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Mittwoch, 3. Oktober 2018

Entschleunigt


Sei wie ein Fels,
an dem sich beständigt die Wellen brechen.
Er bleibt stehen,
während sich rings um ihn
die angeschwollenen Gewässer legen.
(Marc Aurel)


Ich bin zurück :) 

Deutlich entschleunigter und doch gestärkter als noch vor ein paar Wochen. 
Eigentlich hatte ich auch den festen Vorsatz euch mit neuen Posts und Fotos zu beglücken...leider spielte da die grottenschlechte und völlig überteuerte W-LAN Verbindung (49 Teuros !) nicht mit. Das Tablett habe ich einmal ausgepackt, und nach dem x-fachten Versuch ins Netz zu kommen, für die restlichen drei Wochen ungenutzt verschwinden lassen. 

Drei Wochen Strand, relativ gute Wetter und leben in einem Schloss. Was meinen Paps dazu veranlasst , mich nun bei jedem Telefonat mit "Hallo Prinzessin" zu begrüßen. Königliche Hoheit wäre auch ok gewesen....aber gut...wir wollen mal nicht kleinlich sein. ;)

Abgesehen von einem super Frühstücks und Abend Buffet , war das Essen ansonsten eben Kantine, die Zimmer klein aber praktisch und schmuck eingerichtet, die Wege im Haus allerdings Olympia verdächtig  lang ! 10 Tsd Schritte pro Tag nur alleine im Haus. ! 

In der ersten Woche hatte ich das Gefühl völlig fehl am Platz zu sein. Egal wie viel Mühe ich mir gab, ich kam einfach nicht an. Die meisten Mahlzeiten schwänzte ich, die meiste Zeit verbrachte ich in meinem Zimmer. Erschreckender Weise bestand der Haufen nämlich auf Ü50 und weit deutlich aufwärts. Irgendwie fühlte es sich für mich falsch an in einer Krebsklinik zu sein. Die erste Woche war mir eigentlich nur nach Weinen, aber Weinen klappte einfach nicht ! 
Das mir angebotene Psychologengespräch lehnte ich ab weil ich dachte es alleine zu schaffen ! Dumm
Am zweiten Tag hatte ich Sporteinweisung. Ich freute mich endlich etwas "Tun" zu können. Hörte sich auch toll an...wurde aber nichts ! Auf Grund meiner Krankheit und vorangegangen Krankheiten durfte ich lediglich 2 Mal die Woche für je 25 Minuten aufs Laufband bei 5 Km/h. Bei meiner ersten Laufrunde versagte ich kläglich und musste nach 14 Minuten schon abbrechen. Ok...nun verstand ich dieses abgespeckte Programm. 
Schwimmen fiel dann leider auch aus, da ich schon wieder Bakterien im Körper hatte. 
Neben dem Laufband kam ich noch zur Hockergruppe und Atemtherapie. Beides leichter aber effektiver Sport. 
Der Rest der Reha bestand aus Entschleunigen, Achtsamkeit, Ernährung und Vorträgen. 

In der zweiten Woche fragte ich kleinlaut bei meinem Arzt ob er mir das angebotene Psychologengespräch doch einrichten könnte. Einen Tag später stand es auf meinem Therapieplan. 
Und es hat mir verdammt gut getan. ! 
Ich muss nicht immer stark sein, 
ich muss nicht immer springen wenn andere es verlangen,
ich muss mehr auf mich selber achten.
Ich darf auch mal Weinen wenn es mir schlecht geht,
ich darf auch mal sagen wenn ich meine Ruhe haben will,
ohne schlechtem Gewissen ! 
Panikattaken lassen sich mit Spaziergängen am Meer bei Wind und Wetter bewältigen.

UND: Ja ich bin stark. Auch wenn ich selber nicht mehr so wirklich an mich glauben wollte ! 

Den Rat meiner Psychologin befolgte ich promt. Ich zog meine Jacke an, lief zur Steilküste, setzte mich auf einen Stein, grübelte, schaute aufs Wasser und heulte das erste Mal seit Wochen wieder ausgiebig und laaaaaange. Und ich hatte das Gefühl alles ausgeheult zu haben was sich wochenlang in mir angestaut hatte. Zum ersten Mal seit Langem hatte ich das Gefühl wieder ein wenig in mir angekommen zu sein.

Seitdem bin ich jeden Tag zum Strand gegangen und aus einem notwendigen Übel wurde immer mehr Spaß. Sogar die Kamera habe ich mitgenommen und 491 Fotos in 2 Wochen geschossen.
Auch zu den anderen Mitpatienten bekam ich so langsam mal einen Draht. 
Ich fing an mich mit mir selber und meiner Krankheit auseinander zu setzen. Negativ sowie auch Positives zu sehen. Und ja auch trotz Krebs gibt es durchaus positive Dinge im Leben.
Negatives wurde verbannt, Facebook für 2 Wochen abgemeldet und auch Telefonate oder Whats App beantwortete ich nur wenn mir danach war. 
Diese Auszeit brauchte ich um die volle Konzentration mal nur auf mich und die Reha zu lenken.
Durch die Vorträge bekamen wir viel nützliches Wissen vermittelt, der Zusammenhalt untereinander wurde stärker und letztlich konnte ich gestern mit einem guten Gefühl heimfahren.

Ich bin noch lange nicht dort angekommen wo ich gerne sein möchte, aber ich bin auf einem guten Weg. Ich habe gelernt dass es Dinge im Leben gibt die wir einfach nicht beeinflussen können, egal wie sehr wir es uns wünschen, aber wir können immer versuchen das Beste aus allem zu machen egal wie schwer es manchmal wird ! 

Es wird einige sehr gravierende Änderungen in meinem Leben geben müssen. Zwangsläufig körperlich bedingt und auch durch die Ärzte angeordnet...aber ich bin jetzt an dem Punkt wo ich sagen kann es wird nicht schlechter sondern eben nur anders. Und vielleicht sogar reizvoller und mit neuen Chancen gespickt. Ich bin gespannt / entspannt ! 

Freitag, 7. September 2018

Zeitraffer II

Donnerstagnachmittag werde ich an Tag 38 also ENDLICH entlassen.

Daheim angekommen fühlt sich alles so anders an. Mit der Wunddrainage im Körper kann ich mich nicht bewegen wie ich gerne möchte. Selbst unser Ehebett ist nun anders. Wir mussten die Bettseiten tauschen da ich mit dem künstlichen Blasenausgang nimmer auf der rechten Seite schlafen kann. Alles so Dinge die uns vorher nicht bewusst waren. Unser Leben / mein Leben ist in einigen Bereichen nun doch anders geworden und ich muss mich erst einmal rein finden. 
Bei den kleinsten Anstrengungen merke ich sofort dass ich völlig konditionslos bin. Zudem bin ich von 0 auf 100 in die Wechseljahre gekommen weil sie mir während der OP nun doch alles entnehmen mussten was Hormone produziert. 
Dieses von 0 auf 100 setzt mir ebenfalls ganz gut zu. In einem Moment habe ich Winter und im nächsten Hochsommer. 

Mein Körpergefühl passt zu meiner mentalen Stimmung. Mal so mal so ! 

Freitags telefoniere ich mit dem Urologen in der Nachbarstadt. Es geht um die Wunddrainage, die muss ja irgendwann mal raus. Zudem brauche ich eine neue Krankmeldung. 
Also nein, Drainage und AU dafür seien sie nicht zuständig , dazu müsse ich zum Hausarzt. 
So mache ich nur fix einen Termin für die Wundkontrolle und danach fährt der Liebste mich zur Hausärztin. Ne, also Wunddrainage ist nicht deren Gebiet, sollte damit was sein muss ich wieder in die Klinik. Ich bin genervt von diesem Hin und Her ! 
Immerhin bekomme ich noch etwas Kochsalzlösung und Spritzen mit und kann somit im Notfall auch selber die Drainage anspülen. Wundverband und Desinfektion für den Verbandwechsel , den muss ich nämlich auch selber machen, auch dafür fühlt sich keiner zuständig. !

Den Rest des Tages sowie das Wochenende verbringe ich auf der Couch, umringt von drei Plüschpopos die mich sehr vermisst haben müssen, so kuschelbedüftig ist die Bande. 

Sonntag lässt mich die Drainage trotz mehrmaligem Anspülen im Stich und bleibt trocken. Da ich aber relativ beschwerdefrei bin, versuche ich erst einmal nicht in Panik zu verfallen. 

Montag soll ich zum Urologen. Wundkontrolle. Alles was ihn interessiert sind lediglich meine Nieren. Die sind aber sauber und arbeiten hervorragend. Freitag soll ich wiederkommen, zur Wunddrainage äußert er sich nicht wirklich. Ich soll halt nochmal den Beutel wechseln und neu anspülen.

Danach bummeln der Liebste und ich durch die Stadt. Alles ganz gemächlich und im Schneckentempo. Ich brauche dringend Sporthosen. Durch den künstlichen Blasenausgang und meine 20 cm Narbe quer durch die Bauchdecke, kann ich mich nun zukünftig von meinen geliebten Jeans verabschieden. Es ist wie es ist. 
Zum Optiker müssen wir auch noch, irgendwie kann ich immer schlechter sehen, und nach dem Sehtest wird uns dann auch schnell klar das ich eine neue Brille brauche. Danach gönnen wir uns noch ein leckeres Kaffeetrinken im Cafe am Marktplatz und dann muss ich heim, ab auf die Couch, ich bin so richtig platt. 

Dienstag befolge ich den Rat meines Urologen. Drainage neu anspritzen. 50 ml Kochsalzlösung. Es fließt in meinen Körper aber nimmer raus. Shit !  2 Stunden später bekomme ich Schmerzen und ach verdammt: Fieber ! Trotzdem bleibe ich erst einmal relativ ruhig. 
Die Nacht aber ist die Hölle, Schmerzen und Fieber und ich habe ein Déjà-vu und ausgeprägte Panikattaken.

Mittwoch lässt es sich nicht mehr aushalten, ich packe meine Notfalltasche und wir fahren in die Klinik. Ich bin relativ schnell dran und werde von dem Arzt behandelt der mich auch mit operierte. Er nimmt sich alle Zeit, macht einen ausführlichen Ultraschall und beruhigt mich: Flüssigkeit kann er keine sehen, er zieht also die Drainage raus, woher die Schmerzen kommen kann er sich aber auch nicht erklären. Wir plaudern ein wenig nebenbei und er fragt wie ich die Tage daheim verbracht habe. Ich erzähle ihm von den Arztbesuchen und dem Stadtbummel. 
Hätte ich man lieber die Klappe gehalten....
Denn dann bekomme ich einen verbalen Einlauf von ihm der sich gewaschen hat.
Ob mir eigentlich bewusst sei wie krank ich wäre, dass ich eine der schlimmsten urologischen Operationen hinter mir hätte die es wohl gibt. Ob mir nicht klar wäre dass ich mich schonen soll / muss. 
Ich bin ein wenig angepickt und reagiere auch dementsprechend leicht gereizt. Wenn die Physio mich im Krankenhaus schon über die Flure scheucht und mich Treppen laufen lässt und mich dazu verdonnert mich viel zu bewegen, dann werde ich ja wohl auch einen kleinen Bummel im Schneckentempo machen dürfen. 
Er ist sichtlich entgeistert und sagt mir wenn er das mitbekommen hätte dann hätte er mir und der Physio die Ohren lang gezogen.
Treppen sind für mich die nächsten Wochen absolut verboten. Kleine leichte Spaziergänge sind erlaubt, aber keine Shoppingtouren mit Treppen laufen und hier und da mal bücken. Viel liegen , wenig sitzen. Ebenso darf ich nicht über allerhöchstens 5 KG heben. (Ups...Der Kater wiegt ja schon 7 KG) Er sagt für mich sind die nächsten Monate Schonung angesagt und ich solle mich darauf einstellen dass es eine Heilphase zwischen 6 - 9 Monate bedarf. Ich habe 30 offene Wundstellen in meinem Unterleib die erst einmal gescheit verheilen müssen. Mein überwiegender Aufenthaltsort soll in der nächsten Zeit die Couch sein. 

"Schalten sie endlich mal runter Frau Deichkind !"
Mit diesen Worten entlässt er mich !

Daheim packe ich mich auf die Couch, Fieber und Schmerzen sind meine Begleiter. Mal mehr mal weniger. Am nächsten Tag wissen wir endlich warum. Die haben auch am Darm operiert und dieser spielt mal wieder Diva und hat sich entzündet. Also Diät und Schmerzmittel. Ich weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll. Trotz allem bin ich doch erleichtert dass es diesmal nicht von der Drainage kam. Freitag hat der Urologe nochmals ein Blutbild gemacht, sämtliche Werte sind wieder einmal durcheinander und keiner so wie er sein soll. Letzten Montag erneute Kontrolle. Die Schmerzen werden aber endlich besser und auch die Diva scheint sich endlich zu beruhigen. 
Kommenden Montag nochmals Ultraschall und Blutkontrolle und am Dienstag fahre ich nun doch zur Reha. 

Um es mit Gaby Kösters Worten zu beschreiben:

"Ein Schnupfen hätte auch gereicht"

Donnerstag, 6. September 2018

Zeitraffer I

Ja ich lebe noch....wenn auch manchmal mit dem Kopf unterm Arm...aber immerhin....LEBEN !

Die letzten Wochen war ich nicht fähig längere Zeit sitzen zu können, und auch jetzt klappt es nur mit einem dicken Kissen unterm Hintern und in einer Sitzposition in der gesunde Menschen morgen spätestens komplizierte Verschlingungen des Darm Traktes und Muskelkater in sämtlichen Bein und Po Regionen hätten ;) 
Aber ich möchte gerne mal wieder ein wenig meines Alltags zurück, dazu gehört für mich auch gemütlich mit einem Kaffee am PC zu sitzen und durchs Internet zu surfen und unsinnige Posts zu posten ;) 

Zeitraffer der letzten Wochen...kurz und bündig...

Die erste Woche:
Man lässt mich anderthalb Tage nach der 8 Stunden OP in Narkose vor mich hin schlafen. Ich bekomme nichts mit - worüber ich auch gar nicht böse bin.
Beim Aufwachen habe ich das Bedürfnis jeden zu töten der mir in mein Blickfeld läuft, denn ich habe diesen verdammten Tubus noch im Hals und jede Menge Panik im Blut. Jetzt weiß ich wie sich Ersticken anfühlen muss ! 2 Minuten später bin ich das Ding zum Glück los. Überall hängen Schläuche und das Piepen der Maschinen macht mich fast verrückt. Immerhin...die Medikamente sind so stark dass ich zwischendurch die lustigsten Dinge  in meinem Kopfkino erlebe und dem Liebsten überzeugt erkläre dass man auf dem Überwachungsmonitor auch Netflix sehen könne. Er soll mir das doch bitte mal einstellen. ... ! 
6 Tage umher liegen, zwischendurch gewaschen werden, irgendwer stellt mir immer mal eine Suppe oder Tee in der Schnabeltasse hin und in hübscher Regelmäßigkeit werden meine Medikamente erneuert. Am dritten Tag versucht man mich zu mobilisieren. Man setzt mich auf einen Toilettenstuhl (andere gab es wohl nicht ?) und ich soll mich ein bisschen bewegen. Füße wackeln und son Gedöns.  Das Letzte was ich mitbekam: So ein Fußboden kann sehr schnell sehr nah kommen...und vier Menschen bedarf es mich wieder mit sämtlichen Kabeln und Schläuchen ins Bett zu befördern. Den Tag über bin ich im Eimer als wäre ich einen Marathon gelaufen. Danach wird es aber von Tag zu Tag besser.


Die zweite Woche:
Man verlegt mich Dienstags auf die Normalstation. "Ach...eigentlich ist die ja schon ganz fit...die kann auch selber ins Bad gehen." Das Letzte was ich mitbekam: So ein Fußboden kann sehr schnell sehr nah kommen. Aber immerhin schaffe ich es diesmal alleine ins Bett. Nach ein paar Tagen wird es besser.


Die dritte Woche:
Man entlässt mich urplötzlich Montagabend. Wacken steht an und man braucht ja schließlich genug Betten für die ganzen Honks , die sich bei 40°C die Birne mit Alk dicht kloppen, und sich dann wundern wenn man umfällt. So entlässt man mich also mit einer Drainage die bis dato täglich 500 ml Wundwasser aus meinem Körper Inneren fördert. 
Donnerstags soll ich wieder einrücken, schließlich müssen die Harnleiterschienen noch gezogen werden. Freitags stellt man fest dass ich eine Flüssigkeit im Bauchraum habe, also fällt das Ziehen aus. Aus der Wunddrainage kam schon seit Montagnacht nichts mehr raus, die Ärzte gingen davon aus dass es dann eben kein Wundwasser mehr gibt. Die Drainage bleibt trotzdem noch drin. Freitagabend schickt man mich abermals nach Hause. Sonntags muss ich wieder einrücken.


Die vierte Woche:
Montag, die ursprünglich gedachte Flüssigkeit im Bauchraum entpuppt sich als Fehlalarm, die erste von zwei Schienen wird nun doch gezogen. Die Wunddrainage ist trocken...da kommt nichts mehr raus, die soll auch am nächsten Tag gezogen werden sollte das alles gut sein, dürfte ich Mittwoch endgültig nach Hause. Ich bin skeptisch ! Mit Recht wie sich rausstellt !
Dienstagmorgen wird die zweite Schiene und die Wunddrainage gezogen. Eine Stunde später liege ich mit zwei Decken dick eingemummelt bei 40°C mit Schüttelfrost im Bett und habe Schmerzen wie ein angeschossenes Schwein. Eine Stunde später sind Außentemperatur und meine Körpertemperatur identisch. 
Röntgen - nichts zu sehen. Man ballert mich mit Medikamente zu. Nichts nutzt. Die Nacht ist die Hölle. Ich habe Schmerzen, weine, verzweifel und hasse die ganze Welt und meinen Körper und dieses beschi*** Schalentier ! 
Am nächsten Tag CT. Und dann kam es knüppeldicke. Die erste Drainage hatte sich verstopft und das Wundwasser sich einen neuen Platz gesucht. Unterhalb der einstigen Drainage hatte sich ein neuer See gebildet der auch noch Pilz belastet war. Eine Sepsis. Herzlichen Glückwunsch auch ! 
Bei vollem Bewusstsein jagt man mir eine neue Drainage in den entzündeten Körper. Wieder einmal habe ich das Bedürfnis alle zu töten die daran beteiligt sind und diese Schlamperei mit verantwortet haben. Ich war von Anfang an skeptisch dass die Drainage von 500 ml täglich plötzlich bei 0 ml sein sollte ! Aber was weiß ich denn schon....
Also wieder neue Medikamente, wieder Antibiotikum, wieder fühle ich mich wie dreimal überfahren. Die restliche Woche dämmere ich nur noch vor mich hin, ich mag nichts mehr essen, nicht telefonieren, keinen außer dem Liebsten sehen.
Meine Blutwerte sind so im Eimer dass man überlegt mich wieder auf die Intensiv zu verlegen ! Aber ich weigere mich ! Bitte nicht nochmal ! Das muss auch so wieder gut werden !
Ich habe schlichtweg einfach keine Lust mehr, mental bin ich absolut am Tiefpunkt. Fi*** Dich doch Schalentier ! Ein Schnupfen hätte auch gereicht !


Die fünfte Woche:
Langsam zeigen auch die Medikamente endlich ihre Wirkung. Ich fange wieder an zu essen und kann mich auch selber wieder bewegen und die Station vorsichtig unsicher machen. Lange Strecken schaffe ich nur mit dem Rolli wenn der Liebste mich schiebt. Mitte der Woche hat sich mein HB Wert aber so verschlechtert dass man überlegt mir Bluttransfusionen zu verabreichen. Begeistert bin ich nicht davon. !
Die Drainage fördert kontinuierlich ihre 200 - 300 ml pro Tag und die restlichen Blutwerte normalisieren sich zum Glück allmählich ! 
90-60-90 sind ja eigentlich die Traummaße einer Frau...es sei denn, es handelt sich dabei um Blutdruck und Puls. ! Aus 90-60-90 werden dann sogar noch 70-50- Ruhepuls120. Irgendwas läuft schief, aber kein Mensch kommt darauf. Somit brauchen wir nicht mal ansatzweise über eine Entlassung nachdenken ! 


Die sechste Woche:
Ich bin so richtig angefressen....eigentlich waren Anfangs 2-3 Wochen angedacht, aber ich verbringe noch immer den Sommer in der Klinik. Der Blutdruck ist tagelang absolut im Keller und mir geht es hundeelend. Der HB Wert ist auf 8 gesunken. 12 wären normal. Die Ärzte sind ratlos und ich gefrustet ! Bis die super nette Krankenschwester mir einen Tip gibt. 
Von jetzt auf gleich schmeiße ich mein Oxycodon in die Ecke. BTM ! 
Und auch auf eigene Faust reduziere ich die anderen zusätzlichen Schmerzmittel. Die Schmerzen halten sich trotzdem im Rahmen und wenn es zu arg wird pfeife ich mir halt auf Bedarf etwas ein. Tag für Tag geht es mir endlich besser. Der HB Wert steigt immerhin bis zum Entlassungstag wieder auf 11 und der Blutdruck kommt langsam aber sicher wieder in die normalen Werte, der Puls wird wieder normal und ich fühle mich fast wieder wie ein Mensch. Ich brauche keinen Rolli mehr und der Kaffee schmeckt auch endlich wieder ! 

An Tag 38 darf ich ENDLICH nach Hause. !
Meine Nerven sind im Eimer, ich fühle mich noch leicht überfahren und meine einstige Stärke ist ein wenig arg geschrumpft. Ich möchte einfach nur heim, wieder gesund werden und mein Leben zurück haben.

Aber gesund sieht anders aus...


to be continued

Mittwoch, 1. August 2018

Verdünnter Kaffee schmeckt blöd

Heute ist ein komischer Tag...heute vor einem Jahr lag ich genau um diese Zeit im Krankenwagen und bekam gesagt dass ich einen schweren Herzinfarkt hätte.
Nun, genau 365 Tage später sitze ich hier, habe Schmerzen und bin dennoch dankbar diese OP hinter mich gebracht zu haben.
Innerhalb von 365 Tagen hat mich das Leben zweimal auf eine harte Probe gestellt und eigentlich müsste es das Leben nun begriffen haben dass ich noch nicht bereit bin kampflos aufzugeben.

Puhhhhhhh ich hab gerade Pi in den Augen und verdünnt schmeckt der Kaffee wirklich blöd.... !!!

Dienstag, 24. Juli 2018

Überfahrene Waschbären

Nach 6 Tagen Intensivstation 
bin ich zurück auf meiner Normalstation.
Ich fühle mich wie ein überfahrener Waschbär -
 der Liebste sagt ich sehe auch ein bisschen so aus.
ABER
 es baumelt kein Zettel an meinem Fuß !

Ein durchaus erstes gutes Zeichen !
DANKE für die vielen Wünsche zum letzten Post.😊

Ich bin dann mal noch ein paar Runden schlafen.

Dienstag, 17. Juli 2018

Die Reise geht los

Foto©https://deichkindsreallife.blogspot.com/

Ich sitze zum vorerst letzten Mal am Wasser.
Stecke die Füße hinein, 
höre den Möwen zu,
lasse die Gedanken kreisen,
atme ein, atme aus 
und schmecke den salzigen Wind auf meinen Lippen.

Bitte lass alles gut werden ! 

Leise rollen Tränen über mein Gesicht 
und ich fühle mich zerrissen, 
schwach und zugleich so hoffnungsvoll !

Ich will das mein Liebster sein Lachen wiederfindet,
will erleben wie seine Sorgenfalten verschwinden,
will das meine Eltern sich nicht mehr um ihr Kind sorgen müssen,
will erleben wie mein Kind seinen Weg findet,
will doch nur noch Zeit haben....

Zeit zum Leben !

Will bald wieder hier sitzen und die Füße ins Meer stecken,
den Wind auf meinen Lippen spüren.
Das Salz schmecken....dass vom Meer, 
und nicht das meiner Tränen.

Ich habe Angst vor dem was nun kommt.
Der letzte Koffer ist gepackt, 
alles ist bereit.
Morgen früh geht die Reise los.
Mit wahnsinnig viel Hoffnung im Gepäck.


Sonntag, 15. Juli 2018

Entschuldigung...ich lebe

 © https://deichkindsreallife.blogspot.com/

Irgendwie habe ich das Gefühl dass mir die Zeit weg läuft. Ich habe noch so viele Dinge zu erledigen, möchte noch soviel erleben, und der Tag hat leider immer nur 24 Stunden. Tatsächlich sind die Dinge die ich noch machen möchte, alles positive Sachen die mir Kraft geben. Aber noch nie rannte die Zeit schneller als jetzt !

Freitag traf ich mich mit meiner Schwägerin. Aus mal eben schnell einen Kaffee zusammen trinken, wurden etliche Stunden. Der Liebste hat in der Zeit den Baumarkt geräubert und kam zurück mit gefühlten 27 Tsd Schrauben 300 Brettern und Farbe und Laminat für 10 Zimmer und diversem Zeugs was Man(n) eben so braucht wenn er nur das Büro und die Diele neu renovieren möchte. Unser heimischer Obi-Markt in der Garage, in dem aus eben diesem Grund noch nie ein Auto stand, ist wieder prall gefüllt.  
Während ich im Krankenhaus sein werde, will er daheim anfangen endlich die  Renovierungsarbeiten in Angriff zu nehmen. Finde ich gut. Es lenkt ihn ab und ich steh ihm nicht im Weg herum. Was wir uns sonst wunderbar ergänzen - harmoniert dies bei Renovierung oder Gartenarbeit so gar nicht mit uns. Ich habe auf Lebzeiten Sekundenkleber-Hammer und Nagelverbot....mehr möchte ich eigentlich dazu nicht sagen ;) 
(Außer dass der Vorhang in meiner damaligen Wohnung tatsächlich 4 Jahre lang an der Wand hielt. Als ich dann auszog, war ich sehr froh dass der Liebste zudem auch gut verputzen kann ☺ )

Freitagabend zaubere ich uns ein leckeres Abendessen mit viel Fleisch, frischen Champions und Zwiebeln,  Kroketten und diversen Dips. Mit zwei guten Krimis, und einem fetten Eisbecher, lassen wir den Abend ausklingen. Der Freitag ist dann also auch schon um. 

Gestern gab es dann beinahe leichte Reiberein zwischen dem Liebsten und mir.  
Ich wollte eigentlich ein bisschen raus das Land und Wetter genießen. In den Koog und ans Meer, Seeluft tanken und durchatmen. Außerdem wollte ich zum Friseur und nach neuen Sneakers schauen. Trotz mehrmaligem "Betteln" zog er seine Arbeitsklamotten an und stiefelte aber in den Garten. Wenn ich bockig bin dann ziehe ich mich zurück...so stand er also im Garten und ich lümmelte frustriert auf der Couch umher. Körperlich viel machen darf ich im Moment nicht, obwohl ich am Liebsten vor lauter Frust schon den Teppich herausgerissen und die Schränke ausgeräumt hätte. 
Ich war stinkig, aber so richtig !
Irgendwann wurde es öde und ich schnappte mir einen frisch aufgebrühten Kaffee und gesellte mich zu dem Liebsten in den Garten um die weiße Friedensfahne zu hissen. 
Kaffee und Fahne waren eine gute Idee. Wir schnackten miteinander und er zeigte mir was er für neue Bauprojekte im Garten vorhabe. 
Währenddessen fuhr ein Auto auf den Hof. Ich dachte es sei der Nachbar, drehte mich also auch nicht um weil mir das nicht wichtig erschien. Das Grinsen im Gesicht des Liebsten irritierte mich allerdings schon ein wenig. 
Kurz darauf hörte ich Hundegebell. Moment mal....Hundegebell...unsere Nachbarn haben keinen Hund ?!
Da standen also plötzlich MEINE Eltern auf unserem Hof. Überraschung ! Mal eben einfach so 600 KM gefahren nur damit wir uns nochmal 3 Stunden sehen können. Lediglich der Liebste wusste dass sie kommen würden. Dies erklärte nun auch sein Verhalten. 
Weltbeste Eltern, und bei der Wahl meines Gatten alles richtig gemacht ! 

Und so nahm der Nachmittag gestern doch noch eine wunderschöne Wendung. Leider vergingen diese 3 Stunden viel zu schnell und meine Eltern mussten wieder los. Was hätte ich darum gegeben einfach die Zeit anhalten zu können. Dennoch hat mir dieser kurze Besuch soviel Kraft und Hoffnung gegeben. Kann man mit Worte einfach nicht beschreiben. !!!

Am Abend bekam ich dann doch noch meine Rundfahrt durch den Koog und einen Sonnenuntergang am Meer mit dem Liebsten ;) 

Heute Mittag werden wir Sneakers kaufen, Freunde treffen, lecker mit meiner Schwägerin essen und einen Spaziergang am Meer machen und das Leben genießen.  

In mir manifestiert sich immer mehr nur ein einziger Wunsch:
Ich möchte einfach noch ganz viel Zeit haben zum Leben. Zeit für schöne Dinge ! 

Dienstag, 10. Juli 2018

Erstens kommt es anders....

...zweitens schneller als man denkt. 

Ich freute mich sehr auf Freitag, auf den Besuch meiner Cousine, auf das Meeresleuchten am Abend am Strand, zu dem der Liebste und ich beide endlich mal gemeinsam frei gehabt hätten.
Ich freute mich auf ein entspanntes und schönes Wochenende. 

Aber wie es so ist im Leben....es kommt meistens anders. So auch diesmal.
Gerade sind die Kuchen ausgekühlt und das Essen für Freitag vorbereitet, als ich zu Bett will. 
Zwei Stunden später finde ich mich aber mit einem kompletten Verschluss der Blase in unserer Notaufnahme wieder. Das übliche Prozedere, Blase wieder frei bekommen, 4 Tage liegen. 
Danke auch.

Die Station ist ok, das Essen durchaus annehmbar, Netflix und ich sind nun die besten Freunde, Besuch bekam ich auch genug, lediglich der Ort war falsch. Daheim wäre eindeutig schöner gewesen. 

Und wenn ich schon mal da bin, kann man das Tumor Konzil ja auch gleich vorziehen. Ich darf den Liebsten noch dazuholen und dann geht es los.  

Es ist erstaunlich wie freundlich Dir Menschen gesinnt sind, wenn Du mit solch einer Diagnose in solch einem Alter vor ihnen stehst. 
Am Besten gefiel mir die Schwester beim Anästhesiegespräch. 

"Frau Deichkind...ich möchte Sie gerne an jedem Tresen der Welt wiedersehen, dann trinken wir einen zusammen, aber hier an diesem Ort will ich sie nie wieder zu Gesicht bekommen.Verstanden ?"

Jepp hab ich, liegt aber ja nicht in meiner Hand ;)

Das Anästhesiegespräch geht über eine Stunde, aber mir sind einige Sorgen genommen, denn ich bin dort bestens aufgehoben. 

Dann geht es zum Konzil.
Der Oberarzt schaut mich lange an, schüttelt den Kopf, und sagt mir das dies nun die letzte Hürde sei, und ich dann aber wirklich mal oft genug hier geschrieen hätte, und es damit dann auch mal gut sein muss. 
Ganz meiner Meinung.

Er bespricht mehrere OP Möglichkeiten mit uns. Bei einigen sträuben sich mir sämtliche Nackenhaare. Ich wollt gesund werden aber das Elend nicht noch vergrößern. Das sieht er zum Glück genauso und auf Grund meines Alters haben wir auch anderer Optionen.
Nun sieht es also so aus dass ich vermutlich endlich wieder rattenschlank werden könnte. 
Ja....nach der OP passen mir meine 36 Klamotten wohl wieder....ein Traum :D
Wir einigen uns nun darauf:
Die Blase, die Gebärmutter, der linke Eierstock, der Blinddarm, Lymphknoten und 30 cm Darm werden mir nächste Woche in einer ca. 6 stündigen OP entnommen. Was soll man auch mit soviel Gedöns. Braucht eh kein Mensch. 
Ich frage ihn warum so viel Zeugs raus muss. Er erklärt mir dass man meine Blase vergleichen könnte mit einer Wand. 
Tapete - Putz - Mauer. Der kleine Scheißer hat die Mauer erreicht, bei der OP wird sich noch rausstellen ob er sie auch bereits durchbrochen hat. Und da ich noch ganz alt werden will, nimmt man vorsichtshalber alles nahe liegende mit raus falls irgendwo schon Metastasen vorhanden sind. 
Diese Sorge kann er mir leider auch nicht nehmen, denn alles was sie entnehmen wird nochmal eingeschickt in die Pathologie und mikroskopisch untersucht. Finden sich dort tatsächlich Metastasen bleibt mir auch eine Chemo nicht erspart. Also von wegen raus mit dem Zeugs- Gefahr gebannt, dem ist leider noch nicht so. Aber trotz allem bin ich erst einmal optimistisch. 

Danach darf ich zur Reha, und da kommen wir wieder zu dem Punkt das Krebspatienten doch irgendwie etwas netter behandelt werden. Ich habe einen Wunschort und promt schreibt er diesen auf und sagt dass wir das hinbekommen. Wie toll , ich freue mich. 

Nach den Gesprächen durfte ich nach Hause. 
Nun habe ich nochmal eine Woche zum durchatmen daheim. 

Erstaunlich finde ich mich selber gerade. Während mein Umfeld in Panik versinkt, bin ich die Ruhe selber. Es ist wie es ist, und wir müssen das Beste darauf machen. Natürlich finde ich das alles nicht lustig, und natürlich habe ich auch mal schwache Momente, aber dennoch habe ich den festen Glauben dass sie mir helfen können. Ich habe noch unendlich viele Ziele im Leben, und Träume und Wünsche, und an die klammere ich mich gerade sehr und will sie noch erreichen. Der Arzt sagte mir ohne OP bleiben mir nicht mal mehr 10 Jahre, mit OP kann ich unter Umständen aber noch recht ein paar Jahre schaffen.

Also Augen zu und durch und hoffen und auf schöne Dinge freuen. 
Und irgendwie wäre es ja auch echt blöde wenn der Blog nach so kurzer Zeit schon wieder unbeschrieben bleiben würde ;) 

Donnerstag, 5. Juli 2018

Büsschen bekloppt ist man ja !

Der Befund liegt uns vor. 6 g Gewebezeugs haben sie entnommen. 6 g sage ich zu dem Liebsten, ist ja nicht so wild und nur ne minimale Menge.
Doch sagt er, 6 g sind eine Menge und definitiv nicht wenig.

Und was mache ich heute ? Stehe an meiner Küchenwaage und schaufel 6 g feinstes Gelee Katzenfutter darauf. Ohhhhhh ...ist ja doch nicht so arg wenig.
Mit der Waage in der Hand laufe ich zu dem Liebsten um ihm das zu zeigen.
Er schaut mich etwas irritiert an und sagt
"Das musstest Du jetzt unbedingt wissen oder ? Nen büsschen bekloppt biste ja"
Vielleicht hat er Recht. 
Ach was solls ;) 


Bekloppt ist auch meine Cousine die mich heute morgen in aller Herrgottsfrühe mit dem Telefon aus dem Bett klingelt. Sie hat gestern mit meinen Eltern telefoniert, und mein Paps hat "gepetzt".
Und weil sie das alles so unfassbar fucking mistig findet hat sie sich kurzerhand ihren Mann geschnappt und nun sind die beiden auf dem Weg in den Norden. Damit wir uns morgen mal ein paar Stunden sehen können. 700 KM einfach mal so für ein Hallo und ein Kaffeetrinken. Aber sie muss morgen Abend schon wieder gen Heimat fahren. 
Echt bekloppt - aber echt lieb - und ich freue mich sehr auf morgen ;) 


Bekloppt die Reaktion meiner "Schwiegermutter". Meine Schwägerin hat gestern mir ihr telefoniert und ihr von meiner Diagnose erzählt. Ihre Antwort "um mich kümmert sich auch keiner".
Ich weiß schon warum wir in diesem Leben NIEMALS Freunde werden. Schon bei meinem Herzinfarkt reagierte sie recht unmenschlich mit einem "Na und". 
Pühhhhhhhh man gut das ihre Söhne so ganz und gar nicht nach ihr kommen. Unfassbar bekloppt ! Sorry....meine Meinung.


Bekloppt heute auch mein Verhalten. (abgesehen von der Katzenfutterwiegeaktion ;))  Manchmal falle ich unbewusst in alte Muster zurück und ärgere mich hinterher ganz arg darüber. So auch heute. Ich hatte einen Termin beim Big Boss. Gratulation zum 10 jährigen Jubiläum. 10 Jahre arbeite ich schon in dem Irrenhaus. Da verdient man sich schon mal eine Urkunde und einen Blumenstrauß und einen kleinen finanziellen Bonus  ;) 
Nachdem wir das Schöne abgearbeitet haben, kommen wir zum weniger schönen Teil. 
Ich sage ihm dass ich ihm das eigentlich nicht sagen müsste, aber es fair finde wenn er sich darauf vorbereiten kann dass ich nun eine Weile ausfallen werde. Ich erzähle ihm von meiner Krebsdiagnose, verheimliche aber dennoch welches Garding dieser kleine Scheisser hat.  Er muss ja nicht alles wissen !
Er fragt ob ich irgendwie einen Magneten in der Tasche hab - anders lässt sich das nicht erklären dass ich immer solche Katastrophen anziehe. 
Er wünscht mir alles Gute und ich solle gesund werden und mir keine Sorgen wegen meinem Job machen. Er würde sich aber freuen wenn ich mich ab und an mal melde.
Und dann kommt DAS worüber ich mich seitdem schon den ganzen Tag ärgere:
Ich entschuldige mich dafür dass ich krank geworden bin, fühle mich schuldig  weil sie nun wieder meinetwegen Personalmangel haben.
Noch in seiner Gegenwart möchte ich mich gerne selber dafür ohrfeigen wollen. 
Wieso in aller Welt entschuldige ich mich denn ? Echt bekloppt !!! 

Es kann nur besser werden ;) 

Mittwoch, 4. Juli 2018

Caro , eine Freundin über Umwege.


Gestern war ein guter Tag. Der Liebste und ich wuseln im Garten umher. Endlich haben wir gemeinsam mal wieder etwas geschafft. Bisher musste er ja meist immer alleine ran. Da ich mich noch von der letzten OP erholen muss durfte ich nur die kleinen Dinge erledigen, aber immerhin. Ein kleines Hochgefühl für mich.

Nachdem wir einfach keine Lust mehr hatten ließen wir alles stehen und liegen und fuhren ans Meer.
Ich bin ja kein Fan von Covermusik, aber was diese Band gestern im Nachbarort lieferte, war genial und ließen meine Füße im Takt wippen, während ich dabei entspannt im Strandstuhl saß und leckere Scampi frisch vom Grill in Knoblauchsoße futterte. 
Mit einem frisch gezapften Bier in der Hand,  ließ ich meinen Tag recht gelassen und verträumt zum Sonnenuntergang ausklingen. Herrlich !

Heute morgen kam Caro zum Frühstück. Seit der endgültigen Diagnose haben wir uns nicht mehr gesehen, und sie fällt mir erst einmal um den Hals ...und wollte weinen. Mit einem "Du heulst jetzt nicht - ich mache es auch nicht" bringe ich sie aber schnell wieder zurück zur Normalität. 

Caro und ich....das ist so eine Freundschaft über Umwege. Eine von der Sorte "Anfangs konnte ich Dich überhaupt nicht leiden" Und tatsächlich sind das meist im Nachhinein die besten Freundschaften. So auch unsere. Wir lernten uns auf der Arbeit kennen. Für mich war sie einfach nur irgendwie komisch, verklemmt und unfreundlich. Heute weiß ich dass es ihr eigenes persönliches Schutzschild ist. Erst mal Abstand. Da ticken wir recht ähnlich. 
Über die Monate hinweg bestand unser gegenseitiger Wortschatz eigentlich nur aus Moin, Tschüss und: wie musste Du morgen arbeiten ? Mehr nicht. Warum auch...wir mochten uns beide ja nicht sonderlich. 
Dann kam der Tag an dem sie einen schlimmen Unfall hatte. Sie stürzte daheim die Treppe herunter und saß beinahe ein Jahr lang im Rollstuhl. In diesem kam sie irgendwann mal auf der Arbeit angetuckert, und da gerade wenig zu tun war, hatte ich einen Moment Zeit. Und ich sprach sie einfach an. Und wir schnackten und schnackten. Was mir damals einen ordentlichen Rüffel von der Chefin einbrachte weil ich schlichtweg die Zeit vergaß. Tja nu....kann ja mal passieren.
Jedenfalls schnackten wir immer öfter miteinander und fanden eine Menge Gemeinsamkeiten und guten Gesprächsstoff.

Irgendwann im Sommer darauf waren der Liebste und ich unterwegs mit den Rädern und fuhren bei ihr daheim am Haus vorbei. Ich überlegte ob wir uns spontan auf einen Kaffee einladen sollten, ließ es aber dann doch bleiben. Dies erzählte ich ihr ein paar Tage später und ihre Reaktion werde ich nie vergessen. 
Sie war ehrlich sichtlich enttäuscht und sagte mir sie würde sich so sehr über Besuch freuen. Seit sie dort wohnt sei keiner mehr gekommen, da sie sehr weit außerhalb wohnt und sie keine wirklichen Freunde hat. Danach nahm sie mich in den Arm und sagte :
"Bitte komm doch einfach mal vorbei. Ich habe nicht viel, und lebe in keinem Palast, aber Kaffee habe ich immer im Haus" 
Und so kam es dass ich diese Einladung annahm und es sollte fortan nicht nur bei diesem Treffen geblieben sein.
Wir haben viele Höhen und Tiefen durchlebt, haben uns gefetzt, vertragen, haben zusammen geweint, gelacht, und egal was war, wir haben zusammengehalten. 

Heute ist sie eine der wichtigsten Personen in meinem Leben. Mit ihr kann ich lachen, weinen, nochmal Kind sein. Sie gehört zu den Menschen die mir auch mal ehrlich direkt ins Gesicht sagt 
"Ey Du - das war aber jetzt mal so richtig blöd von Dir".
Dafür liebe ich sie ! 

Und ich liebe sie für das was sie mir heute nach unserem Frühstück schickte :

Man sieht ihre Trauer in ihren Augen & diesen Schmerz wenn sie lacht. 
Doch sie hat das Kämpferherz einer Löwin 
und weiß das sie es schafft.



Was bisher in meinem Leben geschah, sie hat nie aufgehört an mich zu glauben, und ist nun auch jetzt für mich da. Sie ist das was man eine echte Freundin nennt.

Dienstag, 3. Juli 2018

Tage zählen

Soeben kam der Anruf meines Urologen.
Am 13.Juli geht es weiter !
Dann habe ich den Termin der Klinik zur Besprechung der weiteren Vorgehensweise. Dass die Blase raus muss weiß ich nun schon. Aber anhand des pathologischen Befundes wird dann eben noch besprochen ob und wie eine Ersatzblase möglich ist, ob eine Chemo notwendig ist...ach und halt all so ein Mistkram mit dem ich mich nie, nie, nie beschäftigen wollte. !

Das heißt mir bleiben noch 10 Tage zum Luftholen !

Und ich habe gerade nur einen festen Vorsatz:
10 Tage stark bleiben und Dinge tun die mir Spaß bringen.

Eis essen gehen, bummeln, ausschlafen, die Füße ins Meer stecken, mit Caro frühstücken, Abende mit dem Liebsten in der Sonne genießen....

Schöne Augenblicke für schwere Zeiten sammeln !!!

10 Tage die ich zu meinen Lieblingstagen machen werde !

Sonntag, 1. Juli 2018

Blogidee



Als ich diesen Blog eröffnete , dachte ich, eines Tages, nach der traurigen Durststrecke, werde ich wieder schöne Geschichten schreiben können.

Ich sitze gerade hier , schreibe einen Post und denke mir:

"Hey...eines Tages sitzt Du wieder hier, nach einer traurigen Durststrecke wirst Du wieder schöne Geschichten schreiben können."

Ich bin zurück....mit neuem Kampfgeist, stärker denn je !
Ich werde nicht zulassen dass der kleine Scheißer mich klein bekommt !


Solange ich atme - werde ich kämpfen !


Freitag, 1. Juni 2018

Jubiläum - es fühlt sich gut an !

Vor 10 Jahren sah meine Welt noch ganz anders aus.
Nachdem der Liebste und ich uns entschieden hatten zusammen zu ziehen, musste dringend ein neuer Job her.
Als bis dahin allein erziehende Mutter arbeitete ich nur vormittags an einer Grundschule und konnte mich Mittags immer meinem Kind widmen. Leider war dies nur ein 1 Euro Job, aber immerhin besser als nichts und besser als nur daheim herum zu sitzen.
Ich liebte diesen Job, die Kleinen mit denen ich arbeiten durfte und auch die Lehrer an dieser Schule.
Selbst das frühe Aufstehen und 8 Stunden arbeiten machte mir nichts aus.
Fast möchte ich behaupten das es die beste Arbeitsstelle überhaupt war. Leider sparte die Stadt aber, und sämtliche Bemühungen meinerseits und auch der Direktorin mich dort fest unterzubringen verliefen im Sand. Selbst nachdem ich weggezogen bin und längst einen Job besaß, schickte ich alle paar Monate mal eine Bewerbung an die Stadt, so sehr fehlte mir diese Arbeitsstelle.

Aber mit dem Umzug wurde mir klar dass ich auch eine neue Arbeitsstelle brauchte. Diesmal sollte es aber kein 1 Euro Job mehr sein, sondern schon nach Möglichkeit eine Festanstellung mit einem wenigstens halbwegs vernünftigen Gehalt und einigermaßen annehmbaren Arbeitszeiten.
So kam es dass ich tagelang die gelben Seiten durchblätterte und 50 Blindbewerbungen an diverse Firmen meines neuen zukünftigen Wohnortes schickte. Tagelang telefonierte ich mir die Finger wund, und nichts tat sich. Mir war aber absolut wichtig dass ich nur dann umziehe wenn unsere finanzielle Zukunft einigermaßen gesichert sei.
Kurz bevor ich schon fast die Hoffnung aufgegeben hatte klingelte eines Tages mein Telefon.

"Wir möchten Sie gerne zu einem Vorstellungsgespräch einladen"
"Ja gleich morgen ? Morgen passt gut, kommen Sie um 12:00 Uhr "

Gesagt getan....am nächsten Tag hatte ich hypernervös das Vorstellungsgespräch und eine Woche später eine Arbeitsstelle. Mit festem Arbeitsvertrag und einem zukünftigem sicheren Gehalt welches sogar meine Vorstellung übertraf.

Und wir haben es gut gerockt. Während den ersten beiden Arbeitswochen bewerkstelligten wir noch nebenbei unseren Umzug. Da der Liebste viel arbeiten musste, fuhren Sohnemann und ich hin und her und schleppten Kisten, renovierten und sortierten uns neu.
Es war keine einfache Zeit, denn seit der Trennung vom Kindesvater war es für uns beide nicht leicht. Aber Sohnemann und ich waren ein Team und haben immer zusammen gehalten, und was mir ganz wichtig war: er war nie alleine. Ich ging vormittags arbeiten und mittags verbrachten wir gemeinsam. Genauso hatten wir immer die Wochenenden gemeinsam. Dies änderte sich dann plötzlich von einem Tag auf den anderen.
Als ich meinen neuen Job anfing wollte ich weiterhin vorerst gerne nur vormittags arbeiten, da wir hier keine Freunde oder Familie hatten und Sohnemann zudem auch eine neue Schule besuchen würde. Mein Arbeitgeber sah das aber recht familienunfreundlich.
"Entweder arbeiten Sie so wie wir das wollen, oder gar nicht".
So kam es dass mein sonst so wohl behütetes Kind von jetzt auf gleich zum Schlüsselkind wurde.

Nach den anfänglichen Sorgen und andauernden Ermahnungen:

"Steh bitte pünktlich auf"
"Der Herd bleibt bitte aus solange ich zur Arbeit bin"
"Lass keine fremden Menschen ins Haus"
"Bitte lass den Hund heute Mittag in den Garten und hole ihn auch wieder rein"
"Bitte iss anständig"
"Bitte trink genug"
"Legst Du Dich bitte schon ins Bett, ich schau dann bei Dir rein wenn ich von der Arbeit komme"
"Oh ich kann nicht zum Elternabend, ich habe Spätschicht"
"Nein zum Vogelschiessen habe ich leider kein frei bekommen"
"Nein Samstag können wir nichts unternehmen, Spätschicht"
"Muttertag haben wir verkaufsoffenen Sonntag- also kein gemeinsames Frühstück"
"Deinen Geburtstag müssen wir nachfeiern, ich arbeite an dem Tag bis 21:00 Uhr"
"Nein in den Ferien habe ich keinen Urlaub"

Ach es gibt so unendlich viele Dinge die für uns neu und neu zu lernen waren, und trotzdem haben wir es gerockt, sind eine Einheit geblieben und heute schaue ich stolz zurück und bin stolz auf meinen Sohn und auch ein wenig auf mich.
Am Meisten aber doch auf meinen Sohn denn er musste viel entbehren und trotzdem ist aus ihm ein anständiger, fleißiger und großartiger junger Mann geworden !

Blut, Schweiß und Tränen und trotz aller Widrigkeiten, Hürden und Entbehrungen bin ich heute auf den Tag 10 Jahre in diesem Unternehmen !

Geschafft : Ein weiterer Meilenstein.

Mittwoch, 23. Mai 2018

Neues aus der Anstalt... Teil I

Da bekomme ich eine Whats App :
"Wieso bloggt das Deichkind nicht mehr ?"  Alles ok ?

Ich bin einigermaßen perplex...dachte ich doch nicht daran dass sich irgendwer diesen Psychokram hier freiwillig antun mag.
Wie dem auch sei...natürlich freue ich mich auch darüber und tatsächlich motiviert es mich mal wieder ein bisschen zu bloggen.

Wie gerne würde ich mal etwas erfreuliches bloggen, vielleicht hat mich das auch ein wenig gehemmt überhaupt etwas zu schreiben. Aber was soll ich erfreuliches Posten wenn momentan fast nichts erfreuliches passiert ?

Die letzten Wochen verläuft das Leben wie eine Achterbahn. Immer wieder mit diversen Hochs und Tiefs. Nichts beständiges und doch so aufwühlend, kräfte zerrend und entmutigend.
Ich gehe wieder Vollzeit arbeiten. Wobei dieses Wort VOLL wirklich ins Schwarze trifft. Es vergeht nicht ein Tag an dem ich nicht zwischen 2-4 Überstunden schiebe. Ich bin wieder voll im Modus...und auch das mühsam erlernte Nein sagen ist mir wieder abhanden gekommen.

Angefangen hat alles als ich nach meiner Wiedereingliederung Urlaub bekam. Resturlaub aus 2017. Mitten im Urlaub bekomme ich einen Anruf von meinem damaligen Chef
"Ich mag es Dir gar nicht sagen, aber Dir steht kein Urlaub mehr zu. Die Gesetzeslage sagt, wenn Du aus dem Krankenstand kommst und im Vorjahr aber noch so und so viel Urlaub genommen hast dann verfällt der Rest."
Kurze Pause....ein betretenes Schweigen von beiden Seiten.
"Du müsstest leider dann JETZT arbeiten kommen"
Eine andere Wahl habe ich nicht, also füge ich mich und rocke mal eben in drei Arbeitstagen meine Stunden die ich sonst in einer ganzen Woche machen müsste.

Nach diesen drei knallharten Tagen habe ich dann aber tatsächlich zwei Wochen Urlaub. Regulären Urlaub den ich für dieses Jahr eingereicht habe. Am letzten Arbeitstag fliegen die Arbeitsklamotten in die Ecke und ich beschließe einfach mal nicht mehr an diesen Laden zu denken.
Einfach mal ausruhen, abschalten und vielleicht endlich mal wieder Dinge tun die Spaß machen und mir gut tun.

Aber es kommt alles ganz anders. Ein wenig Verschnaufpause ist uns einfach nicht gegönnt. Während der Liebste leider noch drei Tage arbeiten muss, eh auch er endlich Urlaub hat, mache ich mich Sonntags an den Garten. Spaten rausgekramt - Garten umgebuddelt, Blümchen eingekauft und neu gepflanzt, Büsche und Bäumchen gestutzt. All dies erledige ich Sonntags während der Liebste zur Spätschicht ist und ich ganz in Ruhe schalten und walten kann. Nach getaner Arbeit freue ich mich endlich mal wieder etwas geschafft zu haben was mir Freude bereitet, was man sehen kann, und was sich einfach gut anfühlt weil unser Garten die letzten Jahre Krankheitsbedingt wie ein Trümmerfeld aussah. Und nun ist er wieder schick.

Montagmorgen folgt das dicke Echo.
Zuerst muss ich den Termin bei meiner Psychologin absagen.
"Wenn Sie so kurzfristig absagen dann müssen Sie mir ein Artest bringen oder aber 50 Euro Ausfall zahlen."
Krankschreiben lassen will ich mich nicht ! Bin ich doch gerade erst wieder gesund geschrieben !
Nach diesem Telefonat bin ich dennoch auf dem Weg zum Hausarzt.
Dachte ich anfangs noch an eine fette Blasenentzündung, so finde ich mich eine Stunden später mit einer Soforteinweiung in der Notaufnahme unseres Krankenhauses Station Urologie wieder.
Der Arzt und auch die Schwester schütteln betroffen den Kopf, den da kann man keine Probe mehr nehmen von dem Material. 
Makrohämaturie. Aber richtig ausgeprägt....es läuft...eben leider NICHTS mehr !
Noch ein Ultraschall und dann eine Noteinweisung in das nächste Krankenhaus da dieses mich wegen Aufnahme stop nicht behandeln kann.
Der Arzt schaut mich an und fragt mich ob ich wirklich alles mitnehmen muss ?
Das Ultraschallbild ist nicht angenehm...die Blase ist randvoll mit Blutgerinnsel und wohl ausgelöst durch die schwere körperliche Arbeit am Vortag und meinen Herzmedikamenten.
Er setzt einen der Blutverdünner sofort ab und  überweist mich also zur Urologie des nächsten Krankenhauses mit dem Vermerk Not OP unter Vollnarkose.
Noch am selben Tag soll ich operiert werden.

Und das ist der Punkt wo meine Dämme brechen und ich anfange zu Heulen. Denn das geht gerade so absolut gar nicht. Wir haben einen wichtigen Termin in dem es um ALLES geht. Der DARF einfach nicht platzen. Ich rede mit Händen und Füßen auf ihn ein, erkläre ihm die Sachlage und schließlich gibt er mir grünes Licht. Auf eigene Verantwortung darf ich heim und am nächsten Tag nach unserem Termin in die andere Klinik fahren. Allerdings musste ich ihm versprechen bei Schmerzen oder Fieber SOFORT zur Klinik zu fahren.
Wie betäubt fahren wir heim, der Liebste fährt noch eben zum Hausarzt und lässt sich für die letzten beiden Arbeitstage krankschreiben damit ich nicht alleine daheim bin.
Daheim angekommen verbringe ich den restlichen Tag auf der Couch, schaue unsinnige Serien und in meinem Kopf hämmert es. Ich hoffe das irgendwie alles nur ein dummer Zufall ist und am nächsten Tag alles wieder gut sein wird.
Dem ist leider nicht so.

Am nächsten Tag haben wir unseren wichtigen Termin. Alles klappt , so wie wir es uns gewünscht haben, und theoretisch könnten wir uns riesig darüber freuen, wenn wir nicht wüssten das im Kofferraum die gepackte Tasche für die Klinik liegt.
In der Klinik angekommen höre ich diverse Aussagen von anderen Patienten die schon 4 Stunden und länger auf Ärzte warten. Bei mir geht es merkwürdiger weise ganz schnell , nach nicht mal einer Stunde liege ich im Untersuchungszimmer. Die Vollnarkose und der Eingriff bleiben mir erspart da sich ein Teil der Makrohämaturie von selber gelöst hat. Er sieht somit keine dringende Notwendigkeit dass ich in der Klinik bleiben muss.
Aber dann schaut er sich nochmal genau das Röntgenbild an und meint er sehe da etwas , was da so nicht hingehöre. Und meine ganze Symptomatik deute auf  etwas sehr Ernstes hin. Ich mag das Wort nicht schreiben ...dieses widerliche , angst einflößende Wort welches nun die ganze Zeit schon in der Luft hängt (genau wie wir).
Mit den Worten:
"Eigentlich sind Sie zu jung für so etwas, aber das waren Sie für einen Herzinfarkt ja auch" entlässt er mich wieder nach Hause und gibt mir den dringenden Rat mich umgehend an einen Urologen vor Ort zu wenden. Sollte es doch zu Komplikationen kommen muss ich mich umgehend wieder bei ihm melden. Danke fürs Gespräch....das wäre der letzte Arzt gewesen den ich hätte nochmal wiedersehen wollen !
Die nächsten Stunden vergehen irgendwie wie in Watte gepackt....nichts mehr erscheint mir real, und alles wirkt so unwirklich und unwahr. Wir wollten doch nur ein bisschen gemeinsam unbeschwert Urlaub genießen und nun haben wir schon wieder neue Sorgen an den Backen ! WARUM ?

Eine Woche später bin ich dann beim Urologen in der Nachbarstadt. Ein sehr netter Mensch, freundlich kompetent. Er hört sich alles an, ließt sich das Schreiben vom Krankenhaus durch und macht ein Ultraschallbild. Innerlich bete ich dass sich in dieser einen Woche einiges verändert hat und bitte alles nur zum Guten. Tatsächlich sind alle Blutgerinnsel verschwunden und trotzdem ist da etwas was da nicht hingehört. Er sagt es nicht einfach nur so, er zeigt es mir auch auf dem Ultraschallbild. Nicht wirklich groß aber deutlich sichtbar und an einem Ort an dem es nichts zu suchen hat.
Er versucht mich zu beruhigen und zählt mir die günstigsten Fälle auf die es bedeuten könnten.
Mit einem freundlichen Lächeln und einem festen Händedruck überreicht er mir einen Zettel für drei weitere wichtige Untersuchungen mit dem Vermerk "bitte dringend". Mit diesem Schreiben soll ich einen Termin ausmachen bei seinen Vorzimmerdamen.

Dieses "bitte dringend" findet dann am 05.06 statt !!! Cliffhanger ! Danke auch !

Das Warten macht mich fast irre. Daheim rede ich nicht viel darüber aber wenn ich alleine bin kreisen die Gedanken und dieses - was ist wenn - kommt einfach nicht zum Schweigen.

Durch den Blutverlust sind auch meine Blutwerte arg ins Wanken gekommen. Bei der Blutkontrolle bei meiner Hausärztin kam dann zum Vorschein das meine Eisenwerte ziemlich mies sind. Da sie sicher gehen wollte ob es ok sei dass nun einfach so von jetzt auf gleich der Blutverdünner abgesetzt wurde hält sie kurz Rücksprache mit meinem behandelnden Kardiologen. Der macht sie darauf aufmerksam dass auch der Sättigungsverhalten des Sauerstoffs im Blut untersucht werden muss und andere diverse Blutwerte. Und siehe da....da sind noch ein paar Werte die nun kontinuierlich untersucht werden müssen. Zudem bekomme ich eine ordentlich Ladung Antibiotikum die mich dann ein paar Tage später auf der Arbeit erst mal richtig ausknockt.


....to be continued...

Donnerstag, 1. Februar 2018

Verhaltenstherapie



Sie hat ein freundliches Lächeln als sie mich aus dem Wartezimmer abholt.
Jung ist sie. Bestimmt 10-15 Jahre jünger als ich.
Aber sehr sympathisch auf den ersten Blick.

"Wie geht es Ihnen"

Gute Frage...ich bin sehr nervös und angespannt. Auch der Druck in meiner Brust wird immer mehr.
Nun sitze ich also bei ihr, von einer Therapie gleich zur Anderen. Ein blödes Gefühl.

"Frau H. aus der Tagesklinik hat mir schon ein wenig von Ihnen berichtet, aber ich würde gerne mehr und intensiver von Ihnen erfahren. Sind sie damit einverstanden ?

Ich nicke stumm.

"Erst einmal stelle ich mich vor damit Sie einen kleinen Eindruck von mir bekommen"

Was sie von sich erzählt klingt nett und wir müssen teilweise sogar ein bisschen lachen. Sie ist genau wie ich vor einigen Jahren zugezogen und fühlt sich aber auch schon als echtes Nordlicht.

Und dann stellt sie ihre Fragen. Einige kann ich ganz leicht beantworten, bei anderen hingegen stammle ich meine Antwort.
Fest hatte ich mir vorgenommen nicht zu Heulen. Das halte ich auch fast eine halbe Stunde durch.
Als sie mir sagt dass ich keinen Grund habe mich zu schämen und ich wirklich schon ein beachtliches Päckchen mit mir herum geschleppt habe die letzten Jahre, brechen endgültig alle Dämme und jede mühsam unterdrückte Träne findet doch noch ihren Weg nach draußen.

Der Druck auf meiner Brust lässt ein wenig nach.
Sie bespricht noch einige organisatorische Dinge mit mir. Arzt, Krankenkasse etc. Was eben wichtig ist. Dann gibt sie mir einen neuen Termin. Nächste Woche. Wieder Donnerstag. Wieder zur selben Uhrzeit.
Wir plaudern noch ganz kurz und ich bin verwirrt und traurig. Traurig dass es überhaupt soweit gekommen ist.
WIE kam es überhaupt soweit.? Wieso komme ich alleine nicht mehr klar ?
Dies alles gilt es heraus zu finden. Es wird kein leichter Weg. Sie möchte eine Verhaltenstherapie mit mir machen.


"Verhaltenstherapie"
Die Verhaltenstherapie geht davon aus , dass psychische Beschwerden das Ergebnis von bewussten und nicht-bewussten Lernprozessen sind. Zu Beginn der Behandlung wird gemeinsam mit dem Patienten erarbeitet , welche Bedingungen seiner Lebensgeschichte und seiner aktuellen Lebenssituation zur Entstehung und Aufrechterhaltung der Psychischen Symptomatik beigetragen haben und weiter wirksam sind. Auf dieser Grundlage  werden gemeinsame Therapieziele und der Behandlungsplan festgelegt. In der Verhaltenstherapie wird der Patient zur aktiven Veränderung seines Handeln, Denkens und Fühlens motiviert und angeleitet. Dabei werden die bereits vorhandenen Stärken und Fähigkeiten herausgearbeitet und für den Veränderungsprozess nutzbar gemacht. 


Habe ich noch Stärken und Fähigkeiten ? Dessen bin ich mir gerade nimmer so sicher. Freilich , ich kann sehr gut schnacken und Ratschläge geben, nur für mich finde ich aktuell keinen Weg.

Als wir uns verabschieden bin ich ziemlich erledigt und müde. Nutzt aber alles nichts, ich habe mich mit meiner Schwägerin zum Essen verabredet. Wir suchen uns ein kleines uriges Cafe und bestellen uns was Leichtes zu essen. Schön ist es hier, ich fühl mich gerade sehr wohl. Bis der Laden voller wird. Wieder bin ich die Erste die um die Rechnung bittet, damit wir alsbald gehen können.
Das frustriert mich irgendwie.
Trotzdem bummeln wir danach noch kurz durch die Stadt, kaufen uns gemeinsam jeder eine hübsche Bluse und schauen noch schnell im Dampfer Shop rein.
Danach verabschieden wir uns herzlich, mein Neffe wartet auf sie, und ich laufe zum Bahnhof. Ich freue mich auf Zuhause. Mein Zufluchtsort. Da wo ich die Tür schließen kann und für mich bin.

Der Liebste ruft noch kurz von der Arbeit aus an. Ich erzähle ihm in kurzen Worten von meinem Termin. Er sagt er findet es gut dass es weitergeht und ich diesen Weg gegangen bin. Ich muss lernen mehr für mich zu tun, mehr auf mich zu achten, und mich weniger mit den Problemen der anderen zu beschäftigen. Das sagt sich so leicht...irgendwie ist mir das alles abhanden gekommen.

Ich muss nachdenken...viel nachdenken !
Musik an....Welt aus das geht momentan am besten bei dieser Musik.



Samstag, 27. Januar 2018

Eine gute Woche

Die restliche Woche verlief durchaus zufriedenstellend.
Ich konnte soweit alle Termine abarbeiten.

Donnerstag früh rief meine Physiotante an um promt den ersten Termin abzusagen. Umpf. Das war allerdings ein unschöner Punkt..also kaufe ich mir noch ein paar Wärmepflaster um meine Schmerzen zu lindern.
Kurz drauf rief die Psychologin zurück. Schon nächste Woche habe ich einen Termin bei ihr !
Was mich tatsächlich sehr freut. Denn in unserer Ecke ist es SEHR schwer schnell an Termine zu kommen ! Umso besser der Zustand dass es fast nahtlos weitergehen wird. Ihr Fragebogen zur Aufnahme erschlägt mich fast. 8 Seiten die ich ausfüllen muss. Vom kleinsten Detail bis zur Kindheit zurück.
Ich habe es lange verdrängt, nun kommen da plötzlich wieder Dinge hoch über die ich gar nimmer nachdenken wollte. Aber vielleicht ist es auch ganz gut einfach mal alles gründlich abzuarbeiten um wieder einen klaren Grund zu sehen.
Immerhin habe ich schon mal mit Ausfüllen angefangen 1/3 sind erledigt und ich danach auch. Und ich krabbel ohne groß darüber nachzudenken einfach nochmal 2 Stunden zu Bett. Na und...

Nachmittags habe ich es hinbekommen weiter zu "entrümpeln".
Sehr schön...wie ein Schritt weiter auf dem Weg zur Ordnung im Leben.

Freitag...Wochenendeinkauf. Ich treffe eine Bekannte der ich sehr lange Zeit aus dem Weg ging. Sie lud mich auf einen Kaffee ein und ich nahm an. So saßen wir eine Stunde und plauderten einfach mal über Gott und die Welt und es war tatsächlich irgendwie erholsam.

Dann fahre ich noch schnell in meiner Firma vorbei. Eigentlich erwartet man dass ich wieder zur Arbeit antrete. Alles was ich rausbekomme :"Das entscheidet mein Arzt" Ich will mich nicht erklären müssen und keine Fragen beantworten. Ich kaufe noch ein paar ungesunde Dinge und werde promt gefragt ob ich das überhaupt noch essen darf. Boah ey...geht mir doch nicht alle auf die Nerven ! Ja...darf ich und atmen darf ich sogar auch noch !! Manche Menschen sind so sensibel wie Elefanten im Porzellanladen. ich beschließe mich dort weiterhin erst mal nicht mehr blicken zu lassen ! 

Mittags kam ich heim, gönne mir noch einen Kaffee und lunger vor dem PC herum. Nun hat es die nächste in meinem Bekanntenkreis erwischt. Herzinfarkt. Nichtraucherin, immer gesund ernährt, Sport getrieben und gerade 51. Hallo ? Die Einschläge kommen immer näher.
Wir schreiben ein bisschen hin und her, und trotzdem lasse ich es nicht ZU sehr an mich ran. Muss selber erst einmal mit mir klar kommen lernen.

Gegen Spätnachmittag telefoniere ich mit meiner Schwägerin. Sie hat vor Kurzem ihren Mann (also meinen Schwager) an eine heimtückische Krankheit verloren. Wir standen als Familie bis zum letzten Moment an seinem Sterbebett. Hinterher haben wir uns gegenseitig Halt gegeben, Seitdem sind wir noch enger zusammen gewachsen und kämpfen gerade gegen den Rest der verlogenen Verwandtschaft. Wir tauschen uns lange aus und schaffen es dass wir uns lachend am Telefon verabschieden.

Gegend Abend kommen wieder die Worte meiner Psychologen der Tagesklinik in mir hoch.
"Machen Sie etwas für sich, tun Sie Dinge die IHNEN gut tun."
Also widme ich mich mal wieder meiner Festplatte und finde eine Menge schöner Fotos. Seit Wochen habe ich mein liebstes Hobby sträflich vernachlässigt. Ich beschließe mich selber zu motivieren, unterstützt von meinem Mann, habe ich mir nun auferlegt jeden Tag ein Foto auf meine Fotoseite zu posten. Kaum habe ich das erste Foto gepostet , erreichen mich viele positive Zuschriften. Das macht mir Mut und gibt mir eine bisschen neue Hoffnung das ich auf dem Weg zur Normalität bin. Dieses "Hochgefühl" hält eine Weile an. Ich schließe Facebook und gehe tatsächlich mal zufrieden zu Bett.

Heute morgen habe ich mich mit einer Kollegin zum Frühstück getroffen. Sie ist nicht nur Kollegin sondern auch beste Freundin. Sie stellt keine Fragen, sie fordert nichts von mir, ich darf einfach sein wie ich bin. Sie hat es ohne Murren hingenommen dass wir uns nun wochenlang nicht sahen. Und entgegen meiner sonstigen Angewohnheit mich möglichst schnell wieder zu verdrücken, sitze ich ganze fünf Stunden bei ihr die wie im Flug vergingen. Und fühle mich wohl wie schon länger nicht mehr.

Mit diesem guten Gefühl fahre ich heim, bringe meinem Schatz noch ein paar Brötchen mit, schnacke mit ihm und verbringe den Tag in einer recht angenehmen Stimmung. Poste ein weiteres Foto, schließe mich wieder einer Fotogruppe an, lackiere meine Nägel und färbe meine Haare neu. Es fühlt sich gut an...und ich bin voller Hoffnung dass diese guten Momente nun immer mehr werden. Ich weiß im Moment nie was der nächste Tag bringt, wie es mir geht. Ich weiß nicht einmal wie es in einer Stunde sein wird, aber die Hoffnung auf ein wieder normales Leben bleibt fest in mir verankert.

Depression ist keine Charakterschwäche 
und auch keine Art, 
wie jemand ist. 
Es ist auch keine Erziehungssache, 
es ist keine Verstimmung, 
keine Launigkeit, 
keine Zickigkeit, 
es ist kein ‚Nicht-wollen‘, 
kein ’sich verschließen‘, 
keine Trotzigkeit, 
es ist kein ‚ist mir doch egal‘, 
sondern es ist eine Krankheit. 
"Klaas Heufer Umlauf"