife ich mir halt auf Bedarf etwas ein. Tag für Tag geht es mir endlich besser. Der HB Wert steigt immerhin bis zum Entlassungstag wieder auf 11 und der Blutdruck kommt langsam aber sicher wieder in die normalen Werte, der Puls wird wieder normal und ich fühle mich fast wieder wie ein Mensch. Ich brauche keinen Rolli mehr und der Kaffee schmeckt auch endlich wieder ! 

An Tag 38 darf ich ENDLICH nach Hause. !
Meine Nerven sind im Eimer, ich fühle mich noch leicht überfahren und meine einstige Stärke ist ein wenig arg geschrumpft. Ich möchte einfach nur heim, wieder gesund werden und mein Leben zurück haben.

Aber gesund sieht anders aus...


to be continued

Dienstag, 17. Juli 2018

Die Reise geht los

Foto©https://deichkindsreallife.blogspot.com/

Ich sitze zum vorerst letzten Mal am Wasser.
Stecke die Füße hinein, 
höre den Möwen zu,
lasse die Gedanken kreisen,
atme ein, atme aus 
und schmecke den salzigen Wind auf meinen Lippen.

Bitte lass alles gut werden ! 

Leise rollen Tränen über mein Gesicht 
und ich fühle mich zerrissen, 
schwach und zugleich so hoffnungsvoll !

Ich will das mein Liebster sein Lachen wiederfindet,
will erleben wie seine Sorgenfalten verschwinden,
will das meine Eltern sich nicht mehr um ihr Kind sorgen müssen,
will erleben wie mein Kind seinen Weg findet,
will doch nur noch Zeit haben....

Zeit zum Leben !

Will bald wieder hier sitzen und die Füße ins Meer stecken,
den Wind auf meinen Lippen spüren.
Das Salz schmecken....dass vom Meer, 
und nicht das meiner Tränen.

Ich habe Angst vor dem was nun kommt.
Der letzte Koffer ist gepackt, 
alles ist bereit.
Morgen früh geht die Reise los.
Mit wahnsinnig viel Hoffnung im Gepäck.


Dienstag, 3. Juli 2018

Tage zählen

Soeben kam der Anruf meines Urologen.
Am 13.Juli geht es weiter !
Dann habe ich den Termin der Klinik zur Besprechung der weiteren Vorgehensweise. Dass die Blase raus muss weiß ich nun schon. Aber anhand des pathologischen Befundes wird dann eben noch besprochen ob und wie eine Ersatzblase möglich ist, ob eine Chemo notwendig ist...ach und halt all so ein Mistkram mit dem ich mich nie, nie, nie beschäftigen wollte. !

Das heißt mir bleiben noch 10 Tage zum Luftholen !

Und ich habe gerade nur einen festen Vorsatz:
10 Tage stark bleiben und Dinge tun die mir Spaß bringen.

Eis essen gehen, bummeln, ausschlafen, die Füße ins Meer stecken, mit Caro frühstücken, Abende mit dem Liebsten in der Sonne genießen....

Schöne Augenblicke für schwere Zeiten sammeln !!!

10 Tage die ich zu meinen Lieblingstagen machen werde !

Samstag, 30. Juni 2018

Klassifikation pt2. G3.

Mit schlotternden Beinen betrete ich die Praxis, mit schlotterndem Herzen verlasse ich sie.

Es gibt keinen Zweifel mehr, der pathologische Befund schreibt es schwarz auf weiß.



Muskelinvasiver Tumor. 

Klassifikation pt2. G3. 

Die Blase kommt raus.
Demnächst bekommen wir einen Termin in der Klinik, ein Tumorkonzil , an dem Onkologen, Chirurgen und ein Psychologe zugegen sein werden, um zu besprechen wie die nächste OP von statten gehen wird.

Ich bin müde...
müde vom nachts weinen, müde vom immer wieder kämpfen.
Einfach nur noch müde.


Freitag, 15. Juni 2018

Kleiner großer Scheisser

Kleiner Scheisser schimpfe ich ihn nun.
Irgendwie finde ich den Namen passend !

Mittwoch bringe ich meine letzte Schicht für diese Woche hinter mich.
Da ich eh schon leicht gereizt bin, müssen auch meine Kollegen ausnahmsweise mal als Prellbock herhalten ! Schadet ihnen nicht !
Denn wie üblich, zwar wurde ich diesmal immerhin gefragt, könnte ich ja mal wieder länger arbeiten.
Ich verneine und dränge auf einen planmäßigen Feierabend.
Eine Stunde nach dem eigentlichen Feierabend kommt meine Kollegin auf mich zu, da stehe noch Arbeit, wenn sie erledigt sei könne ich dann gehen.
Und plötzlich kommt ein wenig Starrsinn in mich.
Meine klare Ansage:
"NEIN- Dafür das ich gesagt habe ich kann nicht länger bleiben, bin ich aber schon wieder recht lange da"
Sie schaut mich verdutzt an - 5 Minuten später habe ich Feierabend.
Na bitte geht doch.
Kurz danach fetzen wir uns nochmal ein bisschen, denn auch ich habe echt mal so richtig die Schnauze voll. Ich sage ihr dass wir ALLE keine Lust mehr haben wirklich JEDE Schicht länger zu arbeiten, dass wir auch ein Privatleben haben. In welchem wir unsere Termine um die Arbeit basteln und trotzdem vieles davon durch die Mehrarbeit nicht einhalten können.
Ja sie wisse dass ich dauernd immer früher komme und länger bleibe und nein sie sei mir nicht böse das ich nun mal etwas lauter wurde. Was sie wirklich denkt geht mir eigentlich meilenweit vorbei, dass sie sich, wenn ich die Tür hinter mir geschlossen habe, vermutlich beschweren wird ist mir auch total gleichgültig.
Erstens habe ich nun ein paar Tage frei , zweitens habe ich gerade andere Sorgen.

Ich fahre heim, bereite das Essen vor und warte auf Caro.
Wir wollen uns nochmal sehen ehe ich am nächsten Tag zu meinem Termin muss.

Es klingelt an der Tür und sie steht dort mit einer kleinen Überraschung.
Eine Krankenhausnotfalltasche. Prall gefüllt mit Naschi, Säften, Kosmetika, vielerlei guter Dinge und Socken :o) Falls der Winter wiederkommt. Man weiß ja nie.
Jedenfalls freue ich mich sehr über diese Tüte, denn die Idee an sich ist wirklich zauberhaft und man sieht dass es alles mit Herz ausgesuchte Dinge sind.

Wir essen gemeinsam, schwelgen in Erinnerungen, lästern über die Arbeit und verbringen ein paar wundervolle Stunden miteinander.

Am Abend bin ich alleine denn der Liebste hat Nachtschicht. An Schlaf ist nicht zu denken, auch wenn ich hundemüde bin, wälze ich mich hin und her, und die paar Minuten die ich dann mal schlafe, träume ich so bescheuert dass ich nimmer schlafen mag. So stehe ich um 4:00 Uhr wieder völlig übermüdet auf.

Der Liebste kommt kurz darauf aus der Nachtschicht, wir trinken gemeinsam Kaffee und dann starten wir zum CT Termin. Dort angekommen freue ich mich dass wir eine gute halbe Stunde zu früh dran sind. Mit Chance kämen wir vielleicht ja sogar früher dran- so mein Gedankengang. Leider war dem nicht so. Die Absprache zwischen Radiologen und meinem behandelnden Arzt war nicht sonderlich gelungen. So sitze ich noch ganze 4 Stunden umher , trinke anderthalb Liter Kontrastmittel und harre der Dinge die da kommen.
Von Minute zu Minute werde ich unruhiger und nervöser, mein Magen hängt auf halb acht, und die Gedanken purzeln.

ENDLICH bin ich dann kurz vor 12:00 Uhr auch an der Reihe. Das CT an sich geht schnell...eigentlich war nur eins geplant, doch dann schießen sie nochmal Kontrastmittel nach und ich muss 10 Minuten später nochmal durch die Röhre. Das gab mir schon zu denken. Die freundliche Schwester betreibt kurz ein bisschen Smalltalk mit mir und bittet mich dann draußen Platz zu nehmen, sie gibt mir dann meine Bilder raus und danach kann ich gehen.
Doch dann kommt es ganz anders.

Ich werde aufgerufen, aber anstatt mir eine CD zu geben, bittet sie mich in einem anderen Wartebereich Platz zu nehmen, und ja ich solle den Liebsten mitnehmen.
15 Minuten Wartezeit können einem wie eine Ewigkeit vorkommen. !!!
Endlich öffnet sich die Tür zu Arztzimmer, der Arzt kommt raus - zwinkert mir zu und läuft zu einer anderen Behandlung ! Ist das nun sein Ernst ? Tatsächlich muss ich nochmal 10 Minuten warten - meine Nerven liegen blank.
Dann endlich werden wir in sein Zimmer gebeten. Auf seinem Monitor meine CT Bilder.
Die gute Nachricht zuerst, die Lunge , Leber, Niere etc sind sauber
Dann die schlechte Nachricht: der kleine Scheisser ist definitiv da und hat nochmals an Größe zugelegt. Nun ist er nicht nur in der Blase sondern auch außerhalb der Blase befindet sich nun etwas. Der Arzt sagt dabei handelt es sich aber um eine Zyste oder eine Gewebewucherung. Einen Tumor an dieser Stelle schließt er erst einmal aus. Das Teil IN der Blase ist allerdings tatsächlich ein mieser kleiner Scheisser daran gibt es keinen Zweifel mehr.

Relativ nüchtern nehme ich diese Nachricht entgegen, wobei schon deutliche Freude in mir ist das keine benachbarten Organe betroffen sind. Das war so ziemlich meine allergrößte Sorge.

Der Arzt verabschiedet sich freundlich von mir und wünscht mir für die bevorstehende Operation alles Gute.

Wir verlassen das Zimmer, und der Liebste nimmt mich erst einmal fest in den Arm und freut sich diebisch dass bisher nichts gestreut hat. Ich kann seine Freude einerseits verstehen, anderseits aber nicht teilen. So ergeht es mir bisher mit allen Menschen die es wissen. Alle freuen sich wahnsinnig das nichts gestreut hat, und der Tumor auf einen Fleck begrenzt ist. ABER...es ist ein Tumor ! Es ist mein Feind. Vielleicht habe ich ein verzerrtes Bild, aber neben all der bisherigen Erleichterung mischt sich trotzdem bei mir wahnsinnig viel Angst ein.

Ich habe mich nun in einem professionellen Forum und Seiten von Urologen schlau gemacht. Der Feind sitzt in meiner Blase, wird am Mittwoch entnommen, und dann eingeschickt ins Labor. Und erst dann wenn er untersucht wurde kann man sagen, um welche Art Tumor es sich handelt, ist er aggressiv, ist er "harmlos" , hat er schon die Blasenwand angegriffen, wächst er schnell, langsam, breitflächig, zentral etc. All diese Dinge kommen erst noch auf mich zu. 
Ich weiß dass ich nun alle drei Monate zur Blasenspiegelung muss, das der geplante Eingriff am Mittwoch nicht ohne Risiko ist, dass dieses Mistdrecksteil zu gerne zu Rezidiven neigt. Dies konnte ich dann auf der Urologenseite meines Krankenhauses in dem ich behandelt werde entnehmen. Da kommt noch ein bisschen was auf mich zu.
Mir fällt es gerade sehr schwer die Freude zu empfinden die mein Umfeld empfindet.

Nichts desto trotz genieße ich nun noch die Zeit bis ich Dienstag im Krankenhaus einrücken muss.
Ich versuche schwere Gedanken auf die Seite zu schieben und die wenigen schönen Dinge zu tanken.

Ich habe mir fest vorgenommen mich nicht von dem kleinen Scheisser beherrschen zu lassen und erst recht nicht wieder in eine Schockstarre zu verfallen.

Ich kämpfe !

Mittwoch, 6. Juni 2018

Und schon wieder Juni

Der Monat Juni und ich , wir werden einfach keine Freunde in den letzten Jahren.
Bis auf Ausnahme des letzten Jahres, lag ich die letzten 4 Jahre immer zum Juni im Krankenhaus und wurde operiert.

So auch dieses Jahr.
Der Anruf aus der Klinik kam vor einer Stunde.
Am 19.06 beziehe ich mein Zimmer und am 20.06 ist der erste OP Termin angesetzt.

Ich habe Angst !

Kann mal einer die Welt anhalten ?


Kann mal einer kurz die Welt anhalten ?
Ich möchte aussteigen...ich kann das alles nimmer !


Ein Arzt der mir nach dem Ultraschall über die Wange und den Arm streicht und mir sagt
"Darüber reden wir dann nach der anderen Untersuchung noch"
Das was da war, ist nun noch deutlicher sichtbar und innerhalb von 5 Wochen breit flächig gewachsen.

Kurz darauf eine Zystoskopie die nun keinen Zweifel mehr lässt. Ein Arzt der daraufhin nicht mehr ganz so zu Scherzen aufgelegt ist wie noch 15 Minuten zuvor.

Ein Anruf vom Arzt noch aus der Praxis mit dem Hinweis "Dringend" in der Radiologie des nahe gelegenen Krankenhauses. Nächsten Donnerstag geht es eigentlich nur noch darum ob "ER" schon ins Muskelgewebe gezogen ist oder andere Organe angreift.

Eine Operationsaufklärung wie genau "ER" beseitigt werden muss. 

Ein trauriger Arzt der mich an den Händen hält während ich hemmungslos weinen muss, und mich zum Abschied feste drückt. Er sagt ich werde nun seine Stammpatientin. 

Das Warten auf den Anruf aus der Klinik die mir nun ein bis zwei dringende OP-Termine ermöglichen sollen.

Der fassungslos traurige Blick des Liebsten als ich wieder heimkomme und ihm erzähle was los ist.

Das Weinen meiner Mama am Telefon.

Ich fühle mich wie in einem schlechten Film. Jahr um Jahr kommen neue Katastrophen und Jahr um Jahr werden sie noch eine Spur verschärfter ?

Ich kann das alles nicht mehr - wo bleibt noch Luft zum Atmen ???

Donnerstag, 24. Mai 2018

Neues aus der Anstalt ... Teil II

Nachdem uns der Urlaub gründlich vermasselt wurde durch die gegebenen Umstände, dauernde Arztbesuche etc...machen wir aus dem was davon übrig geblieben ist eben einfach noch das Beste.
Picknick im Freien , Fotofahrten an den Kanal und ans Meer. Doch zum Fotografieren fehlt mir der Antrieb und die Freude. Meinen Vorsatz , nun jeden Tag ein Foto zu posten, den habe ich längst wieder über Bord geschmissen.
So wie viele Dinge.

Auch meine Psychologin habe ich seitdem nicht wieder kontaktiert weil ich mir nicht sicher bin ob sie mir wirklich etwas bringt. Zudem stresst es mich wöchentlich 2 Stunden mit der Bahn hin und 2 Stunden mit der Bahn wieder heim zu fahren. Vier Stunden Zeitaufwand neben all dem anderen Stress für 45 Minuten Sitzung. Der Liebste ist nicht begeistert über diese Entwicklung , versteht mich aber und lässt mich zum Glück selber entscheiden.

Nach meinem Urlaub erwartet mich ein neuer Chef. Zumindest die Zeitplanung wegen Herzsport und Psychologin klappt (wobei Letztere aktuell ja mal ausfällt...aber die Termine hatte ich ja trotzdem schon im Vorfeld dingfest gemacht). Und erstaunlicherweise funktioniert das sogar.
Jung ist mein neuer Chef. Deutlich jünger als ich, aber kompetent und sehr deutlich. Er sagt was er denkt, macht freundliche aber klare Ansagen, ist aber auch offen gegenüber der Meinungen und Wünsche seiner Mitarbeiter.
Das Einzige was er fordert und konsequent durchsetzt ist Teamarbeit und Arbeitswille.
So kommt es also dass ich seit meinem Urlaub jeden Tag zwischen 2 - 4 Überstunden pro Tag mache, oder auch mal kurzerhand ein freier Tag gestrichen ist.
Nach einer Woche bin ich erschlagen und suche entgegen meiner früheren Angewohnheiten ein Gespräch mit ihm. Ich war nie der Mensch der sich auf seinen Wehwechen ausruhte und habe immer mit besten Wissen und Gewissen trotz allem 150% gegeben, aber ich merke dass ich das nicht mehr schaffe. Kurz erkläre ich ihm dass mich die vorangegangen Tage körperlich sehr geschafft haben und ich mir wünschen würde etwas mehr Abwechslung oder auch Spätdienste als Entlastung zu bekommen. Er verspricht mir dass es sich bessert und will am Plan arbeiten.
Die Woche darauf bringt uns das aber alles nichts, wenn es organisatorisch zwar umgesetzt ist, aber die Technik versagt und eine große Inventur ins Haus steht. So beginnt die nächste Woche also wie die vorherige. Frei gestrichen - Überstunden angesagt.
Zeit zum Luftholen habe ich kaum da auch im Privaten etliche Termine anstehen. So stehe ich morgens auf und falle abends tot zu Bett. Tag für Tag.
Freitags merke ich schon eine deutliche Anspannung, innerlich nervös, den ganzen Tag Druck auf der Brust, und einfach nur kaputt.
Die Nacht ist die Hölle. Eine Panikattacke jagt die nächste , und meine Nacht besteht aus Blutdruck messen, Körpersignale checken und Gedanken, Sorgen und Ängste und Armenübungen. Nichts desto trotz finde ich einfach keine Ruhe.
Als mein Wecker um 4:00 Uhr klingelt fühle ich mich körperlich erschlagen, müde und noch immer ängstlich. Trotzdem richte ich mich für die Arbeit, fahre hin und fange an zu arbeiten. Nach eine Stunde bin ich durch. Die schwere körperliche Arbeit, die Signale meines Körpers, alles zusammen verursacht Schmerzen und Übelkeit und dazu immer dieser Druck auf der Brust. Ich bitte meinen Chef Ersatz für mich zu besorgen der mich vielleicht ablösen könnte. Er reagiert sofort und schickt mich umgehend nach Hause. Doch eigentlich will ich das gar nicht, die Feiertage stehen an, ich weiß das wir eh zu wenig Personal sind und ich weiß welch eine Arbeit meine Kollegen zu bewältigen haben. Aber diskutieren mit ihm bringt rein gar nichts, auch als ich vor lauter Scham Tränen bekomme, bleibt er konsequent und schickt mich heim.

Daheim angekommen checke ich meinen Blutdruck....hoppla, der hats in sich. Puls messen, den Tick hatte ich mir abgewöhnt, aber er ist wieder da. Also mehrmals Puls messen, zwischendurch immer mal Blutdruck und versuchen laaaaangsam runter zu fahren. Tee gekocht und "abgewartet" wie sich alles entwickelt. Nach 10 Minuten fährt der Blutdruck runter und auch der Puls kommt wieder etwas zur Ruhe. Lediglich der Druck bleibt, aber er verändert sich bei Bewegung und so komme ich langsam wieder etwas auf dem Boden an. Mit ist speiübel und ich will nur noch ins Bett.
Decke über den Kopf, Gedanken abschalten und wenigstens ein bisschen zur Ruhe kommen.

Weitere 10 Minuten später klingelt mein Telefon. Mein Chef fragt am anderen Ende der Leitung ob ich gut heimgekommen sei und ob jemand bei mir daheim ist.
Ich bin schier perplex denn solch ein fürsorgliches Verhalten eines Vorgesetzten bin ich in den ganzen 10 Jahren nicht gewohnt !

Ich bedanke mich , berichte ihm kurz den aktuellen Stand und mit dem Versprechen dass ich mich absolut schone packe ich mich kurz danach ins Bett. Der Liebste bekommt noch eine Whats App und dann will ich einfach nur noch schlafen und hoffen das es bald vorbei ist. Decke über den Kopf, Gedanken abschalten und wenigstens ein bisschen zur Ruhe kommen.
Ich fühle mich beschämt, schwach und wieder einmal nicht mehr gut genug.
Versagt - Versagt - Versagt !
Bis 14:00 schlafe ich, immer mal mit Unterbrechungen die ich nutze um Blutdruck und Puls zu überprüfen. Beides hat sich aber zwischenzeitlich zu einem Normalwert heruntergefahren , so dass auch die Angst endlich ein bisschen schwindet.

Als der Liebste von der Arbeit kommt ist er erst einmal sauer. Vielleicht war es auch Hilflosigkeit , jedenfalls fährt er sich wieder runter und gibt mir zu verstehen dass ich endlich anfangen muss mehr auf mich zu hören. Das ich auch mal Nein sagen muss wenn wieder Mehrarbeit ansteht, oder eben auch mal nein sagen muss wenn es körperlich zu hart wird. Ich weiß das er Recht hat, es ändert aber nichts an der Tatsache dass dies bei uns im Job einfach nicht möglich ist.
Mit ihm darüber zu diskutieren wäre sinnlos, das ist wie einem Blinden die Farben erklären zu wollen. Kann man machen, bringt aber nicht !
Sein Job, seine Kollegen und Vorgesetzte - da liegen Welten zu meinem Job.

Den restlichen Tag über fühle ich mich miserabel und ausgepumpt. Zudem plagen mich Zweifel ob ich es nicht doch geschafft hätte und Wut auf mich selber versagt zu haben. Ich verziehe mich vor den Fernseher und bin tatsächlich wieder da angekommen wo ich schon einmal war. Aus dem Nichts laufen mir die Tränen und alles was ich mir mühsam erarbeitet habe ist in dieser Nacht und mit diesem Morgen zusammen gebrochen. Ich fühle mich schwach und unbrauchbar !

Am nächsten Tag geht es mir ein klein bisschen besser. Zumindest körperlich. Emotional bin ich noch immer down. Gegen Mittag holen wir unseren Jüngsten ab, er will uns seine neue Freundin vorstellen und wir beschließen mit den Beiden ein wenig ans Meer zu fahren. Süß ist sie , zart und einfach niedlich und ich wünsche mir sehr das unser Kind diesmal mehr Glück hat als bei der vorherigen jungen Dame.
In manchen Momenten muss ich ein wenig schmunzeln über dieses junge Glück. Diese Ausgelassenheit, diese Albernheit zwischendurch, necken und trotz so verliebt und vertraut, es ist eine Freude sie zusammen zu sehen, denn man hat das Gefühl dass es diesmal wirklich passt.

So verbringen wir einen wunderschönen gemeinsamen Nachmittag am Meer, essen Eis, genießen die Sonne, und lassen die Füße im Wasser baumeln, beobachten die Menschen die zur Musik tanzen, all dies ist mal wieder ein bisschen Seelenbalsam für die harten Tage zwischendurch. 

Mittwoch, 23. Mai 2018

Neues aus der Anstalt... Teil I

Da bekomme ich eine Whats App :
"Wieso bloggt das Deichkind nicht mehr ?"  Alles ok ?

Ich bin einigermaßen perplex...dachte ich doch nicht daran dass sich irgendwer diesen Psychokram hier freiwillig antun mag.
Wie dem auch sei...natürlich freue ich mich auch darüber und tatsächlich motiviert es mich mal wieder ein bisschen zu bloggen.

Wie gerne würde ich mal etwas erfreuliches bloggen, vielleicht hat mich das auch ein wenig gehemmt überhaupt etwas zu schreiben. Aber was soll ich erfreuliches Posten wenn momentan fast nichts erfreuliches passiert ?

Die letzten Wochen verläuft das Leben wie eine Achterbahn. Immer wieder mit diversen Hochs und Tiefs. Nichts beständiges und doch so aufwühlend, kräfte zerrend und entmutigend.
Ich gehe wieder Vollzeit arbeiten. Wobei dieses Wort VOLL wirklich ins Schwarze trifft. Es vergeht nicht ein Tag an dem ich nicht zwischen 2-4 Überstunden schiebe. Ich bin wieder voll im Modus...und auch das mühsam erlernte Nein sagen ist mir wieder abhanden gekommen.

Angefangen hat alles als ich nach meiner Wiedereingliederung Urlaub bekam. Resturlaub aus 2017. Mitten im Urlaub bekomme ich einen Anruf von meinem damaligen Chef
"Ich mag es Dir gar nicht sagen, aber Dir steht kein Urlaub mehr zu. Die Gesetzeslage sagt, wenn Du aus dem Krankenstand kommst und im Vorjahr aber noch so und so viel Urlaub genommen hast dann verfällt der Rest."
Kurze Pause....ein betretenes Schweigen von beiden Seiten.
"Du müsstest leider dann JETZT arbeiten kommen"
Eine andere Wahl habe ich nicht, also füge ich mich und rocke mal eben in drei Arbeitstagen meine Stunden die ich sonst in einer ganzen Woche machen müsste.

Nach diesen drei knallharten Tagen habe ich dann aber tatsächlich zwei Wochen Urlaub. Regulären Urlaub den ich für dieses Jahr eingereicht habe. Am letzten Arbeitstag fliegen die Arbeitsklamotten in die Ecke und ich beschließe einfach mal nicht mehr an diesen Laden zu denken.
Einfach mal ausruhen, abschalten und vielleicht endlich mal wieder Dinge tun die Spaß machen und mir gut tun.

Aber es kommt alles ganz anders. Ein wenig Verschnaufpause ist uns einfach nicht gegönnt. Während der Liebste leider noch drei Tage arbeiten muss, eh auch er endlich Urlaub hat, mache ich mich Sonntags an den Garten. Spaten rausgekramt - Garten umgebuddelt, Blümchen eingekauft und neu gepflanzt, Büsche und Bäumchen gestutzt. All dies erledige ich Sonntags während der Liebste zur Spätschicht ist und ich ganz in Ruhe schalten und walten kann. Nach getaner Arbeit freue ich mich endlich mal wieder etwas geschafft zu haben was mir Freude bereitet, was man sehen kann, und was sich einfach gut anfühlt weil unser Garten die letzten Jahre Krankheitsbedingt wie ein Trümmerfeld aussah. Und nun ist er wieder schick.

Montagmorgen folgt das dicke Echo.
Zuerst muss ich den Termin bei meiner Psychologin absagen.
"Wenn Sie so kurzfristig absagen dann müssen Sie mir ein Artest bringen oder aber 50 Euro Ausfall zahlen."
Krankschreiben lassen will ich mich nicht ! Bin ich doch gerade erst wieder gesund geschrieben !
Nach diesem Telefonat bin ich dennoch auf dem Weg zum Hausarzt.
Dachte ich anfangs noch an eine fette Blasenentzündung, so finde ich mich eine Stunden später mit einer Soforteinweiung in der Notaufnahme unseres Krankenhauses Station Urologie wieder.
Der Arzt und auch die Schwester schütteln betroffen den Kopf, den da kann man keine Probe mehr nehmen von dem Material. 
Makrohämaturie. Aber richtig ausgeprägt....es läuft...eben leider NICHTS mehr !
Noch ein Ultraschall und dann eine Noteinweisung in das nächste Krankenhaus da dieses mich wegen Aufnahme stop nicht behandeln kann.
Der Arzt schaut mich an und fragt mich ob ich wirklich alles mitnehmen muss ?
Das Ultraschallbild ist nicht angenehm...die Blase ist randvoll mit Blutgerinnsel und wohl ausgelöst durch die schwere körperliche Arbeit am Vortag und meinen Herzmedikamenten.
Er setzt einen der Blutverdünner sofort ab und  überweist mich also zur Urologie des nächsten Krankenhauses mit dem Vermerk Not OP unter Vollnarkose.
Noch am selben Tag soll ich operiert werden.

Und das ist der Punkt wo meine Dämme brechen und ich anfange zu Heulen. Denn das geht gerade so absolut gar nicht. Wir haben einen wichtigen Termin in dem es um ALLES geht. Der DARF einfach nicht platzen. Ich rede mit Händen und Füßen auf ihn ein, erkläre ihm die Sachlage und schließlich gibt er mir grünes Licht. Auf eigene Verantwortung darf ich heim und am nächsten Tag nach unserem Termin in die andere Klinik fahren. Allerdings musste ich ihm versprechen bei Schmerzen oder Fieber SOFORT zur Klinik zu fahren.
Wie betäubt fahren wir heim, der Liebste fährt noch eben zum Hausarzt und lässt sich für die letzten beiden Arbeitstage krankschreiben damit ich nicht alleine daheim bin.
Daheim angekommen verbringe ich den restlichen Tag auf der Couch, schaue unsinnige Serien und in meinem Kopf hämmert es. Ich hoffe das irgendwie alles nur ein dummer Zufall ist und am nächsten Tag alles wieder gut sein wird.
Dem ist leider nicht so.

Am nächsten Tag haben wir unseren wichtigen Termin. Alles klappt , so wie wir es uns gewünscht haben, und theoretisch könnten wir uns riesig darüber freuen, wenn wir nicht wüssten das im Kofferraum die gepackte Tasche für die Klinik liegt.
In der Klinik angekommen höre ich diverse Aussagen von anderen Patienten die schon 4 Stunden und länger auf Ärzte warten. Bei mir geht es merkwürdiger weise ganz schnell , nach nicht mal einer Stunde liege ich im Untersuchungszimmer. Die Vollnarkose und der Eingriff bleiben mir erspart da sich ein Teil der Makrohämaturie von selber gelöst hat. Er sieht somit keine dringende Notwendigkeit dass ich in der Klinik bleiben muss.
Aber dann schaut er sich nochmal genau das Röntgenbild an und meint er sehe da etwas , was da so nicht hingehöre. Und meine ganze Symptomatik deute auf  etwas sehr Ernstes hin. Ich mag das Wort nicht schreiben ...dieses widerliche , angst einflößende Wort welches nun die ganze Zeit schon in der Luft hängt (genau wie wir).
Mit den Worten:
"Eigentlich sind Sie zu jung für so etwas, aber das waren Sie für einen Herzinfarkt ja auch" entlässt er mich wieder nach Hause und gibt mir den dringenden Rat mich umgehend an einen Urologen vor Ort zu wenden. Sollte es doch zu Komplikationen kommen muss ich mich umgehend wieder bei ihm melden. Danke fürs Gespräch....das wäre der letzte Arzt gewesen den ich hätte nochmal wiedersehen wollen !
Die nächsten Stunden vergehen irgendwie wie in Watte gepackt....nichts mehr erscheint mir real, und alles wirkt so unwirklich und unwahr. Wir wollten doch nur ein bisschen gemeinsam unbeschwert Urlaub genießen und nun haben wir schon wieder neue Sorgen an den Backen ! WARUM ?

Eine Woche später bin ich dann beim Urologen in der Nachbarstadt. Ein sehr netter Mensch, freundlich kompetent. Er hört sich alles an, ließt sich das Schreiben vom Krankenhaus durch und macht ein Ultraschallbild. Innerlich bete ich dass sich in dieser einen Woche einiges verändert hat und bitte alles nur zum Guten. Tatsächlich sind alle Blutgerinnsel verschwunden und trotzdem ist da etwas was da nicht hingehört. Er sagt es nicht einfach nur so, er zeigt es mir auch auf dem Ultraschallbild. Nicht wirklich groß aber deutlich sichtbar und an einem Ort an dem es nichts zu suchen hat.
Er versucht mich zu beruhigen und zählt mir die günstigsten Fälle auf die es bedeuten könnten.
Mit einem freundlichen Lächeln und einem festen Händedruck überreicht er mir einen Zettel für drei weitere wichtige Untersuchungen mit dem Vermerk "bitte dringend". Mit diesem Schreiben soll ich einen Termin ausmachen bei seinen Vorzimmerdamen.

Dieses "bitte dringend" findet dann am 05.06 statt !!! Cliffhanger ! Danke auch !

Das Warten macht mich fast irre. Daheim rede ich nicht viel darüber aber wenn ich alleine bin kreisen die Gedanken und dieses - was ist wenn - kommt einfach nicht zum Schweigen.

Durch den Blutverlust sind auch meine Blutwerte arg ins Wanken gekommen. Bei der Blutkontrolle bei meiner Hausärztin kam dann zum Vorschein das meine Eisenwerte ziemlich mies sind. Da sie sicher gehen wollte ob es ok sei dass nun einfach so von jetzt auf gleich der Blutverdünner abgesetzt wurde hält sie kurz Rücksprache mit meinem behandelnden Kardiologen. Der macht sie darauf aufmerksam dass auch der Sättigungsverhalten des Sauerstoffs im Blut untersucht werden muss und andere diverse Blutwerte. Und siehe da....da sind noch ein paar Werte die nun kontinuierlich untersucht werden müssen. Zudem bekomme ich eine ordentlich Ladung Antibiotikum die mich dann ein paar Tage später auf der Arbeit erst mal richtig ausknockt.


....to be continued...

Freitag, 30. März 2018

4 Wochen

Seit vier Wochen habe ich nichts mehr gepostet.
Wobei ich nicht sagen könnte dass mein Leben gerade langweilig wäre.
Im Gegenteil...

Seit 4 Wochen gehe ich wieder arbeiten.
Es läuft. Manchmal gut , manchmal schleppend - aber es läuft.

Seit 4 Wochen gehe ich regelmäßig zu meiner Therapeutin.
Manchmal ist es ermüdend, manchmal verzweifelnd, und sie packt Dinge an die ich lange verdrängt habe. Über die ich einfach nie wieder reden wollte. Und nun MUSS.

Seit 4 Wochen bekomme ich jeden Tag gepredigt dass ich keine 150% mehr geben muss.
Dass es Das ist was mich überhaupt erst kaputt gemacht hat.
Nutzt aber nichts...so gerne ich mein Leben etwas entschleunigen möchte, so sehr stresst mich gerade alles. Manche Tage sind extrem lang, manche extrem anstrengend...aber sie wollen gelebt werden...sie MÜSSEN gelebt werden.

Seit 4 Wochen versuche ich bei meinem Mitmenschen wieder Fuß zu fassen.
Bei einigen gelingt es, bei anderen möchte ich gerne den Rückzug antreten. Da ich aber beruflich mit vielen Menschen zu tun habe, kann ich nicht einfach weglaufen sondern muss mich den Situationen stellen. Den Fragen wo ich so lange war, wie es mir geht und das allgemeine "Herrje Sie sind aber noch so jung, und ist dieser Job hier überhaupt der Richtige für Sie ?"

Seit 4 Wochen weiß ich das mein Chef nicht mein Chef bleiben wird.
Ein Umstand der mich sehr traurig stimmt. Denn besser hätte es uns mit ihm gar nicht treffen können. Aber er wird nicht bleiben. Und ich habe Angst vor dem was dann kommt. Weil ich weiß das 150% dann nicht mehr ausreichen und 200% gefordert werden !

In den 4 Wochen habe ich jede Menge Panikattacken durchlebt. Meine beständigen Begleiter im Leben...die verzweifelten Momente in denen man nicht weiß geht es weiter oder endet hier nun alles.
Aber ich sitze immer noch hier, schreibe und atme.
Manchmal weiß ich nicht ob sich das noch gut anfühlt oder nicht.

Dienstag, 27. Februar 2018

Wünsche

Manchmal wünsche ich mir dass dieses

"Mach Dir keine Sorgen, alles wird gut"

sich auch wirklich bewahrheitet.

Donnerstag, 1. Februar 2018

Verhaltenstherapie



Sie hat ein freundliches Lächeln als sie mich aus dem Wartezimmer abholt.
Jung ist sie. Bestimmt 10-15 Jahre jünger als ich.
Aber sehr sympathisch auf den ersten Blick.

"Wie geht es Ihnen"

Gute Frage...ich bin sehr nervös und angespannt. Auch der Druck in meiner Brust wird immer mehr.
Nun sitze ich also bei ihr, von einer Therapie gleich zur Anderen. Ein blödes Gefühl.

"Frau H. aus der Tagesklinik hat mir schon ein wenig von Ihnen berichtet, aber ich würde gerne mehr und intensiver von Ihnen erfahren. Sind sie damit einverstanden ?

Ich nicke stumm.

"Erst einmal stelle ich mich vor damit Sie einen kleinen Eindruck von mir bekommen"

Was sie von sich erzählt klingt nett und wir müssen teilweise sogar ein bisschen lachen. Sie ist genau wie ich vor einigen Jahren zugezogen und fühlt sich aber auch schon als echtes Nordlicht.

Und dann stellt sie ihre Fragen. Einige kann ich ganz leicht beantworten, bei anderen hingegen stammle ich meine Antwort.
Fest hatte ich mir vorgenommen nicht zu Heulen. Das halte ich auch fast eine halbe Stunde durch.
Als sie mir sagt dass ich keinen Grund habe mich zu schämen und ich wirklich schon ein beachtliches Päckchen mit mir herum geschleppt habe die letzten Jahre, brechen endgültig alle Dämme und jede mühsam unterdrückte Träne findet doch noch ihren Weg nach draußen.

Der Druck auf meiner Brust lässt ein wenig nach.
Sie bespricht noch einige organisatorische Dinge mit mir. Arzt, Krankenkasse etc. Was eben wichtig ist. Dann gibt sie mir einen neuen Termin. Nächste Woche. Wieder Donnerstag. Wieder zur selben Uhrzeit.
Wir plaudern noch ganz kurz und ich bin verwirrt und traurig. Traurig dass es überhaupt soweit gekommen ist.
WIE kam es überhaupt soweit.? Wieso komme ich alleine nicht mehr klar ?
Dies alles gilt es heraus zu finden. Es wird kein leichter Weg. Sie möchte eine Verhaltenstherapie mit mir machen.


"Verhaltenstherapie"
Die Verhaltenstherapie geht davon aus , dass psychische Beschwerden das Ergebnis von bewussten und nicht-bewussten Lernprozessen sind. Zu Beginn der Behandlung wird gemeinsam mit dem Patienten erarbeitet , welche Bedingungen seiner Lebensgeschichte und seiner aktuellen Lebenssituation zur Entstehung und Aufrechterhaltung der Psychischen Symptomatik beigetragen haben und weiter wirksam sind. Auf dieser Grundlage  werden gemeinsame Therapieziele und der Behandlungsplan festgelegt. In der Verhaltenstherapie wird der Patient zur aktiven Veränderung seines Handeln, Denkens und Fühlens motiviert und angeleitet. Dabei werden die bereits vorhandenen Stärken und Fähigkeiten herausgearbeitet und für den Veränderungsprozess nutzbar gemacht. 


Habe ich noch Stärken und Fähigkeiten ? Dessen bin ich mir gerade nimmer so sicher. Freilich , ich kann sehr gut schnacken und Ratschläge geben, nur für mich finde ich aktuell keinen Weg.

Als wir uns verabschieden bin ich ziemlich erledigt und müde. Nutzt aber alles nichts, ich habe mich mit meiner Schwägerin zum Essen verabredet. Wir suchen uns ein kleines uriges Cafe und bestellen uns was Leichtes zu essen. Schön ist es hier, ich fühl mich gerade sehr wohl. Bis der Laden voller wird. Wieder bin ich die Erste die um die Rechnung bittet, damit wir alsbald gehen können.
Das frustriert mich irgendwie.
Trotzdem bummeln wir danach noch kurz durch die Stadt, kaufen uns gemeinsam jeder eine hübsche Bluse und schauen noch schnell im Dampfer Shop rein.
Danach verabschieden wir uns herzlich, mein Neffe wartet auf sie, und ich laufe zum Bahnhof. Ich freue mich auf Zuhause. Mein Zufluchtsort. Da wo ich die Tür schließen kann und für mich bin.

Der Liebste ruft noch kurz von der Arbeit aus an. Ich erzähle ihm in kurzen Worten von meinem Termin. Er sagt er findet es gut dass es weitergeht und ich diesen Weg gegangen bin. Ich muss lernen mehr für mich zu tun, mehr auf mich zu achten, und mich weniger mit den Problemen der anderen zu beschäftigen. Das sagt sich so leicht...irgendwie ist mir das alles abhanden gekommen.

Ich muss nachdenken...viel nachdenken !
Musik an....Welt aus das geht momentan am besten bei dieser Musik.



Dienstag, 23. Januar 2018

Wege gehen

(Rückblick Nov 2017)

Tag 2 in der Tagesklinik.
Weniger scheu als noch am Vortag betrete ich die Tagesklinik. Von allen Seiten ertönt ein freundliches Moin.
Heute ist gleich nach dem Frühstück therapeutisches Wandern angesagt. Oh mein Gott. Ich und wandern ?
Nein - das passt gerade so gar nicht in meine Welt. Aber es nutzt nichts...da muss ich durch !
Kneifen geht nicht ! Mitmachen ausdrücklich erwünscht !
Wenn Du nicht gerade blutest oder etwas merkwürdig absteht, musst Du mit !

Also Jacke an und los. Bei ziemlich schmuddeligem Winterwetter geht es an den Deich. Die ganze Truppe. Deichspaziergänge waren vorher mein Leben. Egal ob bei Wind und Wetter oder Sonnenschein.
Doch diesmal kostet es mich Kraft. Viel Kraft.
Überwiegend schweigend geht jeder seine Wege. Ein paar kleine Grüppchen haben sich gebildet. Das sind die, die schon eine Weile da sind, die gefestigter sind, und schon wieder den Weg ins Leben zurück finden - stückweise. Während andere, so auch ich, schweigend entlang laufen und sich noch immer fragen, wie das überhaupt alles so weit kommen konnte.
Eigentlich fühlt sich gerade alles noch so falsch an, eigentlich gehört man hier doch noch gar nicht hin. Nicht in dem Alter und nicht mit solch einem Pillepalle. Aber das Leben hat manchmal seine eigenen Wege. Schicksale kommen und gehen, und die , die immer gelacht haben, alles auf die Seite schoben, haben sich vielleicht nur selber belogen.
Das Leben verlangt manchmal Dinge von uns für die wir einfach keine Kraft mehr haben wenn es einfach irgendwann mal ZUVIEL wird.

Zuviel wird mir dann auch irgendwann dieser Marsch. Ich merke wie die Panik mich wieder erfasst. Mein Herz pumpt und mein Puls rennt. Puls messen - das ist gerade so ein richtiger Tick von mir geworden. Manchmal 10 - 15 x hintereinander. Der Grund ist ein Herzinfarkt. Morgens um 6:10 Uhr...auf der Arbeit und mit nicht mal 40 Jahre auf dem Buckel.
Seitdem ist mein Leben endgültig aus dem Ruder gelaufen.
Ja ich bin ein bisschen selber schuld. Zuviel geraucht, manchmal zu wenig Bewegung und immer im Stress, niemals Nein sagend. Der Körper schlägt zurück...irgendwann...mit voller Wucht !

Jedenfalls messe ich meinen Puls...immer und immer wieder. Ich merke wie sich alles in mir zusammen zieht, der Druck auf der Brust wird stärker, meine Muskulatur verkrampft sich und meine Gedanken überschlagen sind. WAS wenn Du jetzt HIER umkippst ! Das geht doch nicht. ! Nicht hier !

Als der Teamleiter sagt dass es zum Bus zurück geht, geht auch mein Puls zurück, der Druck wird weniger, die Muskulatur fängt an sich langsam zu entspannen. Ja bloß weg hier bitte, und bitte wieder in die Nähe vom Klinikum, dort wo man mir im schlimmsten Fall sofort wieder helfen kann falls es mich nochmal umhaut.
Die ersten drei deftigen Panikattacken bekam ich in der Reha, sofort standen Ärzte bereit. Die vierte Panikattacke bekam ich daheim. Schon ein dummes Gefühl wenn man mit dem RTW weggefahren wird ! Seitdem habe ich Probleme mich irgendwo aufzuhalten wo eventuell niemand sein könnte der mir helfen kann falls es mich mal wieder erwischt.

Denken Sie da jetzt bitte nicht drüber nach - es lohnt nicht Gedankengänge von Panikgestörten verstehen zu wollen ! Die ticken anders ! Ganz anders ! Für gesunde Menschen manchmal nicht nachvollziehbar.

Wir sind zurück in der Tagesklinik. Der Puls ist wieder normal. Ich fühle mich wieder etwas freier. Trotzdem bin ich deprimiert. Diese Drecksgedanken machen mein Leben kaputt. Nehmen wir die Freude an Dingen die mir mal Spaß machten. Geben mir Angst. Ich mag keine Angst. Ich hasse Angst. Das bin doch nimmer ich selber. SO nicht. Und ich WILL es loswerden.
Jeden Dienstag ist nun Wandertag ! Jeden Dienstag diese Angst ? Wie soll das weiter gehen ?

Deshalb bin ich diesen Weg gegangen. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung hoffentlich ...ein kleiner Schritt der unglaublich viel Mut kostete...Tagesklinik. Ein Weg und Entschluss der nicht einfach war !