Posts mit dem Label Blasentumor werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Blasentumor werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 7. September 2018

Zeitraffer II

Donnerstagnachmittag werde ich an Tag 38 also ENDLICH entlassen.

Daheim angekommen fühlt sich alles so anders an. Mit der Wunddrainage im Körper kann ich mich nicht bewegen wie ich gerne möchte. Selbst unser Ehebett ist nun anders. Wir mussten die Bettseiten tauschen da ich mit dem künstlichen Blasenausgang nimmer auf der rechten Seite schlafen kann. Alles so Dinge die uns vorher nicht bewusst waren. Unser Leben / mein Leben ist in einigen Bereichen nun doch anders geworden und ich muss mich erst einmal rein finden. 
Bei den kleinsten Anstrengungen merke ich sofort dass ich völlig konditionslos bin. Zudem bin ich von 0 auf 100 in die Wechseljahre gekommen weil sie mir während der OP nun doch alles entnehmen mussten was Hormone produziert. 
Dieses von 0 auf 100 setzt mir ebenfalls ganz gut zu. In einem Moment habe ich Winter und im nächsten Hochsommer. 

Mein Körpergefühl passt zu meiner mentalen Stimmung. Mal so mal so ! 

Freitags telefoniere ich mit dem Urologen in der Nachbarstadt. Es geht um die Wunddrainage, die muss ja irgendwann mal raus. Zudem brauche ich eine neue Krankmeldung. 
Also nein, Drainage und AU dafür seien sie nicht zuständig , dazu müsse ich zum Hausarzt. 
So mache ich nur fix einen Termin für die Wundkontrolle und danach fährt der Liebste mich zur Hausärztin. Ne, also Wunddrainage ist nicht deren Gebiet, sollte damit was sein muss ich wieder in die Klinik. Ich bin genervt von diesem Hin und Her ! 
Immerhin bekomme ich noch etwas Kochsalzlösung und Spritzen mit und kann somit im Notfall auch selber die Drainage anspülen. Wundverband und Desinfektion für den Verbandwechsel , den muss ich nämlich auch selber machen, auch dafür fühlt sich keiner zuständig. !

Den Rest des Tages sowie das Wochenende verbringe ich auf der Couch, umringt von drei Plüschpopos die mich sehr vermisst haben müssen, so kuschelbedüftig ist die Bande. 

Sonntag lässt mich die Drainage trotz mehrmaligem Anspülen im Stich und bleibt trocken. Da ich aber relativ beschwerdefrei bin, versuche ich erst einmal nicht in Panik zu verfallen. 

Montag soll ich zum Urologen. Wundkontrolle. Alles was ihn interessiert sind lediglich meine Nieren. Die sind aber sauber und arbeiten hervorragend. Freitag soll ich wiederkommen, zur Wunddrainage äußert er sich nicht wirklich. Ich soll halt nochmal den Beutel wechseln und neu anspülen.

Danach bummeln der Liebste und ich durch die Stadt. Alles ganz gemächlich und im Schneckentempo. Ich brauche dringend Sporthosen. Durch den künstlichen Blasenausgang und meine 20 cm Narbe quer durch die Bauchdecke, kann ich mich nun zukünftig von meinen geliebten Jeans verabschieden. Es ist wie es ist. 
Zum Optiker müssen wir auch noch, irgendwie kann ich immer schlechter sehen, und nach dem Sehtest wird uns dann auch schnell klar das ich eine neue Brille brauche. Danach gönnen wir uns noch ein leckeres Kaffeetrinken im Cafe am Marktplatz und dann muss ich heim, ab auf die Couch, ich bin so richtig platt. 

Dienstag befolge ich den Rat meines Urologen. Drainage neu anspritzen. 50 ml Kochsalzlösung. Es fließt in meinen Körper aber nimmer raus. Shit !  2 Stunden später bekomme ich Schmerzen und ach verdammt: Fieber ! Trotzdem bleibe ich erst einmal relativ ruhig. 
Die Nacht aber ist die Hölle, Schmerzen und Fieber und ich habe ein Déjà-vu und ausgeprägte Panikattaken.

Mittwoch lässt es sich nicht mehr aushalten, ich packe meine Notfalltasche und wir fahren in die Klinik. Ich bin relativ schnell dran und werde von dem Arzt behandelt der mich auch mit operierte. Er nimmt sich alle Zeit, macht einen ausführlichen Ultraschall und beruhigt mich: Flüssigkeit kann er keine sehen, er zieht also die Drainage raus, woher die Schmerzen kommen kann er sich aber auch nicht erklären. Wir plaudern ein wenig nebenbei und er fragt wie ich die Tage daheim verbracht habe. Ich erzähle ihm von den Arztbesuchen und dem Stadtbummel. 
Hätte ich man lieber die Klappe gehalten....
Denn dann bekomme ich einen verbalen Einlauf von ihm der sich gewaschen hat.
Ob mir eigentlich bewusst sei wie krank ich wäre, dass ich eine der schlimmsten urologischen Operationen hinter mir hätte die es wohl gibt. Ob mir nicht klar wäre dass ich mich schonen soll / muss. 
Ich bin ein wenig angepickt und reagiere auch dementsprechend leicht gereizt. Wenn die Physio mich im Krankenhaus schon über die Flure scheucht und mich Treppen laufen lässt und mich dazu verdonnert mich viel zu bewegen, dann werde ich ja wohl auch einen kleinen Bummel im Schneckentempo machen dürfen. 
Er ist sichtlich entgeistert und sagt mir wenn er das mitbekommen hätte dann hätte er mir und der Physio die Ohren lang gezogen.
Treppen sind für mich die nächsten Wochen absolut verboten. Kleine leichte Spaziergänge sind erlaubt, aber keine Shoppingtouren mit Treppen laufen und hier und da mal bücken. Viel liegen , wenig sitzen. Ebenso darf ich nicht über allerhöchstens 5 KG heben. (Ups...Der Kater wiegt ja schon 7 KG) Er sagt für mich sind die nächsten Monate Schonung angesagt und ich solle mich darauf einstellen dass es eine Heilphase zwischen 6 - 9 Monate bedarf. Ich habe 30 offene Wundstellen in meinem Unterleib die erst einmal gescheit verheilen müssen. Mein überwiegender Aufenthaltsort soll in der nächsten Zeit die Couch sein. 

"Schalten sie endlich mal runter Frau Deichkind !"
Mit diesen Worten entlässt er mich !

Daheim packe ich mich auf die Couch, Fieber und Schmerzen sind meine Begleiter. Mal mehr mal weniger. Am nächsten Tag wissen wir endlich warum. Die haben auch am Darm operiert und dieser spielt mal wieder Diva und hat sich entzündet. Also Diät und Schmerzmittel. Ich weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll. Trotz allem bin ich doch erleichtert dass es diesmal nicht von der Drainage kam. Freitag hat der Urologe nochmals ein Blutbild gemacht, sämtliche Werte sind wieder einmal durcheinander und keiner so wie er sein soll. Letzten Montag erneute Kontrolle. Die Schmerzen werden aber endlich besser und auch die Diva scheint sich endlich zu beruhigen. 
Kommenden Montag nochmals Ultraschall und Blutkontrolle und am Dienstag fahre ich nun doch zur Reha. 

Um es mit Gaby Kösters Worten zu beschreiben:

"Ein Schnupfen hätte auch gereicht"

Donnerstag, 6. September 2018

Zeitraffer I

Ja ich lebe noch....wenn auch manchmal mit dem Kopf unterm Arm...aber immerhin....LEBEN !

Die letzten Wochen war ich nicht fähig längere Zeit sitzen zu können, und auch jetzt klappt es nur mit einem dicken Kissen unterm Hintern und in einer Sitzposition in der gesunde Menschen morgen spätestens komplizierte Verschlingungen des Darm Traktes und Muskelkater in sämtlichen Bein und Po Regionen hätten ;) 
Aber ich möchte gerne mal wieder ein wenig meines Alltags zurück, dazu gehört für mich auch gemütlich mit einem Kaffee am PC zu sitzen und durchs Internet zu surfen und unsinnige Posts zu posten ;) 

Zeitraffer der letzten Wochen...kurz und bündig...

Die erste Woche:
Man lässt mich anderthalb Tage nach der 8 Stunden OP in Narkose vor mich hin schlafen. Ich bekomme nichts mit - worüber ich auch gar nicht böse bin.
Beim Aufwachen habe ich das Bedürfnis jeden zu töten der mir in mein Blickfeld läuft, denn ich habe diesen verdammten Tubus noch im Hals und jede Menge Panik im Blut. Jetzt weiß ich wie sich Ersticken anfühlen muss ! 2 Minuten später bin ich das Ding zum Glück los. Überall hängen Schläuche und das Piepen der Maschinen macht mich fast verrückt. Immerhin...die Medikamente sind so stark dass ich zwischendurch die lustigsten Dinge  in meinem Kopfkino erlebe und dem Liebsten überzeugt erkläre dass man auf dem Überwachungsmonitor auch Netflix sehen könne. Er soll mir das doch bitte mal einstellen. ... ! 
6 Tage umher liegen, zwischendurch gewaschen werden, irgendwer stellt mir immer mal eine Suppe oder Tee in der Schnabeltasse hin und in hübscher Regelmäßigkeit werden meine Medikamente erneuert. Am dritten Tag versucht man mich zu mobilisieren. Man setzt mich auf einen Toilettenstuhl (andere gab es wohl nicht ?) und ich soll mich ein bisschen bewegen. Füße wackeln und son Gedöns.  Das Letzte was ich mitbekam: So ein Fußboden kann sehr schnell sehr nah kommen...und vier Menschen bedarf es mich wieder mit sämtlichen Kabeln und Schläuchen ins Bett zu befördern. Den Tag über bin ich im Eimer als wäre ich einen Marathon gelaufen. Danach wird es aber von Tag zu Tag besser.


Die zweite Woche:
Man verlegt mich Dienstags auf die Normalstation. "Ach...eigentlich ist die ja schon ganz fit...die kann auch selber ins Bad gehen." Das Letzte was ich mitbekam: So ein Fußboden kann sehr schnell sehr nah kommen. Aber immerhin schaffe ich es diesmal alleine ins Bett. Nach ein paar Tagen wird es besser.


Die dritte Woche:
Man entlässt mich urplötzlich Montagabend. Wacken steht an und man braucht ja schließlich genug Betten für die ganzen Honks , die sich bei 40°C die Birne mit Alk dicht kloppen, und sich dann wundern wenn man umfällt. So entlässt man mich also mit einer Drainage die bis dato täglich 500 ml Wundwasser aus meinem Körper Inneren fördert. 
Donnerstags soll ich wieder einrücken, schließlich müssen die Harnleiterschienen noch gezogen werden. Freitags stellt man fest dass ich eine Flüssigkeit im Bauchraum habe, also fällt das Ziehen aus. Aus der Wunddrainage kam schon seit Montagnacht nichts mehr raus, die Ärzte gingen davon aus dass es dann eben kein Wundwasser mehr gibt. Die Drainage bleibt trotzdem noch drin. Freitagabend schickt man mich abermals nach Hause. Sonntags muss ich wieder einrücken.


Die vierte Woche:
Montag, die ursprünglich gedachte Flüssigkeit im Bauchraum entpuppt sich als Fehlalarm, die erste von zwei Schienen wird nun doch gezogen. Die Wunddrainage ist trocken...da kommt nichts mehr raus, die soll auch am nächsten Tag gezogen werden sollte das alles gut sein, dürfte ich Mittwoch endgültig nach Hause. Ich bin skeptisch ! Mit Recht wie sich rausstellt !
Dienstagmorgen wird die zweite Schiene und die Wunddrainage gezogen. Eine Stunde später liege ich mit zwei Decken dick eingemummelt bei 40°C mit Schüttelfrost im Bett und habe Schmerzen wie ein angeschossenes Schwein. Eine Stunde später sind Außentemperatur und meine Körpertemperatur identisch. 
Röntgen - nichts zu sehen. Man ballert mich mit Medikamente zu. Nichts nutzt. Die Nacht ist die Hölle. Ich habe Schmerzen, weine, verzweifel und hasse die ganze Welt und meinen Körper und dieses beschi*** Schalentier ! 
Am nächsten Tag CT. Und dann kam es knüppeldicke. Die erste Drainage hatte sich verstopft und das Wundwasser sich einen neuen Platz gesucht. Unterhalb der einstigen Drainage hatte sich ein neuer See gebildet der auch noch Pilz belastet war. Eine Sepsis. Herzlichen Glückwunsch auch ! 
Bei vollem Bewusstsein jagt man mir eine neue Drainage in den entzündeten Körper. Wieder einmal habe ich das Bedürfnis alle zu töten die daran beteiligt sind und diese Schlamperei mit verantwortet haben. Ich war von Anfang an skeptisch dass die Drainage von 500 ml täglich plötzlich bei 0 ml sein sollte ! Aber was weiß ich denn schon....
Also wieder neue Medikamente, wieder Antibiotikum, wieder fühle ich mich wie dreimal überfahren. Die restliche Woche dämmere ich nur noch vor mich hin, ich mag nichts mehr essen, nicht telefonieren, keinen außer dem Liebsten sehen.
Meine Blutwerte sind so im Eimer dass man überlegt mich wieder auf die Intensiv zu verlegen ! Aber ich weigere mich ! Bitte nicht nochmal ! Das muss auch so wieder gut werden !
Ich habe schlichtweg einfach keine Lust mehr, mental bin ich absolut am Tiefpunkt. Fi*** Dich doch Schalentier ! Ein Schnupfen hätte auch gereicht !


Die fünfte Woche:
Langsam zeigen auch die Medikamente endlich ihre Wirkung. Ich fange wieder an zu essen und kann mich auch selber wieder bewegen und die Station vorsichtig unsicher machen. Lange Strecken schaffe ich nur mit dem Rolli wenn der Liebste mich schiebt. Mitte der Woche hat sich mein HB Wert aber so verschlechtert dass man überlegt mir Bluttransfusionen zu verabreichen. Begeistert bin ich nicht davon. !
Die Drainage fördert kontinuierlich ihre 200 - 300 ml pro Tag und die restlichen Blutwerte normalisieren sich zum Glück allmählich ! 
90-60-90 sind ja eigentlich die Traummaße einer Frau...es sei denn, es handelt sich dabei um Blutdruck und Puls. ! Aus 90-60-90 werden dann sogar noch 70-50- Ruhepuls120. Irgendwas läuft schief, aber kein Mensch kommt darauf. Somit brauchen wir nicht mal ansatzweise über eine Entlassung nachdenken ! 


Die sechste Woche:
Ich bin so richtig angefressen....eigentlich waren Anfangs 2-3 Wochen angedacht, aber ich verbringe noch immer den Sommer in der Klinik. Der Blutdruck ist tagelang absolut im Keller und mir geht es hundeelend. Der HB Wert ist auf 8 gesunken. 12 wären normal. Die Ärzte sind ratlos und ich gefrustet ! Bis die super nette Krankenschwester mir einen Tip gibt. 
Von jetzt auf gleich schmeiße ich mein Oxycodon in die Ecke. BTM ! 
Und auch auf eigene Faust reduziere ich die anderen zusätzlichen Schmerzmittel. Die Schmerzen halten sich trotzdem im Rahmen und wenn es zu arg wird pfeife ich mir halt auf Bedarf etwas ein. Tag für Tag geht es mir endlich besser. Der HB Wert steigt immerhin bis zum Entlassungstag wieder auf 11 und der Blutdruck kommt langsam aber sicher wieder in die normalen Werte, der Puls wird wieder normal und ich fühle mich fast wieder wie ein Mensch. Ich brauche keinen Rolli mehr und der Kaffee schmeckt auch endlich wieder ! 

An Tag 38 darf ich ENDLICH nach Hause. !
Meine Nerven sind im Eimer, ich fühle mich noch leicht überfahren und meine einstige Stärke ist ein wenig arg geschrumpft. Ich möchte einfach nur heim, wieder gesund werden und mein Leben zurück haben.

Aber gesund sieht anders aus...


to be continued

Dienstag, 24. Juli 2018

Überfahrene Waschbären

Nach 6 Tagen Intensivstation 
bin ich zurück auf meiner Normalstation.
Ich fühle mich wie ein überfahrener Waschbär -
 der Liebste sagt ich sehe auch ein bisschen so aus.
ABER
 es baumelt kein Zettel an meinem Fuß !

Ein durchaus erstes gutes Zeichen !
DANKE für die vielen Wünsche zum letzten Post.😊

Ich bin dann mal noch ein paar Runden schlafen.

Dienstag, 17. Juli 2018

Die Reise geht los

Foto©https://deichkindsreallife.blogspot.com/

Ich sitze zum vorerst letzten Mal am Wasser.
Stecke die Füße hinein, 
höre den Möwen zu,
lasse die Gedanken kreisen,
atme ein, atme aus 
und schmecke den salzigen Wind auf meinen Lippen.

Bitte lass alles gut werden ! 

Leise rollen Tränen über mein Gesicht 
und ich fühle mich zerrissen, 
schwach und zugleich so hoffnungsvoll !

Ich will das mein Liebster sein Lachen wiederfindet,
will erleben wie seine Sorgenfalten verschwinden,
will das meine Eltern sich nicht mehr um ihr Kind sorgen müssen,
will erleben wie mein Kind seinen Weg findet,
will doch nur noch Zeit haben....

Zeit zum Leben !

Will bald wieder hier sitzen und die Füße ins Meer stecken,
den Wind auf meinen Lippen spüren.
Das Salz schmecken....dass vom Meer, 
und nicht das meiner Tränen.

Ich habe Angst vor dem was nun kommt.
Der letzte Koffer ist gepackt, 
alles ist bereit.
Morgen früh geht die Reise los.
Mit wahnsinnig viel Hoffnung im Gepäck.


Dienstag, 10. Juli 2018

Erstens kommt es anders....

...zweitens schneller als man denkt. 

Ich freute mich sehr auf Freitag, auf den Besuch meiner Cousine, auf das Meeresleuchten am Abend am Strand, zu dem der Liebste und ich beide endlich mal gemeinsam frei gehabt hätten.
Ich freute mich auf ein entspanntes und schönes Wochenende. 

Aber wie es so ist im Leben....es kommt meistens anders. So auch diesmal.
Gerade sind die Kuchen ausgekühlt und das Essen für Freitag vorbereitet, als ich zu Bett will. 
Zwei Stunden später finde ich mich aber mit einem kompletten Verschluss der Blase in unserer Notaufnahme wieder. Das übliche Prozedere, Blase wieder frei bekommen, 4 Tage liegen. 
Danke auch.

Die Station ist ok, das Essen durchaus annehmbar, Netflix und ich sind nun die besten Freunde, Besuch bekam ich auch genug, lediglich der Ort war falsch. Daheim wäre eindeutig schöner gewesen. 

Und wenn ich schon mal da bin, kann man das Tumor Konzil ja auch gleich vorziehen. Ich darf den Liebsten noch dazuholen und dann geht es los.  

Es ist erstaunlich wie freundlich Dir Menschen gesinnt sind, wenn Du mit solch einer Diagnose in solch einem Alter vor ihnen stehst. 
Am Besten gefiel mir die Schwester beim Anästhesiegespräch. 

"Frau Deichkind...ich möchte Sie gerne an jedem Tresen der Welt wiedersehen, dann trinken wir einen zusammen, aber hier an diesem Ort will ich sie nie wieder zu Gesicht bekommen.Verstanden ?"

Jepp hab ich, liegt aber ja nicht in meiner Hand ;)

Das Anästhesiegespräch geht über eine Stunde, aber mir sind einige Sorgen genommen, denn ich bin dort bestens aufgehoben. 

Dann geht es zum Konzil.
Der Oberarzt schaut mich lange an, schüttelt den Kopf, und sagt mir das dies nun die letzte Hürde sei, und ich dann aber wirklich mal oft genug hier geschrieen hätte, und es damit dann auch mal gut sein muss. 
Ganz meiner Meinung.

Er bespricht mehrere OP Möglichkeiten mit uns. Bei einigen sträuben sich mir sämtliche Nackenhaare. Ich wollt gesund werden aber das Elend nicht noch vergrößern. Das sieht er zum Glück genauso und auf Grund meines Alters haben wir auch anderer Optionen.
Nun sieht es also so aus dass ich vermutlich endlich wieder rattenschlank werden könnte. 
Ja....nach der OP passen mir meine 36 Klamotten wohl wieder....ein Traum :D
Wir einigen uns nun darauf:
Die Blase, die Gebärmutter, der linke Eierstock, der Blinddarm, Lymphknoten und 30 cm Darm werden mir nächste Woche in einer ca. 6 stündigen OP entnommen. Was soll man auch mit soviel Gedöns. Braucht eh kein Mensch. 
Ich frage ihn warum so viel Zeugs raus muss. Er erklärt mir dass man meine Blase vergleichen könnte mit einer Wand. 
Tapete - Putz - Mauer. Der kleine Scheißer hat die Mauer erreicht, bei der OP wird sich noch rausstellen ob er sie auch bereits durchbrochen hat. Und da ich noch ganz alt werden will, nimmt man vorsichtshalber alles nahe liegende mit raus falls irgendwo schon Metastasen vorhanden sind. 
Diese Sorge kann er mir leider auch nicht nehmen, denn alles was sie entnehmen wird nochmal eingeschickt in die Pathologie und mikroskopisch untersucht. Finden sich dort tatsächlich Metastasen bleibt mir auch eine Chemo nicht erspart. Also von wegen raus mit dem Zeugs- Gefahr gebannt, dem ist leider noch nicht so. Aber trotz allem bin ich erst einmal optimistisch. 

Danach darf ich zur Reha, und da kommen wir wieder zu dem Punkt das Krebspatienten doch irgendwie etwas netter behandelt werden. Ich habe einen Wunschort und promt schreibt er diesen auf und sagt dass wir das hinbekommen. Wie toll , ich freue mich. 

Nach den Gesprächen durfte ich nach Hause. 
Nun habe ich nochmal eine Woche zum durchatmen daheim. 

Erstaunlich finde ich mich selber gerade. Während mein Umfeld in Panik versinkt, bin ich die Ruhe selber. Es ist wie es ist, und wir müssen das Beste darauf machen. Natürlich finde ich das alles nicht lustig, und natürlich habe ich auch mal schwache Momente, aber dennoch habe ich den festen Glauben dass sie mir helfen können. Ich habe noch unendlich viele Ziele im Leben, und Träume und Wünsche, und an die klammere ich mich gerade sehr und will sie noch erreichen. Der Arzt sagte mir ohne OP bleiben mir nicht mal mehr 10 Jahre, mit OP kann ich unter Umständen aber noch recht ein paar Jahre schaffen.

Also Augen zu und durch und hoffen und auf schöne Dinge freuen. 
Und irgendwie wäre es ja auch echt blöde wenn der Blog nach so kurzer Zeit schon wieder unbeschrieben bleiben würde ;) 

Dienstag, 3. Juli 2018

Tage zählen

Soeben kam der Anruf meines Urologen.
Am 13.Juli geht es weiter !
Dann habe ich den Termin der Klinik zur Besprechung der weiteren Vorgehensweise. Dass die Blase raus muss weiß ich nun schon. Aber anhand des pathologischen Befundes wird dann eben noch besprochen ob und wie eine Ersatzblase möglich ist, ob eine Chemo notwendig ist...ach und halt all so ein Mistkram mit dem ich mich nie, nie, nie beschäftigen wollte. !

Das heißt mir bleiben noch 10 Tage zum Luftholen !

Und ich habe gerade nur einen festen Vorsatz:
10 Tage stark bleiben und Dinge tun die mir Spaß bringen.

Eis essen gehen, bummeln, ausschlafen, die Füße ins Meer stecken, mit Caro frühstücken, Abende mit dem Liebsten in der Sonne genießen....

Schöne Augenblicke für schwere Zeiten sammeln !!!

10 Tage die ich zu meinen Lieblingstagen machen werde !

Wirkliche Hilfe !

Obwohl ich manche Momente ziemlich down bin, nicht drüber sprechen mag, und einfach mal so in Tränen ausbreche, bin ich trotzdem die meiste Zeit erstaunlich entspannt und gelassen.

Es ist wie es ist und wir werden es nicht ändern können. Aber trotzdem habe ich meinen alten Kampfgeist wieder gefunden.

Was ich die letzten Wochen müde und schwach war, bin ich nun wieder stärker geworden.
Ich messe keinen Blutdruck oder Puls mehr, die Panikattacken kommen noch, aber sind schnell abgearbeitet.

Aufregen kann ich mich momentan am meisten über solche Menschen, die um die Krankheit wissen, um das Ausmaß, und mir trotzdem Kettenbriefe mit Prophezeiungen auf ein langes Leben und viel Gesundheit schicken ! Boah ey...darüber kann ich mich gerade so richtig aufregen. 
Als ob dies die Lösung aller Probleme sei. 
Genauso dämlich finde ich diesen albernen Nervbildpost bei Facebook den nun bald jeder Hans und Franz auf seiner Seite hat:
"Bitte teile das im Kampf gegen Krebs". 
Haben die alle einen Pfeil im Kopf ?

Geht los, helft den betroffenen Menschen aktiv ! Redet mit ihnen, seid für sie da. 
Macht ihren Alltag zu etwas Schönem mit Essen gehen, Spaziergänge, Telefonate, gemeinsames Kaffeetrinken, gemeinsam Lachen  oder eben mit all den Dingen die Betroffenen Kraft geben. 
Da hilft so ein weit geteilter unnützer Facebookpost nämlich mal so absolut gar nicht dabei ! 

Sonntag, 1. Juli 2018

Blogidee



Als ich diesen Blog eröffnete , dachte ich, eines Tages, nach der traurigen Durststrecke, werde ich wieder schöne Geschichten schreiben können.

Ich sitze gerade hier , schreibe einen Post und denke mir:

"Hey...eines Tages sitzt Du wieder hier, nach einer traurigen Durststrecke wirst Du wieder schöne Geschichten schreiben können."

Ich bin zurück....mit neuem Kampfgeist, stärker denn je !
Ich werde nicht zulassen dass der kleine Scheißer mich klein bekommt !


Solange ich atme - werde ich kämpfen !


Samstag, 30. Juni 2018

Klassifikation pt2. G3.

Mit schlotternden Beinen betrete ich die Praxis, mit schlotterndem Herzen verlasse ich sie.

Es gibt keinen Zweifel mehr, der pathologische Befund schreibt es schwarz auf weiß.



Muskelinvasiver Tumor. 

Klassifikation pt2. G3. 

Die Blase kommt raus.
Demnächst bekommen wir einen Termin in der Klinik, ein Tumorkonzil , an dem Onkologen, Chirurgen und ein Psychologe zugegen sein werden, um zu besprechen wie die nächste OP von statten gehen wird.

Ich bin müde...
müde vom nachts weinen, müde vom immer wieder kämpfen.
Einfach nur noch müde.


Dienstag, 26. Juni 2018

Ein Engel auf Erden.

Dienstag betrete ich nervös und unausgeschlafen das Krankenhaus. Schon auf der Station werden mir aber die ersten Magengrummeln abgenommen. Ein freundliches Pflegepersonal nimmt sich meiner an, bespricht Aufnahme, EKG, und weitere Abläufe mit mir.
Kurz darauf erscheint ein Arzt und führt noch ein OP-Gespräch mit mir und untersucht mich nochmals gründlich. Toller Arzt, sehr einfühlsam und erklärend, und keine Frage meinerseits bleibt unbeantwortet.
Ein gutes Patient-Arzt Verhältnis. Ich persönlich finde dass dies immer ein wichtiger Bestandteil zum Genesungsprozess ist.

Den restlichen Tag verschlafe ich zum Glück. Nachts bekomme ich eine Schlaftablette und den Vormittag bis zur OP liege ich im Delirium . Ehe ich mich versehe bin ich wieder auf meinem Zimmer, der Liebste sitzt Händchen haltend an meinem Bett und ich schlafe mich "gesund".
Erst zum Donnerstag werde ich wieder etwas munterer, wage die ersten Schritte, und gönne mir einen leckeren heißen Latte Macciato in der Krankenhauscafeteria. Den restlichen Tag verbringe ich mit Lesen, Schlafen, Zimmerwechsel. Das mein Internet nicht funktioniert empfinde ich sogar mal sehr entspannend, soviel wie die letzten Tage habe ich lange nimmer gelesen.

Mein Zimmer teile ich mir mit einer 83 jährigen Frau und einer Dement kranken Dame. Inge (83) und ich verstehen uns auf Anhieb, sie erzählt mir viel aus einem sehr bewegten Leben, und das Beste an ihr ist ihr unerschütterlicher Humor und ihr Gelassenheit mit der sie schwierige Dinge im Leben bewältigt und abarbeitet. Das Leben hat es nicht immer gut mit ihr gemeint, und trotzdem strahlt sie eine positive Fröhlichkeit und eine unglaubliche Stärke aus, die selbst mich mit reißt und von der ich mir tatsächlich einen Teil mit nach Hause nehmen konnte. Inge und ich stehen im Kontakt, denn trotz ihrer 83 ist sie ein echter Facebookjunkie und wir werden uns demnächst mal auf einen Kaffee wiedersehen.

Frau Engel ist dement. Aber so süß. Sie lächelt immer nur. Nicht einmal hat sie trotz Schmerzen geweint oder gemeutert, sie liegt im Bett und lächelt, und wenn man ihr ins Gesicht schaut denkt man , man schaue einen Engel an. Zumindest kommt es einem so vor.
Als sie in unser Zimmer geschoben wird heißt es sie würde nicht reden.
Ihre Töchter kommen, zwei hat sie, Damen aus Schickimickihäusern.
Jede kommt für ca. 10 Minuten.
20 Minuten Besuch in all den Tagen, sehr erbärmlich ! Sie haben Frau Engel keine Klamotten mitgebracht und nichts Persönliches was ihr vielleicht den Aufenthalt etwas verschönern könnte.
Ich empfinde tiefes Mitleid mit der armen Frau und Abscheu für das Verhalten der Familie.

Am ersten Tag beobachten wir noch wie sie ihr Essen hingestellt bekommt mit dem sie scheinbar nichts anzufangen weiß. Auch zum Trinken hat sie keine Lust. Sie liegt und lächelt. Und schweigt.
Nachts dafür sägt sie allerdings für 20 Mann die Bäume des Klinikums ab. Es ist eine sehr laute Nacht, aber wir sind ihr nicht böse. Stattdessen lesen und beschäftigen wir uns eben anderweitig anstatt zu schlafen.
Am zweiten Tag kommt eine andere Pflegekraft ins Zimmer. Diese ist sehr herzlich und spricht immer wieder auf Frau Engel ein. Sie müsse mehr Trinken. Ob ihr kalt sei, ob sie gut liege. Aber alles was zur Antwort kommt ist ein Lächeln. Aber irgendwas ist an ihrem Blick anders. Sie wirkt klarer und aufmerksamer.
Während wir wieder alleine im Zimmer sind schaue ich immer mal wieder zu Frau Engel hinüber, und irgendwie packt es mich und ich stehe plötzlich neben ihrem Bett und rede auf sie ein. Sie muss dringend trinken, denn ihr Katheter sieht sehr, sehr ungesund aus. Sie schaut mich an, lächelt UND greift zum Becher. Es ist verrückt, aber ich freue mich wie ein kleines Kind.
Immer mal wieder spreche ich sie an, sie schaut mich an, beobachtet und lächelt.
Ich frage sie ob wie ein wenig fernsehen wollen - ihr Lächeln wird noch breiter. Also läuft den ganzen Tag über eine Tiersendung, eine Shoppingsendung und abends Fußball. Ihre Augen sind wach und sie schaut unentwegt in den Fernseher. Und sie lächelt. Zwischendurch schaut sie nun auch mal zu unseren Betten und jedesmal streift uns ein Lächeln und irgendwie auch ein ergreifendes Stück Zufriedenheit.

Am Sonntag sollen Inge und ich entlassen werden. Morgens kommen noch einmal die Schwestern. Wir haben eine  wundervolle Schwester die sich wirklich sehr um Frau Engel bemüht. Sie wäscht sie sehr gründlich, frisiert sie, redet viel mit ihr, zieht ihr ein neues Hemdchen an, denn eigene Klamotten hat Frau Engel immer noch nicht.  Sie schneidet ihr das Essen klein und holt sie endlich einmal aus dem Bett, setzt sie in einen Stuhl damit sie etwas gemütlicher Essen kann. Und das scheint Frau Engel sehr zu gefallen, denn zum ersten Mal isst und trinkt sie sogar recht gut. Als ihr Becher ein wenig weg rückt, setze ich mich zu Frau Engel und reiche ihn ihr immer mal neu oder frage sie ob sie noch einen Haps essen mag. Sie lächelt mich an, und greift tatsächlich nochmal zum Kaffeebecher und einem Joghurt. Ich bin sehr glücklich. Ich kenne diese Dame nicht, aber sie scheint es zu mögen wenn sich jemand wirklich um sie kümmert. Dass ist wohl das was sie wirklich braucht: ein kleines bisschen Aufmerksamkeit.

Es geht auf den Mittag zu, der Arzt kommt und gibt uns unsere Entlassungsbriefe. Inge und ich verabschieden uns herzlich vorneinander, wir drücken uns noch einmal und versprechen uns, uns bald auf einen Kaffee zu treffen.

Dann gehe ich zu Frau Engel ans Bett und verabschiede mich auch von ihr. Mir ist ein bisschen schwer ums Herz weil ich nicht weiß wie lange sie noch alleine bleiben muss und ob ihre neuen Bettnachbarn auch bemüht um sie sind.
Sie schaut mich an, direkt in die Augen - lächelt - und sagt:
"Schade das sie gehen dürfen.".

Das war das einzige Mal wo ich sie sprechen hörte. Aber es hat mich sehr ergriffen und ich drehe mich schnell um damit sie meine Tränen nicht sieht.

Frau Engel wird mir wohl noch eine ganze Weile in lieber Erinnerung bleiben.

Freitag, 15. Juni 2018

Kleiner großer Scheisser

Kleiner Scheisser schimpfe ich ihn nun.
Irgendwie finde ich den Namen passend !

Mittwoch bringe ich meine letzte Schicht für diese Woche hinter mich.
Da ich eh schon leicht gereizt bin, müssen auch meine Kollegen ausnahmsweise mal als Prellbock herhalten ! Schadet ihnen nicht !
Denn wie üblich, zwar wurde ich diesmal immerhin gefragt, könnte ich ja mal wieder länger arbeiten.
Ich verneine und dränge auf einen planmäßigen Feierabend.
Eine Stunde nach dem eigentlichen Feierabend kommt meine Kollegin auf mich zu, da stehe noch Arbeit, wenn sie erledigt sei könne ich dann gehen.
Und plötzlich kommt ein wenig Starrsinn in mich.
Meine klare Ansage:
"NEIN- Dafür das ich gesagt habe ich kann nicht länger bleiben, bin ich aber schon wieder recht lange da"
Sie schaut mich verdutzt an - 5 Minuten später habe ich Feierabend.
Na bitte geht doch.
Kurz danach fetzen wir uns nochmal ein bisschen, denn auch ich habe echt mal so richtig die Schnauze voll. Ich sage ihr dass wir ALLE keine Lust mehr haben wirklich JEDE Schicht länger zu arbeiten, dass wir auch ein Privatleben haben. In welchem wir unsere Termine um die Arbeit basteln und trotzdem vieles davon durch die Mehrarbeit nicht einhalten können.
Ja sie wisse dass ich dauernd immer früher komme und länger bleibe und nein sie sei mir nicht böse das ich nun mal etwas lauter wurde. Was sie wirklich denkt geht mir eigentlich meilenweit vorbei, dass sie sich, wenn ich die Tür hinter mir geschlossen habe, vermutlich beschweren wird ist mir auch total gleichgültig.
Erstens habe ich nun ein paar Tage frei , zweitens habe ich gerade andere Sorgen.

Ich fahre heim, bereite das Essen vor und warte auf Caro.
Wir wollen uns nochmal sehen ehe ich am nächsten Tag zu meinem Termin muss.

Es klingelt an der Tür und sie steht dort mit einer kleinen Überraschung.
Eine Krankenhausnotfalltasche. Prall gefüllt mit Naschi, Säften, Kosmetika, vielerlei guter Dinge und Socken :o) Falls der Winter wiederkommt. Man weiß ja nie.
Jedenfalls freue ich mich sehr über diese Tüte, denn die Idee an sich ist wirklich zauberhaft und man sieht dass es alles mit Herz ausgesuchte Dinge sind.

Wir essen gemeinsam, schwelgen in Erinnerungen, lästern über die Arbeit und verbringen ein paar wundervolle Stunden miteinander.

Am Abend bin ich alleine denn der Liebste hat Nachtschicht. An Schlaf ist nicht zu denken, auch wenn ich hundemüde bin, wälze ich mich hin und her, und die paar Minuten die ich dann mal schlafe, träume ich so bescheuert dass ich nimmer schlafen mag. So stehe ich um 4:00 Uhr wieder völlig übermüdet auf.

Der Liebste kommt kurz darauf aus der Nachtschicht, wir trinken gemeinsam Kaffee und dann starten wir zum CT Termin. Dort angekommen freue ich mich dass wir eine gute halbe Stunde zu früh dran sind. Mit Chance kämen wir vielleicht ja sogar früher dran- so mein Gedankengang. Leider war dem nicht so. Die Absprache zwischen Radiologen und meinem behandelnden Arzt war nicht sonderlich gelungen. So sitze ich noch ganze 4 Stunden umher , trinke anderthalb Liter Kontrastmittel und harre der Dinge die da kommen.
Von Minute zu Minute werde ich unruhiger und nervöser, mein Magen hängt auf halb acht, und die Gedanken purzeln.

ENDLICH bin ich dann kurz vor 12:00 Uhr auch an der Reihe. Das CT an sich geht schnell...eigentlich war nur eins geplant, doch dann schießen sie nochmal Kontrastmittel nach und ich muss 10 Minuten später nochmal durch die Röhre. Das gab mir schon zu denken. Die freundliche Schwester betreibt kurz ein bisschen Smalltalk mit mir und bittet mich dann draußen Platz zu nehmen, sie gibt mir dann meine Bilder raus und danach kann ich gehen.
Doch dann kommt es ganz anders.

Ich werde aufgerufen, aber anstatt mir eine CD zu geben, bittet sie mich in einem anderen Wartebereich Platz zu nehmen, und ja ich solle den Liebsten mitnehmen.
15 Minuten Wartezeit können einem wie eine Ewigkeit vorkommen. !!!
Endlich öffnet sich die Tür zu Arztzimmer, der Arzt kommt raus - zwinkert mir zu und läuft zu einer anderen Behandlung ! Ist das nun sein Ernst ? Tatsächlich muss ich nochmal 10 Minuten warten - meine Nerven liegen blank.
Dann endlich werden wir in sein Zimmer gebeten. Auf seinem Monitor meine CT Bilder.
Die gute Nachricht zuerst, die Lunge , Leber, Niere etc sind sauber
Dann die schlechte Nachricht: der kleine Scheisser ist definitiv da und hat nochmals an Größe zugelegt. Nun ist er nicht nur in der Blase sondern auch außerhalb der Blase befindet sich nun etwas. Der Arzt sagt dabei handelt es sich aber um eine Zyste oder eine Gewebewucherung. Einen Tumor an dieser Stelle schließt er erst einmal aus. Das Teil IN der Blase ist allerdings tatsächlich ein mieser kleiner Scheisser daran gibt es keinen Zweifel mehr.

Relativ nüchtern nehme ich diese Nachricht entgegen, wobei schon deutliche Freude in mir ist das keine benachbarten Organe betroffen sind. Das war so ziemlich meine allergrößte Sorge.

Der Arzt verabschiedet sich freundlich von mir und wünscht mir für die bevorstehende Operation alles Gute.

Wir verlassen das Zimmer, und der Liebste nimmt mich erst einmal fest in den Arm und freut sich diebisch dass bisher nichts gestreut hat. Ich kann seine Freude einerseits verstehen, anderseits aber nicht teilen. So ergeht es mir bisher mit allen Menschen die es wissen. Alle freuen sich wahnsinnig das nichts gestreut hat, und der Tumor auf einen Fleck begrenzt ist. ABER...es ist ein Tumor ! Es ist mein Feind. Vielleicht habe ich ein verzerrtes Bild, aber neben all der bisherigen Erleichterung mischt sich trotzdem bei mir wahnsinnig viel Angst ein.

Ich habe mich nun in einem professionellen Forum und Seiten von Urologen schlau gemacht. Der Feind sitzt in meiner Blase, wird am Mittwoch entnommen, und dann eingeschickt ins Labor. Und erst dann wenn er untersucht wurde kann man sagen, um welche Art Tumor es sich handelt, ist er aggressiv, ist er "harmlos" , hat er schon die Blasenwand angegriffen, wächst er schnell, langsam, breitflächig, zentral etc. All diese Dinge kommen erst noch auf mich zu. 
Ich weiß dass ich nun alle drei Monate zur Blasenspiegelung muss, das der geplante Eingriff am Mittwoch nicht ohne Risiko ist, dass dieses Mistdrecksteil zu gerne zu Rezidiven neigt. Dies konnte ich dann auf der Urologenseite meines Krankenhauses in dem ich behandelt werde entnehmen. Da kommt noch ein bisschen was auf mich zu.
Mir fällt es gerade sehr schwer die Freude zu empfinden die mein Umfeld empfindet.

Nichts desto trotz genieße ich nun noch die Zeit bis ich Dienstag im Krankenhaus einrücken muss.
Ich versuche schwere Gedanken auf die Seite zu schieben und die wenigen schönen Dinge zu tanken.

Ich habe mir fest vorgenommen mich nicht von dem kleinen Scheisser beherrschen zu lassen und erst recht nicht wieder in eine Schockstarre zu verfallen.

Ich kämpfe !