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Donnerstag, 24. Mai 2018

Neues aus der Anstalt ... Teil II

Nachdem uns der Urlaub gründlich vermasselt wurde durch die gegebenen Umstände, dauernde Arztbesuche etc...machen wir aus dem was davon übrig geblieben ist eben einfach noch das Beste.
Picknick im Freien , Fotofahrten an den Kanal und ans Meer. Doch zum Fotografieren fehlt mir der Antrieb und die Freude. Meinen Vorsatz , nun jeden Tag ein Foto zu posten, den habe ich längst wieder über Bord geschmissen.
So wie viele Dinge.

Auch meine Psychologin habe ich seitdem nicht wieder kontaktiert weil ich mir nicht sicher bin ob sie mir wirklich etwas bringt. Zudem stresst es mich wöchentlich 2 Stunden mit der Bahn hin und 2 Stunden mit der Bahn wieder heim zu fahren. Vier Stunden Zeitaufwand neben all dem anderen Stress für 45 Minuten Sitzung. Der Liebste ist nicht begeistert über diese Entwicklung , versteht mich aber und lässt mich zum Glück selber entscheiden.

Nach meinem Urlaub erwartet mich ein neuer Chef. Zumindest die Zeitplanung wegen Herzsport und Psychologin klappt (wobei Letztere aktuell ja mal ausfällt...aber die Termine hatte ich ja trotzdem schon im Vorfeld dingfest gemacht). Und erstaunlicherweise funktioniert das sogar.
Jung ist mein neuer Chef. Deutlich jünger als ich, aber kompetent und sehr deutlich. Er sagt was er denkt, macht freundliche aber klare Ansagen, ist aber auch offen gegenüber der Meinungen und Wünsche seiner Mitarbeiter.
Das Einzige was er fordert und konsequent durchsetzt ist Teamarbeit und Arbeitswille.
So kommt es also dass ich seit meinem Urlaub jeden Tag zwischen 2 - 4 Überstunden pro Tag mache, oder auch mal kurzerhand ein freier Tag gestrichen ist.
Nach einer Woche bin ich erschlagen und suche entgegen meiner früheren Angewohnheiten ein Gespräch mit ihm. Ich war nie der Mensch der sich auf seinen Wehwechen ausruhte und habe immer mit besten Wissen und Gewissen trotz allem 150% gegeben, aber ich merke dass ich das nicht mehr schaffe. Kurz erkläre ich ihm dass mich die vorangegangen Tage körperlich sehr geschafft haben und ich mir wünschen würde etwas mehr Abwechslung oder auch Spätdienste als Entlastung zu bekommen. Er verspricht mir dass es sich bessert und will am Plan arbeiten.
Die Woche darauf bringt uns das aber alles nichts, wenn es organisatorisch zwar umgesetzt ist, aber die Technik versagt und eine große Inventur ins Haus steht. So beginnt die nächste Woche also wie die vorherige. Frei gestrichen - Überstunden angesagt.
Zeit zum Luftholen habe ich kaum da auch im Privaten etliche Termine anstehen. So stehe ich morgens auf und falle abends tot zu Bett. Tag für Tag.
Freitags merke ich schon eine deutliche Anspannung, innerlich nervös, den ganzen Tag Druck auf der Brust, und einfach nur kaputt.
Die Nacht ist die Hölle. Eine Panikattacke jagt die nächste , und meine Nacht besteht aus Blutdruck messen, Körpersignale checken und Gedanken, Sorgen und Ängste und Armenübungen. Nichts desto trotz finde ich einfach keine Ruhe.
Als mein Wecker um 4:00 Uhr klingelt fühle ich mich körperlich erschlagen, müde und noch immer ängstlich. Trotzdem richte ich mich für die Arbeit, fahre hin und fange an zu arbeiten. Nach eine Stunde bin ich durch. Die schwere körperliche Arbeit, die Signale meines Körpers, alles zusammen verursacht Schmerzen und Übelkeit und dazu immer dieser Druck auf der Brust. Ich bitte meinen Chef Ersatz für mich zu besorgen der mich vielleicht ablösen könnte. Er reagiert sofort und schickt mich umgehend nach Hause. Doch eigentlich will ich das gar nicht, die Feiertage stehen an, ich weiß das wir eh zu wenig Personal sind und ich weiß welch eine Arbeit meine Kollegen zu bewältigen haben. Aber diskutieren mit ihm bringt rein gar nichts, auch als ich vor lauter Scham Tränen bekomme, bleibt er konsequent und schickt mich heim.

Daheim angekommen checke ich meinen Blutdruck....hoppla, der hats in sich. Puls messen, den Tick hatte ich mir abgewöhnt, aber er ist wieder da. Also mehrmals Puls messen, zwischendurch immer mal Blutdruck und versuchen laaaaangsam runter zu fahren. Tee gekocht und "abgewartet" wie sich alles entwickelt. Nach 10 Minuten fährt der Blutdruck runter und auch der Puls kommt wieder etwas zur Ruhe. Lediglich der Druck bleibt, aber er verändert sich bei Bewegung und so komme ich langsam wieder etwas auf dem Boden an. Mit ist speiübel und ich will nur noch ins Bett.
Decke über den Kopf, Gedanken abschalten und wenigstens ein bisschen zur Ruhe kommen.

Weitere 10 Minuten später klingelt mein Telefon. Mein Chef fragt am anderen Ende der Leitung ob ich gut heimgekommen sei und ob jemand bei mir daheim ist.
Ich bin schier perplex denn solch ein fürsorgliches Verhalten eines Vorgesetzten bin ich in den ganzen 10 Jahren nicht gewohnt !

Ich bedanke mich , berichte ihm kurz den aktuellen Stand und mit dem Versprechen dass ich mich absolut schone packe ich mich kurz danach ins Bett. Der Liebste bekommt noch eine Whats App und dann will ich einfach nur noch schlafen und hoffen das es bald vorbei ist. Decke über den Kopf, Gedanken abschalten und wenigstens ein bisschen zur Ruhe kommen.
Ich fühle mich beschämt, schwach und wieder einmal nicht mehr gut genug.
Versagt - Versagt - Versagt !
Bis 14:00 schlafe ich, immer mal mit Unterbrechungen die ich nutze um Blutdruck und Puls zu überprüfen. Beides hat sich aber zwischenzeitlich zu einem Normalwert heruntergefahren , so dass auch die Angst endlich ein bisschen schwindet.

Als der Liebste von der Arbeit kommt ist er erst einmal sauer. Vielleicht war es auch Hilflosigkeit , jedenfalls fährt er sich wieder runter und gibt mir zu verstehen dass ich endlich anfangen muss mehr auf mich zu hören. Das ich auch mal Nein sagen muss wenn wieder Mehrarbeit ansteht, oder eben auch mal nein sagen muss wenn es körperlich zu hart wird. Ich weiß das er Recht hat, es ändert aber nichts an der Tatsache dass dies bei uns im Job einfach nicht möglich ist.
Mit ihm darüber zu diskutieren wäre sinnlos, das ist wie einem Blinden die Farben erklären zu wollen. Kann man machen, bringt aber nicht !
Sein Job, seine Kollegen und Vorgesetzte - da liegen Welten zu meinem Job.

Den restlichen Tag über fühle ich mich miserabel und ausgepumpt. Zudem plagen mich Zweifel ob ich es nicht doch geschafft hätte und Wut auf mich selber versagt zu haben. Ich verziehe mich vor den Fernseher und bin tatsächlich wieder da angekommen wo ich schon einmal war. Aus dem Nichts laufen mir die Tränen und alles was ich mir mühsam erarbeitet habe ist in dieser Nacht und mit diesem Morgen zusammen gebrochen. Ich fühle mich schwach und unbrauchbar !

Am nächsten Tag geht es mir ein klein bisschen besser. Zumindest körperlich. Emotional bin ich noch immer down. Gegen Mittag holen wir unseren Jüngsten ab, er will uns seine neue Freundin vorstellen und wir beschließen mit den Beiden ein wenig ans Meer zu fahren. Süß ist sie , zart und einfach niedlich und ich wünsche mir sehr das unser Kind diesmal mehr Glück hat als bei der vorherigen jungen Dame.
In manchen Momenten muss ich ein wenig schmunzeln über dieses junge Glück. Diese Ausgelassenheit, diese Albernheit zwischendurch, necken und trotz so verliebt und vertraut, es ist eine Freude sie zusammen zu sehen, denn man hat das Gefühl dass es diesmal wirklich passt.

So verbringen wir einen wunderschönen gemeinsamen Nachmittag am Meer, essen Eis, genießen die Sonne, und lassen die Füße im Wasser baumeln, beobachten die Menschen die zur Musik tanzen, all dies ist mal wieder ein bisschen Seelenbalsam für die harten Tage zwischendurch. 

Donnerstag, 1. Februar 2018

Verhaltenstherapie



Sie hat ein freundliches Lächeln als sie mich aus dem Wartezimmer abholt.
Jung ist sie. Bestimmt 10-15 Jahre jünger als ich.
Aber sehr sympathisch auf den ersten Blick.

"Wie geht es Ihnen"

Gute Frage...ich bin sehr nervös und angespannt. Auch der Druck in meiner Brust wird immer mehr.
Nun sitze ich also bei ihr, von einer Therapie gleich zur Anderen. Ein blödes Gefühl.

"Frau H. aus der Tagesklinik hat mir schon ein wenig von Ihnen berichtet, aber ich würde gerne mehr und intensiver von Ihnen erfahren. Sind sie damit einverstanden ?

Ich nicke stumm.

"Erst einmal stelle ich mich vor damit Sie einen kleinen Eindruck von mir bekommen"

Was sie von sich erzählt klingt nett und wir müssen teilweise sogar ein bisschen lachen. Sie ist genau wie ich vor einigen Jahren zugezogen und fühlt sich aber auch schon als echtes Nordlicht.

Und dann stellt sie ihre Fragen. Einige kann ich ganz leicht beantworten, bei anderen hingegen stammle ich meine Antwort.
Fest hatte ich mir vorgenommen nicht zu Heulen. Das halte ich auch fast eine halbe Stunde durch.
Als sie mir sagt dass ich keinen Grund habe mich zu schämen und ich wirklich schon ein beachtliches Päckchen mit mir herum geschleppt habe die letzten Jahre, brechen endgültig alle Dämme und jede mühsam unterdrückte Träne findet doch noch ihren Weg nach draußen.

Der Druck auf meiner Brust lässt ein wenig nach.
Sie bespricht noch einige organisatorische Dinge mit mir. Arzt, Krankenkasse etc. Was eben wichtig ist. Dann gibt sie mir einen neuen Termin. Nächste Woche. Wieder Donnerstag. Wieder zur selben Uhrzeit.
Wir plaudern noch ganz kurz und ich bin verwirrt und traurig. Traurig dass es überhaupt soweit gekommen ist.
WIE kam es überhaupt soweit.? Wieso komme ich alleine nicht mehr klar ?
Dies alles gilt es heraus zu finden. Es wird kein leichter Weg. Sie möchte eine Verhaltenstherapie mit mir machen.


"Verhaltenstherapie"
Die Verhaltenstherapie geht davon aus , dass psychische Beschwerden das Ergebnis von bewussten und nicht-bewussten Lernprozessen sind. Zu Beginn der Behandlung wird gemeinsam mit dem Patienten erarbeitet , welche Bedingungen seiner Lebensgeschichte und seiner aktuellen Lebenssituation zur Entstehung und Aufrechterhaltung der Psychischen Symptomatik beigetragen haben und weiter wirksam sind. Auf dieser Grundlage  werden gemeinsame Therapieziele und der Behandlungsplan festgelegt. In der Verhaltenstherapie wird der Patient zur aktiven Veränderung seines Handeln, Denkens und Fühlens motiviert und angeleitet. Dabei werden die bereits vorhandenen Stärken und Fähigkeiten herausgearbeitet und für den Veränderungsprozess nutzbar gemacht. 


Habe ich noch Stärken und Fähigkeiten ? Dessen bin ich mir gerade nimmer so sicher. Freilich , ich kann sehr gut schnacken und Ratschläge geben, nur für mich finde ich aktuell keinen Weg.

Als wir uns verabschieden bin ich ziemlich erledigt und müde. Nutzt aber alles nichts, ich habe mich mit meiner Schwägerin zum Essen verabredet. Wir suchen uns ein kleines uriges Cafe und bestellen uns was Leichtes zu essen. Schön ist es hier, ich fühl mich gerade sehr wohl. Bis der Laden voller wird. Wieder bin ich die Erste die um die Rechnung bittet, damit wir alsbald gehen können.
Das frustriert mich irgendwie.
Trotzdem bummeln wir danach noch kurz durch die Stadt, kaufen uns gemeinsam jeder eine hübsche Bluse und schauen noch schnell im Dampfer Shop rein.
Danach verabschieden wir uns herzlich, mein Neffe wartet auf sie, und ich laufe zum Bahnhof. Ich freue mich auf Zuhause. Mein Zufluchtsort. Da wo ich die Tür schließen kann und für mich bin.

Der Liebste ruft noch kurz von der Arbeit aus an. Ich erzähle ihm in kurzen Worten von meinem Termin. Er sagt er findet es gut dass es weitergeht und ich diesen Weg gegangen bin. Ich muss lernen mehr für mich zu tun, mehr auf mich zu achten, und mich weniger mit den Problemen der anderen zu beschäftigen. Das sagt sich so leicht...irgendwie ist mir das alles abhanden gekommen.

Ich muss nachdenken...viel nachdenken !
Musik an....Welt aus das geht momentan am besten bei dieser Musik.