Posts mit dem Label Glücklich werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Glücklich werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 17. Dezember 2018

Es lohnt sich zu kämpfen

STRIKE !
Mit der vorherigen Einstufung war ich so gar nicht einverstanden. 
Da ich durch die OP erhebliche körperliche Einbußen habe, holte ich meine dennoch gut funktionierenden Ellenbogen raus, schrieb einen Widerspruch und schickte Bilder des OP Bereichs mit. 
Und siehe da :
DAS nenne ich GELUNGEN ;) 




Samstag, 27. Oktober 2018

Survivor

Ich hab es endlich getan.
Schon seit letztem Jahr ging ich mit einem weiteren Tattoo schwanger...aber es kam einfach nicht dazu. Motiv, Zeit und Gesundheit fehlten halt irgendwie.

Gestern morgen dann die Mail meines Tattoodealers. 
Ob ich spontan Zeit und Lust hätte heute bei ihm zu sitzen es sei ein Termin ausgefallen.
Hatte ich ! Und eine angedeutete Idee hatte ich diesmal auch schon im Kopf.
Bis er mir seinen eigenen Entwurf unter die Nase hielt !

3,5 Stunden später , aber glücklich und mit viel Farbe unter der Haut hab ich nun mein übers Jahr gesparte Sparclubgeld auf den Kopf gehauen. Aber das war es mir wert. I love it ;) 




Survivor ... nichts hätte passender sein können ! 

Donnerstag, 25. Oktober 2018

Urlaubsmodus

Wenn man das so nennen darf.

Den Umständen geschuldet gehe ich aktuell nicht arbeiten. 
Was mir nicht nur Langeweile sondern auch viele schöne Momente beschert.

Wir haben spontan unsere Taschen gepackt, einen verlässlichen Katzensitter für die Plüschpopos organisiert, dem ewigen Pupertier den Kühlschrank und die Gefriertruhe gefüllt, und sind in meine alte Heimat gefahren. Einfach so, ab ins Auto und weg. Tschüss Norden, Willkommen in Hessen.
Von Mama bekochen und von Papa betüddeln lassen. Aber eigentlich nur weil ich so rein gar nichts machen durfte. Immerhin atmen, entspannen, ausruhen und genießen waren erlaubt ;) 

So habe ich es dann auch endlich nach neun langen Jahren geschafft mich mal wieder mit meiner längsten (fast 20 Jahre Freundschaft) und wirklich besten Freundin zu treffen. Unglaublich wie schnell die Zeit ins Land ging, und immer wieder , wenn wir uns vornahmen uns zu treffen, kam von beiden Seiten etwas dazwischen. Neun lange Jahre ! Trotzdem blieb trotz der 700 KM Entfernung unsere enge Verbindung bestehen. Wir telefonierten, schrieben, blödelten vor der Webcam umher und jetzt endlich sahen wir uns wieder. Es war unglaublich schön. 
Für die Zukunft haben wir uns fest vorgenommen uns wenigstens einmal im Jahr zu treffen.

Am Wochenende trafen wir uns dann mit einem befreundeten Ehepaar in Limburg. Domstadt an der Lahn. Bei herrlichstem Wetter ließen wir uns es in diversen Cafes gut gehen. Besichtigten gemeinsam den wundervollen Bau und die malerische Altstadt in Rheinland Pfalz und trennten uns nach etlichen Stunden wieder schweren Herzens voneinander. Für nächstes Jahr haben wir nun allerdings fest eingeplant eine Woche Urlaub in ihrer Region Würzburg zu verbringen. 



Die Tage flogen nur so dahin und trotz diverser kleinen Pannen auf Grund meiner neuen Körpersituation,  konnte ich endlich einfach mal abschalten und mich sehr gut erholen. 

Nun sind wir wieder daheim. Hier wartet massig Behördenkram auf mich. Einsprüche müssen geschrieben werden, Untersuchungen stehen an, irgendwie muss ich mich nun auf lange Sicht gesehen neu finden. Mit dem Entschleunigen klappt gerade nur bedingt.

Irgendwie hab ich schon wieder Reisefieber ...abschalten und Kopf ausstellen. ;)

Dienstag, 24. Juli 2018

Überfahrene Waschbären

Nach 6 Tagen Intensivstation 
bin ich zurück auf meiner Normalstation.
Ich fühle mich wie ein überfahrener Waschbär -
 der Liebste sagt ich sehe auch ein bisschen so aus.
ABER
 es baumelt kein Zettel an meinem Fuß !

Ein durchaus erstes gutes Zeichen !
DANKE für die vielen Wünsche zum letzten Post.😊

Ich bin dann mal noch ein paar Runden schlafen.

Sonntag, 15. Juli 2018

Entschuldigung...ich lebe

 © https://deichkindsreallife.blogspot.com/

Irgendwie habe ich das Gefühl dass mir die Zeit weg läuft. Ich habe noch so viele Dinge zu erledigen, möchte noch soviel erleben, und der Tag hat leider immer nur 24 Stunden. Tatsächlich sind die Dinge die ich noch machen möchte, alles positive Sachen die mir Kraft geben. Aber noch nie rannte die Zeit schneller als jetzt !

Freitag traf ich mich mit meiner Schwägerin. Aus mal eben schnell einen Kaffee zusammen trinken, wurden etliche Stunden. Der Liebste hat in der Zeit den Baumarkt geräubert und kam zurück mit gefühlten 27 Tsd Schrauben 300 Brettern und Farbe und Laminat für 10 Zimmer und diversem Zeugs was Man(n) eben so braucht wenn er nur das Büro und die Diele neu renovieren möchte. Unser heimischer Obi-Markt in der Garage, in dem aus eben diesem Grund noch nie ein Auto stand, ist wieder prall gefüllt.  
Während ich im Krankenhaus sein werde, will er daheim anfangen endlich die  Renovierungsarbeiten in Angriff zu nehmen. Finde ich gut. Es lenkt ihn ab und ich steh ihm nicht im Weg herum. Was wir uns sonst wunderbar ergänzen - harmoniert dies bei Renovierung oder Gartenarbeit so gar nicht mit uns. Ich habe auf Lebzeiten Sekundenkleber-Hammer und Nagelverbot....mehr möchte ich eigentlich dazu nicht sagen ;) 
(Außer dass der Vorhang in meiner damaligen Wohnung tatsächlich 4 Jahre lang an der Wand hielt. Als ich dann auszog, war ich sehr froh dass der Liebste zudem auch gut verputzen kann ☺ )

Freitagabend zaubere ich uns ein leckeres Abendessen mit viel Fleisch, frischen Champions und Zwiebeln,  Kroketten und diversen Dips. Mit zwei guten Krimis, und einem fetten Eisbecher, lassen wir den Abend ausklingen. Der Freitag ist dann also auch schon um. 

Gestern gab es dann beinahe leichte Reiberein zwischen dem Liebsten und mir.  
Ich wollte eigentlich ein bisschen raus das Land und Wetter genießen. In den Koog und ans Meer, Seeluft tanken und durchatmen. Außerdem wollte ich zum Friseur und nach neuen Sneakers schauen. Trotz mehrmaligem "Betteln" zog er seine Arbeitsklamotten an und stiefelte aber in den Garten. Wenn ich bockig bin dann ziehe ich mich zurück...so stand er also im Garten und ich lümmelte frustriert auf der Couch umher. Körperlich viel machen darf ich im Moment nicht, obwohl ich am Liebsten vor lauter Frust schon den Teppich herausgerissen und die Schränke ausgeräumt hätte. 
Ich war stinkig, aber so richtig !
Irgendwann wurde es öde und ich schnappte mir einen frisch aufgebrühten Kaffee und gesellte mich zu dem Liebsten in den Garten um die weiße Friedensfahne zu hissen. 
Kaffee und Fahne waren eine gute Idee. Wir schnackten miteinander und er zeigte mir was er für neue Bauprojekte im Garten vorhabe. 
Währenddessen fuhr ein Auto auf den Hof. Ich dachte es sei der Nachbar, drehte mich also auch nicht um weil mir das nicht wichtig erschien. Das Grinsen im Gesicht des Liebsten irritierte mich allerdings schon ein wenig. 
Kurz darauf hörte ich Hundegebell. Moment mal....Hundegebell...unsere Nachbarn haben keinen Hund ?!
Da standen also plötzlich MEINE Eltern auf unserem Hof. Überraschung ! Mal eben einfach so 600 KM gefahren nur damit wir uns nochmal 3 Stunden sehen können. Lediglich der Liebste wusste dass sie kommen würden. Dies erklärte nun auch sein Verhalten. 
Weltbeste Eltern, und bei der Wahl meines Gatten alles richtig gemacht ! 

Und so nahm der Nachmittag gestern doch noch eine wunderschöne Wendung. Leider vergingen diese 3 Stunden viel zu schnell und meine Eltern mussten wieder los. Was hätte ich darum gegeben einfach die Zeit anhalten zu können. Dennoch hat mir dieser kurze Besuch soviel Kraft und Hoffnung gegeben. Kann man mit Worte einfach nicht beschreiben. !!!

Am Abend bekam ich dann doch noch meine Rundfahrt durch den Koog und einen Sonnenuntergang am Meer mit dem Liebsten ;) 

Heute Mittag werden wir Sneakers kaufen, Freunde treffen, lecker mit meiner Schwägerin essen und einen Spaziergang am Meer machen und das Leben genießen.  

In mir manifestiert sich immer mehr nur ein einziger Wunsch:
Ich möchte einfach noch ganz viel Zeit haben zum Leben. Zeit für schöne Dinge ! 

Donnerstag, 5. Juli 2018

Büsschen bekloppt ist man ja !

Der Befund liegt uns vor. 6 g Gewebezeugs haben sie entnommen. 6 g sage ich zu dem Liebsten, ist ja nicht so wild und nur ne minimale Menge.
Doch sagt er, 6 g sind eine Menge und definitiv nicht wenig.

Und was mache ich heute ? Stehe an meiner Küchenwaage und schaufel 6 g feinstes Gelee Katzenfutter darauf. Ohhhhhh ...ist ja doch nicht so arg wenig.
Mit der Waage in der Hand laufe ich zu dem Liebsten um ihm das zu zeigen.
Er schaut mich etwas irritiert an und sagt
"Das musstest Du jetzt unbedingt wissen oder ? Nen büsschen bekloppt biste ja"
Vielleicht hat er Recht. 
Ach was solls ;) 


Bekloppt ist auch meine Cousine die mich heute morgen in aller Herrgottsfrühe mit dem Telefon aus dem Bett klingelt. Sie hat gestern mit meinen Eltern telefoniert, und mein Paps hat "gepetzt".
Und weil sie das alles so unfassbar fucking mistig findet hat sie sich kurzerhand ihren Mann geschnappt und nun sind die beiden auf dem Weg in den Norden. Damit wir uns morgen mal ein paar Stunden sehen können. 700 KM einfach mal so für ein Hallo und ein Kaffeetrinken. Aber sie muss morgen Abend schon wieder gen Heimat fahren. 
Echt bekloppt - aber echt lieb - und ich freue mich sehr auf morgen ;) 


Bekloppt die Reaktion meiner "Schwiegermutter". Meine Schwägerin hat gestern mir ihr telefoniert und ihr von meiner Diagnose erzählt. Ihre Antwort "um mich kümmert sich auch keiner".
Ich weiß schon warum wir in diesem Leben NIEMALS Freunde werden. Schon bei meinem Herzinfarkt reagierte sie recht unmenschlich mit einem "Na und". 
Pühhhhhhhh man gut das ihre Söhne so ganz und gar nicht nach ihr kommen. Unfassbar bekloppt ! Sorry....meine Meinung.


Bekloppt heute auch mein Verhalten. (abgesehen von der Katzenfutterwiegeaktion ;))  Manchmal falle ich unbewusst in alte Muster zurück und ärgere mich hinterher ganz arg darüber. So auch heute. Ich hatte einen Termin beim Big Boss. Gratulation zum 10 jährigen Jubiläum. 10 Jahre arbeite ich schon in dem Irrenhaus. Da verdient man sich schon mal eine Urkunde und einen Blumenstrauß und einen kleinen finanziellen Bonus  ;) 
Nachdem wir das Schöne abgearbeitet haben, kommen wir zum weniger schönen Teil. 
Ich sage ihm dass ich ihm das eigentlich nicht sagen müsste, aber es fair finde wenn er sich darauf vorbereiten kann dass ich nun eine Weile ausfallen werde. Ich erzähle ihm von meiner Krebsdiagnose, verheimliche aber dennoch welches Garding dieser kleine Scheisser hat.  Er muss ja nicht alles wissen !
Er fragt ob ich irgendwie einen Magneten in der Tasche hab - anders lässt sich das nicht erklären dass ich immer solche Katastrophen anziehe. 
Er wünscht mir alles Gute und ich solle gesund werden und mir keine Sorgen wegen meinem Job machen. Er würde sich aber freuen wenn ich mich ab und an mal melde.
Und dann kommt DAS worüber ich mich seitdem schon den ganzen Tag ärgere:
Ich entschuldige mich dafür dass ich krank geworden bin, fühle mich schuldig  weil sie nun wieder meinetwegen Personalmangel haben.
Noch in seiner Gegenwart möchte ich mich gerne selber dafür ohrfeigen wollen. 
Wieso in aller Welt entschuldige ich mich denn ? Echt bekloppt !!! 

Es kann nur besser werden ;) 

Mittwoch, 4. Juli 2018

Caro , eine Freundin über Umwege.


Gestern war ein guter Tag. Der Liebste und ich wuseln im Garten umher. Endlich haben wir gemeinsam mal wieder etwas geschafft. Bisher musste er ja meist immer alleine ran. Da ich mich noch von der letzten OP erholen muss durfte ich nur die kleinen Dinge erledigen, aber immerhin. Ein kleines Hochgefühl für mich.

Nachdem wir einfach keine Lust mehr hatten ließen wir alles stehen und liegen und fuhren ans Meer.
Ich bin ja kein Fan von Covermusik, aber was diese Band gestern im Nachbarort lieferte, war genial und ließen meine Füße im Takt wippen, während ich dabei entspannt im Strandstuhl saß und leckere Scampi frisch vom Grill in Knoblauchsoße futterte. 
Mit einem frisch gezapften Bier in der Hand,  ließ ich meinen Tag recht gelassen und verträumt zum Sonnenuntergang ausklingen. Herrlich !

Heute morgen kam Caro zum Frühstück. Seit der endgültigen Diagnose haben wir uns nicht mehr gesehen, und sie fällt mir erst einmal um den Hals ...und wollte weinen. Mit einem "Du heulst jetzt nicht - ich mache es auch nicht" bringe ich sie aber schnell wieder zurück zur Normalität. 

Caro und ich....das ist so eine Freundschaft über Umwege. Eine von der Sorte "Anfangs konnte ich Dich überhaupt nicht leiden" Und tatsächlich sind das meist im Nachhinein die besten Freundschaften. So auch unsere. Wir lernten uns auf der Arbeit kennen. Für mich war sie einfach nur irgendwie komisch, verklemmt und unfreundlich. Heute weiß ich dass es ihr eigenes persönliches Schutzschild ist. Erst mal Abstand. Da ticken wir recht ähnlich. 
Über die Monate hinweg bestand unser gegenseitiger Wortschatz eigentlich nur aus Moin, Tschüss und: wie musste Du morgen arbeiten ? Mehr nicht. Warum auch...wir mochten uns beide ja nicht sonderlich. 
Dann kam der Tag an dem sie einen schlimmen Unfall hatte. Sie stürzte daheim die Treppe herunter und saß beinahe ein Jahr lang im Rollstuhl. In diesem kam sie irgendwann mal auf der Arbeit angetuckert, und da gerade wenig zu tun war, hatte ich einen Moment Zeit. Und ich sprach sie einfach an. Und wir schnackten und schnackten. Was mir damals einen ordentlichen Rüffel von der Chefin einbrachte weil ich schlichtweg die Zeit vergaß. Tja nu....kann ja mal passieren.
Jedenfalls schnackten wir immer öfter miteinander und fanden eine Menge Gemeinsamkeiten und guten Gesprächsstoff.

Irgendwann im Sommer darauf waren der Liebste und ich unterwegs mit den Rädern und fuhren bei ihr daheim am Haus vorbei. Ich überlegte ob wir uns spontan auf einen Kaffee einladen sollten, ließ es aber dann doch bleiben. Dies erzählte ich ihr ein paar Tage später und ihre Reaktion werde ich nie vergessen. 
Sie war ehrlich sichtlich enttäuscht und sagte mir sie würde sich so sehr über Besuch freuen. Seit sie dort wohnt sei keiner mehr gekommen, da sie sehr weit außerhalb wohnt und sie keine wirklichen Freunde hat. Danach nahm sie mich in den Arm und sagte :
"Bitte komm doch einfach mal vorbei. Ich habe nicht viel, und lebe in keinem Palast, aber Kaffee habe ich immer im Haus" 
Und so kam es dass ich diese Einladung annahm und es sollte fortan nicht nur bei diesem Treffen geblieben sein.
Wir haben viele Höhen und Tiefen durchlebt, haben uns gefetzt, vertragen, haben zusammen geweint, gelacht, und egal was war, wir haben zusammengehalten. 

Heute ist sie eine der wichtigsten Personen in meinem Leben. Mit ihr kann ich lachen, weinen, nochmal Kind sein. Sie gehört zu den Menschen die mir auch mal ehrlich direkt ins Gesicht sagt 
"Ey Du - das war aber jetzt mal so richtig blöd von Dir".
Dafür liebe ich sie ! 

Und ich liebe sie für das was sie mir heute nach unserem Frühstück schickte :

Man sieht ihre Trauer in ihren Augen & diesen Schmerz wenn sie lacht. 
Doch sie hat das Kämpferherz einer Löwin 
und weiß das sie es schafft.



Was bisher in meinem Leben geschah, sie hat nie aufgehört an mich zu glauben, und ist nun auch jetzt für mich da. Sie ist das was man eine echte Freundin nennt.

Dienstag, 26. Juni 2018

Ein Engel auf Erden.

Dienstag betrete ich nervös und unausgeschlafen das Krankenhaus. Schon auf der Station werden mir aber die ersten Magengrummeln abgenommen. Ein freundliches Pflegepersonal nimmt sich meiner an, bespricht Aufnahme, EKG, und weitere Abläufe mit mir.
Kurz darauf erscheint ein Arzt und führt noch ein OP-Gespräch mit mir und untersucht mich nochmals gründlich. Toller Arzt, sehr einfühlsam und erklärend, und keine Frage meinerseits bleibt unbeantwortet.
Ein gutes Patient-Arzt Verhältnis. Ich persönlich finde dass dies immer ein wichtiger Bestandteil zum Genesungsprozess ist.

Den restlichen Tag verschlafe ich zum Glück. Nachts bekomme ich eine Schlaftablette und den Vormittag bis zur OP liege ich im Delirium . Ehe ich mich versehe bin ich wieder auf meinem Zimmer, der Liebste sitzt Händchen haltend an meinem Bett und ich schlafe mich "gesund".
Erst zum Donnerstag werde ich wieder etwas munterer, wage die ersten Schritte, und gönne mir einen leckeren heißen Latte Macciato in der Krankenhauscafeteria. Den restlichen Tag verbringe ich mit Lesen, Schlafen, Zimmerwechsel. Das mein Internet nicht funktioniert empfinde ich sogar mal sehr entspannend, soviel wie die letzten Tage habe ich lange nimmer gelesen.

Mein Zimmer teile ich mir mit einer 83 jährigen Frau und einer Dement kranken Dame. Inge (83) und ich verstehen uns auf Anhieb, sie erzählt mir viel aus einem sehr bewegten Leben, und das Beste an ihr ist ihr unerschütterlicher Humor und ihr Gelassenheit mit der sie schwierige Dinge im Leben bewältigt und abarbeitet. Das Leben hat es nicht immer gut mit ihr gemeint, und trotzdem strahlt sie eine positive Fröhlichkeit und eine unglaubliche Stärke aus, die selbst mich mit reißt und von der ich mir tatsächlich einen Teil mit nach Hause nehmen konnte. Inge und ich stehen im Kontakt, denn trotz ihrer 83 ist sie ein echter Facebookjunkie und wir werden uns demnächst mal auf einen Kaffee wiedersehen.

Frau Engel ist dement. Aber so süß. Sie lächelt immer nur. Nicht einmal hat sie trotz Schmerzen geweint oder gemeutert, sie liegt im Bett und lächelt, und wenn man ihr ins Gesicht schaut denkt man , man schaue einen Engel an. Zumindest kommt es einem so vor.
Als sie in unser Zimmer geschoben wird heißt es sie würde nicht reden.
Ihre Töchter kommen, zwei hat sie, Damen aus Schickimickihäusern.
Jede kommt für ca. 10 Minuten.
20 Minuten Besuch in all den Tagen, sehr erbärmlich ! Sie haben Frau Engel keine Klamotten mitgebracht und nichts Persönliches was ihr vielleicht den Aufenthalt etwas verschönern könnte.
Ich empfinde tiefes Mitleid mit der armen Frau und Abscheu für das Verhalten der Familie.

Am ersten Tag beobachten wir noch wie sie ihr Essen hingestellt bekommt mit dem sie scheinbar nichts anzufangen weiß. Auch zum Trinken hat sie keine Lust. Sie liegt und lächelt. Und schweigt.
Nachts dafür sägt sie allerdings für 20 Mann die Bäume des Klinikums ab. Es ist eine sehr laute Nacht, aber wir sind ihr nicht böse. Stattdessen lesen und beschäftigen wir uns eben anderweitig anstatt zu schlafen.
Am zweiten Tag kommt eine andere Pflegekraft ins Zimmer. Diese ist sehr herzlich und spricht immer wieder auf Frau Engel ein. Sie müsse mehr Trinken. Ob ihr kalt sei, ob sie gut liege. Aber alles was zur Antwort kommt ist ein Lächeln. Aber irgendwas ist an ihrem Blick anders. Sie wirkt klarer und aufmerksamer.
Während wir wieder alleine im Zimmer sind schaue ich immer mal wieder zu Frau Engel hinüber, und irgendwie packt es mich und ich stehe plötzlich neben ihrem Bett und rede auf sie ein. Sie muss dringend trinken, denn ihr Katheter sieht sehr, sehr ungesund aus. Sie schaut mich an, lächelt UND greift zum Becher. Es ist verrückt, aber ich freue mich wie ein kleines Kind.
Immer mal wieder spreche ich sie an, sie schaut mich an, beobachtet und lächelt.
Ich frage sie ob wie ein wenig fernsehen wollen - ihr Lächeln wird noch breiter. Also läuft den ganzen Tag über eine Tiersendung, eine Shoppingsendung und abends Fußball. Ihre Augen sind wach und sie schaut unentwegt in den Fernseher. Und sie lächelt. Zwischendurch schaut sie nun auch mal zu unseren Betten und jedesmal streift uns ein Lächeln und irgendwie auch ein ergreifendes Stück Zufriedenheit.

Am Sonntag sollen Inge und ich entlassen werden. Morgens kommen noch einmal die Schwestern. Wir haben eine  wundervolle Schwester die sich wirklich sehr um Frau Engel bemüht. Sie wäscht sie sehr gründlich, frisiert sie, redet viel mit ihr, zieht ihr ein neues Hemdchen an, denn eigene Klamotten hat Frau Engel immer noch nicht.  Sie schneidet ihr das Essen klein und holt sie endlich einmal aus dem Bett, setzt sie in einen Stuhl damit sie etwas gemütlicher Essen kann. Und das scheint Frau Engel sehr zu gefallen, denn zum ersten Mal isst und trinkt sie sogar recht gut. Als ihr Becher ein wenig weg rückt, setze ich mich zu Frau Engel und reiche ihn ihr immer mal neu oder frage sie ob sie noch einen Haps essen mag. Sie lächelt mich an, und greift tatsächlich nochmal zum Kaffeebecher und einem Joghurt. Ich bin sehr glücklich. Ich kenne diese Dame nicht, aber sie scheint es zu mögen wenn sich jemand wirklich um sie kümmert. Dass ist wohl das was sie wirklich braucht: ein kleines bisschen Aufmerksamkeit.

Es geht auf den Mittag zu, der Arzt kommt und gibt uns unsere Entlassungsbriefe. Inge und ich verabschieden uns herzlich vorneinander, wir drücken uns noch einmal und versprechen uns, uns bald auf einen Kaffee zu treffen.

Dann gehe ich zu Frau Engel ans Bett und verabschiede mich auch von ihr. Mir ist ein bisschen schwer ums Herz weil ich nicht weiß wie lange sie noch alleine bleiben muss und ob ihre neuen Bettnachbarn auch bemüht um sie sind.
Sie schaut mich an, direkt in die Augen - lächelt - und sagt:
"Schade das sie gehen dürfen.".

Das war das einzige Mal wo ich sie sprechen hörte. Aber es hat mich sehr ergriffen und ich drehe mich schnell um damit sie meine Tränen nicht sieht.

Frau Engel wird mir wohl noch eine ganze Weile in lieber Erinnerung bleiben.

Freitag, 1. Juni 2018

Jubiläum - es fühlt sich gut an !

Vor 10 Jahren sah meine Welt noch ganz anders aus.
Nachdem der Liebste und ich uns entschieden hatten zusammen zu ziehen, musste dringend ein neuer Job her.
Als bis dahin allein erziehende Mutter arbeitete ich nur vormittags an einer Grundschule und konnte mich Mittags immer meinem Kind widmen. Leider war dies nur ein 1 Euro Job, aber immerhin besser als nichts und besser als nur daheim herum zu sitzen.
Ich liebte diesen Job, die Kleinen mit denen ich arbeiten durfte und auch die Lehrer an dieser Schule.
Selbst das frühe Aufstehen und 8 Stunden arbeiten machte mir nichts aus.
Fast möchte ich behaupten das es die beste Arbeitsstelle überhaupt war. Leider sparte die Stadt aber, und sämtliche Bemühungen meinerseits und auch der Direktorin mich dort fest unterzubringen verliefen im Sand. Selbst nachdem ich weggezogen bin und längst einen Job besaß, schickte ich alle paar Monate mal eine Bewerbung an die Stadt, so sehr fehlte mir diese Arbeitsstelle.

Aber mit dem Umzug wurde mir klar dass ich auch eine neue Arbeitsstelle brauchte. Diesmal sollte es aber kein 1 Euro Job mehr sein, sondern schon nach Möglichkeit eine Festanstellung mit einem wenigstens halbwegs vernünftigen Gehalt und einigermaßen annehmbaren Arbeitszeiten.
So kam es dass ich tagelang die gelben Seiten durchblätterte und 50 Blindbewerbungen an diverse Firmen meines neuen zukünftigen Wohnortes schickte. Tagelang telefonierte ich mir die Finger wund, und nichts tat sich. Mir war aber absolut wichtig dass ich nur dann umziehe wenn unsere finanzielle Zukunft einigermaßen gesichert sei.
Kurz bevor ich schon fast die Hoffnung aufgegeben hatte klingelte eines Tages mein Telefon.

"Wir möchten Sie gerne zu einem Vorstellungsgespräch einladen"
"Ja gleich morgen ? Morgen passt gut, kommen Sie um 12:00 Uhr "

Gesagt getan....am nächsten Tag hatte ich hypernervös das Vorstellungsgespräch und eine Woche später eine Arbeitsstelle. Mit festem Arbeitsvertrag und einem zukünftigem sicheren Gehalt welches sogar meine Vorstellung übertraf.

Und wir haben es gut gerockt. Während den ersten beiden Arbeitswochen bewerkstelligten wir noch nebenbei unseren Umzug. Da der Liebste viel arbeiten musste, fuhren Sohnemann und ich hin und her und schleppten Kisten, renovierten und sortierten uns neu.
Es war keine einfache Zeit, denn seit der Trennung vom Kindesvater war es für uns beide nicht leicht. Aber Sohnemann und ich waren ein Team und haben immer zusammen gehalten, und was mir ganz wichtig war: er war nie alleine. Ich ging vormittags arbeiten und mittags verbrachten wir gemeinsam. Genauso hatten wir immer die Wochenenden gemeinsam. Dies änderte sich dann plötzlich von einem Tag auf den anderen.
Als ich meinen neuen Job anfing wollte ich weiterhin vorerst gerne nur vormittags arbeiten, da wir hier keine Freunde oder Familie hatten und Sohnemann zudem auch eine neue Schule besuchen würde. Mein Arbeitgeber sah das aber recht familienunfreundlich.
"Entweder arbeiten Sie so wie wir das wollen, oder gar nicht".
So kam es dass mein sonst so wohl behütetes Kind von jetzt auf gleich zum Schlüsselkind wurde.

Nach den anfänglichen Sorgen und andauernden Ermahnungen:

"Steh bitte pünktlich auf"
"Der Herd bleibt bitte aus solange ich zur Arbeit bin"
"Lass keine fremden Menschen ins Haus"
"Bitte lass den Hund heute Mittag in den Garten und hole ihn auch wieder rein"
"Bitte iss anständig"
"Bitte trink genug"
"Legst Du Dich bitte schon ins Bett, ich schau dann bei Dir rein wenn ich von der Arbeit komme"
"Oh ich kann nicht zum Elternabend, ich habe Spätschicht"
"Nein zum Vogelschiessen habe ich leider kein frei bekommen"
"Nein Samstag können wir nichts unternehmen, Spätschicht"
"Muttertag haben wir verkaufsoffenen Sonntag- also kein gemeinsames Frühstück"
"Deinen Geburtstag müssen wir nachfeiern, ich arbeite an dem Tag bis 21:00 Uhr"
"Nein in den Ferien habe ich keinen Urlaub"

Ach es gibt so unendlich viele Dinge die für uns neu und neu zu lernen waren, und trotzdem haben wir es gerockt, sind eine Einheit geblieben und heute schaue ich stolz zurück und bin stolz auf meinen Sohn und auch ein wenig auf mich.
Am Meisten aber doch auf meinen Sohn denn er musste viel entbehren und trotzdem ist aus ihm ein anständiger, fleißiger und großartiger junger Mann geworden !

Blut, Schweiß und Tränen und trotz aller Widrigkeiten, Hürden und Entbehrungen bin ich heute auf den Tag 10 Jahre in diesem Unternehmen !

Geschafft : Ein weiterer Meilenstein.