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Samstag, 25. Mai 2019

Ausgebrannt und Stillstand

Im Moment fliegt mir irgendwie alles um die Ohren. 
Vom Himmel hoch jauchzend zu Heulen ohne Grund. Das geht aktuell von Null auf Hundert.

Der letzte Termin bei meinem Urologen und das Verhalten meiner Mitmenschen haben mich aus der Bahn geworden. Meine einstige Stärke hat große Risse bekommen... Irgendwo fehlt ein Stützpfeiler in meinem mühsam aufgebauten Konstrukt aus Lachen und Hoffnung und Leben. Mein Selbstschutz wackelt.

Diese scheiß Panikattaken sind meine nächtlichen Begleiter. Am Tage bekomme ich sie in den Griff, aber nachts sind die Dämonen da. Ich schrecke auf, das Herz bubbert wie wild, ich bin schweißgebadet, geschlafen und doch  nur hundemüde, schleppe ich mich durch die Tage. Allgemein habe ich momentan ein extremes Bedürfnis nach Schlaf. Manchmal fallen mir im Sitzen beim Fernsehn, Lesen oder Autofahren die Augen zu. Einfach so. Tückisch. Irgendwie bekomme ich nichts auf die Reihe und alles was ich anfange breche ich meistens mittendrin ab. 

Der letzte Termin beim Urologen hat die Sache noch verschärft. Er hat sich nur das letzte CT  vom März angeschaut, den Tumormarker will er nicht bestimmen, ebenso möchte er auch kein Blut abzapfen, außer seinem üblich schnell mal die Nieren schallen passiert nichts weiter. Stattdessen greift er zum Hörer, ruft in der Radiologie an und bittet um einen zeitnahen Termin für ein weites CT. Meine Lymphknoten sind auffällig geschwollen. In der linken Leiste ist er um über einen cm größer als vorher. Meine Beine sind manchmal trotz Kompressionsstrümpfe unbeweglich und doppelt so dick wie einst. Mein Allgemeinbefinden ist ziemlich grenzwertig, ich bin dauer müde und schlapp, nimmer leistungsfähig, schnell erschöpft und habe Schmerzen.
Mit einem "Dann hoffen wir mal dass sich nichts Neues gebildet hat" entlässt er mich.
Am 04.06 Nachmittags ist der neue CT Termin...
mir geht der Allerwerteste sowas von auf Grundeis :( 
Blanke Angst, was ist wenn, ich stehe dass nicht nochmal durch. Ich pack das nimmer... ich will das nimmer !

Kurz darauf treffe ich eine alte Bekannte. Sie beschwert sich dass ich mich ja nie melde, wir wollten doch längst mal gemeinsam Kaffee trinken. Ach und auf der Arbeit sei ich ja auch nicht, meine Kollegen hätten ihr gesagt dass ich krank sei. 
Sie macht sich aber nicht die Mühe mal nachzufragen was denn los ist, stattdessen erzählt sie 20 Minuten von ihrer bösen Erkältung, die der Familie, und dem ach so gefährlichen Kratzer ihrer Katze auf dem Arm. Ja mensch... höchst gefährlich und wenn ich das nicht verstehe, wer denn dann ?
Nach dieser ganzen Arie des bösen Lebens kommt sie doch mal auf die Idee mich zu fragen was mir mit los ist. Leider kann ich es mir nicht verkneifen ein wenig sarkastisch zu reagieren:
"Och danke eigentlich soweit gut, ich habe nur ein bisschen Krebs, aber wollen wir nicht bei einem Kaffee weiterplaudern ?" Idealerweise stehen wir gerade neben einem Cafe. 
Was dann folgt kenne ich zur Genüge:
Ein Blick auf die Uhr, und weg ist sie. Einkaufen und Mittagessen vorbereiten für die Familie. 
Ich möchte ihr noch hinterher rufen dass es aber nicht ansteckend ist, lass es dann aber bleiben und stattdessen mache ich mich schweigend vom Acker und daheim muss ich erst mal Heulen. Heulen, Heulen und noch mehr Heulen. 
Ich bin so wütend, so verletzt, irgendwie angeschossen ! Ich bin doch nicht aussätzig ! 
Aber diese Reaktion kenne ich mittlerweile leider doch zur Genüge.
Meine Therapeutin sagt, die Dame kam wohl mit meinem Sarkasmus nicht klar. Ich allerdings glaube viel eher dass es an diesem bösen Wort KREBS lag. Das schreckt die Menschen ab. Es ist ja nicht das erste Mal dass ich so etwas erlebe. 

Nein, mir geht es im Moment nicht gut. ich trete auf der Stelle. Komme nicht nach vorne, hänge irgendwo in mir fest. 
Alles was bleibt ist die Hoffnung das es zumindest ein Stillstand gibt. Das meine körperlichen Einschränkungen nicht weiter zunehmen, das mein Inneres wieder zur Ruhe kommt. Das mein CT gut ausfällt. Das die Angst wieder verschwindet. Das Menschen mich irgendwann mal so nehmen wie ich bin. 

ich bin ausgebrannt ... 

Mittwoch, 15. Mai 2019

Wartezeit 2-3 Jahre !


Da rufe ich eben bei einem Schmerztherapeuten an um einen Termin zu vereinbaren. 
Dass ich unter Umständen vielleicht eine längere Wartezeit haben werde, bin ich auch schon von vielen anderen Praxen gewohnt ! Dieses innerhalb von 4 Wochen muss der Arzt Ihnen einen Termin gewähren zählt ja eigentlich nur auf dem Papier.


Als die nette Dame mir am Telefon aber mitteilt dass ich dann auf die Warteliste komme, werde ich stutzig. 2-3 sagt sie. Ich sage Monate ? Erscheint mir ja noch relativ normal. 
2-3 JAHRE ! Erwidert diese. Unfassbar !!! Ich bin sprachlos... ! Und WÜTEND !
Dank einem guten Tip werde ich nun versuchen das Ganze ein wenig zu beschleunigen. Aber da haut es mich wirklich von den Socken. 

2-3 Jahre. ! 

Sonntag, 24. Februar 2019

So oder so ähnlich könnte ich noch absagen.


Sehr geehrte Damen und Herren ,

leider kann ich morgen nicht den vereinbarten Aufnahmetermin für die Reha einhalten. 

Der Grund ist ein ganz Wichtiger:
Sitzstreik. !
Meine Plüschpopos haben meine Koffer besetzt und können es nicht ertragen dass ihr (ich) Dosenöffner SCHON wieder wochenlang unterwegs ist. 
Schauen Sie sich die wehleidigen Blicke der Plüschpopos an...die sagen alles ! 

Sowas nennt sich "höhere Gewalt" und ist somit ein legitimer Grund für eine Absage.

Ich hoffe auf Ihre Verständnis.


https://deichkindsreallife.blogspot.com/

Ergebene Grüße
Frau Deichkind 


Samstag, 23. Februar 2019

Glücklich

Habt ihr dieses laute Poltern gestern zur Mittagszeit gehört ?
Das waren die vielen, vielen Kilos an Steine die mir von der Seele plumpsten.
Mein erstes Nachsorge CT. Anderthalb Liter später und schon grün im Gesicht, stecken sie mir die Nadel in den Arm. Zu dem schon getrunkenen Kontrastmittel gibt es das Zeugs zusätzlich auch noch intravenös.

Rein in die Röhre, ein paar Mal Luft anhalten, ausatmen, einatmen, fertig. Kurz in der Umkleide warten, nochmal rein in die Röhre. Die ganze Prozedur dauert gerade mal 15 Minuten insgesamt, ist aber entscheidend für ein ganzes Leben.
Das Gedankenkarusell nimmt Fahrt auf...mir ist hundeelend. Nervöses Wippen mit den Füßen, Finger verknoten, Schweißausbrüche. Nicht fähig ein vernünftiges Wort mit dem Liebsten zu schnacken, während wie eine gefühlte Ewigkeit auf den Arzt warten. 

Aber dann:

"Entspannen Sie sich Frau Deichkind. 
Es gibt keine Neubildungen, sie sind krebsfrei."

Nur ein paar kurze Worte, die aber so unglaublich viel bedeuten. Danke liebes Universum. 
Und nun werde ich entspannt meine restlichen Sachen packen und übermorgen zur Reha antreten. ;) 

Die letzten Wochen waren anstrengend - es wird Zeit den Kopf wieder frei zu bekommen.

Sonntag, 17. Februar 2019

Süchtig

Ich leide im Moment unter akutem Schlafmangel. 
Geschuldet einer genialen Netflixserie. 
Noch ein paar Folgen mehr, 
und ich kann selber perfekt mit Pfeil und Bogen umgehen ;)



Freitag, 15. Februar 2019

Zeitraffer

Das ewige Pupertier hat endlich eine richtige Arbeitsstelle mit anständigem Gehalt gefunden. Hat ja auch nur schlapp 2,5 Jahre gedauert ;) 
Der Anwalt macht uns allerdings nicht viel Hoffnung dass er seinen Lohn aus seinem letzten Minijob wirklich erhält. Nun ist er gerade mit dem Liebsten auf dem Weg zum Arbeitsgericht um Klage einzureichen. Zumindest soll sein Ex-Chef wissen dass man so nicht mit Menschen umgeht. 
Immerhin steht dieser nun ganz alleine im Laden, denn alle bisherigen Angestellten haben die Arbeit hin geschmissen und warten vergeblich auf ihre Löhne. 

Die beste Freundin eröffnet mir vorgestern am Telefon dass sie sich verlobt hat und heiraten wird. Ich schwanke zwischen Beileid wünschen und Freude. Sie scheint aber wirklich endlich glücklich zu sein, also gratuliere ich ihr.

Als die Dame vom MDK die Tür hinter sich schloss hatten der Liebste und ich kein gutes Gefühl. Um so erfreuter sind wir nun über das tatsächliche Ergebnis. Pflegestufe II. Zwar erstmal befristet bis November, dennoch völlig akzeptabel. 

Freundlichkeit ist nicht jedem gegeben. Irgendwann ziehe ich die Vorzimmertrulla vom Urologen durchs Telefon. Ein Blick in die Rezessionen im Netz zeigt mir allerdings dass die Damen generell so mies drauf sind. Aufregen lohnt also nicht, und an mir selber scheint es zum Glück dann auch nicht zu liegen. Blödmannsgehilfen die. 

Montags ist Psychologentag. Meine Psychologin ist wirklich super nett und freundlich. Allerdings stellt sie mir ziemlich oft Fragen die mich erst mal gehörig aus der Bahn werfen und mich eine Weile grübeln lassen. Längst verdrängte Themen kommen wieder zum Vorschein. Und mehr als einmal möchte ich einfach aufstehen und gehen. Aber Weglaufen ist keine Option, irgendwann muss man sich wohl einigen Dingen im Leben mal stellen. Das wird noch ein steiniger Weg werden.

Der Blick auf meine Waage verheißt nichts Gutes. Was ich im Krankenhaus schnell und einfach abgenommen habe hat der Jojo Effekt nun vollends zugeschlagen. Mein altes Gewicht, plus ein paar Kilos mehr habe ich wieder erreicht. Das frustet mich. Da ich momentan keinerlei Sport machen kann, versuche ich es nun über die Ernährung zu reduzieren. Viel Rohkost, keine oder kaum Kohlenhydrate, und auch meinen Zuckerkonsum habe ich stark eingeschränkt. Ich bin überrascht wie lecker und gut man dennoch essen kann. 
10 Kilo habe ich mir in den nächsten 4 Monaten zum Ziel gesetzt. Das erscheint mir realistisch und erreichbar ;) 

Am 25. geht es zur Reha. Mittlerweile ist Kofferpacken schon Routine bei mir geworden. 
Ich freue mich auf eine kleine "Auszeit", denn die vergangenen Wochen waren stressig und vollgepackt mit diversen Terminen, Arztbesuchen, Ämter usw. Nächste Woche wird es nochmals stressig. Labor, endlich mal die längst überfällige Krebsnachsorge in Form von CT, Arzttermine....sag mal einer krank geschrieben sei Erholung. Davon merke ich gerade nichts. 
Umso mehr freue ich mich auf die Reha. Kein Termindruck, keine Telefonate, kein Papierkrieg. Einfach nur mal raus aus all dem Stress und ein wenig Abschalten. 
Göttlich ;) 

Montag, 4. Februar 2019

Heute ist Weltkrebstag.



Was mich veranlasst ein paar Worte zu schreiben.
Früher hab ich diesen Tag (wenn überhaupt) mal kurz durch ein Bildchen wahr genommen, weiter gescrollt, nicht mehr drüber nachgedacht. So geht es vermutlich vielen von uns. 

Heute sehe ich es anders. Hätte mir letztes Jahr zu dieser Zeit jemand gesagt dass ich mich damit selber intensiv auseinander setzen muss, hätte ich ihm vermutlich den Vogel gezeigt. Krebs ? Das bekommen doch immer nur die anderen, die Alten, die eh schon angeschlagenen. Nein ! Krebs kann jeden treffen. Egal wie gesund er lebt, egal ob er Alkohol , Zigaretten und weitere Schadstoffe meidet, egal ob jung oder alt. Krebs kennt kein Alter ! Krebs ist ein heimtückisches Schwein, ein Monster, die unsichtbare Angst, etwas dass das Leben der Betroffenen und Angehörigen verändert. 
Heute denke ich sensibler über dieses Thema nach, verstehe die Sorgen und Ängste, kenne die Schmerzen, und weiß dass das Leben nach solch einer Erkrankung nicht mehr das ist welches man vorher lebte. Durch den Krebs verändert sich alles. Durch den Krebs verändert sich auch der Mensch selber. 
Man fühlt sensibler, man wird leiser, man wird dankbarer. 

Dankbar für die vielen kleinen Glücksmomente die es im Leben noch gibt.
Dankbar dafür morgens aufwachen zu dürfen.
Dankbar für ein gemütliches Zuhause.
Dankbar für den Sonnenschein.
Dankbar für den Regen.
Dankbar für ein Lächeln von anderen.
Dankbar für ein freundliches Wort.
Dankbar für viele Dinge die anderen selbstverständlich erscheinen.
Dankbar für die Menschen die um einen sind, die unsere Tränen auffangen, die Hand halten, die Ängste mit einem teilen, die diesen schweren Weg mit einem gehen !

Ich habe meinem bisher größten Feind in meinem Leben die Stirn geboten und nicht aufgegeben. Und ich werde weiter kämpfen, jeden Tag, jeden Moment, jede Sekunde. 

Ich bin dankbar für jeden der mich dabei unterstützt. 

Ich wünsche jedem der kämpfen muss, oder einen Angehörigen hat der kämpft, die nötige Kraft und die richtigen Menschen an ihrer Seite. Denn nur gemeinsam im Verbund und mit der Liebe unserer Mitmenschen sind wir stark !

Sonntag, 3. Februar 2019

Pupertät ist ... wenn die Eltern schwierig werden.

Vor zwei Jahren zog das ewige Pupertier aus, einfach so. 
Er hatte ein Jahr zuvor seine Schule beendet. Hat bisher einen sehr guten Hauptschulabschluss und anschließend einen guten Realschulabschluss hingelegt und machte einfach nichts daraus. 

Nachdem er zur Bundeswehr wollte, aber durch den Eignungstest fiel, gammelte er bock los von früh bis spät vorm PC umher und kümmerte sich nicht mal ansatzweise um seinen weiteren Werdegang. Aber nachts im Brüllmodus mit Headset das Haus beim Team Speak wachhalten. Wagte ich mich zu meckern, denn schließlich musste unsereins oftmals um vier Uhr aufstehen und brauchte Schlaf, dann wurde er auch noch ungehalten. Knipste ich das WLAN aus, brannte die Hütte. Verbal. 
Unser Verhältnis zueinander wurde zunehmend angespannter und er zog sich zurück, so wie ich mich freute wenn er denn unterwegs war. Wir gingen uns aus dem Weg. 
Lediglich anhand der schmutzigen Wäsche und des schmutzigen Geschirrs was er mir in die Küche stellte, oder anhand seines nächtlichen Gebrülls, konnte ich dann noch sehen wann er mal daheim war. 

Irgendwann platze mir die Hutschnur und ich verdonnerte ihn zumindest zum Arbeiten daheim. Ich kam mir vor wie seine Putzfrau und das ging mir mächtig auf den Keks. Über Wochen schaute ich mir dann an wie sich davon nichts erledigte. Nach einiger Zeit teilte ich ihm freundlich und bestimmt mit dass er ausziehen muss wenn er sich nicht langsam mal um eine Arbeit bemühe oder zumindest daheim mitziehe, denn immerhin gingen wir arbeiten während er den Tag vertrödelte. 
Keine halbe Stunde später setzte er das um. Rief seinen Kumpel an, packte seinen Kram und zog aus.
Wie Mütter dann so sind, schrieb ich ihm gelegentlich eine Mail und fragte wie es ihm gehe. Schließlich zog er ja mit Nichts aus. Kein Geld, keine eigenen Möbel, eben nur ein paar Klamotten, sein PC und Fernseher. 
Er schrieb mir dann er käme klar und suche sich nun einen Aushilfsjob. Mein Mutterherz blutete. Guter Schulabschluss und Aushilfsjob. Finde den Fehler. Aber er war volljährig und musste seine eigenen Erfahrungen machen und seine eigenen Wege gehen. 
Schließlich fand er einen Langzeitpraktikumsplatz auf 450 Euro Basis in einer Fahrzeuglackierung.
Der Job machte ihm richtig Spaß und da er sich dort gut einbrachte, bot der Chef ihm einen Ausbildungsplatz an. Das er für das wenige Geld von Montags bis Freitags 7:00 bis 17:00 arbeiten musste störte ihn nicht, denn er liebte diesen Beruf. 
Unser Kontakt wurde wieder deutlich besser, gelegentlich kam er auch mal heim, oder wir holten ihn ab und verbrachten mit ihm und seiner Flamme ein schönes Wochenende. 
Nach einigen Monaten begannen die Probleme. Er bekam mehrfach beidseitige Sehnenscheidenentzündung vom Schleifen und war beim dritten Mal dann auch krank geschrieben. Keinen Monat nachdem er wieder arbeiten ging, ging das Drama von vorne los. Wieder beidseitig, wieder Krankschreibung. Sein Chef bot ihm dann an er könne doch keine Ausbildung machen aber sollte dafür weiter das Langzeitpraktikum machen. Wieder von Montags bis Freitags Vollzeit. Da haben wir dann einen Riegel vorgeschoben und ihm gesagt dass er sich nicht ausnutzen lassen muss. Er arbeitete an manchen Tagen länger als die anderen Angestellten, bekam aber ja nicht mal die Hälfte von dem Geld was die anderen verdienten. Zudem schaffte er es ja auch gesundheitlich nicht.
Da es auch mit der Wohnungssuche nicht klappte und er nicht ewig bei seinem Kumpel wohnen konnte, kam er also letztes Jahr im August nach einem Jahr wieder zu uns heim.
Unter der Prämisse dass er sich umgehend um Arbeit bemühe. 

Die Wochen vergingen....es passierte nichts. Inzwischen hatten wir wieder den selben Stand wie vor seinem Auszug. Streit und Stress weil er sich einfach nicht bewegte. Keine Bewerbungen, bis mittags schlafen, die Nächte durch zocken...mir platzte abermals die Hutschnur, denn ich hatte einfach keine Kraft für Machtkämpfe dieser Art. 
Ich setzte ihm eine Frist. Entweder hätte er bis zum 15. Oktober eine Arbeit oder ich helfe ihm beim Kofferpacken und er könne zu seinem Vater nach Hessen ziehen. (Ich hätte ihn nie raus geschmissen, aber den Druck brauchte er leider).
Die Zeit lief, genau genommen hatte er 13 Tage, und er suchte halbherzig nach einem Job. 
"Finde nichts"
"Liegt mir nicht"
"Muss ich früh aufstehen"
"zahlen zu schlecht"
All solche Ausreden...meine Halsschlagader drohte mit jedem Tag mehr zu platzen.
Realschule und gammelt umher. Geht gar nicht !
Am 15. besagten Monats teilte er mir dann mit dass er abends zum Probearbeiten gehe. 
Zwar 5 vor 12 aber scheinbar noch die Kuh vom Eis gerettet.

Tatsächlich klappte es, und er bekam den Job. Zwar wieder nur auf 450 Euro aber immerhin wenigstens ein wenig Bewegung in dem ewigen Pupertier. 
Bei der ersten Gehaltszahlung seines neuen Jobs hätten wir schon stutzig werden müssen. Das Gehalt kam eine Woche später als laut Arbeitsvertrag vereinbart, zudem fehlten rund 100 Euro und es gab keine Lohnabrechnung. Keine Stundenaufstellung, nichts. Bar auf die Hand obwohl bargeldlos vereinbart ist im Vertrag.
Das zweite und dritte Gehalt gab es dann leider gar nicht . Trotzdem ging er weiter arbeiten bis letzte Woche. 
Seit letzter Woche stehen er und seine anderen beiden Kollegen alle zwei Tage beim Chef um ihre ausstehenden Gehälter einzufordern. Nichts passiert. Der Chef kann angeblich nicht zahlen, hat sich aber nun ganz frisch ein neues Auto gekauft. Ach ne... !!! Ar*** ! 
Ich stöberte vorletzte Woche bei Facebook in unserer Heimatgruppe und finde durch Zufall eine Anzeige dass für den Laden in dem das Pupertier nun arbeitet, ein neuer Pächter gesucht wird. Ich vermute mal ganz stark dass sein Chef wohl auch die Pacht nicht gezahlt hat ? Angeblich weiß er nichts davon dass der Inhaber neue Pächter sucht. 

So werden wir wohl oder übel nun einen Anwalt bemühen müssen. Montag geht das Pupertier nochmals zu seinem Chef, gibt es dann immer noch kein Geld werden wir es einklagen bevor der Chef sich aus dem Staub gemacht hat.

Immerhin hat dies alles jetzt bewirkt dass gerade so richtig Leben in das ewige Pupertier kommt. Zwei Monate ohne Geld und mit Freundin, lässt ihn zur Höchstform auflaufen. Er schreibt jeden Tag Bewerbungen, läuft zu Betrieben und telefoniert wie ein Weltmeister. Bisher hat er nun zwei wackelige Zusagen als Aushilfsarbeiter mit Aussicht zum Beginn der Ausbildung im Sommer.  
Ich bin gespannt und hoffe er bekommt eine der Stellen eh sein Tatendrang wieder verpufft. 

Mittwoch, 30. Januar 2019

Langeweile

Es gibt einfach nichts Neues.
ich schleppe mich durch die Tage. Mal besser mal schlechter.
Oxycordon und Tramadol sind meine stetigen Begleiter , genauso wie die blöden Schmerzen. Aber die Tabletten machen müde und schlapp und so bestehen meine Tage aus Ruhe halten, fernsehen, lesen und viel schlafen.

Morgen kommt die Dame vom MDK. Pflegestufe mussten wir beantragen, denn was vorher schon schlecht ging, geht nun noch schlechter. In meine Strümpfe und Schuhe komme ich nun gar nimmer alleine rein, geschweige denn Fußpflege. In all diesen Dingen brauche ich nun Hilfe. Vorher ging es wenigstens noch an guten Tagen, dank dem neuen Bandscheibenvorfall geht nun gar nichts mehr.
Ich hadere aber nimmer damit, denn es ist eben so wie es ist, und ändern kann ich es auch durch Meckern auch nicht. 

Warum dieses blöde Implantat gebrochen ist kann oder will mir keiner sagen. Wir könnten über Anwälte versuchen sowohl eine Auskunft als auch Schmerzensgeld zu verlangen, aber ich habe keine Lust und Nerven auf ewig langen Streit und Stress und Herausreden.
Die Tatsache dass mich dieses Ding fast in den Rollstuhl gebracht hat finde ich allerdings schon schockierend. Aber nun ist eben eben kaputt, ich kann dennoch auf beiden Beinen laufen und ich kann zukünftig nur hoffen das es an der Stelle nicht nochmal zu Vorfall kommt, ansonsten wird der Rücken versteift. So die Aussage der Ärzte im Krankenhaus. Shit happens. 

Immerhin, mein Rehaantrag ist durch und mein Wunsch wurde erfüllt. Ich darf in meine Wunschklinik und die ist nur 40 KM von daheim entfernt. Heimspiel ;)

Ziemlich langweilig wa ?
Ich sehne mich nach den Tagen an denen ich wieder mehr unterwegs kann, an denen wieder ein bisschen mehr Leben einkehrt. Aber diesmal braucht eben leider alles seine Zeit. 

Mittwoch, 2. Januar 2019

Erfolgreich ?

Wir werden sehen. ;)

Heute morgen Jahres TÜV beim Dok...schauen ob ich weiter Infusionen brauche oder dieser Dreck mir endlich erspart bleibt. Zumindest das EKG sieht nach den neuen Medikamenten besser aus als die bisherigen. Fortschritt. Freude. Den Rest erfahre ich erst Dienstag. Geduld ist jetzt nicht so meine Stärke...bis Dienstag ist noch so lang hin...

Weiter zur Rentenversicherung. Meine sozialmedizinische Prognose besagt dass ich es nicht schaffe mehr als 3 Stunden am Tag leichter körperlicher Arbeit nachgehen zu können. Mein Körper sagt das auch...also werden wir nun nach etlichen Überlegungen doch den Rat der Ärzte befolgen und die Erwerbsminderungsrente beantragen. Leider stand ich vor verschlossenen Türen...nächste Woche dann nochmal hin.

Dann ging es weiter zur Krankenkasse. Pflegestufe beantragen. Wenn ich ja sonst mit den Herrschaften im Klintsch liege weil ich permanent meinem Krankengeld hinterher laufen muss, so hatte ich heute eine angenehme freundliche Beratung, die auch sofort mit mir die Unterlagen ausfüllte. Unterschrift drunter - nun ist der Stein also ins Rollen gekommen. Fühlte sich im ersten Moment komisch an...ist dann aber halt nun mal so.

Danach noch ins Kaufhaus, Spielwarenabteilung, das Minimonster muss noch sein Weihnachtsgeschenk bekommen. Ich liebe diese Spielwarenabteilungen. Da werde ich selber noch mal zum Kind ;) Nach hier mal schauen, da mal drücken, genervtem Augenrollen des Gatten, haben wir dann auch endlich das Geschenk für den Lütten gefunden.

Weiter geht es noch zu MC Donald. Wenn man es ne Weile nimmer hatte schmeckt es gleich wieder doppelt so gut. 

Danach ab nach Hause, denn ich mache schlapp. 6 Stunden Städtemarathon. Früher easy gerockt, momentan Kräfte zehrend. Meine Beine sind fast auf das Doppelte angeschwollen und mein Rücken meldet sich. Ischias ist ein Ar***l*** !  So liege ich also daheim auf dem Boden wie eine Schildkröte mit Panzerschaden , und die Beine brav hochgelagert. Immerhin, gegen Abend, nach Wärme, Schmerzmittel und Schlaf, werde ich langsam wieder zum Mensch. 

Wenn ich mir meinen Terminplaner für Januar anschaue, wird mir schon im Vorfeld schlecht. Haufenweise Termine und Rennerei. Trotzdem glaube ich dass alles gut wird.

Anders - aber gut. ;) 

Dienstag, 1. Januar 2019

Vorsätze

Und wieder werden fleißig Listen geschrieben, mit neuen Vorsätzen, die am Ende eh meist nicht eingehalten werden ;)

Vergesst all diese guten Vorsätze, genießt das Leben, macht was euch Spaß bringt und gebt jedem Tag die Gelegenheit der schönste eures Lebens zu werden.

In diesem Sinne:

Frohes neues Jahr euch allen, mit viel Gesundheit, Glück und wundervollen Momenten.

Samstag, 22. Dezember 2018

Der letzte Post

in diesem Jahr. ;)

Nächstes Jahr geht es hier weiter. Mit neuen Inhalten, neuen Ideen und ich glaube auch einer Menge neuen Erlebnissen. 
Es ist nun fast amtlich...ich werde in vielen Bereichen ein neues Kapitel aufschlagen müssen.

Meinen bisherigen Job darf ich nicht mehr ausführen. Generell darf ich sehr vieles nimmer machen, die körperliche Einschränkung merke ich in sämtlichen Lebensbereichen. 
Als die sozialmedizinische Einschätzung bei mir ankam war ich im ersten Moment geschockt, verletzt und ich fühlte mich unendlich klein und unbrauchbar. Nun, nach einigen Überlegungen, vielen Gesprächen mit meiner Familie, sehe ich es als neue Chance. Vielleicht kann ich nicht mehr das machen was ich bisher tat, aber vielleicht kann ich nun endlich das tun was mir am meisten Freude bereitet. Mein Hobby zum Beruf machen. Unterstützung dafür habe ich von sämtlichen Seiten. Mal sehen inwieweit sich das körperlich umsetzen lässt. Aufgeben, Rentner durch und durch, ist jedenfalls für mich einfach keine Option. Umstrukturieren und neu planen ohne mich zu überfordern. 

Ich habe eine wundervolle Psychoonkologin gefunden bei der ich meine erste Sitzung hatte. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch, die Nasen passen wie man so schön sagt. Im Januar geht es dann weiter und tatsächlich habe ich den Eindruck dass sie mir gut tun wird. Zumindest bin ich diesmal mit einem guten Gefühl bei ihr aus der Praxis gegangen, die Anmeldebögen unter dem Arm , weil wir uns einig sind das wir das beide gut hinbekommen werden ;) 

Ich gehe ein wenig friedlicher mit mir selber in die Feiertage und ins neue Jahr. Ich habe mich ein wenig befreit. Viele Dinge die mir nicht gut taten habe ich auf die Seite gepackt. Menschen aussortiert die mir und meiner Familie nicht willkommen sind, Behörden und Ämter und meine Krankenkasse zurechtgewiesen wenn sie im Unrecht waren. Jedesmal wurde ich mit Erfolg belohnt. Das hat mich ein wenig gestärkt. 

Ich wünsche euch allen schöne Feiertage. Lasst es euch gut gehen, und macht nur das was euch auch wirklich wichtig ist und was euch glücklich macht. Genießt Familie und Freude, das Beisammensein, das Leben ! 


Bis nächstes Jahr ;) 

Montag, 17. Dezember 2018

Es lohnt sich zu kämpfen

STRIKE !
Mit der vorherigen Einstufung war ich so gar nicht einverstanden. 
Da ich durch die OP erhebliche körperliche Einbußen habe, holte ich meine dennoch gut funktionierenden Ellenbogen raus, schrieb einen Widerspruch und schickte Bilder des OP Bereichs mit. 
Und siehe da :
DAS nenne ich GELUNGEN ;) 




Samstag, 15. Dezember 2018

Karma :D


Dieser wundervolle Moment, in dem alle drei Plüschpopos friedlich vereint, schlafend im Wohnzimmer liegen und ich den Staubsauger anschmeißen darf !
Tja liebe Fellnasen...Karma ist manchmal wirklich nicht nett ☺
Die kleinen Frettchen sind nun alle draußen und ich lege eine wohlverdiente Pause auf der nun frei gewordenen Couch ein☺

Mittwoch, 31. Oktober 2018

Ich beneide Dich um die Ruhe

"Du hast es gut, Du bist über die stressigen Feiertage daheim"
"Ich beneide Dich um die Ruhe"

Nicht selten höre ich diesen Satz und er endet immer bei mir mit einem innerlichen Kopfschütteln.

Ich weiß dass diese Sätze unbedacht ausgesprochen wurden, trotzdem treffen sie mich.
Zu welchem Preis habe ich nun diese Ruhe ? Was glauben meine Mitmenschen was ich hier daheim mache ? Jeden Tag Kaffeekränzchen und das Leben genießen ? Das mir die Sonne aus dem Po scheint und es mir so richtig lustig geht ?

Mir fehlen wichtige Teile meines Körpers. Mein Körper kommt mit dieser plötzlichen Hormonumstellung überhaupt nicht klar. Wechseljahre sind ein Ar*** ! Schmerzen sind ätzend.
Schlaflose Nächte, mehr als 5 / 6 unruhige Stunden pro Nacht sind seit der OP nimmer möglich. Fast jede Nacht habe ich Albträume.
Verwirrende Angst einflößende Träume, aus denen ich schweißgebadet, und manchmal weinend hochschrecke und dankbar bin wenn der Liebste mich mitten in der Nacht kurz in den Arm nimmt. Auch seine Nächste sind durch mich gestört. 
Mitten in der Nacht werde ich wach weil das Stoma drückt und schmerzt oder ich mich wieder einmal beim Umherwälzen in den Schläuchen verheddert habe.
Mitten in der Nacht werde ich wach weil mich Panikattaken im Schlaf überfallen.
Das Herz rast, mir ist schlecht und an Schlaf ist nimmer zu denken.
Ich bin seit der OP dauermüde und unausgeruht.

Und ich falle in alte Muster zurück. Sage Verabredungen kurzfristig ab, gehe nicht ans Telefon, meide Besuche, und mir fallen erfolgreich 1000 Ausreden ein um daheim bleiben zu können. 

Der Liebste sagt "Du musst mehr raus". Ich weiß dass er recht hat, aber ich fühle mich wie gelähmt. Gestern morgen musste ich ohne den Liebsten zum Hausarzt in die eine Stadt und hinterher zur Krankenkasse in die andere Stadt. Na gut, dachte ich bei mir, danach schaue ich danach noch eben in die Innenstadt denn ich brauche noch diverse Dinge für meine Weihnachtsbäckerei. Aber ich schaffe es nicht. !
Auf dem Weg zwischen Hausarzt und Krankenkasse sitze ich im Auto. Das altbekannte Druckgefühl in der Brust macht sich immer stärker breit, ich bin kurz davor den Wagen abzustellen. Mein Herz klopft bis zum Hals, mir ist schlecht und ich fühle mich unsicher. Aber irgendwie schaffe ich es doch noch die restlichen 20 Kilometer zu fahren. Weil ich es muss
Bei der Krankenkasse angekommen erledige ich schnell die zu regelnden Dinge und dann fahre ich sofort wieder heim. Ohne einzukaufen.
Am Frühstückstisch kommen mir kurzzeitig ohne Grund die Tränen. Der Liebste nimmer mich in den Arm, sagt keinen Ton, denn er weiß dass mir dies auch in dem Moment nichts bringt. Trotzdem hilft mir dieser kurze innige Moment. 

Danach ziehe ich meine Jacke an und fahre noch schnell zur Firma. Die AU abgeben. Dort angekommen steht mein sonst recht kühler Kollege in der Tür. Er schaut mich durchdringend an, fragt wie es mir geht, ich nicke nur kurz, zucke mit den Schultern, und dann macht er etwas was er sonst noch NIE getan hat. Er nimmt mich einfach in den Arm. "Ach Kleine...Alles Schei**e stimmts ? " sagt er.... ja...er hat Recht. Ich könnte schon wieder heulen ! Aber ich nehme mich zusammen, gebe ihm den Wisch, bedanke mich und gehe. Fahre heim und lege mich eine Stunde ins Bett, schlafen kann ich aber trotz der Müdigkeit nicht. 
Ich bin emotional und körperlich erledigt.

Den restlichen Tag verbringe ich in der Küche, erledige das Nötigste im Haushalt und liege ansonsten mit den Plüschpopos auf der Couch. 

Seit heute Morgen um 5:00 Uhr bin ich wieder hoch, weil eine weitere schlaflose Nacht hinter mir liegt. Ich bin müde...hundemüde, ich sehne mich nach richtigem, erholsamen Schlaf und einem geregeltem Leben. Ich würde gerne viel lieber wieder arbeiten gehen, mein eigenes Geld verdienen und mit den Mitmenschen lachen und scherzen und kaputt sein weil ich etwas geleistet habe. Ich möchte keine Angst mehr haben, ich hasse meine Panikattaken, und manchmal hasse ich dieses Leben.

Ich bin müde !!!

Samstag, 27. Oktober 2018

Survivor

Ich hab es endlich getan.
Schon seit letztem Jahr ging ich mit einem weiteren Tattoo schwanger...aber es kam einfach nicht dazu. Motiv, Zeit und Gesundheit fehlten halt irgendwie.

Gestern morgen dann die Mail meines Tattoodealers. 
Ob ich spontan Zeit und Lust hätte heute bei ihm zu sitzen es sei ein Termin ausgefallen.
Hatte ich ! Und eine angedeutete Idee hatte ich diesmal auch schon im Kopf.
Bis er mir seinen eigenen Entwurf unter die Nase hielt !

3,5 Stunden später , aber glücklich und mit viel Farbe unter der Haut hab ich nun mein übers Jahr gesparte Sparclubgeld auf den Kopf gehauen. Aber das war es mir wert. I love it ;) 




Survivor ... nichts hätte passender sein können ! 

Donnerstag, 25. Oktober 2018

Urlaubsmodus

Wenn man das so nennen darf.

Den Umständen geschuldet gehe ich aktuell nicht arbeiten. 
Was mir nicht nur Langeweile sondern auch viele schöne Momente beschert.

Wir haben spontan unsere Taschen gepackt, einen verlässlichen Katzensitter für die Plüschpopos organisiert, dem ewigen Pupertier den Kühlschrank und die Gefriertruhe gefüllt, und sind in meine alte Heimat gefahren. Einfach so, ab ins Auto und weg. Tschüss Norden, Willkommen in Hessen.
Von Mama bekochen und von Papa betüddeln lassen. Aber eigentlich nur weil ich so rein gar nichts machen durfte. Immerhin atmen, entspannen, ausruhen und genießen waren erlaubt ;) 

So habe ich es dann auch endlich nach neun langen Jahren geschafft mich mal wieder mit meiner längsten (fast 20 Jahre Freundschaft) und wirklich besten Freundin zu treffen. Unglaublich wie schnell die Zeit ins Land ging, und immer wieder , wenn wir uns vornahmen uns zu treffen, kam von beiden Seiten etwas dazwischen. Neun lange Jahre ! Trotzdem blieb trotz der 700 KM Entfernung unsere enge Verbindung bestehen. Wir telefonierten, schrieben, blödelten vor der Webcam umher und jetzt endlich sahen wir uns wieder. Es war unglaublich schön. 
Für die Zukunft haben wir uns fest vorgenommen uns wenigstens einmal im Jahr zu treffen.

Am Wochenende trafen wir uns dann mit einem befreundeten Ehepaar in Limburg. Domstadt an der Lahn. Bei herrlichstem Wetter ließen wir uns es in diversen Cafes gut gehen. Besichtigten gemeinsam den wundervollen Bau und die malerische Altstadt in Rheinland Pfalz und trennten uns nach etlichen Stunden wieder schweren Herzens voneinander. Für nächstes Jahr haben wir nun allerdings fest eingeplant eine Woche Urlaub in ihrer Region Würzburg zu verbringen. 



Die Tage flogen nur so dahin und trotz diverser kleinen Pannen auf Grund meiner neuen Körpersituation,  konnte ich endlich einfach mal abschalten und mich sehr gut erholen. 

Nun sind wir wieder daheim. Hier wartet massig Behördenkram auf mich. Einsprüche müssen geschrieben werden, Untersuchungen stehen an, irgendwie muss ich mich nun auf lange Sicht gesehen neu finden. Mit dem Entschleunigen klappt gerade nur bedingt.

Irgendwie hab ich schon wieder Reisefieber ...abschalten und Kopf ausstellen. ;)

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Entschleunigt


Sei wie ein Fels,
an dem sich beständigt die Wellen brechen.
Er bleibt stehen,
während sich rings um ihn
die angeschwollenen Gewässer legen.
(Marc Aurel)


Ich bin zurück :) 

Deutlich entschleunigter und doch gestärkter als noch vor ein paar Wochen. 
Eigentlich hatte ich auch den festen Vorsatz euch mit neuen Posts und Fotos zu beglücken...leider spielte da die grottenschlechte und völlig überteuerte W-LAN Verbindung (49 Teuros !) nicht mit. Das Tablett habe ich einmal ausgepackt, und nach dem x-fachten Versuch ins Netz zu kommen, für die restlichen drei Wochen ungenutzt verschwinden lassen. 

Drei Wochen Strand, relativ gute Wetter und leben in einem Schloss. Was meinen Paps dazu veranlasst , mich nun bei jedem Telefonat mit "Hallo Prinzessin" zu begrüßen. Königliche Hoheit wäre auch ok gewesen....aber gut...wir wollen mal nicht kleinlich sein. ;)

Abgesehen von einem super Frühstücks und Abend Buffet , war das Essen ansonsten eben Kantine, die Zimmer klein aber praktisch und schmuck eingerichtet, die Wege im Haus allerdings Olympia verdächtig  lang ! 10 Tsd Schritte pro Tag nur alleine im Haus. ! 

In der ersten Woche hatte ich das Gefühl völlig fehl am Platz zu sein. Egal wie viel Mühe ich mir gab, ich kam einfach nicht an. Die meisten Mahlzeiten schwänzte ich, die meiste Zeit verbrachte ich in meinem Zimmer. Erschreckender Weise bestand der Haufen nämlich auf Ü50 und weit deutlich aufwärts. Irgendwie fühlte es sich für mich falsch an in einer Krebsklinik zu sein. Die erste Woche war mir eigentlich nur nach Weinen, aber Weinen klappte einfach nicht ! 
Das mir angebotene Psychologengespräch lehnte ich ab weil ich dachte es alleine zu schaffen ! Dumm
Am zweiten Tag hatte ich Sporteinweisung. Ich freute mich endlich etwas "Tun" zu können. Hörte sich auch toll an...wurde aber nichts ! Auf Grund meiner Krankheit und vorangegangen Krankheiten durfte ich lediglich 2 Mal die Woche für je 25 Minuten aufs Laufband bei 5 Km/h. Bei meiner ersten Laufrunde versagte ich kläglich und musste nach 14 Minuten schon abbrechen. Ok...nun verstand ich dieses abgespeckte Programm. 
Schwimmen fiel dann leider auch aus, da ich schon wieder Bakterien im Körper hatte. 
Neben dem Laufband kam ich noch zur Hockergruppe und Atemtherapie. Beides leichter aber effektiver Sport. 
Der Rest der Reha bestand aus Entschleunigen, Achtsamkeit, Ernährung und Vorträgen. 

In der zweiten Woche fragte ich kleinlaut bei meinem Arzt ob er mir das angebotene Psychologengespräch doch einrichten könnte. Einen Tag später stand es auf meinem Therapieplan. 
Und es hat mir verdammt gut getan. ! 
Ich muss nicht immer stark sein, 
ich muss nicht immer springen wenn andere es verlangen,
ich muss mehr auf mich selber achten.
Ich darf auch mal Weinen wenn es mir schlecht geht,
ich darf auch mal sagen wenn ich meine Ruhe haben will,
ohne schlechtem Gewissen ! 
Panikattaken lassen sich mit Spaziergängen am Meer bei Wind und Wetter bewältigen.

UND: Ja ich bin stark. Auch wenn ich selber nicht mehr so wirklich an mich glauben wollte ! 

Den Rat meiner Psychologin befolgte ich promt. Ich zog meine Jacke an, lief zur Steilküste, setzte mich auf einen Stein, grübelte, schaute aufs Wasser und heulte das erste Mal seit Wochen wieder ausgiebig und laaaaaange. Und ich hatte das Gefühl alles ausgeheult zu haben was sich wochenlang in mir angestaut hatte. Zum ersten Mal seit Langem hatte ich das Gefühl wieder ein wenig in mir angekommen zu sein.

Seitdem bin ich jeden Tag zum Strand gegangen und aus einem notwendigen Übel wurde immer mehr Spaß. Sogar die Kamera habe ich mitgenommen und 491 Fotos in 2 Wochen geschossen.
Auch zu den anderen Mitpatienten bekam ich so langsam mal einen Draht. 
Ich fing an mich mit mir selber und meiner Krankheit auseinander zu setzen. Negativ sowie auch Positives zu sehen. Und ja auch trotz Krebs gibt es durchaus positive Dinge im Leben.
Negatives wurde verbannt, Facebook für 2 Wochen abgemeldet und auch Telefonate oder Whats App beantwortete ich nur wenn mir danach war. 
Diese Auszeit brauchte ich um die volle Konzentration mal nur auf mich und die Reha zu lenken.
Durch die Vorträge bekamen wir viel nützliches Wissen vermittelt, der Zusammenhalt untereinander wurde stärker und letztlich konnte ich gestern mit einem guten Gefühl heimfahren.

Ich bin noch lange nicht dort angekommen wo ich gerne sein möchte, aber ich bin auf einem guten Weg. Ich habe gelernt dass es Dinge im Leben gibt die wir einfach nicht beeinflussen können, egal wie sehr wir es uns wünschen, aber wir können immer versuchen das Beste aus allem zu machen egal wie schwer es manchmal wird ! 

Es wird einige sehr gravierende Änderungen in meinem Leben geben müssen. Zwangsläufig körperlich bedingt und auch durch die Ärzte angeordnet...aber ich bin jetzt an dem Punkt wo ich sagen kann es wird nicht schlechter sondern eben nur anders. Und vielleicht sogar reizvoller und mit neuen Chancen gespickt. Ich bin gespannt / entspannt ! 

Freitag, 7. September 2018

Zeitraffer II

Donnerstagnachmittag werde ich an Tag 38 also ENDLICH entlassen.

Daheim angekommen fühlt sich alles so anders an. Mit der Wunddrainage im Körper kann ich mich nicht bewegen wie ich gerne möchte. Selbst unser Ehebett ist nun anders. Wir mussten die Bettseiten tauschen da ich mit dem künstlichen Blasenausgang nimmer auf der rechten Seite schlafen kann. Alles so Dinge die uns vorher nicht bewusst waren. Unser Leben / mein Leben ist in einigen Bereichen nun doch anders geworden und ich muss mich erst einmal rein finden. 
Bei den kleinsten Anstrengungen merke ich sofort dass ich völlig konditionslos bin. Zudem bin ich von 0 auf 100 in die Wechseljahre gekommen weil sie mir während der OP nun doch alles entnehmen mussten was Hormone produziert. 
Dieses von 0 auf 100 setzt mir ebenfalls ganz gut zu. In einem Moment habe ich Winter und im nächsten Hochsommer. 

Mein Körpergefühl passt zu meiner mentalen Stimmung. Mal so mal so ! 

Freitags telefoniere ich mit dem Urologen in der Nachbarstadt. Es geht um die Wunddrainage, die muss ja irgendwann mal raus. Zudem brauche ich eine neue Krankmeldung. 
Also nein, Drainage und AU dafür seien sie nicht zuständig , dazu müsse ich zum Hausarzt. 
So mache ich nur fix einen Termin für die Wundkontrolle und danach fährt der Liebste mich zur Hausärztin. Ne, also Wunddrainage ist nicht deren Gebiet, sollte damit was sein muss ich wieder in die Klinik. Ich bin genervt von diesem Hin und Her ! 
Immerhin bekomme ich noch etwas Kochsalzlösung und Spritzen mit und kann somit im Notfall auch selber die Drainage anspülen. Wundverband und Desinfektion für den Verbandwechsel , den muss ich nämlich auch selber machen, auch dafür fühlt sich keiner zuständig. !

Den Rest des Tages sowie das Wochenende verbringe ich auf der Couch, umringt von drei Plüschpopos die mich sehr vermisst haben müssen, so kuschelbedüftig ist die Bande. 

Sonntag lässt mich die Drainage trotz mehrmaligem Anspülen im Stich und bleibt trocken. Da ich aber relativ beschwerdefrei bin, versuche ich erst einmal nicht in Panik zu verfallen. 

Montag soll ich zum Urologen. Wundkontrolle. Alles was ihn interessiert sind lediglich meine Nieren. Die sind aber sauber und arbeiten hervorragend. Freitag soll ich wiederkommen, zur Wunddrainage äußert er sich nicht wirklich. Ich soll halt nochmal den Beutel wechseln und neu anspülen.

Danach bummeln der Liebste und ich durch die Stadt. Alles ganz gemächlich und im Schneckentempo. Ich brauche dringend Sporthosen. Durch den künstlichen Blasenausgang und meine 20 cm Narbe quer durch die Bauchdecke, kann ich mich nun zukünftig von meinen geliebten Jeans verabschieden. Es ist wie es ist. 
Zum Optiker müssen wir auch noch, irgendwie kann ich immer schlechter sehen, und nach dem Sehtest wird uns dann auch schnell klar das ich eine neue Brille brauche. Danach gönnen wir uns noch ein leckeres Kaffeetrinken im Cafe am Marktplatz und dann muss ich heim, ab auf die Couch, ich bin so richtig platt. 

Dienstag befolge ich den Rat meines Urologen. Drainage neu anspritzen. 50 ml Kochsalzlösung. Es fließt in meinen Körper aber nimmer raus. Shit !  2 Stunden später bekomme ich Schmerzen und ach verdammt: Fieber ! Trotzdem bleibe ich erst einmal relativ ruhig. 
Die Nacht aber ist die Hölle, Schmerzen und Fieber und ich habe ein Déjà-vu und ausgeprägte Panikattaken.

Mittwoch lässt es sich nicht mehr aushalten, ich packe meine Notfalltasche und wir fahren in die Klinik. Ich bin relativ schnell dran und werde von dem Arzt behandelt der mich auch mit operierte. Er nimmt sich alle Zeit, macht einen ausführlichen Ultraschall und beruhigt mich: Flüssigkeit kann er keine sehen, er zieht also die Drainage raus, woher die Schmerzen kommen kann er sich aber auch nicht erklären. Wir plaudern ein wenig nebenbei und er fragt wie ich die Tage daheim verbracht habe. Ich erzähle ihm von den Arztbesuchen und dem Stadtbummel. 
Hätte ich man lieber die Klappe gehalten....
Denn dann bekomme ich einen verbalen Einlauf von ihm der sich gewaschen hat.
Ob mir eigentlich bewusst sei wie krank ich wäre, dass ich eine der schlimmsten urologischen Operationen hinter mir hätte die es wohl gibt. Ob mir nicht klar wäre dass ich mich schonen soll / muss. 
Ich bin ein wenig angepickt und reagiere auch dementsprechend leicht gereizt. Wenn die Physio mich im Krankenhaus schon über die Flure scheucht und mich Treppen laufen lässt und mich dazu verdonnert mich viel zu bewegen, dann werde ich ja wohl auch einen kleinen Bummel im Schneckentempo machen dürfen. 
Er ist sichtlich entgeistert und sagt mir wenn er das mitbekommen hätte dann hätte er mir und der Physio die Ohren lang gezogen.
Treppen sind für mich die nächsten Wochen absolut verboten. Kleine leichte Spaziergänge sind erlaubt, aber keine Shoppingtouren mit Treppen laufen und hier und da mal bücken. Viel liegen , wenig sitzen. Ebenso darf ich nicht über allerhöchstens 5 KG heben. (Ups...Der Kater wiegt ja schon 7 KG) Er sagt für mich sind die nächsten Monate Schonung angesagt und ich solle mich darauf einstellen dass es eine Heilphase zwischen 6 - 9 Monate bedarf. Ich habe 30 offene Wundstellen in meinem Unterleib die erst einmal gescheit verheilen müssen. Mein überwiegender Aufenthaltsort soll in der nächsten Zeit die Couch sein. 

"Schalten sie endlich mal runter Frau Deichkind !"
Mit diesen Worten entlässt er mich !

Daheim packe ich mich auf die Couch, Fieber und Schmerzen sind meine Begleiter. Mal mehr mal weniger. Am nächsten Tag wissen wir endlich warum. Die haben auch am Darm operiert und dieser spielt mal wieder Diva und hat sich entzündet. Also Diät und Schmerzmittel. Ich weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll. Trotz allem bin ich doch erleichtert dass es diesmal nicht von der Drainage kam. Freitag hat der Urologe nochmals ein Blutbild gemacht, sämtliche Werte sind wieder einmal durcheinander und keiner so wie er sein soll. Letzten Montag erneute Kontrolle. Die Schmerzen werden aber endlich besser und auch die Diva scheint sich endlich zu beruhigen. 
Kommenden Montag nochmals Ultraschall und Blutkontrolle und am Dienstag fahre ich nun doch zur Reha. 

Um es mit Gaby Kösters Worten zu beschreiben:

"Ein Schnupfen hätte auch gereicht"

Donnerstag, 6. September 2018

Zeitraffer I

Ja ich lebe noch....wenn auch manchmal mit dem Kopf unterm Arm...aber immerhin....LEBEN !

Die letzten Wochen war ich nicht fähig längere Zeit sitzen zu können, und auch jetzt klappt es nur mit einem dicken Kissen unterm Hintern und in einer Sitzposition in der gesunde Menschen morgen spätestens komplizierte Verschlingungen des Darm Traktes und Muskelkater in sämtlichen Bein und Po Regionen hätten ;) 
Aber ich möchte gerne mal wieder ein wenig meines Alltags zurück, dazu gehört für mich auch gemütlich mit einem Kaffee am PC zu sitzen und durchs Internet zu surfen und unsinnige Posts zu posten ;) 

Zeitraffer der letzten Wochen...kurz und bündig...

Die erste Woche:
Man lässt mich anderthalb Tage nach der 8 Stunden OP in Narkose vor mich hin schlafen. Ich bekomme nichts mit - worüber ich auch gar nicht böse bin.
Beim Aufwachen habe ich das Bedürfnis jeden zu töten der mir in mein Blickfeld läuft, denn ich habe diesen verdammten Tubus noch im Hals und jede Menge Panik im Blut. Jetzt weiß ich wie sich Ersticken anfühlen muss ! 2 Minuten später bin ich das Ding zum Glück los. Überall hängen Schläuche und das Piepen der Maschinen macht mich fast verrückt. Immerhin...die Medikamente sind so stark dass ich zwischendurch die lustigsten Dinge  in meinem Kopfkino erlebe und dem Liebsten überzeugt erkläre dass man auf dem Überwachungsmonitor auch Netflix sehen könne. Er soll mir das doch bitte mal einstellen. ... ! 
6 Tage umher liegen, zwischendurch gewaschen werden, irgendwer stellt mir immer mal eine Suppe oder Tee in der Schnabeltasse hin und in hübscher Regelmäßigkeit werden meine Medikamente erneuert. Am dritten Tag versucht man mich zu mobilisieren. Man setzt mich auf einen Toilettenstuhl (andere gab es wohl nicht ?) und ich soll mich ein bisschen bewegen. Füße wackeln und son Gedöns.  Das Letzte was ich mitbekam: So ein Fußboden kann sehr schnell sehr nah kommen...und vier Menschen bedarf es mich wieder mit sämtlichen Kabeln und Schläuchen ins Bett zu befördern. Den Tag über bin ich im Eimer als wäre ich einen Marathon gelaufen. Danach wird es aber von Tag zu Tag besser.


Die zweite Woche:
Man verlegt mich Dienstags auf die Normalstation. "Ach...eigentlich ist die ja schon ganz fit...die kann auch selber ins Bad gehen." Das Letzte was ich mitbekam: So ein Fußboden kann sehr schnell sehr nah kommen. Aber immerhin schaffe ich es diesmal alleine ins Bett. Nach ein paar Tagen wird es besser.


Die dritte Woche:
Man entlässt mich urplötzlich Montagabend. Wacken steht an und man braucht ja schließlich genug Betten für die ganzen Honks , die sich bei 40°C die Birne mit Alk dicht kloppen, und sich dann wundern wenn man umfällt. So entlässt man mich also mit einer Drainage die bis dato täglich 500 ml Wundwasser aus meinem Körper Inneren fördert. 
Donnerstags soll ich wieder einrücken, schließlich müssen die Harnleiterschienen noch gezogen werden. Freitags stellt man fest dass ich eine Flüssigkeit im Bauchraum habe, also fällt das Ziehen aus. Aus der Wunddrainage kam schon seit Montagnacht nichts mehr raus, die Ärzte gingen davon aus dass es dann eben kein Wundwasser mehr gibt. Die Drainage bleibt trotzdem noch drin. Freitagabend schickt man mich abermals nach Hause. Sonntags muss ich wieder einrücken.


Die vierte Woche:
Montag, die ursprünglich gedachte Flüssigkeit im Bauchraum entpuppt sich als Fehlalarm, die erste von zwei Schienen wird nun doch gezogen. Die Wunddrainage ist trocken...da kommt nichts mehr raus, die soll auch am nächsten Tag gezogen werden sollte das alles gut sein, dürfte ich Mittwoch endgültig nach Hause. Ich bin skeptisch ! Mit Recht wie sich rausstellt !
Dienstagmorgen wird die zweite Schiene und die Wunddrainage gezogen. Eine Stunde später liege ich mit zwei Decken dick eingemummelt bei 40°C mit Schüttelfrost im Bett und habe Schmerzen wie ein angeschossenes Schwein. Eine Stunde später sind Außentemperatur und meine Körpertemperatur identisch. 
Röntgen - nichts zu sehen. Man ballert mich mit Medikamente zu. Nichts nutzt. Die Nacht ist die Hölle. Ich habe Schmerzen, weine, verzweifel und hasse die ganze Welt und meinen Körper und dieses beschi*** Schalentier ! 
Am nächsten Tag CT. Und dann kam es knüppeldicke. Die erste Drainage hatte sich verstopft und das Wundwasser sich einen neuen Platz gesucht. Unterhalb der einstigen Drainage hatte sich ein neuer See gebildet der auch noch Pilz belastet war. Eine Sepsis. Herzlichen Glückwunsch auch ! 
Bei vollem Bewusstsein jagt man mir eine neue Drainage in den entzündeten Körper. Wieder einmal habe ich das Bedürfnis alle zu töten die daran beteiligt sind und diese Schlamperei mit verantwortet haben. Ich war von Anfang an skeptisch dass die Drainage von 500 ml täglich plötzlich bei 0 ml sein sollte ! Aber was weiß ich denn schon....
Also wieder neue Medikamente, wieder Antibiotikum, wieder fühle ich mich wie dreimal überfahren. Die restliche Woche dämmere ich nur noch vor mich hin, ich mag nichts mehr essen, nicht telefonieren, keinen außer dem Liebsten sehen.
Meine Blutwerte sind so im Eimer dass man überlegt mich wieder auf die Intensiv zu verlegen ! Aber ich weigere mich ! Bitte nicht nochmal ! Das muss auch so wieder gut werden !
Ich habe schlichtweg einfach keine Lust mehr, mental bin ich absolut am Tiefpunkt. Fi*** Dich doch Schalentier ! Ein Schnupfen hätte auch gereicht !


Die fünfte Woche:
Langsam zeigen auch die Medikamente endlich ihre Wirkung. Ich fange wieder an zu essen und kann mich auch selber wieder bewegen und die Station vorsichtig unsicher machen. Lange Strecken schaffe ich nur mit dem Rolli wenn der Liebste mich schiebt. Mitte der Woche hat sich mein HB Wert aber so verschlechtert dass man überlegt mir Bluttransfusionen zu verabreichen. Begeistert bin ich nicht davon. !
Die Drainage fördert kontinuierlich ihre 200 - 300 ml pro Tag und die restlichen Blutwerte normalisieren sich zum Glück allmählich ! 
90-60-90 sind ja eigentlich die Traummaße einer Frau...es sei denn, es handelt sich dabei um Blutdruck und Puls. ! Aus 90-60-90 werden dann sogar noch 70-50- Ruhepuls120. Irgendwas läuft schief, aber kein Mensch kommt darauf. Somit brauchen wir nicht mal ansatzweise über eine Entlassung nachdenken ! 


Die sechste Woche:
Ich bin so richtig angefressen....eigentlich waren Anfangs 2-3 Wochen angedacht, aber ich verbringe noch immer den Sommer in der Klinik. Der Blutdruck ist tagelang absolut im Keller und mir geht es hundeelend. Der HB Wert ist auf 8 gesunken. 12 wären normal. Die Ärzte sind ratlos und ich gefrustet ! Bis die super nette Krankenschwester mir einen Tip gibt. 
Von jetzt auf gleich schmeiße ich mein Oxycodon in die Ecke. BTM ! 
Und auch auf eigene Faust reduziere ich die anderen zusätzlichen Schmerzmittel. Die Schmerzen halten sich trotzdem im Rahmen und wenn es zu arg wird pfeife ich mir halt auf Bedarf etwas ein. Tag für Tag geht es mir endlich besser. Der HB Wert steigt immerhin bis zum Entlassungstag wieder auf 11 und der Blutdruck kommt langsam aber sicher wieder in die normalen Werte, der Puls wird wieder normal und ich fühle mich fast wieder wie ein Mensch. Ich brauche keinen Rolli mehr und der Kaffee schmeckt auch endlich wieder ! 

An Tag 38 darf ich ENDLICH nach Hause. !
Meine Nerven sind im Eimer, ich fühle mich noch leicht überfahren und meine einstige Stärke ist ein wenig arg geschrumpft. Ich möchte einfach nur heim, wieder gesund werden und mein Leben zurück haben.

Aber gesund sieht anders aus...


to be continued